Das Kupferbergwerk im »Eiprig« und die Schmelzhütte am Brohlbach

Aus der Geschichte des Bergbaus im »Breisiger Ländchen«

Carl Bertram Hommen

»Goldgrube« oder »Silbersand« heißen in manchen Orten noch heute Bereiche, in denen früher nach Erzen — vor allem nach Kupfer und Silber, aber auch nach Blei und Gold — geschürft wurde. »Fuggersberg« etwa in Brohl gibt den Hinweis, daß hier schon sehr früh das Augsburger Handelsgeschlecht interessiert war und oft auch mit Erfolg in damaligen Produktionsgrößen Erz abbaute. Distrikte mit der Bezeichnung »Alter Schmelzhüttenplatz« oder »Hüttenberg« weisen auch auf die Existenz von kleinen Hüttenwerken hin.

Im Bereich des früheren Breisiger Ländchens des Stiftes Essen, im Laacher-See-Gebiet, an den Hängen um Sinzig, bei Westum, Koisdorf, Unkelbach und Oberwinter, aber auch im Ahr-tal ist in der Vergangenheit immer wieder nach Metallen gegraben worden — zum Teil schon zur Zeit der Römer, in jüngerer Zeit in größerem Umfange vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Daß man außerdem Gold und Silber vermutete und zu finden hoffte, nachdem zur Zeit der Römer aus dem Rhein Waschgold gewonnen wurde, läßt sich an den Namen von Gemarkungen noch heute erkennen.

Für das Breisiger Ländchen führen Urkunden und Berichte aus zahlreichen Archiven, vor allem des Stiftes Essen, der Herzöge von Jülich, der Fürsten von der Leyen und des Klosters Steinfeld sowie im Landeshauptarchiv Koblenz und im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf bis weit ins 16. Jahrhundert zurück. Die Äbtissinnen des Stiftes Essen, zu deren Herrschaft das Breisiger Ländchen als größter Außenbesitz seit etwa 1000 n. Chr. gehörte, sorgten sich damals auch um den Schutz der Menschen und der Natur vor den Gefahren der jungen Industrie, die von den Traßmühlen und besonders einer Schmelzhütte am unteren Brohlbach unweit seiner Mündung in den Rhein ausgingen.

Umweltschutz Anno 1611

Die Fürstäbtissin Elisabeth (1604 – 1614) beschwerte sich am 17. Mai 1611 bei Degenhard von Metternich zu Schweppenburg — außer über dessen Traßmühle am Brohlbach in Nähe seiner Burg — bitter über den Betrieb seiner Schmelzhütte in Brohl selbst und über die Schäden, die beide verursachten. Sie bat ihren Schultheiß in Breisig, Matthias Meurers, alle ihre Untertanen, die unterhalb der Mühle und des Hüttenwerks »auf der Broel« wohnten, nachdrücklich gegen Unbill und Schaden zu schützen1). Eine ähnliche Schmelzhütte befand sich Ende des 16. Jahrhunderts auch am Laacher See am sog. Hüftenberg in Glees. Sie verarbeitete eisenhaltige Schlacken aus den vulkanischen Randbergen des Sees und war wegen ihrer einmalig schönen Ofenplatten berühmt. Auch von einem Hüttenwerk der Herren zu Olbrück in jener Zeit geben Archivalien Kunde2).

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts setzte am Mittelrhein allenthalben eine neue rege Schürftätigkeit ein. Sie erfaßte im Breisiger Ländchen zunächst die Brohler Ortsbereiche »am Eiberg« und »am Brohlbach«, später—vor allem im 19. Jahrhundert — auch Oberbreisig und das Vinxtbachtal. Das wichtigste Projekt war neben der Suche nach Erzen der Plan, in der »Mühlenwiese« im Brohl auf Gelände, das im wesentlichen dem Grafen von der Leyen gehörte, unweit der von der Leyenschen Ölmühle eine »Schmelzhütte mit dem Erzvortrieb und unter nemblich Dach den Roster, Poch und darhinter den Kohlschopen auf ihre Kosten und ohne jedermanns Schad, Verdruß und Ungemach erbauen zu dörfen«3). Den ersten Hinweis auf Erzbergbau gibt ein Bericht des Sinzi-ger Vogtes Bachoven an seinen Jülicher Grafen vom 14. April 1722. In einer »Acta wegen eines in der Herrlichkeit Breysig von Bergwerkern ohnweit Breysig vorgefundenen Kupfer-und Bleyminerale« referierte er ihm« zugekommene glaubhafteste Berichte, nach denen die allhiesige Zehntmeisterey melde, ohnweit Breysig sei ein Kupfer- und Bleyminerale von einigen anwohnenden Bergknaben der Herrlichkeit Breysig aufgefunden worden, dessen Quantität erfindlich sein solle«. Der Jülicher Vogt wurde sofort in Marsch gesetzt, »ad locum alle nöthige Information einzuziehen und zu erkunden, ob eine Gewerkschaft beyzubringen« sei4).

