Mit Preußen kamen die Protestanten – 175 Jahre evangelische Gemeinde in der Hocheifel und Ahreifel

Mit Preußen kamen die Protestanten

175 Jahre evangelische Gemeinde in der Hocheifel und Ahreifel 

Karl Egon Siepmann

 Nach den preußischen Übergangsverwaltungen infolge der Leipziger Konvention vom 21.10.1813 vollzogen sich die durch den Wiener Kongreß am 10.2.1815 festgelegten Zuordnungen der Rheinlande an Preußen – deren endgültige Festlegung in der Kongreß-(Schluß)-akte vom 8.6.1815 erfolgte – bis zum Frühjahr 1816 in mehreren Abschnitten.

Die beiden rheinischen Oberpräsidenten Friedrich Graf zu Solms-Laubach (ev., 1769-1822), bis 6.12.1817 gleichzeitig Regierungspräsident in Köln, und Karl Freiherr von Ingersleben (ev., 1753-1831), gleichzeitig Regierungspräsident in Koblenz bis 28.11.1817, und die vier Chef-(Regierungs-)Präsidenten August von Reimann (ev.-ref., 1771-1847), Aachen, Philipp von Pestel (ev., 1767-1835), Düsseldorf, Friedrich August von Erdmannsdorf (ev., 1772-1827), Kleve, Heinrich Delius (ev.-luth., 1773-1832), Trier, legten in einer Sitzung am 15.4.1816 in Köln fest, daß die neuen preußischen Verwaltungen am 22.4.1816 mit ihrer Arbeit beginnen sollten.

Mit dem Beginn des neuen preußischen Landkreises Adenau zogen auch die ersten evangelischen Bewohner – Beamte der Behörden, Industrielle, Handwerker, Geschäftsleute, Händler – in das Gebiet der Bürgermeistereien Adenau, Antweiler, Kelberg, Kempenich, Virneburg (ab 22.4.1816) und Brück (ab 4.3.1817).

 Vor 175 Jahren:
Anfänge der evangelischen Gemeinde

Am 18.4.1822 kamen die evangelischen Bewohner des Kreises Adenau zusammen und beschlossen, der am 9.12.1821 gegründeten evangelischen Gemeinde in Mayen beizutreten.

Die Mayener Gemeinde war durch Initiative des von Magdeburg gekommenen Kreisphysikus Dr. Eduard August Cuno und des aus dem Elsaß stammenden Kreiskassenrendanten Philipp Jacob Friedrich Sicherer entstanden. Sie fanden tatkräftige Hilfe in dem 25jährigen Predigt- und Schulamtskandidaten Franz Jakob Heberlein, der gemeinsam mit einem Kaplan die private Lateinschule in Mayen betrieb.

Zu dieser evangelischen Gemeinde zählten nach einer ersten statistischen Erhebung am Ende des Jahres 1822 aus dem Kreis Mayen 60, davon 32 aus der Stadt Mayen, und aus dem Kreis Adenau 37 Seelen, „an 15 Orten zerstreut wohnend. Personen, welche aus gar verschiedenen deutschen Geburtsländern, namentlich aus der Gegend von Coblenz, Aachen, Crefeld, Elberfeld, aus dem Wied’schen und vom Hunsrück, den Gegenden von St. Goar, Kreuznach, Landau, dem Elsaß und Breisgau, von Wetzlar, Marburg und Cassel, aus dem Nassauischen und Darmstädtischen, der Gegend um Fulda und Regensburg, Dresden und Leipzig, aus Sachsen-Meiningen und Gotha, Quedlinburg, Anhalt-Bernburg, aus Braunschweig, Magdeburg, Berlin, Küstrin, Schlesien, Königsberg in Preußen und aus Litthauen sich hier zusammengefunden hatten, um nach Gottes wunderbarer Führung in diesem ganz katholischen Landstrich die erste neue evangelische Gemeinde zu gründen.“

Durch finanzielle Beiträge der eigenen Gemeindeglieder und durch Spenden evangelischer Christen aus dem Elsaß, aus Trarbach, Frankfurt, Bendorf, Kreuznach, Trier, Neuwied u. a. konnten schon bald zwei angemietete Räume in der alten Mayener Genoveva-Burg zu einem Betsaal umgestaltet werden. Die Einweihung fand im ersten öffentlichen Gottesdienst am 10.11.1822 durch Inspektor (Superintendent) Johann Jacob Meß (Neuwied) und Kandidat Franz Jakob Heberlein statt. Letzterer zeichnete zukünftig für die Gottesdienste verantwortlich.

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 Franz Jakob Heberlein, 1822-1825 Predigerund Schulamtskandidat in Mayen. 
Erster Theologe der Ev. Gemeinde Mayen, der sich am 18.4.1822die 
ev. Bewohner des Kreises Adenau anschlossen.

Neben den evangelischen Christen aus Adenau hatten sich auch die Protestanten des Kreises Cochem der Mayener Gemeinde angeschlossen. „Die zahlenmäßig immer kleine Gemeinde Mayen ist als Muttergemeinde von Cochem, Adenau und Niedermendig (29.5.1892 Einweihung des Kirchenneubaus in Niedermendig, ab 1.10.1893 selbständige Kirchengemeinde Niedermendig, bis 31.5.1962 pfarramtliche Verbindung mit der Muttergemeinde Mayen) für den Protestantismus in der Eifel bedeutsam geworden.“ Und gleichzeitig heißt es weiter: „Einen Einfluß der Gemeinde Mayen auf die Bevölkerung der Eifel erkennt man schon daraus, daß die Katholiken erst durch diese Evangelischen die Sitte kennen gelernt haben, Weihnachten mit Christbaum und Bescherung zu feiern.“

Der Chronist der handschriftlichen „Geschichte der evangelischen Kirchgemeinde Adenau“ schrieb einleitend: „Die Evangelischen hielten sich zu der 1820 (muß heißen: 1821; der Verf.) gesammelten Diasporagemeinde in Mayen, von wo sie 4 bis 10 Stunden entfernt wohnten und beteiligten sich auch durch Beiträge an der Gründung jener Gemeinde. An dem ersten Gottesdienst in Mayen nahmen Glaubensgenossen aus Adenau und Umgegend teil. Die große Entfernung erschwerte jedoch zu sehr den Besuch der Gottesdienste.“ Der schon 1822 geäußerte Wunsch nach eigenen Gottesdiensten in Adenau sollte sich erst 25 Jahre später erfüllen.

