»St. Johannes d. Täufer« zu Burgbrohl

Architektur und Geschichte

Monika Lies

Die Pfarrkirche »St. Johannes d. Täufer“ in Burgbrohl wurde in den Jahren 1907/08 im neugotischen Stil erbaut und am 12. Juni 1909, also vor rund 80 Jahren, konsekriert.

Ein auffälliges Merkmal gotischer und neugotischere Bauten ist deren Höhendrang als Verkörperung des Strebens zu Gott. Dieser Eindruck wird durch eine filigrane Bauweise mit Spitzbögen, einem sich nach oben verjüngenden Turm, Strebepfeilern und -bögen und einem Kreuzrippengewölbe erweckt, die Vertikale dominiert. Der Eindruck wird durch eine Vielzahl von Pfeilern und Säulen verstärkt.

Beim Prinzip des Kreuzrippengewölbes wird die Last der architektonischen Elemente vom Schlußstein der Wölbung über die Rippen und Pfeiler auf die Stützkonstruktion am Außenbau abgeleitet. Dadurch wird im Innenraum eine gewisse Schwerelosigkeit erzielt. Das Gewicht ruht auf den Innensäulen und den Strebepfeilern der Außenwand. Die Kompaktheit der Außenmauern wird durch diese Strebepfeiler sowie durch die Portale und Fenster aufgelockert. Im Gegensatz zur Romanik mit ihren Rundbögen erlaubt das Kreuzrippengewölbe durch seine Spitzbögen erstmals eine Überwölbung von Rechtecken.

Der Grundriß der Kirche stellt ein christliches Kreuz dar. Es besteht aus einem in ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe aufgeteilten Langhaus, wobei das Mittelschiff höher als die Seitenschiffe ist, aus einem Querhaus und dem Chor, der den Altar beherbergt. Seitenschiffe und Mittelschiff werden jeweils durch Spitzbogenarkaden getrennt, die auf Säulen und Halbsäulen ruhen. Das Verhältnis Mittelschiffbreite zu – höhe beträgt 1 : 3.

Die vordere Fassade wird von einem Mittelportal und zwei kleineren Seitenportalen beherrscht. Besonders auffallend ist ein weiteres Stilmerkmal der Gotik: die Fensterrose. Bei der Fensterrose über dem Mittelportal von »St. Johannes d. Täufer« handelt es sich um einen Vierpaß. Im Chorraum befinden sich drei weitere Fensterrosen, wobei es sich jeweils um einen Sechspaß handelt. An einigen Fenstern befinden sich noch weitere Fensterrosen. Diese Fensterrosen sind Symbole. Die Sonne ist das Christussymbol, die Rose stellt die Jungfrau Maria dar, das durchdringende Licht verkörpert die göttliche Allmacht: Das Licht durchdringt die bunten Scheiben ohne sie zu verletzen; es durchdringt alles und ist verwandelt. Das Licht ist auch ein Symbol für die göttliche Gnade. Die Lichtverhältnisse im Innern der Kirche werden durch die relativ weit oben beginnenden Fenster bestimmt. Im oberen Bereich herrscht eine Helligkeit, die als göttliches Licht bezeichnet wurde. Im unteren Bereich herrscht dagegen mystisches Halbdunkel, das das finstere Diesseits darstellen sollte.

Besonders auffällig ist die Glasmalerei. Die Fenster stellen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dar. In »St. Johannes d. Täufer« sind im Chorraum das Tedeum, in den Seitenschiffen die 8 Seligkeiten und im Querhaus das Lehr-, Priester-, Hirten- und Richteramt dargestellt. Ein Fenster setzt sich aus vielen kleinen, bunten Glasscheiben zusammen, die durch Stege aus Blei zusammengehalten werden. Der Ausdruck der Figuren liegt weniger im Gesicht, als in den Gesten. Die Vertikale wird oft durch das Aufblicken der Dargestellten betont. An den Innenwänden befindet sich keine Malerei, da auch hier das Prinzip der Wandauflösung gültig ist.

Johannes_der_Taufer.gif (43779 Byte)

St. Johannes der Täufer Burgbrohl

Der Hauptaltar ist ein Flügelaltar, ein Triptychon, mit der Darstellung von Szenen aus dem Leben des hl. Johannes d. Täufers, des Patrons der Burgbrohler Kirche. Der Altar ist sehr filigran gestaltet und entspricht durch seinen Höhendrang dem Prinzip der Gotik. Bei dem linken Seitenaltar handelt es sich um einen Marienaltar, bei dem rechten um einen Altar zu Ehren des hl. Josef.

Portal.gif (61136 Byte)

Mittelportal und Fensterrose der vorderen Fassade der Burgbrohler Pfarrkirche.

Zur Baugeschichte

Am Anfang dieses Jahrhunderts machte ein Ansteigen der Bevölkerung einen Neubau der katholischen Kirche notwendig. Zunächst sprach sich ein Teil der Bevölkerung für einen Umbau der alten Kirche aus, doch schließlich wurde um 1900 unter Pfarrer Paul Kiesseibach ein Kirchenbauverein gegründet, nachdem sich die Mehrheit für einen Neubau entschlossen hatte.

