Karl Kollbach – Der Retter der Erpeler Ley

Karl Kollbach

Der Retter der Erpeler Ley

VON ERNST KARL PLACHNER

Ein herrlicher Sommertag geht zu Ende. Erlabende Kühle weht vom Rheinstrome herüber auf die Terrasse des weltbekannten Hotels Fürstenberg in Remagen, dessen weitblickender Erbauer, Otto Caracciola 1869 den „Internationaler Hotelbesitzer Verein“ (IHV) gründete, dem auch heute noch das Waldorf-Astoria Hotel in New York ebenso angehört, wie das Ritz-Hotel in London.

Unter dem grünen Weinlaubendache der Rheinterrasse mit seinen funkelnden, kleinen Glühbirnen-Sternen sitzen die internationalen Gäste, die alljährlich in dem stillen, in einmalig schöner Landschaft gelegenen Römerstädtchen ihre Erholung suchen. Hier begann auch einst Bernard Shaw seine erste, im christlich-sozialen Sinne so bedeutungsvolle Komödie „Die Häuser des Herrn Sartorius“.

Wie die Klänge der Magyaren-Kapelle, deren virtuoser Primas, Kolozs Pista, wie auch Caracciola selbst in Remagen seine letzte Ruhestätte fand, tönen melodisch die Abendglocken vom ehrwürdigen Kirchturme des alten, am Fuße der Erpeler Ley gelegenen Weinortes Erpel von der gegenüber liegenden Rheinseite herüber. Es ist Feierabend. Nur auf dem Rheinstrome gleitet gelegentlich ein eiliges Schiff vorbei, das seine fröhlichen Gäste noch zum Ziele bringt, oder auch noch ein Schiff mit eiliger Last, das erst mit dem letzten Licht des Tages unter den Schlägen der Schiffsglocke vor Anker geht. So liegt tiefer Friede über der paradiesisch-schönen Rheinlandschaft, der dieser herrliche Strom mit seinem klaren, grünschimmernden Wasser das Leben gibt.

Jäh zerreißt plötzlich der entsetzliche Knall einer Kette gewaltiger Explosionen aus dem majestätischen Felsabsturze der Erpeler Ley diesen Abendfrieden. Mit gewaltiger Staubentwicklung bricht unter der Wucht der Sprengungen wieder ein Stück dieses herrlichen Berges zusammen, der mit seiner erhabenen Galerie von edelgeformtem Säulenbasalt zu den Glanzpunkten der rheinischen Landschaft gehört. Hier ist wieder der Mensch aus opportunistischen Gründen als Zerstörer der. Natur am Werke, um das Steinmaterial zum Abtransport für den nächsten Arbeitstag bereitzustellen.

So, wie die moderne Industriegesellschaft das klare, damals noch so frisch duftende Wasser des gewaltigen Rheinstromes mit seinem Reichtume an Edelfischen, das aus den unberührten Firnen der Alpen und den unendlichen Waldgebieten der Mittelgebirge kommt, aus eigensüchtigen Gründen heute zur Abwasserkloake gemacht hat, war man damals schön dabei, auch das erhabene Naturdenkmal der aus den Fluten des Rheines emporsteigenden Erpeler Ley zu vernichten.

Tief bedrückt hat dieses frevelhafte Werk der Zerstörung der Natur den 1894 zum Königlichen Kreisschulinspektor des Kreises Ahrweiler berufenen Karl Kollbach. Der als Oberreallehrer an der städt. Oberrealschule in Bonn, verehrt und geliebt von seinen Schülern wirkende Pädagoge, hatte sich bereits durch sein 1888 erschienenes pädagogisches Werk „Naturwissenschaft und Schule“1), einer bahnbrechenden neuen Methodik für die Umgestaltung des völlig vernachlässigten naturwissenschaftlichen Unterrichts an den Volks- und Höheren Schulen als Pädagoge einen Namen gemacht. Aber auch als rheinländischer Schriftsteller war er bereits im gesamten deutschen Sprachraume bekannt geworden.

So war es denn auch nicht verwunderlich, daß seiner Bitte entsprochen und von höchster Stelle ausnahmsweise die Verlegung des Sitzes seiner Dienststelle von der im Ahrtale gelegenen Kreisstadt Ahrweiler nach Remagen an den Rhein angeordnet wurde. Die gleiche Bitte war dann später seinem Nachfolger, dem bekannten Führer der Zentrumspartei im preußischen Landtag, Dr. Heß, der bei seiner Antrittsrede darauf hingewiesen hatte, wie schwer es sei, die Nachfolge eines Karl Kollbach anzutreten, jedoch nicht bewilligt worden. Seinen Dienstsitz auch weiterhin unmittelbar am Rheine zu haben, war für den 1858 in Mülheim am Rhein geborenen Rheinländer die Voraussetzung für die Annahme der Berufung. War die unzertrennliche Verbundenheit dieses leidenschaftlichen Rheinländers mit seiner Landschaft auch die Triebfeder für seinen Wunsch, der rheinischen Landschaft unmittelbar verbunden zu bleiben, so hatte der später mit dem Titel „Schulrat“ Ausgezeichnete diesen Wunsch aber auch dienstlich begründen können. Remagen, Ausgangspunkt der Ahrtalbahn, war zur Bereisung des Kreisgebietes, rheinauf, rheinab, wie auch das Ahrtal hinauf, zentral gelegen. Dies war damals von entscheidender Bedeutung zum Besuche vieler Schulorte in der Eifel, für die die von Brohl am Rhein ausgehende Schmalspurbahn ebenso benutzt werden mußte, wie auch die kleine, vom Nachbarorte Sinzig ausgehende Postkutsche unentbehrlich war, die ihm dann zum Verhängnis werden sollte. Eine möglichst schnelle Benutzungsmöglichkeit dieser nach heutigen Vorstellungen an sich schon sehr zeitraubenden Verkehrsverbindungen war um so mehr erforderlich, als ohnehin manche Eifelorte überhaupt erst nach oft stundenlangen Fußmärschen zu erreichen waren. So war denn der treue Rheinländer am Rheinstrome geblieben, aus dessen Landschaft, die er so innig liebte und die er in so vielen Liedern besungen hatte, er seine seelischen Kräfte bezog. Der weitgereiste Wanderer hatte bereits in zahlreichen Studienreisen den Europäischen Kontinent von Rußland bis in die Mittelmeerländer,

quer durch Europa erwandert. Daß er aber bei aller Liebe zur Heimat nicht etwa ein engstirniger, partikularistisch denkender Rheinländer war, ließ sein 1889 erschienenes Werk „Europäische Wanderungen“2) erkennen, mit dem er über Grenzen hinweg bereits vor fast hundert Jahren das wahre Bild des bewußten Europäers im modernen Sinne so vermittelt hat, wie sein Vater einst ein Vorkämpfer für die Einheit der deutschen Lande war. In gleicher Weise folgte er auch in seinem 1895 bis 1899 erschienenen dreibändigen Werke „Wanderungen durch die deutschen Gebirge“3) der natürlichen Landschaft über politische Grenzen hinweg in die nachbarlichen Länder.

Aber immer wieder zog es den aufgeschlossenen die Bilder ferner Länder in sich aufnehmenden Wanderer dann mit steigender Ungeduld an den Rhein zurück, an dem er mit allen Fasern seines Herzens hing. Das „Fernweh“, das ihn bei Antritt seiner bis ins einzelne in sorgfältigen Studien vorbereiteten Reisen erfaßt hatte, wich dann dem immer stärker werdenen „Heimweh“, dem er auch in einem seiner schönsten, mehrfach vertonten Gedichte „Heimkehr an den Rhein“4)ergreifenden Ausdruck gab. So hatte der fesselnde Schilderer der Landschaft, dessen „Führer durch Bonn“, der sich in vielbeachteter Neubearbeitung über die herkömmliche Form eines „Führers“ erhob, und 1888 erschienen war, auch bereits durch sein 1891 erschienenes „Rheinisches Wanderbuch“5), wie vor allem durch sein 1892 in kunstvollem Schmuckbande in Lexikonformat und Goldschnitt erschienenes Standardwerk „Bilder vom Rhein“6), die Literatur über das Rheinland hervorragend bereichert.

Und nun war man ausgerechnet angesichts seines neuen Dienstsitzes dabei, am gegenüberliegenden Ufer ein die Rheinfront von Remagen beherrschendes Juwel aus dieser herrlichen Rheinlandschaft herauszubrechen. Von seinem Vater, Mathias Heinrich Kollbach, hatte Karl Kollbach diese tiefe Liebe zur Natur übernommen. Als geachteter Kaufmann, der in Mülheim am Rhein eine von ihm selbst gegründete Drogen- und Farbenhandlung mit eigenen Lieferfuhrwerken im Groß- und Einzelhandel betrieb, war der naturverbundene Idealist u. a. auch freier Mitarbeiter der von Prof. Dr. Karl Müller in Halle a. d. S. herausgegebenen angesehenen Zeitschrift „Die Natur“, die zu ihren Mitarbeitern bedeutende Wissenschaftler aller naturwissenschaftlichen Fachrichtungen zählte.