 Die ersten Pfarrer

Am 4.6.1826 wurde Karl Philipp Metz (1800-1870) durch den Koblenzer Superintendenten, Konsistorialrat Johann JustusCunz (1774-1853), als erster Mayener Pfarrer in sein Amt eingeführt. Er blieb bis Oktober 1840 in Mayen. Unter Metz umfaßte die Mayener Gemeinde „die drei landräthlichen Kreise Mayen, Coblenz und Adenau mit einem Flächeninhalt von 28 5/12 Quadratmeilen und cirka 250 Seelen, deren genaue Zahl indeß ebenso schwierig bei der großen Zerstreuung zu ermitteln war, als sie beständig hin und her schwankte, wie es noch heute (d. h. 1861; der Verf.) bei dem so häufigen Personalwechsel in der Diaspora der Fall ist … Die äußersten Grenzorte der Pfarrei, in welchen noch evangelische Familien wohnten, waren 8 Stunden und weiter vom Pfarrsitze entfernt, wie z. B. die Familie eines evangelischen Bürgermeisters in Antweiler im Kreise Adenau … War bei entfernt wohnenden Gemeindegliedern ein Kind zu taufen, ein Kranker mit dem hl. Abendmahl zu bedienen, ein Gestorbener zu bestatten, so galt es eine eigentliche Amtsreise für den Pfarrer und Küster – jener zu Pferd oder zu Fuß, dieser mit dem Bündel auf dem Rücken zur Seite marschirend, beide in herzlicher Liebe einander zugethan. Reisevergütung für Pfarrer und Küster zahlte die betreffende Familie, wenn sie dazu im Stande war; häufig aber mußte jeder aus eigener Tasche Opfer bringen, was bei dem geringen Pfarrgehalt und dem noch gänzlich fehlenden Küstergehalt gerühmt zu werden verdient, um so mehr, als der treue Küster Hoßfeld seine Hausehre bei solcher Aufopferung damit zu trösten wußte, daß der liebe Gott alles doppelt wieder geben würde.“ Für 1828 ergaben sich folgende Zahlen:


geogr.
Meilen
Einwohner
insgesamt
kath.ev.Menno-
niten
Juden
Adenau10,0320.47720.4065021
Mayen10,4336.79035.95217010658
Cochem9,5727.14026.78839313

Am 17.5.1837 erfolgte unter Metz die Grundsteinlegung, am 23.9.1838 die Einweihung der evangelischen Kirche in Mayen. Mit Georg Karl Bartels (1809-1892) wurde am 7.2.1841 sein Nachfolger eingeführt.

 Vor 150 Jahren:
Erste Gottesdienste in Adenau

Im letzten Jahr von Bartels Mayen-Adenauer Amtszeit sollte sich endlich der Wunsch nach eigenen Gottesdiensten in Adenau erfüllen. Am 15.1.1847 hielt er „in der Privatwohnung der Frau Oberförster von Metzen in Adenau den ersten Gottesdienst und teilte das Heilige Abendmahl an 12 Kommunikanten aus. Es wurde zwei Monate später ein Komite zur Wahrung der Interessen der Filialgemeinde Adenau gebildet dessen erster Vorsitzender Sanitätsrat D. Wetz in Adenau war, und der Kreisfeldwebel Bierbaum zum Schriftführer bezw. Diakon ernannt. Er besorgte die Einladung zum Gottesdienst und die Bestellung von Bibeln, Gesang- und Erbauungsbüchern. Der Wunsch nach einer Wiederholung der Feier wurde am 11. April 1847 erfüllt. Die Kosten wurden durch Kultusbeiträge und Beihülfen des Koblenzer Gustav-Adolf-Vereins bestritten.“ Der provisorische Kirchenvorstand erledigte zukünftig die eigenen kirchlichen Angelegenheiten – trotz Zugehörigkeit zu Mayen – in weitgehender Selbständigkeit allein.

 Bartels Nachfolger

Mit Friedrich Wilhelm Rudolf Böhm (1809-1867) wurde am 29.9.1847 der dritte Pfarrer in Mayen ordiniert und eingeführt. In der Adenauer Chronik heißt es: „Seine Bemühungen für die junge Gemeinde bei dem Gustav-Adolf-Verein und bei Freunden blieben nicht erfolglos. Der evangelische Oberkirchenrat in Berlin bewilligte 50 Thaler zu den Reisekosten des Pfarrers, so daß die Zahl der Gottesdienste, welche in einem Zimmer der Oberförsterei gehalten wurden, auf 14 jährlich vermehrt werden konnte.“

Der ehemalige Adenauer Landrat Hans Carl Heuberger (ev. 1790-1883), von 1825 bis 1829 in der Johanniterstadt, danach bis zu seiner Pensionierung 1848 in St. Goar, schenkte seiner alten Adenauer evangelischen Gemeinde einen ihm von der Stadt Bacharach überreichten Ehrenbecher als Abendmahlskelch.