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Die Luftaufnahme des Ortes Brohl von 1932 zeigt (am rechten Bildrand)
noch deutlich die Schleife zum Eingang des früheren Erzstollens im Abhang des Eibergs.

Ein Jahr später informierte Amtmann Keiffen-heim aus Breisig die Düsseldorfer Behörde am 24. Oktober 1723, daß schon »vor langer Zeit hier indicia zum Kupferbergwerk in allhiesigem Territorio remarquiert« wurden und sich jetzt »vier possesive Leuth offeriert hätten, auf ihre Kosten conform zu den Bergordnungsrechten dort zu graben«, was im Benehmen mit dem Oberbergamt bereits nach fünf Wochen gestattet wurde. Dieser erste Anlauf, die alte Kupferschmelze von 1611 wieder aufleben zu lassen, verlief sich aber weitgehend ins Leere.

Die Kupferschmelze am Brohlbach

Erst fünfzehn Jahre später meldete sich der »Kellner« Gutmann aus Saftig am 17. April 1737 bei seinem Herrn, dem Grafen von der Leyen in Blieskastei, der Gerichtsschöffe Johann Staudt aus Andernach gedächte, gemeinsam mit dem dortigen Bürgermeister Ferdinand Welter »eine Kupfer-Schmelz auf die Brohlbach mit billig Wasserfall und ohne jedermanns Schaden auf seine Kosten zu erbauen«. In einem für heutige Verhältnisse ungewöhnlich schnellen Verfahren mit den zahlreichen damit befaßten Behörden verschiedener Herrschaften wurde innerhalb von nur drei Monaten der notwendige »Consens« erteilt. Dabei wurden eine Vielzahl von Interessen auch der Einwohner berücksichtigt. So mußten zum Beispiel die Bedenken des Müllers Johann Firlinger von der Breisig-Essendischen Mehlmühle, aber auch des Leyenschen Ölmüllers wegen eines möglichen Wassermangels ausgeräumt und ihnen eine ausreichende Versorgung mit Wasser aus dem Brohlbach zugesichert werden.

Die beiden Kellner der Fürsten v. d. Leyen, Gutmann in Saffig und Garnen in Arenfels, nahmen gemeinsam in Brohl eine Inspektion vor, bei der sie zunächst »für sich allein den Platz in Augenschein nahmen und die der Situation nach alinöthigen Sachen conjunctim überlegten, hernach aber beide Admodiatoren Welter und Staudt aus Andernach kommen ließen«. Ihrem Bericht nach Blieskastei mit ihren Vorschlägen legten sie eine ausführliche Skizze bei, in der die Lage der vorhandenen Ölmühle und der Essendischen Mehlmühle, der Lauf des Brohlbachs sowie der Mühlenbach und der »Gemeindefuhrweg« eingezeichnet waren, auf dem das Erz aus der Grube im Eiberg zum Schmelzhüttenplatz gefahren werden solle3).

Erzröster-Dampf schädlich?

Ein besonders stark in das Verfahren einge-brachtes Problem war die Frage, ob nicht der Röstprozeß in der Erzschmelze für Mensch, Tier und Natur schädlich sei. Insbesonders war eine der vom Essener Schultheißen, Hofrat Meurers, und dem Jülicher Vogt Bachoven vorgebrachten Sorgen, daß »der Ertzröster bey auswerflichwerdendem Dampf und unannehmlichem Geruch der Baum- und Traubenblüte schaden, auch die Kupferwäsche dem aus dem Bach tränkenden Tier zuwider seyn werde«. Sie hatten bei ihren Einwendungen gefordert, daß die Betreiber der Schmelze »im Falle dergleicher nachteiliger Folgen gehalten seyn sollten, das Erz auf dem Berg oder sonst an einem unschädlichen Ort zu rösten und das Rösten zur Blütezeit so lange einzubehalten, bis diese vorbey sei«.