Volksverbunden gehörte der freiheitlich gesonnene Mami als aktives Mitglied des „Arbeiter-Verein zu Mülheim am Rhein“ aber auch zu den Gründern des „Arbeiterbildungsverein“, dessen Bestrebungen er nicht nur finanziell, sondern insbes. auch durch ehrenamtliche Erteilung von Unterricht in der „Handwerker-Fortbildungsschule“ seiner Heimatstadt die Arbeiterjugend förderte. Jahrelang erteilte der vielbeschäftigte Mann nicht nur Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern, sondern sogar auch in Buchhaltung, wobei er die erforderlichen Lehrmittel und insbes. das notwendige Buchhaltungsmaterial für alle Schüler laufend selbst zur Verfügung stellte. Diese Schule war Anfang der 40er Jahre in privater Initiative von dem bedeutenden naturwissenschaftlichen Pädagogen, dem freiheitlich gesonnenen Gründer der ,,Mülheimer Zeitung“ (1841), Nicolaus Proff, in Verbindung mit seinem Gesinnungsfreunde Söller ins Leben gerufen worden.

So war es denn auch nicht verwunderlich, daß Karl Kollbachs Vater als „Freund der Volkssache“ von seinen gleichgesinnten Mitbürgern 1848 als Abgeordneter zum Frankfurter Parlament aufgestellt wurde.

Für Karl Kollbach, als Sohn dieses edlen Mannes stand angesichts des sich vor seinen Augen vollziehenden Naturfrevels der Entschluß fest, alles nur Menschenmögliche zur Rettung der Erpeler Ley, dieses herrlichen Naturdenkmales, zu unternehmen.

Zunächst versuchte er die zuständige zivile Vertretung des Kirchspiels Erpel, in dessen Eigentum die Erpeler Ley stand, wie auch sonst einflußreiche Bürger der im Blickfeld der Ley gelegenen Nachbargemeinden Linz und Unkel in zahllosen Einzelbesprechungen davon zu überzeugen, daß es ein Frevel an der gottbegnadet schönen Rheinlandschaft sei, wenn diesem Werk der Zerstörung nicht sofort Einhalt geboten werde.

Karl Kollbach appellierte an ihre Verantwortung auch späteren Generationen gegenüber, wenn nach dem erfolgten Abbruche dieses herrlichen Berges die Rheinlandschaft für immer derart geschändet sei. Leidenschaftlich malte er ihnen das trostlose Bild der Landschaft aus und schilderte den entsetzlichen Anblick des dann entstandenen gewaltigen Kraterloches, dessen Boden der Geröllschutt des vernichteten Berges dann bedecke.

Mit einer Leidenschaft, zu der nur fähig ist, der die Landschaft so liebt, wie dieser naturverbundene Idealist, sprach er immer wieder mit Engelszungen.

Karl Kollbach war aber auch, gleich seinem Vater, ausgezeichnet durch sein von tiefem sozialem Empfinden getragenes Denken Und Handeln. So war er auch in dem 1908 im Großformat erschienenen Werke von I. H. Schütz „Praktische Sozialpolitiker“ in der Reihe der großen deutschen Sozialpolitiker ganzseitig gewürdigt worden. Sein sozialpolitisch so bedeutsames Werk „Deutscher Fleiß“7), „Wanderungen durch die Fabriken, Werkstätten und Handelshäuser Deutschland“ dessen erster Band ‚ 1908 erschien, war getragen von der Poesie der Arbeit im Sinne des sozialen Ausgleichs. So fehlte es auch in kaum einer Arbeiterbücherei. Demgemäß hatte er natürlich an sich auch volles Verständnis dafür, daß das Kirchspiel Erpel den in den Ley-Steinbrüchen arbeitenden Menschen ihren Arbeitsplatz erhalten wollte. Deshalb wies er auf die bestehenden Arbeitsmöglichkeiten in den nahe, jedoch rückwärts und vom Rheine nicht sichtbar gelegenen Basaltsteinbrüchen hin. Auch auf die Einsatzmöglichkeit bei der so nahe gelegenen „Westerwaldbahn“ wies er hin, die doch von Linz ausging und direkt am gegenüberliegenden Hange der Erpeler Ley durchs Kasbachtal führte und deren Baubeginn bevorstand. Vorsorglich hatte er sich bereits mit dem Erbauer dieser insbes. für den Basalttransport aus dem rückwärtigen Westerwald zu bauenden Gebirgsbahn mit der damals längsten Zahnradstrecke der Deutschen Reichsbahn, Ernst Hachenberg, in Verbindung gesetzt. Von ihm, der auch in Remagen seine letzte Ruhestätte fand, erhielt er jegliche Unterstützung bezgl. des Arbeitseinsatzes zugesichert. Der unentwegt um den Berg kämpfende Mann wies immer darauf hin, daß die Arbeitsstelle doch nicht unbedingt direkt vor der Haustüre liegen müsse. Wirklich, dieser Nothelfer der von der Zerstörung bedrohten Erpeler Ley redete vor tauben Ohren geradeso, als spreche er direkt zu ihrem harten Basaltfelsen selbst. So war denn alle Mühe vergeblich, kein Argument vermochte die so hartnäckig Widerstrebenden zu überzeugen und einen Gesinnungswechsel der Uneinsichtigen zu bewirken.

Ausschlaggebend waren allein wirtschaftliche Gesichtspunkte. Das Kirchspiel Erpel hatte die Ley an die Basalt AG in Linz, sowie zum kleinsten Teil an das Steinbruchunternehmen Wirtzfeld in Linzhausen zum Abbruch verpachtet und wollte nicht auf diese Einkünfte verzichten. Was gelten schon derartigen wirtschaftlichen Vorteilen gegenüber nur rein ästhetische Gesichtspunkte, mochten der Bevölkerung auch die vielen Möglichkeiten zu ihren gewohnten Spaziergängen auf diesen bewaldeten Berg genommen werden. Vom freien Plateau in dessen Felsabstürzen zum Rhein die Falken horsteten, hat man einen umfassenden Rundblick ins Rheintal vom Neuwieder Becken über die zu Füßen liegende, linksrheinische „Goldene Meile“ am Ausgange des Ahrtales bis in den Köln-Bonner-Raum und über die Berge des Hunsrücks bis in die fernsten Gebiete der Hocheifel. Gleichfalls eines vermeintlichen Vorteiles wegen wurden einst beispielsweise in Italien und Jugoslavien ganze bewaldete Gebirgszüge abgeholzt, die dann durch diesen brutalen Eingriff in den natürlichen Wasserhaushalt verkarsteten. Mit dem so kurzsichtig erzielten Gewinne einer einzigen Generation wurde aber ein tausendfacher Schaden allen folgenden zugefügt.

Genau so dachte später auch hier am Rhein die Industrie, die mit ihren chemischen Abwässern, die so bequem und billig direkt, oder über die gleichfalls ungeklärte kommunale Kanalisation, völlig unauffällig in den nahen Rhein abzuleiten waren und dieses lebenspendende, klare Wasser jahraus, jahrein mit seinem einstigen Fischreichtum vergiftet und verpestet hat. So beendete Karl Kollbach nun seine vielen, vergeblichen Versuche auf der „Schäl Sick“. Ohne jedoch so vielen Bewohnern des sonnenreichen rechten Rheinufers etwa zu nahe treten zu wollen, weil sie meinen, die „Schäl Sick“ wäre hier die linke Rheinseite, darf darauf hingewiesen werden, daß in dieser Weise nur immer die dem Leinpfade gegenüber liegende Rheinseite im Volksmunde bezeichnet wurde. Der Leinpfad, auf dem die Pferde die Schiffe rheinauf treidelten, lief aber linksrheinisch über Remagen. Im heutigen Stadtteil Kripp befand sich, wie auch beispielsweise im gleichnamigen Kripp oberhalb Koblenz, eine der in tageweisen Abständen befindlichen Umspann-Stationen, wo die Pferde ihre „Krippe“ vorfanden. Um das Scheuen der Pferde durch die Sonnenspiegelung im Wasser des Rheins zu vermeiden, hatten die Fuhrknechte an dem zum Rhein hin liegenden Zaumzeug vor dem linken Auge des Pferdes eine Scheuklappe angebracht, so daß das Pferd nach dieser Seite hin, also einseitig, „schäl“ (blind) war. Im übertragenen Sinne wurde nun überhaupt die gegenüber liegende, also die rechte Rheinseite, eben die „Schäl Sick“ gegenannt, womit im vorliegenden Falle bei aller Wertschätzung dieses wirklich ganz entzückenden alten Rheinortes gesagt sein könnte, daß die maßgebenden Stellen des Kirchspiels Erpel bei der Fortsetzung ihres Zerstörungswerkes der Erpeler Ley damals wohl tatsächlich „blind“ gewesen sein müssen.