„Am 6. November 1853 kaufte Pfarrer Böhm (für die federführende Mayener Gemeinde; der Verf.) das am (Adenauer) Viehmarkt belegene Haus nebst Garten für die Gemeinde an für 1.480 Thaler. Da die innere Einrichtung den Zwecken der Gemeinde nicht entsprach, erforderte der Ausbau des Hauses fast dieselbe Summe, trotzdem das nötige Bauholz aus den Königlichen Forsten geschenkt wurde. Eine treue Hilfe hatte Pfarrer Böhm an dem Oberförster Föhriger und dessen Schwester, sowie an dem Kreissekretär Gräber, der ihm beim Schreiben der Unterstützungsgesuche vielfach half. Fräulein Föhriger veranstaltete eine Verlosung zum Besten der Gemeinde und hat später von ihrem neuen Wohnort Saarbrücken aus der Gemeinde zu einer Glocke verhelfen. In einem größeren Zimmer des Hauses fand der Gottesdienst statt, die anderen Räume wurden vermietet.“

Nachdem der kommunale Gemeinderat von Mayen 1852 „die Anlage eines besonderen Kirchhofs für die evangelische Gemeinde beschlossen“ hatte, wurde 1854 ebenfalls „ein solcher für die Evangelischen in Adenau angelegt“.

 Vor 140 Jahren:
Von Mayen nach Ahrweiler

Im Advent 1857 sollte mit Alois Wilhelm Bechtel (1829-1875) der letzte für Adenau zuständige Mayener Pfarrer seinen Dienst antreten. Erhielt nur noch einen Gottesdienst in der Hocheifel. Dann beschlossen die evangelischen Bewohner des Kreises Adenau während der Adventszeit 1857 einen Wechsel von Mayen nach Ahrweiler. Kirchenrechtlich gehörten sie bis 1894 weiterhin zur Kirchengemeinde Mayen, bildeten jedoch faktisch mit den evangelischen Bewohnern des Kreises Ahrweiler ein gemeinsames Pfarr-Vikariat.

Dort hatten sich einzelne evangelische Familien ab 1815 „zunächst vorwiegend in der Kreisstadt“ angesiedelt, „wo sie seit 1853 von Remagen aus mit Gottesdienst (alle 14 Tage) versorgt wurden“.

Bereits zwei Jahre später wurde H. Richter als erster Hilfsprediger in Ahrweiler eingeführt. Ihm folgte Carl Christian Theodor Goerck (1829-1909) als Hilfsprediger für das o.g. neugebildete Pfarr-Vikariat, der am 3.1.1858 seinen ersten Gottesdienst in Adenau hielt; seine Wohnung hatte er in Ahrweiler. Er wechselte aber bereits knapp zwei Jahre später, im November 1859, als Inspektor zum Erziehungsverein Neunkirchen. Aus der Dienstzeit von Goerck liegt uns erstmals eine gedruckte „Ordnung der Sonn- und Festtäglichen Gottesdienste in Ahrweiler und Adenau während des Kirchenjahres 1858/ 59“ vor.

Am 25.11.1859 wurde der neue Hilfsprediger Eduard Weller {1833-1884) für das gemeinsame Pfarr-Vikariat ordiniert.

Die erste protokollierte Sitzung des „provisorischen Kirchenvorstandes“ (der erst nach der Anerkennung als selbständige Kirchengemeinde ab 1.4.1894 offizielles Presbyterium wurde; s.u.) fand am 15.1.1860 statt. Über die Sitzungen des o. g. im März 1847 gebildeten provisorischen Kirchenvorstandes sollen die entsprechenden Protokolle zum Teil in den alten Adenauer Aktenbeständen lagern, wurden aber bisher leider nicht aufgefunden.

Während Wellers Tätigkeit konnte die kleine Adenauer Gemeinde nach entsprechendem Umbau der Scheune am Pfarrhaus am 7.8.1860 ihren ersten Gottesdienst im neuen Betsaal feierlich begehen. 28 Jahre nach Errichtung wurde der Betsaal grundlegend renoviert und ab 7.12.1888 als Gottesdienststätte wieder in Benutzung genommen. Mit Erfolg setzte sich Landrat Johann Adam Fonck (kath., 1819-1897; von 1848 bis 1867 in Adenau, dann Wechsel in den Rheingaukreis nach Rüdesheim) 1862 bei „Ihrer Majestät der Königin“ dafür ein, daß die evangelische Gemeinde ein Harmonium fürden neuen Betsaal erhielt.

Wellers Nachfolger war ab 1.6.1865 für wenige Monate Otto Gustav Augener (1837-1908); er verließ Ahrweiler/Adenau bereits am 31.10. des selben Jahres.

 Karl August Hornung [ 1828-1905) wurde in der Zeit vom 3.12.1865 bis 12.9.1869 vierter Hilfsprediger für Ahrweiler/Adenau. In seinem letzten Bericht an den Rheinischen Gustav-Adolf-Verein wies er darauf hin, daß die Adenauer Gemeinde auf 24 Seelen herabgesunken und schuldenfrei sei.

Am 24.10.1869 führte der St. Goarer Superintendent Hegemann (1808-1888) Hilfsprediger Gustav Adolf Pliester (1838-1912) in das Amt ein. Die Antrittspredigt in Adenau hielt Pliester eine Woche später.

„Bei dem persönlichen Aufsuchen der (Adenauer) Gemeindemitglieder stellte sich erfreulicherweise heraus, daß die Zahl der Evangelischen doch mehr als doppelt so groß war, leider zeigte sich aber auch, daß noch 150 Thaler Schulden auf der Gemeinde lasteten“ (im Gegensatz zu der o.g. Zahlenangabe von Hornung).

Unter Pliester wurde 1871/72 die Kirche in Bad Neuenahr gebaut (Einweihung: 14.8.1872), 1873 der Pfarrsitz von Ahrweiler nach Bad Neuenahr verlegt (dort Bau eines neuen Pfarrhauses 1874) und ab 1.1.1878 die evangelische Gemeinde als selbständige evangelische Kirchengemeinde gebildet. Pfarr-Vikar Pliester wurde erster evangelischer Pfarrer dieser Kirchengemeinde bis zu seiner Emeritierung 1907.

