Die Kempenicher Fehde

Manfred Becker

Nach dem Tode des edlen Ritters Diedrich des Ersten von Kempenich im Jahre 1329 wurde sein Neffe Gerhard mit der Hälfte der Burg Kempenich vom Trierer Erzbischof und Kurfürsten Balduin von Luxemburg belehnt. Den Bittbrief des Gerhard von Kempenich an den Erzbischof unterschrieb als Zeuge Graf Gerhard von Landskron. Dieser hing auch sein Siegel an diesen Brief, ein Zeichen der Freundschaft zwischen den beiden Rittern. Die andere Hälfte der Burg gehörte den Brüdern Simon und Diedrich, diese waren die Söhne des Ritters Diedrich. Das Zusammenleben auf der Burg zwischen den beiden Parteien mußte jedoch im Laufe der Jahre zu Streitigkeiten führen.

Schon im Jahre 1330 kam es zu einer blutigen Fehde, da Simon von Kempenich sich mit seinem Bruder Diedrich in den Besitz der gesamten Burg brachte. Ihren Vetter Gerhard vertrieben sie von der Burg, hierdurch wurde dieser gezwungen, sich sein Recht zu erkämpfen. Also warb er unter seinen zahlreichen Freunden Kampfgenossen an. Zu seinen Bundesgenossen zählte der schon genannte Gerhard von Landskron, Burggraf Johann von Rheineck, Diedrich von Schönberg und Ritter Georg von Eich. Sie nannten sich »die mit den rothen Ärmeln« und verbanden sich am 26. Februar 1331 mit dem Trierer Erzbischof Balduin. Die mit den roten Ärmeln versprachen, dem Gerhard von Kempenich mit sechzig berittenen und wohlgerüsteten Mannen zu ihren Lasten zu dienen und ihm die Burg zurückzugewinnen. Aber auch die Gebrüder Simon und Diedrich suchten sich ihre Helfer, unter ihnen trat besonders tapfer hervor der Ritter Johann von Eltz, einer von den Eltzer »Eiseköpp«. Sie nannten ihre Vereinigung »die mit den weißen Ärmeln«. Im Frühjahr 1331 kam es zum großen Kampf, wobei die mit den roten Ärmeln sich durch ihre Überlegenheit in den Besitz der Burg brachten. Simon von Kempenich verschanzte sich schließlich in der Kirche, wo er schon vorher Vorräte gehortet hatte, um für eine Belagerung gerüstet zu sein. Nach harten Wochen der Belagerung wurde die Kirche von Gerhard von Landskron genommen und entsetzt. Hierauf wurden sowohl Simon als auch der Landskroner mit dem Bann belegt und exkommuniziert. Beide Parteien beraubten die Gegend und übertrafen sich in ihren Grausamkeiten. Als für die Gebrüder alles verloren schien, steckte Diedrich Kempenich an und legte auch Feuer in den umliegenden Dörfern. Das romantische Eifel-städtchen Kempenich brannte bis auf die Grundmauern nieder. Es soll kein bewohnbares Haus mehr gestanden haben. Hierauf erhielt Diedrich von den Bürgern den unehrenvollen Namen »der Senger«.

Am 11. Juni 1331 wurde dann endlich Frieden geschlossen und es kam in Lahnstein ein Vergleich zustande. Einmal zwischen dem Trierer Erzbischof Balduin, dem Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg sowie der Verbindung mit den roten Ärmeln und andererseits mit Simon von Kempenich, Johann von Eltz und der Verbindung mit den weißen Ärmeln. Simon von Kempenich mußte sich verpflichten, der Verbindung mit den roten Ärmeln eintausend Heller als Entschädigung zu zahlen, eine sicherlich unvorstellbare Summe in dieser Zeit. Bis zur völligen Zahlung mußte er seine Güter in Saffig und Hat-zenport seinen Gegnern verpfänden. Die Pfandstücke blieben bis zur Auszahlung der Pfandsumme in den Händen des Erzbischofs von Trier. Der Erzbischof von Köln und der Herzog von Bayern genehmigten als Lehnsherren die Verpfändung. Burg und Turm zu Kempenich mußte Simon an seinen Schwager Johann von Sayn übergeben, dessen Schwester Katharina er zur Frau hatte. Simon sollte eine Entschädigung von denen mit den roten Ärmeln erhalten, über die Höhe ist nichts überliefert. Die Gefangenen, die beide Seiten gemacht hatten, wurden auf freien Fuß gesetzt. Nur »Diedrich den Senger« behielt man im Burgverließ zu Landskron. Hier muß er wohl gestorben sein, denn sein Name wird in keiner Urkunde mehr erwähnt.

Um die Zwistigkeiten zwischen Simon und seinem Vetter Gerhard zu beseitigen, wurden als Schiedsrichter bestellt Graf Johann von Sayn, dessen Bruder Robin, Propst zu Metzlar, Diedrich Herr zu Isenburg und Gerlach dessen Sohn.

Bald danach wurden auch Simon von Kempenich und Gerhard von Landskron von Erzbischof Balduin vom Bann befreit und von der Exkommunikation absolviert. Simon soll die Kirche wieder aufgebaut haben und die Kreuzaltarstiftung ins Leben gerufen haben.

Schon einige Jahre später starb Simon von Kempenich. In einer Urkunde von 1339 wird seine Gemahlin Katharina von Sayn allein als Frau zu Burg Kempenich erwähnt. Als Erbe der Burg und Herrschaft Kempenich ist ihr ältester Sohn Simon in der Urkunde eingetragen. Katharinas Bruder, Graf Johann von Sayn und der edle Herr von Schleiden hingen ihre Siegel an diese Urkunde.

Die Bürger und Bauern von Kempenich aber litten noch mehrere Generationen lang an den Folgen der Kempenicher Fehde. Im Jahre 1346 kam dann auch noch die Pest in das »Kempenicher Ländchen« und dauerte bis weit in das Jahr 1350. Damals wurde der nach der Fehde noch vorhandene Einwohnerbestand nochmals halbiert. Es waren betrübte, armselige Zeiten, wie Dechant Simon in seinen Aufzeichnungen aus dem Jahre 1912 schreibt.

Quellen:

Aufzeichnungen Josef Ludwig Beck. ab 1769 Pastor in Kempenich
»Die Städte und Ortschaften der Eifel und deren Umgegend« von Georg Barsch
Nachforschungen des Herrn Dechant Simon um 1910 -1913/14