Durch Rückfragen über einschlägige Erfahrungen beim Betrieb der Schmelzhütte des Fürsten zu Wied in Rheinbreitbach, die sich dort mitten in den Weinbergen und Obstbäumen befand, ging der Arenfelser Kellner deshalb auch der Frage nach der angeblichen Schädlichkeit des Röstdampfes nach. Hierüber antwortete die Wiedische Zehntkammer, daß bisher »von den Einwohnern kein bergwerklicher Schaden angezeigt und noch weniger Klagen vorgekommen« seien. Ihrem Bericht an den Grafen von der Leyen konnten die mittelrheinischen Kellner auch ein Schreiben beilegen, das sie aus Rheinbreitbach unmittelbar vom dortigen Pastor Henricus Krechting und dem Sendschöffen Peter Becker erhalten hatten. Darin hieß es, sie »attestierten, daß wegen bemeldeter Schmeltzhütte sich bis dato kein Kläger habe verspüren gelassen«3).

Fürstäbtissin gab Instruktionen

Als Vertreter des Breisiger Ländchens, das bei diesem Verfahren mitbestimmend war und deshalb gehört werden mußte, reiste Schultheiß Meurers selbst nach Essen, um Instruktionen zu erhalten. Aber da die Äbtissin sich zwischenzeitlich zum Außenbesitz Thorn bei Maastricht begeben hatte, mußte er ihr nach dort nachreisen.

Schon im Vorfeld des Behörden-Verfahrens war von mißgünstigen Mitbewerbern in Breisig Arrest auf Rohstoffe und Anlagen der Erzschmelze gelegt worden. Der Kellner Gutmann in Saffig, zuständig für die linksrheinischen Besitzungen des Grafen von der Leyen, attack-tierte in diesem Zusammenhang vehement Hofrat Meurers und Vogt Bachoven, sich »bei den angerühmten Bergverständigen schlecht informiert zu haben«, als sie ihre Vorwürfe erhoben hätten. Im übrigen wart er Meurers vor, vor allem bei seinem Arrest ausschließlich im Interesse von Verwandten als Konkurrenten der Hüttenbewerber zu handeln.

Der Andernacher Gerichtsschöffe Staudt und der Bürgermeister Welter, der als weiterer „Admodiator« für die Brohler Kupferschmelze hinzugekommen war, erhielten schließlich die Erlaubnis, »auf einem großen bequemlich Platz oberhalb der herrschaftlichen Ölmühl« die geplanten Anlagen zu bauen. Zu den Bedingungen, die ihnen für den Umweltschutz aufgegeben wurden, gehörten Vorschriften zur Verhütung von Schäden für Menschen, Tiere und die Baum- und Traubenblüte. (Im nahen Brohltal gab es damals noch regen Weinbau, vor allem auf Hängen, die zu Niederlützingen gehörten). Schließlich wurden die Hüttenbetreiber verpflichtet, Einwohner von Brohl und vor allem Hofleute und Bauern des Grafen von der Leyen bevorzugt als Arbeiter zu beschäftigen.

Über das Schicksal der Schmelzhütte nach dem Erhalt der Konzession und über ihre Produktion ist im einzelnen wenig bekannt. Jedoch ist aus der Korrespondenz der von der Leyen-’schen Kellnerei Arenfels ein Brief vom 9. August 1762 erhalten, mit dem sich ein Johann Gottfried von Recklinghausen zu Cöllen als neuer Interessent an einer »Fortführung der ruinierten Kupferschmelze auf der Brohl« meldete. In dem Brief seines Sekretärs H. Heidegger wird dabei auf ein am 2. August in Linz stattgefundenes Gespräch mit dem Arenfelser Kellner Kleudgen Bezug genommen, ohne dessen Inhalt mitzuteilen.