Nach der Anerkennung der Neuenahrer Kirchengemeinde „wurde vom Königlichen Konsistorium in Anbetracht der vermehrten Arbeit des Pfarrers in der Gemeinde Neuenahr und der geringer gewordenen Seelenzahl in der Gemeinde Adenau bestimmt, daß der Gottesdienst nur einmal monatlich und an einem Tage der hohen Feste in Adenau zu halten wäre… Durch die große Entfernung von Neuenahr (8-12 Stunden) war die Pastorierung der Gemeinde Adenau sehr erschwert, erforderte doch, besonders im Winter bei verschneiten Wegen ein Krankenbesuch oder eine Amtshandlung nicht selten drei Tage Zeit.“

 Eigenverantwortliche Hilfspredigerstelle -Regelmäßige Gottesdienste

Aufgrund der zunehmenden dienstlichen Verpflichtungen des Neuenahrer Pfarrers erfolgte 1886 durch Unterstützung der Rheinisch-Westfälischen Pastoral-Hülfsgesellschaft und des Gustav-Adolf-Vereins die Einrichtung einer eigenverantwortlichen Hilfspredigerstelle, dessen Inhaber als Amtsgehilfe des Neuenahrer Pfarrers ausschließlich für Adenau tätig werden sollte. Die entsprechende Genehmigung verfügte das Königliche Konsistorium der Rheinprovinz am 13.5.1886.

Zu den Mitgliedern des Presbyteriums zählte u. a. von 1885 bis 1890 Richard von Doemming (1845-1905), Landrat des Kreises Adenau von 1884 bis 1891.

Pliester führte noch im selben Monat der o.g. Genehmigung am 30.5.1886 Gustav Adolf Wächter (1859-1914) in diese neugeschaffene Stelle ein. Ab jetzt fanden an allen Sonn- und Feiertagen für die Protestanten der Hocheifel und Ahreifel regelmäßige Gottesdienste in Adenau statt. Gleichzeitig übernahm Wächter

neben dem Katechumenen- und Konfirmandenunterricht den Religionsunterricht für die Elementarschüler und den Sprachunterricht für Schüler, die die Höhere Schule besuchen wollten. Gesundheitliche Gründe veranlaßten die Kirchenbehörde, Wächter kurz nach seiner Or-dination zum Hilfsprediger, am 10.8.1887 die freiwillige Amtsniederlegung nahezulegen. Nach kurzer Hilfspredigerzeit in Haardt war er von 1898 bis zu seinem Tod am 20.5.1914 Pfarrer in Essen.

 Paul Adolf Rudat (1864-1930) war vom 6.10.1887 bis 1889 zweiter Adenauer Hilfsprediger. Er sollte 1917 noch einmal nach Adenau zurückkehren, um nach dem Weggang von Lic. theol. Graf von Korff (s.u.) eine mehrmonatige Vertretung in der vakanten Pfarrstelle zu machen. Unter Rudat erfolgte eine sehr kostspielige, grundlegende Renovierung des Pfarrhauses. Das 1853 gekaufte Haus (s.o.) erwies sich in einem baulich so desolaten Zustand, daß es einzustürzen drohte.

Rudat folgten von Oktober 1889 bis Juni 1892 Eduard Monse und von Juni 1892 bis März 1894 Hermann Bäcker (1867-1928); mit ihm zog im Frühjahr 1893 erstmals ein Geistlicher – mit Mutter und Schwester – in das bis dahin vermietete Adenauer Pfarrhaus ein.

 Selbständige Kirchengemeinde Adenau

Im selben Jahr wurde der Antrag auf staatliche Anerkennung „als selbständige Kirchen- und Pfarrgemeinde“ gestellt, die jedoch der preußische Finanzminister wegen der geringen Seelenzahl (130) noch versagte.

Doch wenige Wochen nachdem Bäcker Adenau verlassen hatte – ihm folgte bis zum 1.12.1894 Ernst Emil Quack – verfügten das Königliche Consistorium der Rheinprovinz (am 28.4.1894) und die Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulwesen (am 5.5.1894), beide mit Sitz in Koblenz, „die Errichtung einer selbständigen evangelischen Kirchengemeinde, Adenau, Kreises Adenau“. Allerdings blieb die Anerkennung als Pfarrgemeinde zunächst noch offen. § 2 der Errichtungsurkunde lautete: „Die Kirchengemeinde Adenau wird bis auf Weiteres durch einen Pfarrvikar bedient.“ Die Urkunde, in der gleichzeitig festgelegt war, daß die Kirchengemeinde „mit dem Kirchenorte Adenau“ eine auf dem Gemeinsamen des lutherischen und reformirten Bekenntnisses stehende unirte Gemeinde ist“, trat rückwirkend mit dem 1.4.1894 in Kraft.

Damit endete die Zugehörigkeit zur Evangelischen Kirchengemeinde Neuenahr und erfolgte gleichzeitig die juristische Trennung von der „Muttergemeinde“ Mayen. Die Übertragung des Besitzrechtes der kirchlichen Grundstücke und Gebäude von der Evangelischen Kirchengemeinde Mayen auf die junge Kirchengemeinde Adenau zog sich bis Ende 1895 hin.

Am 13.6.1894 wurde das erste kirchenordnungsmäßige Presbyterium in Adenau gewählt. Die bisherigen vier Mitglieder des provisorischen Kirchenvorstandes, Kirchmeister Kgl. Forstassessor Rosenthal vom Hof (1892/95im Presbyterium), die Ältesten Landrat Hermann von Kru-se (1862-1944; von 1891 bis 1898 in Adenau und 1892/98 im Presbyterium), Rechnungsrat (Steuer-Inspektor) Ochs (1880/98 im Presbyterium) und Diakon Straßenaufseher Johann Simon Quast (1892/1929 im Presbyterium) wurden wiedergewählt und am 24.6.1894 eingeführt.