Nun versuchte Karl Kollbach den „Verschönerungs-Verein für das Siebengebirge“ (VVS) für seine Rettungsaktion zur Erhaltung der Erpeler Ley zu gewinnen. Hierzu schaltete er den „Verschönerungs-Verein Remagen“ (VVR) ein, dessen Vorsitzender er war. Als altes, aktives Mitglied des VVS hatte er während seiner Bonner Zeit immer tatkräftig an der Erhaltung des Siebengebirges, dem Endakkord des berggeformten Rheintales gewirkt. Neben dem formellen Schriftverkehr, den er als Vorsitzender des VVR mit dem nachbarlichen Verein, sowie Behördenstellen insbes. im Bonner und Kölner Räume führte, bemühte er sich in vielen Einzelgesprochen maßgebliche Persönlichkeiten, denen er nahe stand, bzw. freundschaftlich mit ihnen verbunden war, zur Hilfeleistung für die Zustimmung des Antrages des VVR auf Erweiterung des Schutzgebietes nach Süden bis zur Neuwieder Bucht zu gewinnen. So u. a. die Bonner Fabrikanten Friedrich Soennecken, Franz Guilleaume, Louis Wessel; die Universitätsprofessoren Dr. Loeschke, Geheimrat von Mosengeil, Dr. Nussbaum, Dr. Ungar. Ohne Rücksicht auf Zeit und Aufwand, die ihn hinter den damaligen Verkehrsverhältnissen persönlich besonders belasten mußten, scheute er keine Möglichkeit, in unermüdlichen Rücksprachen die Zustimmung zum Antrage des VVR herbeizuführen. Dies vor allem auch in wiederholten Besprechungen mit Oberbürgermeister Spiritus, zu dem er als früherer Lehrer seines Sohnes in einem besonders engen persönlichen Verhältnis stand.

Aber trotz seiner wirklich besten Beziehungen zu den vielen einflußreichen Stellen und seines wirklich unermüdlichen Einsatzes gelang es Karl Kollbach dennoch nicht, die Zustimmung des VVS für den Gebietserweiterungsantrag des VVR herbeizuführen.

Das Scheitern seiner Bemühungen wurde in dem nachfolgenden von Karl Kollbach verfaßten redaktionellen Bericht in der „Bonner Zeitung“ Nr. 149 v. 26. 6. 1904 veröffentlicht:

Die Erhaltung der Berggipfel im Mittelrheingebiet

K. Verschiedene rheinische Blätter haben in letzter Zeit einige Bemerkungen aus den Baseler Nachrichten über die Ursachen der Abnahme des Fremdenverkehrs am Rhein veröffentlicht. Die Ausführungen haben viel Beachtung gefunden. In der Tat hat die Zunahme der gewerblichen Tätigkeit, besonders in den Städten am Mittelrhein, mit dazu beigetragen, die gepriesene Romantik dieser Landschaft zu beeinträchtigen. Indes sind diese Verhältnisse, die den heutigen Wohlstand der Rheinlande mit verbürgen, nicht die Hauptursache für die Schädigung der Schönheit des Landschaftsbildes; vielmehr wird diese durch die Zerstörung der Berg<-gipfel im Mittelrheingebiet, besonders auf der Strecke zwischen Andernach und Bonn veranlaßt.

Es war ein großartiger Gedanke, wenigstens das Siebengebirge vor Verunstaltung und Zerstörung zu bewahren, und die Tätigkeit des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge hat dank der großen Opferwilligkeit einzelner rheinischer Städte und der tatkräftigen Hülfe der obersten Behörden heute schon sehr viel geleistet. Aber es ist mit diesen Bestrebungen nicht genug getan; das Gebiet, auf welches sich die Wirksamkeit des genannten Vereins beschränkt, ist zu eng umgrenzt; ein größerer Kreis müßte gezogen werden. Eine Eingabe verdient hier Beachtung, die jüngst vom Vorstande des Verschönerungs-Vereins von Remagen an den Vorstand des Verschönerungs-Vereins für das Siebengebirge gerichtet worden ist und folgenden Wortlaut hat:

In weiten Kreisen, auch über die Rheinlande hinaus, hat die Nachricht freudige Genugtuung hervorgerufen, daß es den Bemühungen des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge gelungen ist, die Erhaltung weiterer Gipfel und Landstrecken im Siebengebirge sicher zu stellen. So bedeutsam nun auch heute schon die Erfolge dieser Bestrebungen sind „und so groß das Gebiet, auf dessen Erhaltung Bedacht genommen wird, bleibt es doch zu beklagen, daß in dem Umkreise desselben andere nicht minder bedeutsame und landschaftlich hervorragende Punkte rettungslos dem Verfalle preisgegeben sind. Insbesondere bezieht sich dies auf die unmittelbar am Rheine gelegene, für die ganze Tallandschaft des Rheines von Andernach bis Unkel so charakteristische Gestalt der Erpeler Ley. Aber nicht minder bestimmend für das Landschaftsbild dieser Gegenden sind die wuchtigen und schöngeformten Basaltgipfel im Hinterlande von Linz, die nicht nur über die vorgelagerten Schieferhöhen bis ins Rheintal herabschauen, sondern auch für alle weit drinnen in der Eifel und dem Westerwalde Wohnenden prächtige Wahrzeichen des Rheines bilden. Ihr Bestand ist in neuerer Zeit derart bedroht, daß man fast mit Sicherheit ausrechnen kann, wann bei dem Fortbestehen des heutigen Steinbruchbetriebes der Zeitpunkt gekommen sein wird, wo ihre charakteristische Form verschwunden und damit die ganze Schönheit dieses eigenartigen Landschaftsbildes dahin sein wird.

Unter diesem Gesichtspunkte erscheint es uns als eine Pflicht, uns an den Verschönerungsverein für das Siebengebirge mit seinem weitreichenden Einfluß zu wenden .und bei ihm die Frage anzuregen, ob letzterer nicht über die bisher seinem Wirken gezogenen Grenzen hinaus einem größeren Gebiete seine Fürsorge zuwenden könne. Man braucht dabei nicht an die Erhaltung weiter Gebiete in der Art wie im Siebengebirge zu denken, vielmehr würde es genügen, wenn wenigstens vorläufig die eigentlichen Gipfelhöhen der hervorragendsten Berge vor dem Untergange bewahrt würden. Eine weitere Lotterie ist bereits genehmigt. Die Rheinprovinz, sowie die Städte Köln und Bonn haben in hochherziger Weise bedeutende Mittel zur Erhaltung des Siebengebirges in Bereitschaft gestellt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch die anderen großen Städte der Rheinlande, wie Elberfeld, Barmen, Düsseldorf, Krefeld u. a. zur Verwirklichung des Planes mitwirken, ja, daß selbst die kleineren Gemeinwesen, besonders in der Nähe des Rheines, Opfer zu bringen bereit wären, um so mehr, wenn es gelten würde, nicht nur das Gebiet des Siebengebirges, sondern das ganze Mittelrheintal zwischen dem Neuwieder Becken und der Köln-Bonner Bucht, wenigstens in seinen schönsten und charakteristischsten Berggipfeln vor der dauernden Zerstörung zu bewahren. Der Verschönerungsverein Remagen richtet deshalb an den Verschönerungsverein für das Siebengebirge die ergebene und dringende Bitte, die Angelegenheit in einer der nächsten Sitzungen des Vorstandes zur Sprache zu bringen, und gibt sich der Hoffnung hin, daß alsdann eine Bewegung in größerem Stile eingeleitet werden könnte, deren Erfolge nicht nur eine große Errungenschaft für die ganzen Rheinlande, sondern geradezu eine nationale Tat wären.“

Seitens des Herrn Oberpräsidenten und des Herrn Oberbürgermeisters von Bonn ging dem Vorstande des genannten Vereins die Antwort zu, daß der Verschönerungsverein für das Siebengebirge satzungsgemäß nicht in der Lage sei, dem Antrage Folge zu leisten und seine Wirksamkeit auf das ganze Mittelrheintal in dem erwähnten Umfange auszudehnen. Zugleich aber wird in dem Schreiben des Herrn Oberpräsidenten das Bedauern über die Notwendigkeit der Ablehnung ausgedrückt. Von den obersten Behörden der Rheinlande geschieht in der Tat alles, was nach den vorhandenen Mitteln und den gesetzlichen Bestimmungen angängig ist, um der Zerstörung Einhalt zu tun, aber dies hindert nicht deren rapiden Fortschritt außerhalb der Grenzen des Siebengebirges. Es dürfte die Frage aufzuwerfen sein, ob nicht eine Änderung der Satzungen des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge nach dieser Richtung hin notwendig geworden ist oder aber die Gründung eines zweiten Vereins mit den nämlichen Bestrebungen, dessen Wirksamkeit sich auf das jetzt noch ausgeschlossene Gebiet zu erstrecken hätte, ins Auge zu fassen sei.

Die endgültige Ablehnung erfolgte offiziell aus „formalen“ Gründen unter Berufung auf die entgegenstehende Satzung des VVS. Diese aber wollte man aus finanziellen Erwägungen bewußt nicht durch Erweiterung des Schutzgebietes ändern.