Im Jahre 1780 wurde in der Grube „An der sog. Goltschleife« erneut mit dem Abbau von Erz begonnen, um es nach Reparatur der Schmelzhütte dort zu verarbeiten. Der Gräflich Hatzfeldische Bergamts-Assessor Johann Philipp Engelhard hatte sich erboten, „die durch die Länge der Zeit sehr verfallene Kupfer-schmeitz samt Zubehörungen und gegen einen jährlichen Erbzins von 15 Rthl zu übernehmen und wiederherzustellen, um sie mit allem Eifer zu betreiben«. Kammerrath Carame von Arenfels informierte sich beim Brohler Dorfschult-heißen WihI, ob nicht vor 50 Jahren über die in den Akten vorhandenen Abkommen hinaus weitere, für die von der Leyensche Verwaltung günstigere Vereinbarungen getroffen worden seien, um aus der Verpachtung mehr Geld herausholen zu können.

Engelhard hatte sich durch die Essener Fürstäbtissin zugleich einen Mutschein zum Erzschürfen in der »Goldgrube« verschafft, den ihm das zuständige Bergamt des Grafen von Jülich ausstellte, aber kurz danach wieder auf Veranlassung des Essener Stiftes zurückzog. Das veranlaßte ihn, sein Schürfrecht 1782 an den Königlich-Preußischen Kriegsrat von Rappard in Köln und dessen Mitkonsorten zu verkaufen. Diese hatten aber wenig Freude an dem Kauf. Denn der Freiherr von Geyr zu Schweppenburg hatte aufgrund eines ihm verliehenen jüngeren Essener Schürfrechts auf dem Eiberg ebenfalls Arbeiter angesetzt. Die für ihn tätigen Bergleute hatten die von Engelhard und seinem Nachfolger Rappard niedergebrachten Schächte und Stollen benutzt und waren — selbst mit Gewalt — nicht dazu zu bewegen, ihre illegale Arbeit einzustellen. Die Kölner Inhaber der Schürfrechte baten deshalb den Herzog von Jülich, Freiherr von Geyr »den Befehl zu erteilen, daß er von seinen Anmaßungen abstehe«, denen sie sich 1786 bereits vier Jahre ausgesetzt sahen.

Von einer Inbetriebnahme der Schmelzhütte ist in diesen Jahren nichts zu hören. Der Platz, auf dem ihre Reste damals standen, spielte einige Jahre später wieder eine Rolle. 1792 nämlich erwarb der Holländer Pieter Jacob van der Muelen, der seit vier Jahren als politischer Flüchtling in Neuwied ansässig war, die von der Leyen’sche Ölmühle mit einem großen Areal an Wiesen und ödem Land, um dort eine Papiermühle zu errichten. Zu ihm gehörte, wie es in einem Brief des damaligen Brohler Dorf-schultheißen Peter WihI heißt, auch der »Hochgräfliche Leyische Platz zunächst der Ölmühle, wo ehedem die Kupferschmelze gestanden hat«5). Unter der Leitung der beiden jüngeren Söhne der Holländers entwickelte sich diese Papierfabrik zu einem der größten Betriebe im Rheinland, zu denen sie auch heute noch zählt. Bei den Brüdern van der Muelen waren seit 1811 die Gebrüder Fuhs, Papiermacher aus Kuchenheim bei Euskirchen, tätig. Sie übernahmen 1841 die Papierfabrik. Von ihnen zitiert v. Stramberg6) in einer Darstellung zur Geschichte der Papierfabrik auch einen Hinweis auf das alte Schmelzhüttenwerk. »Etwas oberhalb unserer Fabrik«, so heißt es darin, »hat vor Alters ein Schmelzofen gestanden, in welchem das Kupfererz aus dem nahen Bergwerk, genannt Goldgrube, geschmolzen wurde. Im Jahre 1788 soll das Gemäuer dieses Ofens noch in Bruchstücken gestanden haben«. Neben diesem Gelände hatten die holländischen Besitzer van der Muelen kurz vor 1800 ihr Wohnhaus gebaut. Es war, wie W. Rheineck 1822 in seiner »Rheinreise« bemerkt, »geräumig und großartig«7). Neben ihm lag damals ein Garten, der »Cascaden« besaß und antike Fundstücke aus dem Brohltal enthielt. Als er 1820 angelegt wurde, so berichtet die Brohler Orts-Chronik, »legte man hier die Fundamente eines Schmelzofens blos, dessen Kamin bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts gestanden hatte«.