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August Worm, 1895-1898 Pfarrverweser in Adenau.

 Aufgrund einer Verfügung des Konsistoriums vom 19.12.1894 wurde August Worm (1865-1922) am Epiphaniastag 1895 als erster Pfarrverweser der Kirchengemeinde in Adenau eingeführt. Damit schied gleichzeitig Pfarrer Pliester nach „25jähriger Amtswirksamkeit“ aus seiner Adenauer Funktion aus. Auf Worm, der am 1.4.1898 in die Kirchengemeinde Horbruch/ Hunsrückwechselte – hier starb er am 19.5.1922 über seinem Predigtmanuskript infolge eines Schlafanfalls – folgte Wilhelm Lauber (1866-1923) bis 5.5.1899, und von 1899 bis 1903 Philipp Friedrich Glaser (1870-1944); er gründete im November 1899 einen gemischten Kirchenchor in Adenau, den er auch leitete. „Unter zahlreicher Beteiligung seitens der Gemeinde wurde am Silvester-Abend im Gottesdienst die Jahrhundertwende gefeiert.“

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Wilhelm Lauber, 1898-1899 Pfarrverweser in Adenau.

 Die Kirchengemeinde erfuhr mit Wirkung vom 1.10.1902 die Umpfarrung der evangelischen Bewohner aus den Gemeinden Mutscheid und Rupperath (Kirchengemeinde Flammersheim/ Kreis Rheinbach) eine Vergrößerung auf 165 Seelen. Am 18.3.1976 beschloß die Adenauer Gemeindeversammlung bei 21 Anwesenden die Eingemeindung dieses Gebietes in die Kirchengemeinde Flammersheim. Damit waren die in 14 Ortschaften lebenden 176 evangelischen Gemeindeglieder der beiden o.g. alten Gemeinden nach über 73 Jahren wieder ausgepfarrt worden. Durch die nordrhein-westfälische kommunale Neugliederung gehört das Gebiet der Kirchengemeinde Flammersheim jetzt zur Stadt Bad Münstereifel/Kreis Euskirchen.

Nachdem Glaser im August 1903 Adenau verlassen hatte, wurde Dr. phil. Hermann Matthaei (1873-1951) von seinem zukünftigen Schwiegervater Gustav Adolf Pliester, dessen Tochter Carlaeram 15. Oktober heiratet (womit Adenau zum ersten Mal eine Pfarrfrau hatte), in das Pfarrverwalter-Amt ein.

Vor 90 Jahren:
Erster Pfarrer in Adenau

Am 21.12.1906 genehmigte der Berliner Oberkirchenrat im Einvernehmen mit dem Preußischen Kultusministerium die Errichtung der Pfarrstelle in Adenau. Damit war die Evangelische Kirchengemeinde mit rund 230 Seelen endlich am Ziel ihres langjährigen Wunsches. Das Vikariat wurde zu einer eigenen Pfarrstelle erhoben, sechs Monate später, am 22.6.1907, Matthaei zum ersten Pfarrer in Adenau ernannt und am 21. Juli in dieses Amt eingeführt. Mit einem einstöckigen Anbau an das Pfarrhaus vergrößerte sich die Wohnung der Pfarrfamilie um zwei Zimmer.

Durch den Zuzug von zwei sehr wohlhabenden Familien in das Gemeindegebiet (Dr. Hans Rudolf von Langen, 1863-1935, von 1927 bis 1933 im Presbyterium, dann Ehrenpresbyter/Laufenbacher Hof, der zum u.g. Kirchenbau der Gemeinde 30.000 Mark schenkte; Scheibler/Antweiler) erhielt die kleine Kirchengemeinde einen gewissen Wohlstand. Der Ertrag der kirchlichen Umlagen in Adenau stieg von 633 Mark in 1904 auf 2.315 Mark in 1905. 52 Jahre später lesen wir bei Rosenkranz: „Durch reiche Schenkungen war Adenau vor 1939 nicht nur eine der kleinsten, sondern auch eine der wohlhabendsten rheinischen Gemeinden.“

 Gottesdienste auf dem Laufenbacher Hof und Hochwasserkatastrophe

Mit dem Baubeginn der Eisenbahnstrecke Düm-pelfeld-Ahrdorf-Hillesheim-Jünkerath zur Hauptstrecke Köln-Trier kamen eine größere Anzahl evangelischer Arbeiter und Angestellter in das obere Ahrtal. Die Evangelische Kirchengemeinde richtete für sie und die im nördlichen Kreisgebiet lebenden Familien monatliche Gottesdienste auf dem Laufenbacher Hof ein, „die sich von Anfang an regen Besuches erfreuten“. Mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecke Dümpelfeld-Gerolstein am 30.6.1912 (1973 stillgelegt worden) stellte die Kirchengemeinde ihre Gottesdienste auf dem Laufenbacher Hof wieder ein. Die schreckliche Hochwasserkatastrophe vom 12./13.6.1910 (an die der Kreis Adenau mit zahlreichen Gußeisenplatten erinnerte, die das Kreiswappen und die Aufschrift „Kreis Adenau 1910“ tragen), im Wimbach- und Trierbachtal, findet in der Chronik umfassene Erwähnung:

„Das Schrecklichste aber war, daß 2 evangelischen Wirten gehörende Arbeiter-Kantinen in Müsch und Fuchshofen durch die Wassermen-gen fortgerissen wurden, wobei ca. 60 Menschen, darunter auch viele Evangelische, ihr Leben lassen mußten.“ Bei den „Beerdigungen auf den Friedhöfen in Schuld u. Antweiler am 16. und 17. Juni konnten der evg. Pfarrer mit dem kath. Priester in friedlichem Verein zusammen amtieren“, was seit Bestehen der evangelischen Gemeinde in dieser Form in der Hocheifel und Ahreifel erstmals geschah.

