Burg Rheineck

VON J. RAUSCH

Die Burg Rheineck kann sich durch ihre Lage am Vinxtbach rühmen, an einem geschichtlich sehr denkwürdigen Orte zu stehen. Der Vinxtbach schied in der Römerzeit die beiden römischen Provinzen Germania superior und Germania inferior, also Ober- und Untergermanien, hier begegneten sich die Mosel- und ripuarischen Franken; hier grenzten Mayengau und Ahrgau und im Mittelalter Kurtrier und Kurköln aneinander.

Im 11. Jahrhundert war die „Goldene Meile“ mit den angrenzenden Gebieten an Rhein und unterer Ahr noch Reichsgebiet, das sich um die kaiserliche Pfalz in Sinzig lagerte. Im 11. Jahrhundert sind die rheinischen Pfalzgrafen, vorher in Aachen und auf der Tomburg herrschend, im Besitze dieses Landes. Sie haben sicherlich auch die Burg Rheineck erbaut. Pfalzgraf Otto übergab das „Breisiger Ländchen“ 1045 dem Stifte zu Essen, dem seine Schwester Theophanie als Äbtissin vorstand. Mit der Vogtei über dieses „Breisiger Ländchen“ belehnte der Pfalzgraf den Grafen von Jülich. Nur die Burg Rheineck, der Burgberg und ein kleines, diesen umgebendes Gebiet, blieben in den Händen der Pfalzgrafen. Auch der Pfalzgraf Heinrich II., der 1093 das Kloster Laach gründete, und sein Stiefsohn Siegfried von Orlamünde sind Besitzer von Rheineck. Siegfried, der Pfalzgraf der Genovevasage, der das Kloster Laach weiter ausbaute und mit Ländereien reich beschenkte, ließ die pfalzgräfliche Burg am Ostufer des Sees abreißen, damit nicht einst von übelgesinnten Burgbewohnern dem Kloster Schaden entstehen könnte.

Dieser edle Pfalzgraf hatte als Gemahlin Gertrud von Nordheim, deren Schwester Richewa mit Lothar von Supplinburg, dem späteren Kaiser Lothar III., vermählt war. So ist es verständlich, ‚Saß Siegfried im Investiturstreit mit seinem Schwager, dem Sachsenherzog, Gegner des Kaisers Heinrich V. war. Leider fiel Siegfried 1113 im Gefecht bei Warnstädt in Thüringen, und sein Wunsch, wie sein Vater im Kloster Maria Laach begraben zu werden, ist nie in Erfüllung gegangen. Seine Gemahlin Gertrude, als Erbin von Rheineck auf dieser Burg lebend, heiratete in zweiter Ehe den Grafen Otto von Salm, der einem altluxemburgischen Geschlechte entstammte. Sein Vater war Hermann, der einstige Gegenkönig Heinrichs IV.

Graf Otto von Salm nennt sich als erster „Graf von Rheineck“. Dieser mächtige Graf Otto wird auch Schirmvogt vom Kloster Nonnenwerth. Aber sein sehnlichster Wunsch, Pfalzgraf zu werden, ging nicht in Erfüllung, weil seine eigene Familie und die seiner Gemahlin Gertrud ja Gegner des Kaisers waren. Dieses Verhältnis zum Kaiser änderte sich, als nach dem Tode Heinrichs V. der Schwager Ottos von Rheineck, Lothar von Supplinburg, deutscher Kaiser wird. Nun war aber Wilhelm, der Sohn Siegfrieds, Pfalzgraf. Otto erhielt jedoch die Mitregentschaft und den Titel „comes Palatinus“, Pfalzgraf. Auch erhielt er die Schutzherrschaft über das Kloster Laach. Aber um so größer war seine Enttäuschung, als beim Tode Wilhelms im Jahre 1140 der neue und erste Staufenkaiser Konrad ihm nicht die Pfalzgrafenwürde übergab; sogar die alten pfalzgräflichen Lehen und Allodien suchte der Staufenkaiser dem Grafen von Rheineck zu entwinden.

