Unser neues Landratsamt

VON JAKOB RAUSCH

Über 150 Jahre besitzt Ahrwcilcr als Kreisstadt ein Landratsamt. Da die ersten Landräte durchweg adlige Großgrundbesitzer waren, die in Ahrweiler Adelshöfe besaßen, so waren in diesen zwei Zimmer für das Landratsamt vermietet. Von 1816 bis 1830 war das Landratsamt in dem von Gruben’sche Adelshof vor dem Niedertor. Von 1830 bis 1850 dienten zwei Zimmer im Blankartshof dem Landratsamt. Laiidrat Freiherr von Hövel verlegte 1850 das Landratsamt außerhalb der Stadtmauern in sein Haus Wilhclmstraße 4 in der Nähe des Niedertores. Hier besaß das Landratsamt zunächst drei und nachher fünf Zimmer. In diesem von Groote’schen Hause blieb das Landratsamt von 1850 bis 1894. Erst 1892 bis 1894 wurde ein kreiseigenes Landratsamt Wilhelmstraße 24 erbaut. Bei der Einweihung dieses Hauses am 27. 6.1894 betonte Landrat Heising (1890 bis 1922), daß durch dieses Haus für die nächsten 300 Jahre Raum für die Kreisverwaltung geschaffen sei. Welch ein Irrtum! Schon 1911 mußten Büroräume in dem ehemaligen Kreuzberg’schen Hause Wilhelmstraße 6 gemietet werden. Dieses Haus ging 1938 in den Besitz des Kreises über. Schon 1916 kaufte der Kreis Haus II — Wilhelmstraße 26 — und 1937 das Haus III — Wilhelmstraße 28 — in der Wilhelmstraße. 1918 hatte es bereits das Haus Wilhelmstraße 59 (gegenüber dem Bahnhof) gekauft.

Das neue Landratsamt
Foto: Jakob u. Helena Steinborn

Eingangshalle
Foto: Jakob u. Helena Steinborn

Das Landratsamt war bislang in 6 verschiedenen Gebäuden untergebracht. Die Gebäude befanden sich z. Teil in einem sehr schlechten baulichen Zustand und konnten ihren Zweck als Büroräume schwer erfüllen, zumal auch die räumliche Trennung ein rationelles Arbeiten nicht zuließ. Aus diesen Gründen beschloß der Kreistag in seiner Sitzung vom 9. 12. 1961 die Errichtung eines Neubaues. Es wurde ein Bauwettbewerb ausgeschrieben. Von 59 Entwürfen erhielt der Architekt Walther Hassbach, Trier, den Auftrag für den Neubau. Das Land gewährte nach dem Landesgesetz ein Drittel der Baukosten. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 3,3 Mill. DM. Nach Räumung wurden die Häuser II und III abgebrochen. Auf Grund der durchgeführten Bodenuntersuchungen hatte sich ein Pfahlgründung als notwendig ergeben. In dem Lehmboden wurden durch Tiefgründung 148 Betonpfähle in einer Tiefe von 7,50 m eingelassen.

Der Neubau des Landratsamtes besteht aus einem 6geschossigen Bau mit einem Grundriß von 12,0 mal 48,0 m in Nord-Süd-Richtung und einem eingeschossigen Flachbau mit einem Grundriß 17,5 mal 41,0 m. Das Hochhaus hat eine Höhe von 20,0 m. Der Ziegelsteinbau ist von außen verkleidet mit Kunst-Basalt-Lava. Der Neubau zählt 110 Diensträume.

Am 5. Juli 1967 wurde das Haus eingeweiht. Das Festprogramm war umrahmt von musikalischen Darbietungen des Schulorchesters des Are-Gymnasiums. Nach der Begrüßung durch Landrat Korbach übergab Architekt Walter Hassbach die Schlüssel des Neubaues. Es folgte dann die Weihe des Neubaues durch Dechant Zenz und Pfarrer Börner. In der Festansprache betonte Ministerialdirektor Schreiner die Bedeutung des Landratsamtes in staatlicher und kommunaler Hinsicht. Grußadressen von Bürgermeister Helfmann für die Amtsbürgermeister des Kreises, von Oberstudiendirektor Dr. Bauer für die übrigen Behörden des Kreises und Personalratsvorsitzender Ehlen für die Betriebsgemeinschaft schlossen sich an.

Möge in Erfüllung gehen, was in dem am 14. Juli 1966 gelegten Schlußstein urkundlich niedergeschrieben ist:

„Dem Wohle der Bevölkerung des Ahrkreises
ist der Dienst derer verpflichtet, die in
diesem Kreisbau ihre Arbeitsstätte finden. —
Auf dem Schlußstein, dessen Material die
Verhaftung mit der rheinischen Heimat,
dessen Wappen Bindung-und Verpflichtung
gegenüber Geschichte und Vergangenheit und
politische Gegenwart versinnbildlichen sollen,
möge dieses Haus allzeit feststehen unter
Gottes Schutz und der Bürger Wohl.“