Die größten Mittel, die dem VVS zur Verfügung standen, stellten insbes. die Städte Bonn und Köln, Königswinter und Godesberg, sowie Düsseldorf und die Städte des Industriegebietes laufend für dieses herrliche Erholungsgebiet zur Verfügung. Man befürchtete, daß sich insbes. die im Räume des Erweiterungsgebietes gelegenen kommunalen Verwaltungen nun jedoch nicht im Verhältnis zur Erweiterung des Schutzgebietes finanziell beteiligen würden. Demgemäß müsse der VVS seine ihm für den Schutz des Siebengebirges zur Verfügung stehenden Mittel dann teilweise auch für das nach Süden erweiterte Gebiet verwenden. Objektiv wird man diesen Überlegungen, wie die späteren Erfahrungen in diesem Räume gezeigt haben, sogar Verständnis entgegenbringen müssen. Wenn der Schutz dieses Anschlußgebietes vom VVS nun nicht übernommen wurde, so stand für Karl Kollbach fest, daß das Ziel dann eben allein nur noch auf dem Wege über eine neue Vereinsgründung zu diesem Zwecke erreicht werden könne.

Karl Kollbach jr. Verlag, Remagen
In den Felsen der Erpeler Ley 1908

So begann nun die dritte Phase seines Kampfes zur Rettung der Erpeler Ley. Auf Grund seiner bisherigen Erfahrungen hielt es der nicht zu entmutigende Schützer der Natur jedoch für geboten, sich in seinen weiteren Bestrebungen zunächst einmal auf die Rettung der tödlich bedrohten Erpeler Ley zu konzentrieren. Erst nach Erreichung dieses Zieles sollte dann das Schutzgebiet im Blickfeld des Rheintales bis zur Neuwieder Bucht ausgedehnt werden. Die Konzentration auf dieses erste Ziel erschien ihm angesichts des sogar in noch gesteigertem Ausmaße betriebenen Abbruches der Erpeler Ley für unerläßlich.

Nunmehr wandte sich Karl Kollbach zunächst an den Regierungspräsidenten Freiherrn von Hövel in Koblenz. Mit einer Eingabe V. 31. 12, 1904 orientierte er ihn in eingehender Darstellung unter Beifügung von Belegen seiner Pressearbeiten über seine bisherigen, leider erfolglos gebliebenen Bemühungen. Er machte ihn mit seinen weiteren Plänen bezgl. der Gründung eines Vereins zur Erhaltung der Erpeler Ley bekannt und bat um seine Unterstützung. Ein persönliches Dankschreiben des Regierungspräsidenten v. 10. 1. 1905 ließ erkennen, daß er mit der Förderung seiner Bestrebungen rechnen konnte.

Natürlich hatte Karl Kollbach nun auch Verbindung mit dem Landrat seines Schulaufsichtskreises, Geheimrat Heising in Ahrweiler, ebenso aufgenommen, wie er den befreundeten Remagener Bürgermeister Hoeren auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des VVR und Stadtverordneter schon seit Jahren über den Fortgang seiner Bemühungen laufend unterrichtet hatte.

Nach Abschluß der eingehenden Vorbereitungen für die Gründung des Vereins erfolgte durch den Regierungspräsidenten Frh. v. Hövel zum 25. 6.1906 die Einladung an zahlreiche, größtenteils bereits angesprochen lnteressenten zur Gründungsversammlung in die Waldburg auf dem Viktoriaberge in Remagen.

Karl Kollbach hatte als Tagungsort diesen als beliebtes Ausflugsziel auch für Vereine weithin bekannten gastronomischen Betrieb, der Eigentum des VVR war, vorgeschlagen, da man vom Viktoriaberge aus einen wunderbaren Rundblick vom Siebengebirge nach Süden mit dem gesamten Rheinpanorama und dem Westerwald bis zur Neuwieder Bucht, ja, bis zu den Hunsrückbergen südlich Koblenz hatte. Hier, vom etwas höher gelegenen Viktoriaberge aus, hatte man das direkt am gegenüberliegenden Ufer des Rheines sich vollziehende Zerstörungswerk unmittelbar vor Augen. Auch der Oberpräsident, Freiherr v. Schorlemer-Lieser, der Regierungsrat Groos als Vertreter zu dieser Gründungsversammlung entsandt hatte, ließ sein größtes Interesse und seine volle Unterstützung bekunden. In eingehendem Referat schilderte Karl Kollbach die gesamten Verhältnisse bezgl. der Gefährdung dieser rheinischen Landschaft und berichtet über die bisherigen vergeblichen Bemühungen zu deren Schütze. Die Versammlung stimmte ihm zu, daß sich das Ziel des zu gründenden Vereins zunächst nur auf die Rettung der Erpeler Ley konzentrieren solle. Demgemäß konstituierte sich der

Verein zur Erhaltung der Erpeler Ley,

für den sich bereits Graf von Fürstenberg-Stammheim, der Remagen durch die von ihm erbaute Apollinariskirche mit der Familiengruft so eng verbunden war, zur Übernahme der Schirmherrschaft bereit erklärt hatte. Als ständige Ehrenmitglieder des Vereins ernannte die Versammlung

Oberpräsident Frh. v. Schorlemer-Lieser 
Oberpräsident a. D. Exz. v. Nasse 
Regierungspräsident Frh. v. Hövel

Für Exz. v. Nasse, dessen Sohn lange Jahre evangelischer Pfarrer in Remagen war, ist der Landschaftsschutz immer ein ganz besonderes Anliegen gewesen. So hatte er sich u. a. bereits außerordentliche Verdienste um die Erhaltung des Siebengebirges durch seine besondere Unterstützung des VVS erworben, der ihn durch ein Erinnerungsmal auf dem „Von-Nasse-Platz“ inmitten des Schutzgebietes in besonderer Weise ehrte.

Bei der nun folgenden Wahl des Vorstandes, der in einer anschließenden Sitzung die Verteilung der Ämter vornahm, wurden gewählt

  1. Landrat Heisin, Ahrweiler 
    als Vorsitzender und 
    Landrat von Elbe, Neuwied, als stellv. Vorsitzender
  2. Kreisschulinspektor Karl Kollbach 
    als Schriftführer und
    General z. D. Bigge, Koblenz, Vors.
    des „Rheinischer Verkehrsverein“ als stellv. Schriftführer
  3. Rentner Franz Pira, Remagen, 
    als Schatzmeister und
    Beigeordneter Peter Hillenbrand, Linz, 
    als stellv. Schatzmeister

Anschließend wurde eine größere Anzahl von Herren in den Ausschuß des Vereins gewählt, von denen hier nur einige unter Berücksichtigung später erfolgter Ergänzungswahlen genannt sein mögen:

Kommerzienrat Arthur Camphausen, 
Mehlem-Köln
Geheimrat Prof. Dr. Clemen, Bonn 
Kommerzienrat Arnold v. Guilleaume, 
Remagen-Köln
Kommerzienrat Max v. Guilleaume, 
Remagen-Köln
Rudolf Herzog, Rheinbreitbach 
Regierungspräsident a. D. zur Nedden, Koblenz
Kommerzienrat Reichardt, Neuwied 
Prof. Dr. Renard, Provinzialkonservator, Bonn
Geheimrat Selve, Bonn (jetziger Sitz des Bundespräsidenten)
Geheimrat Dr. jur. Julius Trimborn, Köln 
Staatsminister a. D. Exz. Wallraf, Bonn, 
Vors. d. „Rhein. Verein f. Denkmalpflege u. Heimatschutz“
Geheimrat Wegeier (Deinhard), Koblenz 
Graf Fritz Westerhold, Schloß Arenfels

Die baldige Einberufung der Generalversammlung wurde vorgesehen.

Allgemeine Überraschung und Freude löste es aus, als Karl Kollbach abschließend mitteilen konnte, daß er bereits den ihm nahestehenden Kommerzienrat Arthur Camphausen, Mehlem-Köln, mit einer Spende von 1000,— Mark als „Stifter“ und den Rentner Peter Windscheid, Erpel, dessen Zustimmung für seine Rettungsaktion er bereits bei seinen ersten Bemühungen in Erpel gefunden hatte, mit einer Spende von 500,— Mark als, „Ehrenmitglied“ habe gewinnen können.

Dieser Erfolg, bereits am Gründungstage des Vereins, wurde von der Versammlung als gutes Omen für die Rettung der Erpeler Ley gewertet. Die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht in Sinzig erfolgte unter Nr. 5 am 28. 11. 1907. Es war überhaupt die fünfte Eintragung beim Amtsgericht Sinzig, das heute etwa 130 Eintragungen zählt. Die wesentlichsten Punkte der bereits vor Einberufung der Gründungsversammlung entworfenen und dann angenommenen Satzungen seien kurz genannt:

Name und Sitz des Vereins
§ 1

Der in das Vereinsregister einzutragende Verein führt den Namen „Verein zur Erhaltung der Erpeler Ley“ und hat seinen Sitz in Remagen.