Wie erklärt sich des Kaisers Abneigung? Wie wir schon sahen, waren die Rheinecker Parteigänger Lothars von Supplinburg und somit auch von seinem Schwiegersohn und vermutlichen Nachfolger als Kaiser, Heinrich dem Stolzen, dem mächtigen Herzog von Bayern und Sachsen. Aber durch den Einfluß der Erzbischöfe von Trier und Köln und des Bischofs von Worms wurde der Neffe Heinrichs V., der Herzog Konrad von Schwaben, deutscher Kaiser. Hier lodert zuerst der Kampf auf zwischen Staufen und Welfen; als Verwandte und Freunde der Welfen standen Otto der Ältere und sein Sohn Otto der Jüngere, beide Grafen von Rheineck, beim Staufenkaiser Konrad in Ungnade, so daß sie bei der Verleihung der erhofften Pfälzgrafenwürde übergangen wurden; und auch das Erbe von Seiten des Stiefbruders Wilhelm wurde den Rheineckern vom Kaiser Konrad abgesprochen. Mit teilweisem Erfolg wehrten sich die Rheinecker gegen des Kaisers harten Spruch; jedoch die Pfalzgrafenwürde erhielt der Östreicher Heinrich „Jasomirgott“, und als dieser bald Markgraf von Ostreich wurde, erhielt ein alter Feind der Rheinecker, Hermann von Stahleck (bei Bacharach), dieses Amt.

Da der Stahlecker und die Rheinecker nicht nur wegen der Pfalzgrafenwürde, sondern auch wegen der Burg Treis an der Mosel Gegner waren, kam es zur blutigen Fehde, die für unsere Rheinecker ungünstig verlief. Otto der Jüngere geriet in die Gefangenschaft Hermanns, und dieser ließ in grausamer Weise den wehrlosen Gegner im Kerker der Burg Stahleck im Jahre 1148 erdrosseln. Otto der Ältere überlebte seinen unglücklichen Sohn noch um zwei Jahre; so starb im Jahre 1150 das Geschlecht der Grafen von Rheineck im Mannesstamme aus.

Aber Rheinecker Blut floß weiter in ‚drei berühmten deutschen Adelsfamilien. Die Tochter der Gräfin Gertrud von Rheineck, Gräfin Sofie von Bentheim, heiratete den Grafen Dietrich von Holland und wurde durch ihre zwei Söhne die Stammutter der Grafen von Holland und der Grafen von Bentheim. In zweiter Ehe heiratete Gräfin Sofie, also eine Rheineckerin, den ersten Markgrafen von Brandenburg, Albrecht der Bär, der Berlin gründete, weshalb auch heute noch im Berliner Wappen der Bär zu sehen ist. So gehen starke Fäden von Rheineck nach Holland und nach Brandenburg und Berlin.

Nach 1150 stand Rheineck verwaist. Da Otto seine Rechte an der Burg Treis dem Erzbischof Albero von Trier abgetreten hatte und dieser seine Rechte gegen des Kaisers Günstling Hermann von Stahleck verteidigte, lebte die Treiser Fehde wieder auf. Da ließ der Kaiser seinen Unwillen gegen die verwaiste Burg Rheineck aus; so wurde die Burg Rheineck im Jahre 1151 auf des Kaisers Konrad Befehl zerstört.

Somit war das stolze Rheineck die erste rheinische Burgruine. Jedoch sollte es bald wieder erbaut werden. Der Kölner Erzbischof Reinald von Dassel, Kanzler des Reiches und des Kaisers Barbarossa unentbehrlicher Berater, sah Rheineck als einen wichtigen Pfeiler zu den kölnischen Besitzungen Andernach und Rhense an. Der Kölner Plan, Rheineck wieder aufzubauen, wurde beschleunigt durch einen Streit mit dem neuen Pfalzgrafen Konrad. Der grausame Hermann von Stahleck war durch des Kaisers Bruder Konrad ersetzt worden. Dieser Staufer Pfalzgraf, der den mittelrheinischen pfalzgräflichen Besitzungen die an Wein und Weizen reichen Besitzungen im Worms- und Speyergau zuführte, wollte aber auch auf die ehemals pfalzgräflichen Besitzungen Rheineck nicht verzichten. Zu diesem Widerstreit zwischen Köln und dem Pfalzgrafen kam ein persönlicher Zwist zwischen Reinald von Dassel und Konrad von Staufen, der sich bei der Belagerung von Mailand ergab. Da befahl Reinald von Dassel von Italien aus seinem Stellvertreter und späteren Nachfolger, Philipp von Heinsberg, Rheineck schleunigst als kölnische Burg wieder aufzubauen.

Bald wäre es zu einer vierten Schlacht bei Andernach gekommen. Da aber auch der Erzbischof von Trier den Kölner unterstützte und ein großes Kölner Heer gegen Andernach vorrückte, zog der Pfalzgraf Konrad wieder ohne Schwertstreich nach Süden. So blieb Rheineck in kölnischem Besitz. Es zählte nun mit dem Drachenfels, Alpen und Odenkirchen zu den vier Säulen des Erzstiftes.

