Heinrich Linden und seine Hexenquellen

VON JAKOB RAUSCH

Am 8. Dezember 1964 starb in Augsburg der Kaufmann Heinrich Linden, der uns als Dichter des Ahrromans „Die Hexenquelle“ bekannt ist. Als Winzersohn in Heppingen geboren, wurde er Kaufmann in Berlin. In der Freizeit besuchte er Museen, arbeitete in Archiven und hörte Vorlesungen an der Universität über Geschichte und musische Künste. Da erwachte in ihm der Dichter, und er schrieb „Die Hexenquelle“, ein Heimatroman des Ahrtales, der sich ebenbürtig dem bekannten Ahrroman ,,O Frauen Wundersüße“, der heute den Namen „Bonizetta“ trägt (Verfasserin Gräfin von Platen-Hallermünde), zur Seite stellen kann. Heinrich Linden sägt von seinen Ahnen:

In kleinen Dörfchen an Ahr und Rhein,
da Hegen, dein Leben verloren,
die Ahnen unter Kreuz und Stein,
einst Winzer, dem Rotwein verschworen.

Seine Ahnen mütterlicherseits aber wohnten am Fuße des Siebengebirges und lernten als Fuhrleute der Heisterbacher Zisterziensermönche das rheinische Land kennen und lieben.

So war „Heimatliebe“ ihm als Ahnenerbe ins Blut gegeben. In seiner Jugendzeit durchwanderte er sein geliebtes Ahrtal. Und das Heimweh trieb ihn immer wieder zur Ahr, um Land und Leute noch besser kennen und lieben zu lernen.

So weilte der 80jährige Dichter, von Augsburg kommend, noch im letzten Herbst im Ahrtal, um Stoff zu sammeln für seine „Winzernovelle“, in deren Mittelpunkt der Weinort Dernau steht. Von sich selber sagt er:

Ich aber wurde als Sohn meiner Zeit
der Ahrquellen Heilkraft Verkünder.
Trink dennoch den Roten, am liebsten zu zweit,
obgleich doch Wasser gesunder.

Und dieser feine Humor hält auch die Leser der „Hexenquelle“ von der ersten bis zur letzten Seite gefangen.

Der Roman versetzt uns, wie auch „Bonizetta“, in die Staufenzeit. Jedoch nicht nur das Leben der Ritter auf der Staufenburg Landskrone und der benachbarten Burgen, sondern auch das Leben, Fühlen und Denken des Ahrvolkes wird anschaulich dargestellt. So ist der Roman „Die Hexenquelle“ eine volkstümliche Ergänzung zu dem zweiten Roman, den die Gräfin von Platen vom Ahrtal schrieb und der den Titel hat „Die Staufen reiten zur Landskrone“.