Zweck des Vereins
§2

Der Verein bezweckt:

  1. Die dauernde Erhaltung der Erpeler Ley und den Schutz dieses Berges und seiner Umgebung gegen Zerstörung und Schädigung,
  2. Die Herstellung und Erhaltung von Wegen und anderen Anlagen, die den Besuch der Erpeler Ley fördern können, im Bereiche dieses Berges und seiner Umgebung. Im übrigen besteht der Verein aus „Stiftern“ (1000,— Mark) und „Ehrenmitgliedern“ (500,— Mark), ordentlichen Mitgliedern (jährl. 3,— Mark), sowie Vertrauensmännern (korrespondierende Mitglieder, die vom Vorstand ernannt werden können).

Organe des Vereins sind der Vorstand, der aus sechs Mitgliedern (Vorsitzender, Schriftführer und Schatzmeister mit je einem Stellvertreter) besteht und alle drei Jahre vom Ausschuß neu zu wählen ist; der Ausschuß, der aus dem Vorstand und höchstens dreißig von der Generalversammlung (alle drei Jahre die Hälfte) zu wählen ist; die Generalversammlung, die jährlich mindestens einmal einzuberufen ist. Vorsitzender, Schriftführer und Schatzmeister fungieren in gleicher Eigenschaft beim Ausschuß. Der Vorsitzende des Vorstandes oder dessen Stellvertreter und in dessen Verhinderung der Schriftführer leitet die Verhandlung in der Generalversammlung.

Als Mittel zur Erreichung des Vereinszweckes sollen dienen: Jahresbeiträge der Mitglieder, Geschenke und sonstige Zuwendungen, Einnahmen aus besonderen Veranstaltungen, sowie das jeweilige, mündelsicher angelegte Kapitalvermögen, soweit es nicht im laufenden Jahre Verwendung findet.

Mitglieder, die mit ihrem Beitrag zwei Jahre im Rückstand sind, können durch Beschluß des Vorstandes aus dem Verein ausgeschlossen werden.

Bei Auflösung des Vereins, die nur durch Mehrheitsbeschluß von zwei Dritteln der Vereinsmitglieder (auch durch schriftliche Abstimmung) erfolgen kann, soll die Verfügung über das Vermögen dem Regierungspräsidenten zu Koblenz überlassen bleiben.

Eine grundlegende Erkenntnis hatte Karl Kollbach bei all seinem Idealismus aus seinen bisherigen, vergeblichen Bemühungen jedoch gezogen : Er wußte, daß das hohe Ziel der Rettung der Erpeler Ley angesichts der Einstellung des Kirchspiels Erpel allein nur noch mit Geld zu erreichen sein würde.

Demgemäß sah er zunächst einmal seine Aufgabe als Schriftführer darin, die Werbetrommel zu rühren, um beitragzahlende Mitglieder und Spender zu gewinnen.

Nun griff der leidenschaftliche Kämpfer für die Erhaltung der Erpeler Ley zur Feder, seiner stärksten Waffe, die der packende Schilderer der Landschaft meisterhaft zu führen verstand. Mit einer gedruckten Informationsschrift, wurde die gesamte Presse über die erfolgte Gründung des Vereins orientiert. Es folgte ein „Aufruf“ zur Rettung der Erpeler Ley der je dreimal in der „Kölnische Zeitung“, wie auch in der „Kölnische Volkszeitung“ veröffentlicht wurde. Unterzeichnet war der Aufruf von den Vorstandsmitgliedern

Landrat, Geheimer Regierungsrat Heising, 
Ahrweiler, als Vorsitzender 
Landrat Dr. jur. von Elbe, Neuwied, 
als stellv. Vorsitzender Kreisschulinspektor, 
Schulrat Karl Kollbach, Remagen, als Schriftführer 
Weinhändler Franz Pira, Remagen, als Schatzmeister
Peter Hillenbrand, Beigeordneter der Stadt Linz, 
als stellv. Schatzmeister 
sowie dem Schirmherrn des Vereins 
Graf von Fürstenberg-Stammheim. 

Dank seines langjährigen engen Kontaktes gerade mit den beiden großen Kölner Zeitungen konnte der bekannte rheinländische Schriftsteller diese Anzeigen durch entsprechende redaktionelle Beiträge aus seiner Feder wirkungsvoll unterstützen. In dem Feldzuge, den er nun insbes. in der Presse ganz Westdeutschlands führte, ging es ihm darum, die breiteste Öffentlichkeit angesichts dieses Naturfrevels aufzurütteln. Der Erfolg blieb auch glicht aus‘. Bereits 1908 beliefen sich die Mitgliederbeiträge auf rd. 1900,— Mark; wohlgemerkt: Goldmark! In zahllosen persönlichen Werbebriefen und Fühlungnahmen, an denen sich auch die übrigen Vorstandsmitglieder nach Abstimmung mit dem Schriftführer in ihrem Bekanntenkreise beteiligen sollten, ging es vor allem darum, weitere „Stifter“ und „Ehrenmitglieder“ zu gewinnen.

Auch diese Aktion brachte namhafte Erträge an einmaligen Spenden, wie auch neue Mitglieder mit laufenden höheren Beitragszahlungen — auch Körperschaften — gewonnen werden konnten.

Besondere Erfolge löste u. a. auch der von Karl Kollbach in der „Kölnische Zeitung“ Nr. 736 veröffentlichte Artikel „Erpel und seine Ley“ vom 11. 7. 1908 aus. Seine Wirkung war um so größer, da das so ernste Problem der Zerstörung der Ley im Rahmen einer geistvolllebendigen Schilderung dieses alten Rheinstädtchens mit seinen historischen Stätten angesprochen wurde.

Daß gerade diese bedeutende Zeitung den Beitrag aus der Feder ihres freien Mitarbeiters gebracht hatte, wurde in der Generalversammlung des Vereins am 17. 9. 1908 im Hotel Fürstenberg in Remagen mit besonderer Anerkennung gewürdigt. Aber auch an hoher und höchster Behördenstelle in Berlin hatte der Artikel angesichts der Weltgeltung dieser Zeitung, die einst das Blatt Bismarcks war, Beachtung gefunden. Um den Schriftführer wenigstens in formellen Arbeiten im Interesse seiner literarischen Tätigkeit für die Ziele des Vereins etwas zu entlasten, wurde in der gleichen Sitzung beschlossen, ihm, der als einziges Vorstandsmitglied keinen ihm zur Seite stehenden Stellvertreter hatte, wenigstens ein Vereinsmitglied zur Unterstützung beizugeben. In dem in Ahrweiler, zweckmäßig am Dienstsitz des Vorsitzenden wohnenden Hauptlehrer Strauck, fand dann Karl Kollbach eine Hilfe.

Weiter wurde anstelle des wegen eines Augenleidens zurückgetretenen Schatzmeisters Franz Pira, der Rentner Franz Georg Menne aus Remagen gewählt.

Dem Vorstande, der satzungsgemäß aus sechs Mitgliedern bestand, gehörte seit der Gründung des Vereins auch der im ersten Weltkriege zum Generalleutnant beförderte Generalmajor z. D. Bigge aus Koblenz — lediglich formell als stellv. Schriftführer — an, da seine Mitgliedschaft im Vorstande als Vorsitzender des „Rheinischer Verkehrsverein“ besonders erwünscht erschien. In dem vom „Rheinischer Verkehrsverein“ 1907 dreisprachig herausgegebenen prächtigen Rheinalbum wurde der schönste Abschnitt des Rheinlaufes von Bingen-Rüdesheim bis Rolandseck-Honnef von Karl Kollbach beschrieben.

In den erweiterten Vorstand wurden später noch im Zuge des sich verstärkenden unmittelbaren Kontaktes mit der rechten Rheinseite der Bürgermeister von Unkel, Biesenbach, zu dessen Amt das Kirchspiel Erpel gehörte, sowie der Mineralfarbenfabrikant Eduard Engels aus Erpel gewählt.

Neben der Lösung so mancher organisatorischen Fragen bei dem jungen Vereine lag jedoch das Schwergewicht nach wie vor bei der Propaganda. Entlastet von manchen formalen Tätigkeiten des Schriftführers, konnte sich Karl Kollbach jetzt mit ganzer Kraft in leidenschaftlicher Hingabe dieser Aufgabe widmen. Nunmehr diente ihm bereits die Propaganda in der breitesten Öffentlichkeit zur Vorbereitung seiner Bestrebungen für die Erlangung der Lotteriegenehmigung durch die allein die Mittel zur endgültigen Rettung der Erpeler Ley durch deren Ankauf zu beschaffen waren. Zahlreiche weitere Aufsätze schrieb Karl Kollbach insbes. für die westdeutsche Presse. Ein Sonderdruck seines Artikels in der „Kölnische Zeitung“ wurde zusammen mit neuen Aufrufen und Werbeschriften in Tausenden von Exemplaren verbreitet.

Der rührige Fotograf Baptist Schneider aus Remagen stellte unter seiner Anleitung eine ganze Serie hervorragender Aufnahmen der Erpeler Ley her, wobei Karl Kollbach als so rüstiger Wanderer und Bergsteiger mit Schneider auch in die Felsen der Erpeler Ley kletterte. Schon seit Jahren war er mit dem äußerst interessierten, tüchtigen Fotografen eingearbeitet, der für ihn typische Landschaftsaufnahmen zur Illustrierung seiner landeskundlichen Arbeiten, besonders auch in langen Wanderungen mit ihm, der seine großformatige Platten-Kamera im Rucksack auf dem Rücken trug, im Vulkangebiet der Eifel anfertigte.