Wie auf allen Burgen des Erzstiftes Köln, so saßen nun auf Rheineck kölnische Burggrafen, deren Amt in der Familie durchweg erblich war. Aber kein erzbischöfliches Burggrafengeschlecht hat so stolz und eigenwillig, oft auch Köln trutzend, sein Amt verwaltet. Historiker vermuten, daß die Burggrafen dem stolzen Rittergeschlecht derer von Ulmen entstammten, worauf die roten und goldenen Rauten in beiden Wappen hinweisen. Auch treten in beiden Familien die Vornamen Heinrich und Theoderich auf. Bald nahm die Burggrafen den Namen der ihnen anvertrauten Burg an und nennen sich Burggrafen von Rheineck.

Über 370 Jahre saß die Familie der ersten Burggrafen auf Rheineck. Der berühmten Familie entsprossen Domherren und Dechanten. Sie waren verwandt und verschwägert mit vielen rheinischen Adelsgeschlechtern.

„Wo viel Licht ist, ist auch Schatten.“ So finden wir unter den Rheineckern auch zwei Raubritter. Johann IV., Burggraf von Rheineck, hatte in der Schlacht bei Worringen auf Seiten des Kölner Erzbischofs gekämpft und war wie dieser in Gefangenschaft geraten. Nur gegen ein hohes Lösegeld erhielt er die Freiheit. Zehn Jahre später kam er durch die Kaiserswerther Fehde zum zweiten Male in Gefangenschaft. Wieder mußte Lösegeld gezahlt werden. In dieser finanziellen Not nimmt er die niedern Burgmannsdienste auf Nideggen, also bei den Grafen von Jülich, an, die doch stets Gegner der Kölner Erzbischöfe waren. Zudem wurde Johann IV. ein Raubritter und gemeiner Wegelagerer. Deshalb reichte der Erzbischof von Köln im Jahre 1300 eine scharfe Beschwerdeschrift an den Kaiser über seinen ungetreuen Vasallen ein, der als Wegelagerer gebrandmarkt wurde. Auch ließ Erzbischof Wikbold von Köln, von Trier und Mainz unterstützt, 1301 Rheineck belagern. Aber Albrecht L, der zweite habsburgische Kaiser, vertrieb die Belagerer und nennt Johann seinen Vasallen, da er Rheineck als Reichsburg ansah. Wegen Johanns reumütiger Gesinnung versöhnte sich der Erzbischof 1303 mit ihm. Rheineck wurde als kölnische Burg und Johann als Vasall vom Erzstift Köln bezeichnet. Einige Jahre später verschied er nach einem bewegten Leben als Burggraf von Rheineck.

Sein Sohn Johann V. bewährt sich in der Kempenicher Fehde (um 1330) auf Seiten der „Rotärmel“ als tapferer Haudegen, lebt zwischendurch aber auch „aus dem Stegreif“.

Sein Sohn Johann VI. hatte vom Vater und Großvater das heiße Blut geerbt, das jene im Krieg und Ungemach, ihn aber ins Verderben brachte. Obwohl er die besondere Gunst des Kaisers Karl IV. genoß, nahm er ein unrühmliches Ende. Bei einem Hoflager zu Godesberg 1381 erstach er, durch Worte gereizt, den Ritter Rollmann von Sinzig in Gegenwart des Erzbischofs Friedrich, der ihn am folgenden Tage enthaupten ließ.

BURG UND SCHLOSS RHEINECK
FOTO: KREISBILDSTELLE

Das erste Geschlecht der Burggrafen von Rheineck stirbt aber erst im Jahre 1539 mit Jakob II. aus. Er nannte sich Burggraf zu Rheineck, Herr zu Bruch und Tomberg, Ritter und Richter der Edlen des Fürstentums Luxemburg und der Grafschaft Chiny. So hatte das Geschlecht der Burggrafen bei seinem Aussterben wieder Ruhm und Klang in den Landen zwischen Rhein und Maas.

Nach dem Erlöschen dieses Geschlechtes zog das Erzstift Köln das erledigte Lehen ein und setzte als Befehlshaber auf die Burg Rheineck Friedrich von Metternich-Brohl. Um 1566 sitzt Friedrichs Bruder Bertram von Metternich auf Rheineck. Gegen diese Regelung aber protestierte das altlothringische Rittergeschlecht von Warsberg, das mütterlicherseits mit dem ehemaligen Burggrafen verwandt war und deshalb mit Erfolg Erbansprüche stellte. Durch einen Vergleich mit dem Kurfürsten Salentin wurden im Jahre 1571 die von Warsberg durch das Reichskammergericht mit dem Burggrafenamt belehnt. Jedoch scheinen die Nachkommen dieser Warsberger auf die Besitzungen bei Rheineck wenig Bedeutung zu legen. Sie verkaufen nach und nach die Allodien von Rheineck zu Franken und Weiler und den Rheinecker Zehnten zu Sinzig.

