Alter Ahrwinzer

Er marschierte durch Frankreich und Polen,
er stand in der Wüste, am Meer.
Er fluchte: „Der Teufel soll’s holen!“,
doch seine verschlissenen Sohlen
zählt kein Mathematiker mehr.

Fünf Jahre war er gefangen,
nur im Traum noch kannte er Wein,
sah im Traum, wie die Knospen sprangen
und hörte auch, wie sie sangen
an der Ahr, an Mosel und Rhein.

Zwölf Jahre im feldgrauen Kleide –
das versteht nur der, der es trug,
das lernt sich in Samt nicht und Seide,
das lernt sich in Treu nur und Leide.
Heut geht er wieder am Pflug.

Er geht so schwer und gelassen,
sind alle Straßen im Schritt.
In seinen Heimatgassen
sind auch die fremden Straßen,
und Meer und Wüste gehn mit.

Zwölf Jahre im feldgrauen Rocke,
weiß Gott, manches harte Jahr!
Heut zählt er die Trauben am Stocke
und lauscht in die Abendglocke
und dem flüsternden Rauschen der Ahr.

E. K. PLACHNER (Aus „HEIMATERDE“)