»Bäder-, Wein- und Wanderland Rhein-Ahr-Eifel e. V.«

Eine Chance für den Fremdenverkehr Maternus Fiedler

Lange Jahre der Diskussion und Vorbereitung und ein ebenso langer und detaillierter Name für den neuen kreisweiten Fremdenverkehrsverein dokumentieren die Problematik der touristischen Arbeit im Kreis Ahrweiler. Ist dies gleichzeitig die Chance für eine positive Zukunftsperspektive in diesem, für das Kreisgebiet so bedeutsamen Wirtschaftszweig?

Skepsis ist vorhanden und zum Teil sicher berechtigt, als sich am 6. April 1987 im völlig überfüllten Probierraum der Gebietsweinwerbung im »Haus des Ahrweins Alte Post« in Bad Neuenahr-Ahrweiler, weit über 100 Hoteliers, Gastronomen, Winzer, Bürgermeister und Politiker treffen, um einen neuen Verein für die kreisweite Fremdenverkehrsarbeit der Zukunft zu gründen. Unter der Leitung von Landrat Dr. Egon Plümer konstituieren sich insgesamt 107 Gründungsmitglieder. Das Interesse und der gemeinsame Wille sind eindeutig und lassen hoffen. Erwartungen an die Leistungen des Vereins weisen gleichermaßen wie die satzungsmäßig festgeschriebene Zielsetzung weit über die nächsten Jahre hinaus: »Ziel des Vereins ist es, unter Einbeziehung aller maßgebenden Kräfte, den Fremdenverkehr und die Weinwirtschaft im Kreis Ahrweiler bei vollem Schutz von Natur und Umwelt zu stärken, auszubauen und damit zur Attraktivität des Fremdenverkehrs im Landkreis beizutragen.« – Dies ist der zentrale Leitsatz im § 2 der Satzung des neuen Touristik-Vereins.

Neben der Verabschiedung der Gründungssatzung sowie einer ersten Beitragsordnung gibt sich der Verein zunächst den Arbeitstitel »Wein- und Ferienland e. V.«. Ein Vorstand wird gewählt. Vorsitzender ist Wilhelm-Josef Sebastian, MdL, Dernau. Seine Stellvertreter sind Pater Wilfried Knabe, Maria Laach, sowie Bürgermeister Rudolf Weltken, Bad Neuenahr-Ahrweiler. Weiterhin gehören dem Vorstand an: Landrat Dr. Egon Plümer, Bad Neuenahr-Ahrweiler; Klaus Zuzok sen., Adenau, und Manfred Reuter, Bad Breisig. In seiner konstituierenden Sitzung bestellt der Vorstand Maternus Fiedler, bisheriger Fremdenverkehrsreferent bei der Kreisverwaltung Ahrweiler, zum kommissarischen Geschäftsführer. Damit sind die formellen und auch tatsächlichen Voraussetzungen für den Beginn der Vereinstätigkeit geschaffen. Die touristische Praxis muß nun zeigen, ob der 6. April 1987 ein historisches Datum für die Neubelebung und Verbesserung der Wirtschaftskraft Fremdenverkehr im Kreis Ahrweiler bleibt.

Zunächst beginnt die Vereinsarbeit damit, die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen für eine möglichst effektive Arbeit zu schaffen. Personal muß eingestellt werden, Arbeitsplätze müssen möbliert und nach modernen Gesichtspunkten eingerichtet werden. Von der Beschaffung einer Schreibmaschine über Telefone bis hin zu einer ersten provisorischen Geschäftsausstattung reicht die alltägliche Kleinarbeit des Vereins, der zwischenzeitlich in der 1. Etage des ehemaligen Landratsamtes in der Wilhelmstraße 24 in Bad Neuenahr-Ahrweiler seine Schaltstelle einrichtet. Ein siebenköpfiges Team geht daran, gleichzeitig touristische Arbeit weiterzuführen, die von den bisherigen und nun unter einem Dach zusammengefaßten Institutionen vorbereitet war.

Im Bereich der Weinwirtschaft steht unmittelbar die Deutsche Weinwoche in Kiel bevor, weitere Planungen müssen detailliert werden, z. B. die Vorbereitung des alljährlichen Rotweinwandertages oder die Weinwochen in Bielefeld und Essen. Diese Tätigkeiten der bisherigen Gebietsweinwerbung Ahr e. V. ist aber nur eine der vielen Aufgaben, weitere Aktivitäten von der Anzeigenwerbung bis hin zu den ersten Messevorbereitungen 1988 laufen parallel. Diese Aufgaben waren bisher beim Referat Fremdenverkehr in der Kreisverwaltung Ahrweiler angesiedelt. Der Bereich des Verkaufs – vom Zentraleinkauf über das

Gruppengeschäft bis hin zur individuellen Zimmervermittlung, bisherige Aufgabe der Ahr-Rhein-Eifel-Touristik e. G., – muß neu konzipiert und aufgebaut werden. Keine Lücke im Service am Gast darf entstehen.