Philipp von Warsberg verkaufte sogar 1654 die Burg Rheineck. Er zog sich auf seine reichen Güter im Warndt (westlich Saarlouis) zurück; dazu war er Amtmann von Saarburg.

Die Burg Rheineck aber kaufte um den Preis von 7000 Dukaten Graf Rudolf von Sinzendorf, vermählt mit Maria Margaretha von Bourscheid. Das Geschlecht der Sinzendorfer war mit den Warsbergern verwandt. Graf Rudolf von Sinzendorf, von hohem österreichischem Adel, war des hl. Römischen Reiches Erbschatzmeister, Graf und Herr von Sinzendorf, Burggraf zu Rheineck, Herr der Herrschaften zu Ernstbrunn, Roggendorf und Böckstall, „dazu ein Herr von großem Verstand und vielen Meriten, wie er dann vom Kaiser Ferdinande III. zur kaiserlichen Reichshofraths wurde befördert, von Kaiser Leopoldo aber in verschiedenen hohen Gesandtschaften gebraucht, und in specie Anno 1666 an den König in Dänemark, an die Herren Staaten von Holland, Churpfalz, Churbrandenburg und anderen Höfen zu verschiedenen Malen abgesendet, wo er aller Orten einen großen Nachruhm eines geschickten, verständigen Staatsmannes und Ministers hinter sich gelassen, und in solchem sein ehrenvolles Leben den 2. Dezember 1677 beschlossen“ (Rheinischer Antiquarius).

Noch glanzvollere Titel führte sein Sohn und Nachfolger Rudolf Siegmund, des hl. Römischen Reiches Erbschatzmeister, Graf von Sinzendorf, Burggraf zu Rheineck, Freiherr zu Ernstbrunn, Herr der Herrschaften zu Clement, Stransdorf, Haggenberg, Wenzersdorf, Stinkabrunn und Mühlstetten, Erbschenk im Lande ob der Enns, Obristerkampfrichter und Schildträger, dann Obristerblandvorschneider durch ganz Österreich, kaiserlicher Kammerherr, obrister Kämmerer, Geheimer Rath, Ritter des Goldenen Vließes und Grand von Spanien.

Und noch mehr Besitzungen in Österreich, Böhmen und Mähren besaß unser letzter Burggraf von Rheineck. Es war dies Fürst Prosper von Sinzendorf, der durch die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich die Burggrafschaft Rheineck verlor. Er wurde dafür rechtsrheinisch durch Güter in Schwaben entschädigt. Er wohnte auf Schloß Ernstbrunn, das er in einen Feensitz umwandelte. Da er unverehelicht war, fiel Schloß Ernstbrunn nach seinem Tode 1822 an den Fürsten Reuß-Köstritz.

Zur Baugeschichte der Burg sei folgendes erwähnt:

Nach der ersten Zerstörung der Burg im Jahre 1151 wurde sie zehn Jahre später von den Kölner Erzbischöfen wieder aufgebaut und mit einer starken Burgmauer umgeben. Burggraf, Burgmannen und die starken Mauern ließen die Burg während des ganzen Mittelalters unversehrt. Auch die schwedische Besatzung 1632 unter dem General Baudissin behandelte die Burg glimpflich. Aber im dritten Raubkriege Ludwigs XIV. wurde die Burg 1689 durch Feuer zerstört. Die geretteten Überreste verwüsteten kurkölnische Soldaten 1692 in frechem Übermut, und außer Wartturm und Kapelle war alles Ruine. Erst nach dem spanischen Erbfolgekrieg ging man 1718 an den Neubau. Zuerst baute man unten im Tal die Kapelle zu Ehren des hl. Karl Borromäus. In demselben Jahre wurde die Burg wieder aufgebaut. Da ja die Burggrafen aus dem Geschlechte von Sinzendorf auf ihren reichen Schlössern in Böhmen und Österreich regierten, wurde Rheineck nur in bescheidenem Maße wieder hergestellt. Dieser Neubau wurde 1785 ein Raub der Flammen. In einem mit Stroh gedeckten Nebengebäude brach Feuer aus, das durch den gerade herrschenden Wind so angefacht wurde, daß in zweieinhalb Stunden im ganzen Schlosse sämtliches Dach- und Holzwerk verzehrt war.