Die nach diesen Aufnähmen hergestellten Ansichtskarten wurden im ganzen Räume zwischen Bonn—Köln und Koblenz in den einschlägigen Geschäften, Bahnhofsbuchhandlungen, Gaststätten u. a. m. vertrieben und erbrachten dem Vereine auch noch Gewinne.

Bei den mit ihm befreundeten Verlegern des Rheinverlages, Hoursch und Bechstedt in Köln, die auch sein Bändchen „Gedichte“ verlegt hatten, konnte er die Aufnahme der Erpeler Ley in die große Bildpostkarten-Serie der Glanzpunkte des Rheines nach den Gemälden von Astudin erwirken. Der berühmte russische Maler, den Karl Kollbach als Gast bei sich aufnahm, schuf ein wertvolles Ölgemälde der Erpeler Ley, das vom Verein angekauft und vom Schatzmeister in Gewahrsam genommen wurde. Diese im Rahmen der großen Rheinserie im ganzen Rheinland in großen Auflagen vom Verlage vertriebenen farbigen Künstlerkarte diente mit ihrem entsprechenden Hinweis auf den Verein und seinen Zweck in hervorragender Weise der Werbung. In großem Umfange wurde diese Gemäldereproduktion aber auch den textlichen Werbemitteln des Vereins beigefügt. Auch die zahlreichen Sammelbüchsen, die der Vorstand schon frühzeitig in die Hotel- und Gaststättenbetriebe insbes. im Blickfeld der Erpeler Ley gegeben hatte, brachten z. T. ansehnliche Betrage, je nachdem sich der betr. Wirt hierfür insbes, bei Stammtischrunden und Klubs besonders eingesetzt hatte. Seinen vielen literarischen Arbeiten für die Rettung der Erpeler Ley fügte Karl Kollbach dann auch noch das nachstehende Gedicht hinzu, das von vielen Zeitungen im Rahmen eines redaktionellen Hinweises auf den Verein und seine Bestrebungen veröffentlicht wurde.

Die Erpeler Ley
Aus heitren Rebenhöhen 
Ragt hoch die Erpeler Ley, 
An ihrem Riesensockel 
Zieht stolz der Rhein vorbei.Gleich, einer finstren Warte, 
Mit Hängen schroff und kahl, 
Beherrscht der kühne Felsen 
Weithin das schöne TalKein Wandrer geht die Straße, 
Kein Schiff zieht hier vorbei, 
Dem nicht den Gruß entböte, 
Die hohe Erpeler Ley.Und dem, der sie erstiegen, 
Tut sich die Ferne auf, 
Auf meilenweiten Strecken 
Sieht er des Rheines Lauf.Ein Abgrund gähnt zu Füßen, 
Daraus der Rhein erglänzt, 
Den hier die ,,Goldne Meile“ 
Im Saatenschmuck umkränzt.
Es ist ein Gottesgarten, 
Voll Leben, Lust und Pracht, 
Die Ley darin der Herrscher, 
Der alles überwacht.
In diesen Bergesriesen, 
Voll Hoheit und voll Trutz 
Reißt heute Todeswunden 
Des Menschen Eigennutz.Es krachen dumpfe Schüsse, 
Zersprengt stürzt das Gestein; 
Es rollen Schutt und Trümmer 
Hinab bis an den Rhein.Des Stromes schönstes Denkmal, 
Schon steht es halb zerstört; 
Wann wird der Ruf nach Hülfe, 
Vom Deutschen Volk erhört?!
Was wird die Nachwelt sagen, 
Von uns und unsrer Zeit?!
Uns bliebe nur die Schande 
Für alle Ewigkeit!
Der Mensch schafft neue Bauten 
Ergänzt der Vorzeit Spur, 
Für immer wird vernichtet 
Ein Denkmal der Natur.
Drum helft die Tat vollbringen, 
Ihr Deutsche, fern und nah! 
Als Denkmal Eurer Hülfe 
Steht stolz der Berg dann da.
Und kommende Geschlechter
Die segnen Eure Tat, 
Die dieses Werk des Schöpfers 

Dem Rhein gerettet hat.

Karl Kollbach jr. Verlag, Remagen 
Blick von Remagen auf Erpeler Ley und Hummelsberg (1908)

Während die Propaganda umsichtig bereits zielbewußt auf eine Lotterie hinlenkend geführt wurde, ermöglichte es der sich als Erfolg der Werbung steigende Eingang von Geldern durch neu gewonnene Mitglieder und durch Spenden, nun auch direkte Schritte zur Verwirklichung des Vereinszieles zu unternehmen. Hierbei mußte aber mit äußerster Behutsamkeit vorgegangen werden. Allgemein war in Erpel das Gerücht verbreitet, der Remagener Verein, der doch in Erpel gar nichts zu suchen habe, wolle den Erpeler Arbeitern in den Ley-Steinbrüchen ihr Brot nehmen. Auch wurde immer wieder darauf hingewiesen, daß doch nur Remagen Nutzen aus einer Erhaltung der Erpeler Ley ziehe. Auf diese Weise war in der Bevölkerung eine direkt feindselige Stimmung gegen den Verein erzeugt worden, in den angeblich satzungsgemäß kein Erpeler aufgenommen werden dürfe. Demgemäß findet sich auch in den Protokollen der Vorstandssitzungen jeweils der Hinweis auf absolute Vertraulichkeit. Bei seinen ersten Bemühungen in Erpel war es Karl Kollbach gelungen, jedoch auch zwei weitblickende Bürger für seine Pläne zu gewinnen. Es waren dies der bereits als späteres Mitglied des Vorstandes benannte Fabrikant Eduard Engels, sowie der als „Ehrenmitglied“ gleichfalls bereits benannte Rentner Max Windscheid, der leider jedoch bereits im Jahre 1908 verstarb. Mit ihnen standen dem Vorstande nunmehr zwei örtliche Vertrauensleute direkt im gegnerischen Lager zur Verfügung. Durch einen „Strohmann“ gelang es dem Verein die gerade zur Neuverpachtung anstehende Grasnutzung auf dem Plateau der Ley an sich zu bringen. Wie unendlich groß die Schwierigkeiten waren, denen sich der Verein gegenübergestellt sah, läßt allein schon die Tatsache erkennen, daß das Rettungswerk der Erpeler Ley mit der Pachtung der Grasnutzung auf dem Plateau begann. Der Erwerb dieser ersten Besitzrechte — und sei es auch nur der Grasaufwuchs — wurde als erster Sieg gewertet. Es war schon einmal gelungen, auf der Erpeler Ley Fuß zu fassen und sich gewisse Rechte zu sichern. Hatte man sich das ,,Abernterecht“ für das Gras bereits gesichert, dann wollte man nun versuchen, als nächsten Schritt die Parzellen selbst wenigstens zunächst einmal zu pachten und damit das „Abbaurecht“ für den Basalt an sich zu bringen. Das Kirchspiel Erpel erzielte aus der Verpachtung jährlich 1700,— Mark Pacht. Dieser Betrag stand inzwischen allein schon aus den laufenden jährlichen Mitgliederbeiträgen zur Verfügung.

Man war sich im Vorstande völlig im klaren darüber, daß das Ziel des Vereins, die endgültige Rettung der Erpeler Ley, allein nur durch deren Ankauf für alle Zeiten zu erreichen sei.

Die jedoch für einen Ankauf benötigten, erheblichen Mittel standen dem jungen Verein natürlich noch nicht zur Verfügung. Sie sollten dem von Karl Kollbach bereits 1904 nach dem Scheitern der Bemühungen des VVR beim VVS gemachten Vorschlage gemäß durch eine Lotterie für diesen gemeinnützigen Zweck genauso beschafft werden, wie er dies vom VVS hier selbst kannte.

Es mußte also zunächst versucht werden, die Erpeler Ley zu pachten. Mit der Führung der Verhandlungen wurden in der Vorstandssitzung vom 15. 10. 1907 der Schriftführer Karl Kollbach und der stellv. Schatzmeister Hillenbrand beauftragt.

Nunmehr gelingt es den beiden Beauftragten einen positiven Kontakt mit dem für das Kirchspiel Erpel zuständigen Gemeindebürgermeister Biesenbach in Unkel herzustellen.

Gegenüber der unverständlichen Einstellung im Kirchspiel Erpel, die vielleicht sogar ihren Ursprung in Streitigkeiten haben mag, die sich bereits seit historischen Zeiten bei der Ausübung der beiderseitigen Fährgerechtsame ergeben, zeigte sich Bürgermeister Biesenbach den Plänen des Vereins gegenüber durchaus aufgeschlossen.