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Auf einer Kataster-Karte von 1738 sind die Eingänge zu den Stollen und deren Verlauf im Eiberg eingetragen: in der Mitte des Berghangs, unweit des Brohlbachs am vorgesehenen Platz der Kupferschmelze (Locus questionis) sowie am rechten Kartenrand im Rheinecker Berg am »Sauerhaitz«. (HStA Düsseldorf, Jülich-Berg Nr. 2 495).

Schürfrechte auf Kupfererz

An diesem Punkt, an dem schon Degenhard von Metternich seine von der Essener Fürstäbtissin 1611 erwähnte Schmelzhütte besaß, errichteten auch die beiden Andernacher Pächter der Berg- und Schürfrechte im Jahre 1737 ihr kleines Hüttenwerk. Ihre Versorgung mit Kupfererz war durch das benachbarte Kupferbergwerk gesichert, das sich im Hang des Eibergs zwischen der Mühlenwiese und dem nach Nie-derlützingen führenden Lammertal befand. Die Stollen dieses Bergwerks begannen im Berghang in halber Höhe an einem Punkt, der heute noch den Namen »Goldgruben-Schleife« trägt. Die Abbaurechte besaßen hier Johann Heinrich Bündgens und seine Frau Anna Catharia geb. Heimichs aus Brohl. Um sich genügend Erz für ihre Schmelze zu sichern, erwarben Staudt und Welter vom Ehepaar Bündgens ein Achtel an den Abbaurechten, die ihnen die Fürstäbtissin von Essen erliehen hatte. Hierfür mußten sie insgesamt 600 Taler zahlen — die Hälfte davon zur Abgeltung der Unkosten, die Bündgens bei den bisherigen Arbeiten zur Erschließung der Grube bereits entstanden waren.

Mit den Schürfrechten, die Bündgens am 15. März 1738 erhalten hatte, wollte er gemeinsam mit Friedrich von Mering und Wilhelm Hartmann auf dem »Teichberg« (auch »Teichheck« genannt) nach Kupfererz graben“. Der Stolleneingang lag unweit des Schmelzhütten-Platzes. Ein Lageplan, der sich bei den Akten im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf befindet, wurde eigens zum Genehmigungsverfahren vorgelegt.

1738 schürfte man im Breisiger Ländchen auch an anderen Stellen nach Erz. In diesem Jahr erhielt der Breisiger Vogt Keiffenheim eine Konzession für Oberbreisig. Sigismund Graf von Sinzendorf, der Burggraf auf Rheineck, belehnte seinen Kellner, den Breisiger Amtmann Johann Wilhelm von Meurers, mit dem Recht, »im Burgfrieden unter Rheineck im sogenannten Sauerhaitz — in dem Brohl zugewandten Bergabhang — auf Blei, Quecksilber, Kupfer und Erz sowie mit Vorbehalt auch auf Silber, Gold und kostbaren Edelstein« schürfen zu dürfen, »einen Schacht abzusenken und Erzstollen zu treiben, Wasserleitungen zu führen, die zugegangenen Bergbäue zu eröffnen und anzulegen, vorgemelte Erze bis in ewige Tiefen zu suchen und aufzuwinnen, selbige nach seinen und der Seinigen Wohlgefallen zu nutzen«. Hierfür wurde eine vierjährige »Freiheit« von Abgaben gewährt9).

Der Abbau im Eiberg, der auch »Eiprig« genannt wurde, hielt danach jedoch nicht, was man erwartet hatte, und schlief bald wieder ein. Statt des erhofften Abbaus von Golderzen stieß man auch diesmal nur auf Kupfer. Trotzdem fuhr Johann Philipp Engelhard mit einem Jüli-cher Mutschein die alten Schächte, die schon zwei Jahrhunderte zuvor die Augsburger Fugger auf Grund der ihnen vom Kaiser verliehenen Mutungsrechte angelegt hatten, im Jahre 1780 neu auf10). Aber auch jetzt ließ man die Baue, wahrscheinlich wegen des geringen Erfolges und mangelnder Mittel, bald wieder liegen. Erhalten hat sich in Brohl jedoch bis heute als Lagebezeichnung der Name »Fuggersberg«.