Notdürftig wurde in den Ruinen wieder eine Wohnung für den Verwalter Adam Schurp errichtet. Dessen Sohn Wenzeslaus Schurp erwarb 1805 vom französischen Staat die als Domäne versteigerte Burg mit Stall, Kelterhaus, Remise, zwei kleinen Gärten, einer Wiese für 2550 Franken, dazu 9 Morgen Weinberg für 1320 Franken.

So war das Bergschloß zerstört, die Burggrafschaft selber ein Teil des Kantons Ahrweiler, der zum Arrondissement Bonn und zum Departement Rhein und Mosel gehörte. Durch den Wiener Kongreß kam das Gebiet zum Kreise 11:22 20.02.08 im Regierungsbezirk Koblenz und zur Rheinprovinz.

Aber bald erblühte neues Leben aus den Ruinen, und die Burg erstand schöner denn je. Im Jahre 1832 erwarb die Burg der damalige Professor an der Bonner Universität Herr M. A. von Bethmann-Hollweg für über 2000 Taler. Er übertrug den Neubau dem Koblenzer Architekten Johann Claudius de Lassaulx. Dieser baute nach dem Grund-, aber neuen Aufriß das jetzige Schloß. Aus dem 12. Jahrhundert aber sind noch erhalten Teile der Ringmauern, das Tor über dem Einfahrtsweg und der mächtige Bergfried mit quadratischem Grundriß. Das Schloß umschließt in mehrfach gebrochener Front die Nordseite des Hofes und wendet seine drei, mit Giebeln und Erkern reich verzierten Hauptfassaden nach Nord und Ost dem Rheine zu. Das Schloß, im Rundbogenstil aufgeführt, ist eine Zierde des Landes und ein Meisterstück der Architektur, das selbst in seinen Details die Originalität seines Schöpfers und die reichen ihm zu Gebote stehenden Mittel bekundet. So singt mit Recht der Dichter Hermann Müller:

„Da, wo Rheineck neu erstanden auf der rauhen Eifel Saum,
niederschauend zu den Landen, wie erwacht aus langem Traum,
wo es raget rebumranket über Auen reich und weit
und mit Pracht dem Tale danket, daß es solche Pracht ihm leiht.“

(Nach Rheinischem Antiquarius)

Die neue Kapelle wurde nicht nur in ihrem achteckigen Grundriß, sondern auch in ihrem Aufbau der alten getreu nachgebildet. Treffliche Frescogemälde, die Szenen aus den acht Seligkeiten der Bergpredigt darstellen, wurden von den Nazarenern, die zugleich auch die neuerstandene Apollinariskirche bei Remagen ausmalten, hergestellt. Der Meister der Rheinecker Gemälde ist E. von Steinle, nach dessen Entwürfen die Kapelle 1839/40 ausgemalt wurde. Über der Kapelle befindet sich ein ebenfalls achteckiger Saal. Eine doppelte Säulenreihe begleitet die Fenster, durch die man das nahe Rheintal und die fernen Berge bewundernd schauen kann. Hier in den Fenstern finden wir die gemalten Wappen der Burggrafen von Rheineck, der von Warsberg, der Grafen von Sinzendorf und des jetzigen Besitzers der Familie von Bethmann-Hollweg. Besonderes Interesse findet auch das Wandgemälde, das Heinrich IV. als Büßer im Burghof von Canossa darstellt.

Der erste Besitzer von Bethmann-Hollweg erweiterte auch den Grundbesitz der Burg. Beim Ankauf gehörten zur Burg 18 Morgen Weinberg, 15 Morgen Ackerland, 12 Morgen Wiesen und 220 Morgen Wald. Der neue Besitzer vergrößerte durch weiteren Ankauf den Waldbesitz auf 800 Morgen und erhöhte auch den Besitz von Acker- und Wiesenland. Darum erhielt der stattliche Besitz 1845 die Qualität eines Rittergutes. Zwei Weltkriege und zwei Inflationen zersplitterten in den letzten Jahren den Besitz der Familie von Bethmann-Hollweg, die bislang noch Eigentümerin des Schlosses Rheineck war.

Nun führt eine Sessel-Liftbahn zur Burg und erweckt sie aus dem Dornröschenschlaf. Mögen alle Besucher, seien es Deutsche, Holländer oder andere Ausländer, die Schönheit der rheinischen Landschaft vom Burgberge aus genießen, mögen sie sich auch an der Burg und ihren Gemälden erfreuen! Sie sollen sich auch der geschichtlichen Bedeutung der Burg und der Burggrafengeschlechter bewußt sein; um des letzten Wunsches willen wurden vorstehende Zeilen geschrieben, damit der Leser erkenneBurgenschicksal und Menschenschicksal am deutschen Schicksalsstrome!