 Kirchenneubau

Am 9.10.1910 hielt Adenaus erster Pfarrer seine Abschiedspredigt. Bereits am 14. Dezember wurde Lic. theol. Emmanuel Graf von Korff (1883-1945) im Adenauer Betsaal ordiniert und eingeführt. Unter ihm baute die Gemeinde 1913/ 14 (Grundsteinlegung: 6.6.1913; Einweihung:

26.4.1914) die erste evangelische Kirche im Hocheifel- und Ahreifelgebiet. Das Grundstück war bereits am 17.2.1904 von Matthaei und dem Kirchenältesten Oberförster Ernst (1899/ 1905 im Presbyterium) im Auftrag der Gemeinde vom Adenauer Schulverband gekauft worden.

Architekt der kunstgeschichtlich bedeutenden Jugendstilkirche war der Berliner Geh. Baurat Professor Franz Heinrich von Schwechten (1841 -1924), der am 23.9.1911 zum ersten Mal in Adenau war und bereits am 28.10.1911 die ersten Entwürfe vorlegte. Von Schwechten hatte sich als Profan-Architekt einen bedeutenden Namen gemacht. Zwölf Kirchenneubauten standen eine Vielzahl von profanen Gebäuden gegenüber. „Er gehörte zu den bedeutendsten und zugleich umstrittensten Architekten Berlins.“

„Als Himmelfahrt (25. Mai; der Verf.) 1911 der Grundstein zur benachbarten Geroisteiner Kirche gelegt wurde, lernte der assistierende Adenauer Pfarrer den Geh. Rat Prof. Schwechten aus Berlin kennen. Durch Fürsprache des anwesenden Frhr. v. Mirbach gelang es, ihn für den Adenauer Kirchbau zu gewinnen.“

Reisten schon bei der Grundsteinlegung und während der Bauzeit zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Berlin und dem Rheinland nach Adenau, um den Baufortschritt zu betrachten, kamen zur Einweihungsfeier zahlreiche prominente Gäste in den festlich geschmückten Kreishauptort: „Fürst Friedrich zu Wied, Oberhofmeister Frhr. v. Mirbach nebst Gattin und Sohn, der Vater des Ortspfarrers (ehemals Hof-und Zeremonienmeister Sr. Majestät des Kaisers von Rußland; der Verf.) nebst Schwester desselben, Generalsuperintendent D. Klingemann, Konsistorialpräsident Dr. Geros, Geh. Konsistorialrat Dr. Rocholl, KonsistorialratSturs-berg, Regierungspräsident Friedrich von Scherenberg (ev., 1911/17 in Koblenz; der Verf.), Geheimrat Schwechten, Freiherr u. Freifrau v. Rigel, Herr u. Frau v. Mallinckrodt, Frau Heuser/ Aachen, Frau Rhodius/Burgbrohl, Vertreter des Presbyteriumsvon Neuenahr, Remagen, Oberwinter, Gerolstein, eine große Anzahl von Geistlichen aus der Synode und der Nachbarsynoden“ werden in der Chronik genannt.

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Entwurf der Erlöserkirche Adenau (Postkarte) von Franz Schwechten.

Vor dem Festgottesdienst erhielt von Korff eine wertvolle Porzellanvase mit eingraviertem Namenszug der Majestäten, Gendarm i. R. Blum (Presbyter 1898/1904) wurde das Kreuz des Allg. Ehrenzeichens, Bahnhofsvorsteher Klapproth, Brück (1906/23 im Presbyterium) und dem für den Kirchenbau verantwortlichen Maurer, Polier Stroh, je das Allg. Ehrenzeichen verliehen.

Beim Gottesdienst spielte Prof. Walther Fischer, Organist der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin, an der Orgel.

Während des Ersten Weltkriegs nahm von Korff eine Pfarrstelle in Essen an.

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Dr. Fritz Bammel, 1918 – 1925 Pfarrer in Adenau

Vom 28. Juli 1970″ nach Auflösung des Kreises Mayen und Bildung eines neuen Kreises Mayen-Koblenz, die Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Kelberg sowie die Ortsgemeinde Nohn dem Kreis Daun/Regierungsbezirk Trier zugeordnet werden.

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Erich Gans, 1926 – 1932 Pfarrer in Adenau

Am 15.1.1918 wurde sein Nachfolger Dr. phil. Fritz Bammel eingeführt. In den 20er Jahren hielt er „von Zeit zu Zeit Gottesdienste mit Abendmahlsfeiern“ in Aremberg und Kelberg für die dort wohnenden Gemeindeglieder.

Totensonntag 1922 wurde in der Kirche eine Gedenktafel mit den Namen der gefallenen Mitglieder der evangelischen Gemeinde enthüllt:

August Staab, Hermann Rühl, Otto Cullmann, Justus Jost, August Faber, Ernst Klingspor, Wilhelm Wiesmann, Dr. Ludwig Sieglin.

1925 verließ Bammel Adenau. Ihm folgte bis zum 24.7.1932 Erich Gans. Während der pfarramtlichen Vakanszeit wurde zum 1.10.1932 der Kreis Adenau aufgelöst. Rechtsnachfolger ist der Kreis Ahrweiler, in den 54 Adenauer Landgemeinden der Ämter Adenau, Antweiler, Brück und drei Landgemeinden des Amtes Kelberg (Meuspath, Müllenbach, Nürburg) eingegliedert wurden – die übrigen 50 Gemeinden der Ämter Kempenich, Virneburg und Kelberg wurden dem Kreis Mayen zugeordnet. 38 Jahre später sollten bei einer weiteren Neugliederung im Zuge des „Achten Landesgesetzes über die Verwaltungsvereinfachung im Lande Rheinland-Pfalz.