Am 12. Mai 1907 legte Dechant Anton Eul den Grundstein für das neue Gotteshaus. Die Bauarbeiten wurden durch den Burgbrohler Maurermeister Johann Schmitz in Zusammenarbeit mit den Architekten Fisenne und Pfeifer aus Koblenz und dem Koblenzer Bauleiter Schweit-zer, der auch die Pläne für den Bau entworfen hatte, ausgeführt. Ostern 1908 konnte die erste hl. Messe in dem Neubau gefeiert werden. Am 12. Juni 1909 wurde die neue Pfarrkirche von Weihbischof K. Ernst Schrod konsekriert.

Der von Pfarrer Kiesseibach gestiftete Hauptaltar ist ein Flügelaltar. Er wurde im Kunstatelier C. Port zu Augsburg gefertigt. Die Seitenaltäre wurden von dem Münstermaifelder Schreiner Port gearbeitet. Hierbei handelte es sich ebenfalls um Stiftungen. Die Kirchenstühle wurden von hiesigen Schreinern angefertigt. Bezahlt wurden sie aus den Erlösen der Stuhlpacht. Die Fenster sind Werke von Dr. Oydtmann aus Linnich. Zunächst wurde die alte Orgel übernommen, doch 1913 durch eine neue, von Orgelbaumeister Wilhelm Schaeben aus Köln gefertigte, ersetzt. Im Laufe der Jahrzehnte wurde sie mehrmals umgebaut. 1913 erhielt „St. Johannes d. Täufer“ auch eine Turmuhr und Elektroanlagen.

Die Glocken der Kirche, 4 Bronzeglocken die den Akkord d f g a bildeten und die auf die Namen »Maria«, „Josef“, »Johannes« und »Aloysius« geweiht wurden, stammten von der Firma Carl und Ferdinand Otto aus Hemlingen bei Bremen. Nach Fertigstellung des Turm verkündeten sie weithin die hl. Messen. Am 1. Juli 1917 mußte die Gemeinde die beiden Glocken »Maria« und »Josef« jedoch zur Geschoßherstellung abgeben. Der 1. Weltkrieg machte auch vor »St. Johannes d. Täufer« nicht halt. Am 20. September 1925 konnte eine neues Geläut, das die gleichen Namen wie die alten Glocken erhielt, geweiht werden. Doch es sollte nicht lange dauern, da verlangte der 2. Weltkrieg ein erneutes Einschmelzen der Glocken „Maria«, »Josef« sowie »Johannes«. Nachdem der Krieg vorüber war beschaffte sich die Gemeinde erneut Glocken. 1950 wurden die drei neuen Glocken »Maria«, »Josef« und »Johannes« geweiht. Sie waren diesmal jedoch aus Gußstahl gefertigt, der Akkord blieb aber d f g a. Gleichzeitig konnte dank großzügiger Spenden ein elektrisches Geläut angeschafft werden.

Pfarrkirche.gif (26142 Byte)

Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, Burgbrohl

Am 30. März 1959 feierte die Gemeinde den 50. Jahrestag der Konsekration. Im Sommer 1967 erhielt die Kirche unter Pfarrer Heribert Schneider eine neue Warmluftheizung, der Chor wurde vergrößert und zum Mittelschiff vorgezogen. Die Kommunionbank mußte deshalb abgebaut werden.

1974 begann unter Pfarrer Burkhard Zimmerschied die erste Phase der Renovierung. Eine Trockenlegung der Mauern war notwendig, das Dach wurde neu gedeckt, die Elektroanlage wurde neu installiert, der Glockenturm gesichert und die alte Turmuhr durch eine neue ersetzt. 1979 wurden die Renovierungsarbeiten unter Pfarrer Gundolf Korb fortgeführt. Die Fenster wurden restauriert und der Innenraum der Kirche neu ausgemalt. Im Mai 1981 waren die Renovierungsarbeiten abgeschlossen, die Kirche erstrahlte im neuen Glanz. 1989 jährt sich die Konsekration zum 80sten Mal. Die neue Pfarrkirche kann dann auf eine, wenn auch verhältnismäßig junge, wechselvolle Geschichte zurückblicken.

Ein Besuch in der Kirche wird wohl jeden von ihrer architektonischen und gestalterischen Schönheit überzeugen. Sie ist die einzige Kirche in der Umgebung, die aus sogenannten Krotzensteinen (Schaumlava) erbaut wurde. Sie ist eine Perle des Brohltals, die zu besuchen es sich bestimmt lohnt, zu einer hl. Messe, oder auch nur so.

Quellen
Gozzoli M. C.. Wie erkenne ich gotische Kunst? Belser Verlag. Stuttgart,1984
210 Jahre Alte Kirche – 75 Jahre Neue Pfarrkirche