Er war frei von emotionellen Gefühlen und rein sachlichen Überlegungen zugänglich. So konnte er überzeugt werden, daß doch für die Steinbrucharbeiter der Ley anderweitige Arbeitsplätze gesichert seien. Dem Kirchspiel Erpel könne es — wenn schon ethischen Gründen nicht zugänglich — aus rein wirtschaftlichen Überlegungen doch völlig gleichgültig sein, ob es seine Pachteinnahmen von der Basalt AG in Linz, oder vom Verein in Remagen erhalte und hierdurch — ganz nebenbei! — sogar noch die Erpeler Ley erhalten bleibe. Bürgermeister Biesenbach konnte überzeugt werden, daß das Angebot des Vereins im wirklichen Interesse der Bevölkerung von Erpel liege. In schrittweise fortschreitenden Gesprächen pflichtete der inzwischen ganz für die Ziele des Vereins gewonnene Bürgermeister den beiden Beauftragten des Vorstandes bei, daß eine endgültige Rettung der Erpeler Ley allein nur durch den Ankauf seitens des Vereins erreicht werden könne.

Nach diesen erfolgreichen Fühlungnahmen beschließt der Vorstand in seiner Sitzung vom 5. 2. 1908 nunmehr Bürgermeister Biesenbach auch „formell zu ersuchen, die Bestrebungen des Vereins durch persönliche Teilnahme an diesen Verhandlungen zu unterstützen“. Bürgermeister Biesenbach, der zusammen mit dem bereits früher zu Sitzungen des Vorstandes zugezogenen Vorsitzenden des Verschönerungs-Verein Erpel (VVE), Engels, an der nächsten Vorstandessitzung vom 22. 6. 1908 teilnahm, bestätigte gerne seine bereits vorher bekundete volle Unterstützung in dem mit den beiden Unterhändlern erörterten Sinne. Aufgrund dieser vor dem Vorstande abgegebenen Zusicherung tritt alsdann der Vorstand in die Tagesordnung ein und beschließt nach längerer Beratung „Bürgermeister Biesenbach zu bitten, bzw. zu beauftragen, mit dem Kirchspiel Erpel namens des Vereins zEdEL zu verhandeln, das dem Kirchspiel gehörende Plateau der Erpeler Ley mit den anstoßenden, ihm gehörigen Basaltsteinbrüchen zunächst für den jährlichen Preis von 1700,— Mark auf 12 Jahre dem

Verein zu verpachten mit folgender Bedingung: . . .

Als wichtigste Bedingung „wird dem Anpächter ausdrücklich das Recht eingeräumt, das Pachtgelände während der Pachtzeit anzukaufen und zwar zu einem bis spätestens zum 1. Dezember zu vereinbarenden Kaufpreise. Sollte eine Einigung über die evtl. zu zahlende Kaufsumme bis zu diesem Zeitpunkte nicht erzielt werden, so tritt vorliegender Vertragsentwurf nicht in Kraft“.

Vor allem unter dem Eindruck der immer vernehmlicher in der weitesten Öffentlichkeit erhobenen Forderung nach Rettung der Erpeler Ley gelang es Bürgermeister Biesenbach, der sämtliche vorgesetzten Behörden hinter sich hatte, dann endlich auch die Zustimmung des Kirchspiels Erpel herbeizuführen. Die Generalversammlung, die am 17. 9. 1908 im Hotel Fürstenberg tagte, erteilte ihre Zustimmung zu dem bekannt gegebenen Vertragsentwurf mit der endgültig vom Kirchspiel Erpel geforderten Pachtsumme von jährlich 1800,— Mark und der Ankaufsumme von 100000,— Mark.

In der zum Vertragsabschluß am 23. 1. 1909 im Winzerverein Erpel einberufenen Vorstandssitzung legte der selbst in den Vorstand gewählte Bürgermeister Biesenbach den unterschriftsreifen Vertrag vor. Wie in allen vorherigen Sitzungen führte auch in dieser Sitzung der Vorsitzende, Landrat Heising, den Vorsitz. Nach Prüfung und Zustimmung wurde „die Tätigung Herrn Bürgermeister Biesenbach und Herrn Landrat Heising aufgetragen“. Unter-schriftlich vollzogen wurde der Vertrag für das Kirchspiel Erpel nach Genehmigung durch den Kreisausschuß Neuwied am 1. 5. 1909 und für den Verein am 15. 5. 19108). Der Vertrag hat folgenden Wortlaut: „Zwischen dem zivilen Kirchspiel Erpel, bestehend aus den Gemeinden Erpel, Orsberg, Bruchhausen, Heister u. Nieder-Casbach, vertreten durch Bürgermeister Biesenbach zu Unkel einerseits und dem Verein zur Erhaltung der Erpeler Ley zu Remagen, vertreten durch dessen Vorsitzenden den Königlichen Landrat Heising zu Ahrweiler, den Schriftführer Schulrat Kollbach zu Remagen, Schatzmeister Menne zu Remagen, den stellvertretenden Vorsitzenden

Königlichen Landrat Dr. jur. v. Elbe in Neuwied u. das Mitglied des Vorstandes, Beigeordneter Pet. Hillenbrand. zu Linz andererseits wurde heute folgender Vertrag abgeschlossen:

§ 1

Das oben genannte Kirchspiel verpachtet genanntem Verein das ihm gehörende Gelände an der Erpeler Ley nämlich Flur 22 Nr. 308 „ „ Nr. 400/312 „ „ Nr. 401/312 „ „ Nr. 313 „. „ Nr. 316

in der Gesamtgröße von 3 ha 31 a 4 qm vom 1. April 1909 ab auf 12 geschrieben: zwölf aufeinanderfolgende Jahre zum Pachtpreise von jährlich 1800 M geschrieben: Eintausend achthundert Mark. Dieser Pachtzins ist jährlich zum ersten Male am 1. April 1909 praenumerando an die Gemeindekasse in Unkel zu entrichten.

§ 2

Die über einen Teil obengenannter Parzellen noch bis zum 1. April 1911 laufende Pachtung an die Basalt-Aktien-Gesellschaft zu Linz geht erst zu diesem Termine an den mit contrahierenden Verein über.

§ 3

Während dieser ganzen Pachtzeit soll es genanntem Verein freistehen, in jedem beliebigen Augenblicke den oben genannten gesamten Besitz des Kirchspieles zum Gesamtpreis von 100000 M geschrieben: Ein Hundert Tausend Mark vom genannten Kirchspiele anzukaufen. An dieses Angebot hält das Kirchspiel bis zum Ablauf der Pachtzeit sich gebunden.

§ 4

Kommt ein Verkauf des Kirchspielbesitzes vor dem 1. April 1911 zu Stande, so bleibt der bis dahin noch laufende Pachtvertrag zwischen der Basalt-Aktien-Gesellschaft u. dem Kirchspiel unberührt. Es fließt daher auch dann die Pacht-Summe bis zum Ablauf dieses Vertrages in die Gemeindekasse u. wird der neue Eigentümer erst am 1. April 1911 in diesen Teil des Eigentums eingewiesen.

§ 5

Entschließt sich der Verein zum Ankaufe, so ist die Kaufsumme von 100 000 M an einem Termine an die Gemeindekasse zu zahlen. Mit dem Zahlungstage erlischt die Pachtung u. die aus ihr resultierenden Verbindlichkeiten.

§ 6

Der Verein verpflichtet sich während der Pachtung außer zur Herstellung von Wegen u. sonstigen seinen Zwecken dienenden Anlagen keinerlei Steine auf dem Pachtgelände zu brechen u. allen Besuchern den kostenlosen u. ungehinderten Zutritt zu der Kuppe der Erpeler Ley u. zu ihren Aussichtspunkten zu gewährleisten.

Im Falle des Ankaufes ist der Verein gehalten, die in diesem Paragraphen getroffene Vereinbarung durch eine Eintragung ins Grundbuch dauernd festzulegen.

§ 7

Während der Dauer der Pachtzeit soll es dem Kirchspiel freistehen, aus den Steinhalden der Brüche das lose Steinmaterial zu Wegebauten kostenlos mit Genehmigung des Vorstandes des Vereins zu entnehmen. Im Falle des Ankaufes durch den Verein erlischt diese Vergünstigung.

§ 8

Bleibt der Verein mit der Zahlung der Pacht länger wie ein Jahr im Rückstande, so ist Verpächterin berechtigt nach vorausgegangener sechsmonatlicher Kündigung das Pachtverhältnis aufzulösen.

§ 9

Für die Erfüllung der aus diesem Vertrage von dem Verein übernommenen Verbindlichkeiten haftet lediglich das Vereinsvermögen.

§ 10

Sämtliche Kosten, sowohl des Pacht- wie des eventuellen Kaufvertrages hat der Verein zu tragen. Jedem der beiden Kontrahenten wird eine Ausfertigung dieses Vertrages ausgehändigt.

Unkel, den 1. Mai 1909
Remagen, 15. Mai 1910.“

Die völlig unverständliche Verzögerung für die Unterzeichnung des nun endlich erreichten Vertrages seitens des Vorstands von mehr als einem Jahr, war aus den vorhandenen Unterlagen nicht zu erklären. Das hart erkämpfte Ziel war erreicht! Bis auf wenige Parzellen, für die der Pachtvertrag mit der Linzer Basalt AG erst am 1. 4. 1911 ablief und der auch nicht früher abgegolten werden konnte, war das Zerstörungswerk an der Erpeler Ley für 12 Jahre bis zum 31. März 1921 eingestellt.