Die »Mine de Cuivre« in Brohl

In der Zeit der zwanzigjährigen Besatzung durch die Franzosen zu Anfang des 19. Jahrhunderts ist in einer Liste vom 27. Oktober 1807, die Präfekt Lasay-Marnesia über die im Departement Rhine et Moselle vorhandenen Bergwerke angefordert hatte, auch die »Mine de Cuivre ä Brohl« erwähnt mit der Bemerkung, daß »die Mine seit einem Jahr und sechs Monaten nicht in Tätigkeit« sei. Als letzte Jahresproduktion sind 300 Zentner Kupfererz genannt, der Inhaber war Henry Gossen aus An-dernach11). In jenen Jahren begann man wie in allen Departements im linksrheinischen Gebiet auch am Eiberg in Brohl nochmals mit dem Erzabbau und gewann zwischen 1805 und 1808 etwa 2 000 Kilo Kupfererz.

Die französische Verwaltung schien beim Neuanfang in Brohl große Erwartungen zu hegen. Denn der Bergbau-Ingenieur M. F. Timoleon Calmenet— »Ingenieur des mines et usines de l’Empire« lautete sein voller Titel — legte 1808 in seiner »Statistischen Beschreibung der mineralischen Reichtümer des Departements« außer über den Traß im Brohltal auch einen ausführlichen Bericht über den „Bergbau im Eiprig zu Brohl« vor. Ihm war, wie er darin anmerkte, »über die Aufsuchung von Kupfererz zu Brohl, Mairie Andernach, von S. Exz. dem Minister des Innern in den Jahren 1804, 1806 und am 8. April 1808 die Ermächtigung erteilt worden«12).

»Der Berg Eiprig“, heißt es in diesem Bericht, »besteht aus weichem Tonschiefer und tonartigem Sandstein, deren Richtung von Osten nach Westen verläuft. Er enthält zwei parallellaufende Gänge von Quarz, untermischt mit Kupferkies, Kupferlasur und Kupfergrün. 1738 und 1780 wurden bei Beginn der Schürfarbeiten und der ersten Ausbeute Schächte in den Gipfel sowie ein Stollen in den Abhang des Berges gegraben. Heinrich Gossen von Andernach, der dermalen (d. h. im Jahre 1808) die Schürferlaubnis besitzt, veranstaltete im Jahre 13 (= 1804) neue Untersuchungen, die er noch zur Stunde fortsetzt. Unmittelbar neben dem alten Stollen hat er einen neuen Gang gegraben, um einen Zweig des ersten Vortriebs der Alten zu finden, der sich in einer Entfernung von 37 Meter vom Eingang geteilt hatte. Bei einem Zweig, der allein Erfolg versprach angesichts einer großen Fülle von Erz auf dem Grund des Stollens, grub man einen Schacht in einer Tiefe von ungefähr 32 Meter. Durch Querschläge, deren Fortsetzung Mangel an Luft verhinderte, hat man die Gänge wieder vereinigt. Die erzführende Schicht ist einen halben Meter dick«.

Calmenet regte an, die Arbeiten unter Tage fortzusetzen; denn sie würden »im gegenwärtigen Augenblick, wo der Preis des Kupfers so übertrieben gestiegen ist, von großer Bedeutung sein. Die Vielzahl an Gängen, von denen der Berg Eiprig durchschnitten ist, macht es wahrscheinlich, daß sich unter diesen zahlreichen Gängen — und jener, den man verfolgt hat, bestätigt dies — solche gibt, die nicht unfruchtbar sind«. Hierzu müsse vom Lammertal her ein Stollen in den Berg getrieben werden, um dem Bergwerk Luft zu verschaffen. Dieser Gang könnte, wenn er in größerer Tiefe unter dem gegenwärtigen Schacht endige, gleichzeitig auch dazu dienen, Wasser er aus dem Berg zu beseitigen. Damit würde »die bisherige beharrliche und einsichtvolle Tätigkeit durch Herrn Heinrich Gossen und Herrn Schubach, seinen Handelspartner« zum Erfolg gebracht werden.

Bei all diesen Arbeiten im Berg waren nur wenige Leute beschäftigt. Aus Brohl sind in amtlichen Listen 1805 vier Einwohner ausdrücklich als Bergleute verzeichnet. Es sind dies Jakob Koll (geb. 1767, verheiratet, zwei Kinder), Georg Weber (geb. 1766, verheiratet, fünf Kinder) sowie die beiden Junggesellen Jean Hörn (geb. 1782) und Michel Weber (geb. 1777). Fünfzig Jahre später wird 1857 nur Philipp Peiter als Grubenarbeiter genannt.