Ära Schott und die NS-Zeit

Am 12.12.1932 wurde der aus Niedermendig stammende Dr. phil. Wilhelm Schotte 873-1948) in Adenau eingeführt. Mit gläubigem Bekennermut, Feingefühl und Klugheit führte dieser vorbildliche und theologisch fundierte Pfarrer, der zu einer der prägendsten Gestalten der evangelischen Gemeinde wurde, die Protestanten der Hocheifel und Ahreifel durch die schwere Zeit der verbrecherischen braunen Diktatur und den mörderischen Zweiten Weltkrieg, an dessen Ende der alte Kreishauptort durch zahlreiche Bombardements schwer zerstört war.

„Von den neuen Bewegungen innerhalb der evangelischen Kirchen wurde die Gemeinde im allgemeinen unberührt (d.h. nicht berührt; der Verf.); wohl wurde nach einem Vortrag des früheren Pfarrers Lic. Graf von Korff eine Gruppe der,Deutschen Christen‘ gegründet; sie zählte nur wenige Mitglieder und ging bereits Ende 1934 wieder ganz ein. Inzwischen haben auf Betreiben einiger Gemeindeglieder die ‚Thüringer Deutschen Christen‘ einen Einbruch in die Gemeinde versucht, der aber rechtzeitig von dem Ortspfarrer abgebogen werden konnte.

Der von diesem streng durchgeführte Grundsatz, keine Politik auf die Kanzel zu bringen noch sonst irgendwie sich politisch zu betätigen, sorgte dafür, daß in der Gemeinde keine Störungen aufkamen. Im Ganzen sind in diesen Jahren nur zwei Männer aus der Kirche ausgetreten, beide nicht aus Adenau selbst, beide nicht aus politischen Gründen.“ Man darf davon ausgehen, daß der Pfarrer und die große Mehrzahl der Gemeinde der „Bekennenden Kirche“ nahestanden.

Schott initiierte am Tag der 450. Wiederkehr von Luthers Geburtstag (10.11.1933) vor der Sakristei die Pflanzung einer „Luther-Eiche“. Sämtliche Forstbeamten der Gemeinde, unter Leitung des Staats-Forstmeisters Wemper (1931/40 im Presbyterium) nahmen teil. Im selben Jahr richtete Schott in Antweiler und Berresheim Predigt-Gottesdienste ein.

Der Chronist beschrieb umfasssend die mit dem Zweiten Weltkrieg einhergehenden Belastungen der flächengroßen Kirchengemeinde. „Die im Felde stehenden Soldaten aus der Gemeinde erhielten in der ersten Kriegszeit noch Grüße ihrer Heimatgemeinde; später wurde dieser Dienst verboten und überhaupt die Seelsorge an Soldaten soweit wie möglich unterbunden. Nur durch persönliche Briefe konnte der Ortspfarrerdie Verbindung aufrechterhalten. Am 31. Mai 1942 hielten wir eine Gedenkfeier für den ersten Gefallenen aus der Gemeinde, Herrn Otto Setzlach. Ihr folgten weitere für die Gemeindeglieder Heinz Wehnert (bei einem Terrorangriff auf Mannheim als Flugzeugführer abgestürzt, wurde er in Aremberg beerdigt), Kurt Schölten, Hans-Henning Suhr, Manfred Eissler, Bruno Dittmann, und für die Söhne bzw. Gatten Evakuierter, die in unserer Gemeinde Zuflucht gefunden hatten.“

„Am 24.9.1944 beerdigte der Ortspfarrer die ersten fünf Soldaten aus dem kurz vorher in Adenau eingerichteten Feldlazarett … Die gemeinsamen Beerdigungen der verstorbenen ev. und kath. Soldaten, deren Beginn mit der Ardennenoffensive und der ständig näher rückenden Front immer größer wurde, nahmen die Geistlichen beider Konfessionen abwechselnd in den frühen Morgenstunden vor, ehe die Tätigkeit der Tiefflieger eine geordnete Beerdigungsfeier unmöglich machte.“

„Adenau wurde wiederholt schwer angegriffen und die Bevölkerung lebte in stetem Schrecken meist im Luftschutzbunker und in Waldhütten. Der Pfarrer konnte seine Gemeindeglieder nur in den ersten Morgenstunden und gegen Abend zu Hause antreffen. Trotzdem konnten die Gottesdienste, wenn auch unter geringer Beteiligung, früh morgens im Pfarrhaus durchgeführt werden.“

Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen am Morgen des 9.3.1945 war der Krieg für die Adenauer Bevölkerung beendet.

 Neuanfang

Am Palmsonntag, 25.3.1945, fand erstmalswie-der ein Gottesdienst in der Kirche statt. In einem festlichen Gottesdienst am 6.7.1947 wurde Dr. Schott in den Ruhestand versetzt;

bereits zehn Monate später verstarb der 75jäh-rige und wurde von Generalsuperintendent D. theol. Emil Ernst Stoltenhoff (1879-1953) als erster evangelischer Pfarrer in Adenau beerdigt.

Als Nachfolger führte Superintendent Kirchenrat Lic. theol. Ernst Sachsse (1889-1967) Friedrich Wilhelm Grunze 910-1969) am 16.10.1947 in sein Amt ein. 296 Mitglieder wohnten im Adenauer Kirchengebiet. Grunz war gebürtiger Krefelder, wurde nach Beendigung seines Studiums ostpreußischer Pfarrer und kehrte nach der Flucht 1945 in seine niederrheinische Heimat zurück.