Mitgliederrundschreiben für die Betriebe des Vereins werden als ständig wiederkehrende Informationsschrift installiert. Die ersten Vorstandssitzungen befassen sich mit der Personaleinstellung, der Vorbereitung einer ersten ordentlichen Mitgliederversammlung, der endgültigen Namensgebung sowie den ersten Zahlenwerken für das Jahr 1988. Am 1. Juli 1987 ist die Mannschaft komplett. Eine Verkaufsrepräsentantin ist eingestellt und soll gezielt neben der allgemeinen Imagewerbung Programme erarbeiten, Akquisition bei Reiseveranstaltern und in der Bustouristik betreiben sowie verkaufsfördernde Maßnahmen für die Mitglieder planen und durchführen. Zentrale Koordination von Werbeaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit und Vorbereitung einer abgestimmten Prospekt-

RHEIN, AHR, EIFEL E.V.

Das neue Zeichen in der Fremdenverkehrswerbung für das Kreisgebiet drückt es aus: Alle unter einem Dach – vermarktet nach modernen, professionellen Gesichtspunkten

Landschaft beschreibt die Aufgabenstellung einer weiteren wichtigen Stelle im Team des Vereins.

Schließlich ist es am 15. Juli 1987 soweit: Der offizielle Name des Vereins wird von der Mitgliederversammlung beschlossen. Er lautet:

»Bäder-, Wein- und Wanderland Rhein-Ahr-Eifel e. V.«. Die Mitgliedschaft ist inzwischen auf 170 angewachsen, davon ca. 130 Betriebe aus der Hotellerie und Gastronomie. Alle Betriebe der Weinwirtschaft an der Ahr sowie sämtliche Städte, Verbandsgemeinden und der Landkreis Ahrweiler selbst haben ihre Mitgliedschaft erklärt. Damit ist gleichzeitig die Finanzausstattung festgeschrieben und sichergestellt. Die Mitgliederversammlung richtet die beiden satzungsmäßig vorgesehenen Pflichtarbeitskreise für die »Hotellerie/Gastronomie« und die »Weinwirtschaft« ein. Die beiden Arbeitskreise sollen eine entscheidende Rolle in den vorbereitenden Planungen für das jeweils folgende Geschäftsjahr des Vereins spielen sowie mitwirken bei bestimmten Veranstaltungen im Laufe des Jahres.

Die Arbeit hat also begonnen. Sind damit bereits die notwendigen positiven Weichen für eine Verbesserung im stagnierenden Fremdenverkehrsgeschäft des Kreises Ahrweiler gestellt? Die Voraussetzungen zumindest stimmen optimistisch. Die Mitgliedschaft wird über die Arbeitskreise und ständige Informationen an den Entscheidungsprozessen im Vereinsgeschehen wesentlich beteiligt. Im Vorstand sind die einzelnen Bereiche darüber hinaus durch bestimmte Vorstandsmitglieder abgedeckt. So haben die Bürgermeister einen Vertreter, die Hotellerie und Gastronomie ist durch einen Vertreter im Vorstand präsent, ebenso die Weinwirtschaft, die Verkehrsvereine und die Heilbäder des Landkreises. Die bisher vorhandenen verschiedenen Finanztöpfe in den einzelnen Institutionen sind zusammengefaßt. Effektiver Einsatz dieser Mittel, zielgerichtet und schwerpunktmäßig geplant, ist die Leitlinie allen Handelns in der Zukunft.

Das Stichwort Kooperation betrifft vor allem die Zusammenarbeit der am Fremdenverkehr Beteiligten im Kreisgebiet. Alle Werbeaktivitäten und Verkaufsmaßnahmen können auf lange Sicht nur Erfolge erzielen, wenn die innere Zusammenarbeit funktioniert. Deshalb wird der Verein durch seine Informationsbriefe, jährliche Arbeitstreffen der Praktiker, Informations- und Schulungsveranstaltungen sowie regelmäßige Gespräche und Austausch von Erfahrungen mit den Anbietern im Fremdenverkehrsgewerbe versuchen, mehr Gemeinsamkeit untereinander zu aktivieren.

Nach außen ist es an der Zeit, die reizvolle Vielfalt an Rhein und Ahr, im Brohltal und in der Eifel dem Gast als kompaktes Urlaubsangebot zu präsentieren. Nur so ist im Wettbewerb der deutschen Urlaubsanbieter untereinander Konkurrenzfähigkeit erreichbar. Mit anderen Worten: Das »Bäder-, Wein- und Wanderland« muß sich auf dem Markt als ein komplettes Urlaubsziel schlechthin präsentieren und entsprechend vermarktbar gemacht werden. Mit vereinten Kräften unter dem Dach eines Gesamtvereins ist dies realisierbar. Der Start für eine neue touristische Zukunft im Kreis Ahrweiler ist gut verlaufen. Geben wir dem konsequenten Nutzen dieser Service-Organisation eine Chance.