Durch das vereinbarte Ankaufrecht zu einem festen Preise war gesichert, daß mit jederzeitiger Zahlung des Kaufpreises die Erpeler Ley Eigentum des Vereins wurde und damit dieses Naturdenkmal endgültig für alle Zeiten, wie auch das Siebengebirge gerettet war. Nun aber forderte Karl Kollbach mit aller Eindringlichkeit unverzüglich die äußersten Anstrengungen für den Ankauf der Ley so schnell, wie irgend möglich zu machen und zwar völlig ungeachtet der langen Laufzeit des Pachtvertrages.

Die breiteste Öffentlichkeit war aufgerufen und setzte sich für das Rettungswerk ein. Die von der Zerstörung bedrohte Erpeler Ley war in aller Munde. Die höchsten Behörden hatten ihre Unterstützung bekundet. Karl Kollbach, der dieses große Interesse geweckt hatte, wußte genau, daß dieses Interesse jetzt sofort genutzt werden mußte, um auch das Geld für den Ankauf des Berges durch eine Lotterie zu beschaffen.

Während er seine Propaganda in noch verstärktem Maße, zusätzlich auch mit hochwertigen Bildern der Erpeler Ley fortsetzte, hatten es die beiden Vorsitzenden des Vereins, die Landräte von Ahrweiler und Neuwied, bereits in der Vorstandssitzung vom 14. 10. 1908 übernommen, die behördlichen Bewilligungen für die Lotterie unverzüglich einzuleiten. Der Vorstand ging von einem zu erzielenden Reinbeträge von wenigstens 120 000,— Mark aus. Der Oberpräsident, Freiherr von Schorlemer-Lieser, hatte die diesjährige Herbst-Konferenz 1909 der Regierungspräsidenten und Landräte der gesamten Rheinprovinz nach Remagen ins Hotel Fürstenberg einberufen, um voller Stolz angesichts dieses nun geretteten Naturdenkmales tagen zu können. Auf Vorschlag von Landrat Heising, der auch selbst an dieser Konferenz teilnahm, veranstaltete der Verein am Abend ein Feuerwerk zur Illumination der Erpeler Ley, das gleichzeitig auch wieder der Propaganda hervorragend zugute kam. Das langandauernde bengalische Feuerwerk, das dann an diesem schönen Herbstabend zugleich vor mehreren Tausend Zuschauern am Rheinufer veranstalt wurde, war ein Meisterwerk pyrotechnischer Kunst. Während die Matten und mit Buschwerk bestandenen Partien des Berges in grünes Licht getaucht waren, wurden durch hervorragende Beleuchtungseffekte die charakteristischen Formationen der Ley mit ihren senkrecht aufstrebenden Felskulissen an Säulenbasalt im roten Feuerscheine plastisch herausgehoben. Als Glanzpunkt dieses wirklich kunstvoll angelegten Feuerwerkes, mit dem fraglos auch das pyrotechnische Unternehmen vor den höchsten Behördenvertretern der Rheinprovinz eine Probe seiner Leistungsfähigkeit abgeben wollte, stürzte sich während der ganzen Illumination aus dem in der Mitte des Berges durch diesen hindurchführenden Stollen des stillgelegten Steinbruches ein gewaltiger, funkensprühender Wasserfall in silbernen Kaskaden über die Felsen springend bis zum Fuße der Ley hinunter. ‚Dieses wirklich einmalige Schauspiel war die dem herrlichen Naturdenkmale würdige Siegesfeier für das gelungene Rettungswerk der Erpeler Ley.

Mitten aus seiner rastlosen Arbeit zur endgültigen Sicherung dieses Sieges starb Karl Kollbach, der Dichter des Liedes

Ich danke dem Schicksal und preis es Glück, Am herrlichen Rheinstrom zu leben am 27. Juni 1911 an den Folgen eines Dienstunfalles.

Angesichts der von ihm geretteten Erpeler Ley fand Karl Kollbach seine letzte Ruhestätte in einem Ehrengrabe der Stadt Remagen, auf dem ihm die Lehrerschaft des Kreises Ahrweiler, seine früheren Bonner Schüler und seine Freunde als Ehrenmal einen Findling mit seiner Bronzeplastik errichteten.

Wie sehr die Rettungstat mit dem verdienstvollen Manne zusammenhing, ersehen wir an dem schon kurz nach seinem Tod entstehenden Nachlassen der Aktivität in der wichtigen Sache. Die letzte Vorstandssitzung mit Karl Kollbach fand vier Wochen vor seinem Tode am 30. 5, 1911 im Hotel Fürstenberg zu Remagen statt. Der Oberpräsident hatte seinen Vertreter entsandt, der Regierungspräsident Scherenberg nahm persönlich teil. Dann fand mehr als ein Jahr später, am 31. 7. 1912, ebenfalls im Hotel Fürstenberg, die nächste Sitzung statt. Vor ihrer Eröffnung, wie auch der am 23. 9. desselben Jahres folgenden Ausschußsitzung dankte der damalige Landrat Heising in herzlichen Worten dem verstorbenen Inaugurator der Rettungsaktion als, wie er dem Protokoll nach wörtlich sagte, „als dem geistigen Urheber des ganzen Unternehmens“. Der schlechte Besuch der Versammlung war wie ein böses Vorzeichen. In der Tat, die beschwingende Kraft des Urhebers, sein Feuer, seine Begeisterung fehlten. Das zeigte sich in den folgenden Jahren mehr und mehr. Zwar heißt es in einem Protokoll, „daß die Erpeler Ley als gerettet angesehen werden kann, da der Verein dieselbe gepachtet und sich das Ankaufsrecht gesichert habe“, aber „der Vereinszweck sei doch der Besitz der Erpeler Ley“. Die Versuche weiterzukommen, können hier — da sie den Rahmen des Kreisjahrbuches sprengen würden — nicht mitgeteilt werden. Sie liegen für jeden in den auch heute noch einzusehenden Unterlagen aktenmäßig fest und sind im zweiten Teil dieser Arbeit umfassend und exakt wiedergegeben. Vielleicht wird es einmal möglich, dieses in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragene Material, für dessen Beschaffung wir Herrn Dr. Karl Kollbach, Remagen, sehr zu danken haben, in seiner Bearbeitung für diese Abhandlung ganz zu veröffentlichen. Es ist historisch und archivarisch gleichermaßen interessant.

Hier sei nur noch angedeutet, daß die Aktion gewissermaßen steckenblieb. Genau gesagt, die Ley wurde nie käuflich erworben, obwohl die Gelder schließlich für sie vorhanden waren. Sie lösten sich in der Inflationszeit nach dem ersten Weltkrieg auf. Zwar ist der Ausbruch dieses Krieges im August 1914 gewiß für den Rettungsgedanken der Erpeler Ley gewiß nicht förderlich gewesen, galt es doch jetzt in einem ungeheuren Schicksalskampf unermeßlich mehr, als einen Berg im Rheinland zu retten. Dennoch ist es kaum faßlich und erschütternd, daß man die vorhandenen Gelder zum Ankauf der Ley liegen und faul werden ließ. Ja, schließlich wurde mit dem Abbau des Berges wieder begonnen. Diese neue, das ganze Werk Kollbachs im Grunde bedrohende Entwicklung, wurde nur gestoppt, weil der weitere Abbau die öffentliche Sicherheit gefährdete. Durch Sprengungen waren Telegraphenleitungen zerrissen, die Rheinstraße, die Gleise der rechtsrheinischen Eisenbahn, sogar die am Ufer liegenden Rheinkähne bedroht. Unabhängig von allem, was nach Kollbachs Tode geschehen oder nicht geschehen ist, steht seine Gestalt als leuchtendes Vorbild echter Heimatliebe da. Er war nicht nur der geistige Urheber, die Seele des Vereins zur Erhaltung der Erpeler Ley, er war auch das Herz, die treibende Kraft, dem die Rettung der Erpeler Ley zu danken ist.

  1. Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt/Main (3. Aufl. 1911).
  2. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses in Halle a. d. Saale.
  3. Verlag Paul Neubner in Köln.
  4. Karl Kollbach „Gedichte“ Verlag Hoursch u. Bechstedt in Köln. Siehe Seite 145.
  5. Verlag Emil Strauhs in Bonn.
  6. Verlag Paul Neubner in Köln.
  7. Verlag t P. Bachern, Köln.
  8. Gero. Protokoll der yorst. Sitzung v. 23.1.1909.

Nachstehend veröffentlichen wir das in dem Beitrag von E. K. Plachner „Karl Kollbach — Der Retter der Erpeler Ley“ auf Seite 128 erwähnte Rheinlied von Karl Kollbach.

Es handelt sich um die wohl am meisten in den Schulen und Gesangvereinen — insbesondere auch im Köln-Bonner Räume —gesungene Vertonung dieses Liedes von dem Kölner Rektor Arnold Hirtz, die er dem kath. Gesellenverein seiner Heimatstadt gewidmet hat.