Ein Lageplan von Brohl, der vor den erneuten Schürfversuchen am Eiberg durch den Landmesser Henri Roeser entstand und das Datum vom 1. Februar 1805 trägt, spricht in seinem Titel »Plan figurativ de la Mine de Cuivre dans le Ban de la Commune de Brohl et Niederlützingen« ausdrücklich von einem Kupferbergwerk und der «Ouvertüre de la mine«, dem Eingang zum Stollen im Abhang des Eiberges. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde die Suche nach Mineralien an verschiedenen Stellen fortgesetzt. Auf dem Eiberg eröffnete 1883 der Bonner Unternehmer Friedrich Marie Piret

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Lageplan des Landmessers Roeser von 1805 (LHA Koblenz).

  • wie andere schon zuvor 1827/28 und 1850
  • die »Grube Jungfrau von Hall«. Da er aber nur eine 34 Zentimeter starke Schicht Kupferkies mit Malachit und Kupferlasur vorfand, der Gang sonst aber »taub« war, stellte er die Arbeit schnell wieder ein. Ähnlich erging es dem Besitzer der Burg Rheineck, Dr. Moritz von Bethmann-Hollweg, als er den Versuch machte, in die Erz-Spekulation einzusteigen. Er ließ sich 1866 ein »Feld Elisabeth« von rd. 800 000 Quadratlachtern (rd. 1 500 Morgen) konzessionieren, das praktisch seinen gesamten Besitz vom Templerhof in Niederbreisig bis zum Ortseingang von Brohl im Süden und bis Gönnersdorf im Vinxtbachtal umfaßte. In Waldorf versuchte sich erfolglos der Gutsbesitzer Carl Armbruster aus Andernach mit dem »Bergwerk Eisenfeld«.

Auch der Besitzer der Sternerhütte bei Linz, Christian Rhodius, wagte den Sprung auf die linke Rheinseite mit einer Konzession in den Gemeinden Waldorf, Franken und Westum. Den Besitzern der »Oberfläche« zahlte er je Hektar jährlich sechs Pfennig. Er blieb schließlich in Burgbrohl als Unternehmer und beutete vor allem die dortigen reichen Vorkommen an Kohlensäure aus.

Länger von sich reden machte dagegen das »Feld Regina«, für das der Breisiger Kaufmann Heinrich Seul 1854 die Schürfrechte erwarb. Es war fast zwei Millionen Quadratlachter (rd. 3 400 Morgen) groß und kostete ihn jährlich je Morgen eine Entschädigung von einem Pfennig. 1892 nahm er zusammen mit seinem Schwiegersohn Fritz Queckenberg in Stollen an der Oberbreisiger Lei und am Teufelsgraben eine neue, wenn auch ergebnislose Suche nach Bleierzen auf. Weitere Anläufe folgten in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg, von denen noch heute erkennbare Einstiege von Luftschächten Zeugnis geben. Erst 1920 stellte die »Gewerkschaft Regina« ihren Betrieb völlig ein. Sie war fast 75 Jahre tätig gewesen und hatte alle anderen Bergbau-Gesellschaften im Breisiger Ländchen überlebt.

Quellen:

  1. Landeshauptarchiv Koblenz (LHAKo) Best. 51,4 Nr. 176
  2. Eine ausführliche Beschreibung über die Eisenhütte Wehr geben Bruno und Claus Andre in Bruno Andre, Das Dorf Wehr Bd. II, Wehr 1986. S.17 ff
  3. Fürst von der Leyensches Archiv Waal (FLA) Nr. 4 816
  4. Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (HS1AD) Jülich-Berg III Nr. 2 494
  5. FLA Nr. 4827
  6. Stramberg, Rhein. Antiquarius III. 5, 1858, S, 206
  7. Willibald Rheineck, Rheinreise von Mainz bis Düsseldorf, Mainz 1822
  8. HStAD Jülich-Berg III Nr. 2 495
  9. LHAKo Best. 43 Nr. 257
  10. HStAD Jülich-Berg III Nr. 2 491
  11. LHAKo Best. 612 Nr. 3 855
  12. M.F.T. Caimenet. Statistische Beschreibung der mineralischen Reichtümer des Departements Mosel und Saar, Saarbrücken 1808