Der Zuzug der Heimatvertriebenen – die Zahl der Gemeindeglieder stieg bis 1949 auf 700 an – ließ die Gemeinde schon bald Gottesdienste in Antweiler, Brück, Kelberg, Kempenich, Nohn, Nürburg und Schuld durchführen, nachdem Grunz am 11.3.1949 dem Presbyterium „von dem dringenden Wunsche der Außengemeinde nach Gottesdiensten und Abendmahlsfeiern in den größeren Außenortschaften“ berichtet hatte.

40 Jahre nach Einweihung der Adenauer Kirche erfolgte eine grundlegende Renovierung.

 Vor 40 Jahren:
Auferstehungskapelle in Ahrbrück 
Bundespräsident Heuss stiftete die Altarbibel

Die größer gewordene Gemeinde benötigte dringend weitere Gottesdienststätten. Schwerpunkte des Zuzugs evangelischer Familien waren vor allem Antweiler, Brück, Insul, Kelberg, Nohn und Schuld.

Am 29.9.1955 erwarb die Gemeinde ein Grundstück in Ahrbrück, auf dem 1956/57 (Grundsteinlegung: 29.7.1956; Einweihung: 28.4.1957) die Auferstehungskapelle nach einem Entwurf des Trierer Architekten Baurat Professor Dr. Ing. W. Hofmann für die Bewohner des nördlichen Gemeindeteils errichtet wurde.

Die Evangelische Kirchengemeinde Adenau bat mit Schreiben vom 1.4.1957, in dem es u. a. hieß: „Das Gotteshaus wird dann in Zukunft einer fast ausschließlich aus Heimatvertriebenen und Zonenflüchtlingen bestehenden Gemeinde dienen“, Bundespräsident Professor Dr. Theodor Heuss „um die Gabe einer Altarbibel“. Die entsprechende Bitte wurde umgehend erfüllt. Mit Schreiben vom 9. April erhielt die Gemeinde für die neue Auferstehungskapelle die erbetene Altarbibel mit einer handschriftlichen Widmung des Bundespräsidenten.

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Ausschnitt aus der handschriftlichen Widmung von Theodor Heuss 
in der Altarbibel der Ahrbrücker Auferstehungskapelle, gestiftet zur Einweihung am 28.4.1957.

Den Einweihungsgottesdienst am 28.4.1957 feierte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. theol. Held, mit der Gemeinde und zahlreichen Gästen. Gnadenkirche in Kelberg Nach langen Verzögerungen während der Vorplanungen (insgesamt vier Planungsentwürfe, zuletzt Architekt Baurat a.D. Dr. Ing. Rudolf Pemp, Neuwied) sowie weiteren Wartezeiten im Planungsverfahren, konnte auf dem am 17.12.1958 in Kelberg erworbenen Grundstück dreieinhalb Jahre später (12.6.1962) endlich der erste Spatenstich und am 16. September die Grundsteinlegung stattfinden. Die Einweihung der Gnadenkirche für die Bewohner des südlichen Gemeindeteils fand „im Lichte der Weihnacht“ zusammen mit Landeskirchenrat Nieland am 29.12.1963 statt. Die Gesamt-Kirchengemeinde war inzwischen auf 2.150 Gemeindeglieder angestiegen.

Pläne zur Errichtung von weiteren Gottesdienststätten für den östlichen und westlichen Gemeindeteil in Kempenich (1951 hatte das Presbyterium den Grundsatzbeschluß gefaßt, daß „die Schaffung eines Gemeindezentrums in Kempenich… vordringlich sei“) und Antweiler wurden trotz Schenkung und Kauf entsprechender Grundstücken nicht weiterverfolgt.

Nach dem Tod von Grunz 1969 (er wurde – wie sein Amtsvorgänger Dr. Schott – ebenfalls auf dem Adenauer Friedhof beigesetzt) folgten Horst Adams (1970), Manfred Saute (1977), Peter Locher () 980, der ein Jahr später tödlich verunglückte), Holger Banse (1982) und Hans-Georg FaIck (1990).

1970 erhielt die Erlöserkirche in Adenau einen neuen Anstrich, 1971 baute die Gemeinde ein neues Pfarrhaus (das alte, denkmalwerte Pfarrhaus wurde verkauft). Ab 1973 fanden regelmäßige Gottesdienste in Kempenich, ab 1981 in Weibern statt.

1975/76 beteiligte sich die Kirchengemeinde an den Kosten zur Renovierung der alten, denkmalgeschützten ehemaligen Kommende des Johanniterordens (Baujahr 1743) und regelte mit der Katholischen Kirchengemeinde (Eigentümerin) und der Stadt die gemeinsame Nutzung.

Bei der 75-Jahrfeier der Kirche hielt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Peter Beier, die Festpredigt.

1990 erfolgte die Unterschutzstellung der Erlöserkirche. Im Sommer des selben Jahres erhielt sie bei ihrer dritten grundlegenden Außen- und Innenrenovierung (nach 1954 und 1970; s. o.) wieder die ursprüngliche Jugendstil-Ausmalung, die bis dahin von zwei Farbschichten bedeckt war. Damit konnte der Kirchenraum weitgehend seinen Originalzustand von 1914 wieder hergestellt.

Nach Einrichtung einerzweiten Pfarrstelle (1992) wurde 1994 in mehreren Veranstaltungen an die Errichtung der Evangelischen Kirchengemeinde vor 100 Jahren erinnert.

Anmerkung:

Auf textergänzende Abbildungen, die zwischen 1985 und 1994 in den Veröffentlichungen zum Thema bereits erschienen, wurde verzichtet. Mit den fünf veröffentlichten Pfarrer-Portraits verfügen wir Jetzt über 22 Bilder der 29 Geistlichen, die von 1822 bis 1994 für die Gemeinde tätig waren.
Auf den umfangreichen Anmerkungsteil wurde aus Platzgründen verzichtet. Ein Exemplar des Aufsatzes mit kritischem Apparat befindet sich m Kreisarchiv Ahrweiler.