Viehhaltung und Tierzjucht im Kreise Ahrweiler

Von Hermann Cohnen

Der Kreis Ahrweiler kann auf Grund seiner Boden-, klimatischen und Betriebsverhältnisse in zwei Teile geteilt werden. Während im Westen des Kreises kleine und kleinste Betriebsverhältnisse mit rauhem Klima und geringen Bodenverhältnissen der Landwirtschaft das Gepräge geben, finden wir an der unteren Ahr mittelbäuerliche und sogar einige für die Verhältnisse entsprechende Großbetriebe mit größtenteils besten Bodenverhältnissen, die auf der Grafschaft sogar den Anbau der anspruchsvollsten Kulturpflanzen gestattet. Auf Grund der vorliegenden Verhältnisse bildet auf den geringen Böden der Eifel die ausgedehnte Viehhaltung die Haupteinnahme der Betriebe.

Die bodenständige Viehrasse ist hier das Glanvieh, welches im Laufe der letzten Jahrzehnte ganz besonders seine Leistungs- und Anpassungsfähigkeit bei den teils sehr dürftigen Verhältnissen unter Beweis gestellt hat. Als Arbeitstier ist es bei den schwierigen Bodenverhältnissen durch seine Härte und Anspruchslosigkeit in der Fütterung unübertroffen. Die Verbesserung seiner Leistungsanlagen wurden in den letzten Jahrzehnten besonders durch die Auswahl geeigneten Vatertiermaterials bewirkt. Große Verdienste haben sich in dieser Hinsicht die Bullenhaltungsverbände erworben, die keine Mittel scheuten, um den Ankauf wertvoller Vatertiere zu finanzieren. In den letzten Jahren wurde die Förderungsmaßnahme noch besonders durch die finanzielle Unterstützung des Landrats gehoben. Als besonders erfolgreich hat in der Hebung der Rindviehzucht der Eifel das Amt Antweiler mit seinem vortrefflichen Bullenhaltungsverband Hervorragendes geleistet. Diese Maßnahme ist nicht zuletzt dem Eifelbauern selbst zu verdanken, dessen Bemühen um eine Verbesserung der Rindviehzucht und damit eine Hebung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse unter teils schwierigsten Bedingungen nur der Anerkennung Ausdruck verliehen werden kann. Getreu dem alten Wahlspruch: „Der Bulle ist die halbe Herde“ hat er auch in den wirtschaftlich schwersten Zeiten in seinen Bemühungen nicht nachgelassen, sondern ist seinem Ziel in der Zucht einer mittelrahmigen, gesunden, wirtschaftlichen und leistungsfähigen Kuh unbeirrbar nachgegangen. Als Beweis mag aufgeführt werden, daß sich nicht nur seit dem Jahre 1949 die Zahl von 16 038 Stück Rindvieh bis zu dem Jahre 1952 auf 17 464 Tiere vermehrt, sondern auch die Qualität derselben eindeutig verbessert hat. Diese Leisutngssteigerung spiegelt sich neuerdings in der recht zufriedenstellende Ablieferungsquote an die Molkereien wider. Es wäre zu wünschen, wenn auch weitere Ämter dem Vorbild von Antweiler nachahmen würden, da doch jeder Landwirt heute darauf angewiesen ist, die letzten Reserven seines Betriebes zu mobilisieren, wenn er in Zukunft überhaupt konkurrenzfähig bleiben will. Diese Gemeinden können erst dann mit den Ankauf eines Vatertieres zufrieden sein, wenn es ihnen aller Voraussicht nach eine Verbesserung der Rindviehzucht verspricht.

Entsprechend den natürlichen Vorbedingungen ist das Zuchtziel der organisierten Rinderzucht in der Eifel das gelbe Höhenvieh. Die Zahl der in das Herdbuch eingetragenen Tiere beträgt heute 11 Bullen und 119 Kühe. 28 Eiferbetriebe sind dem Herdbuchverband angeschlossen, der unter der Bezeichnung „Verband Rheinischer Glanviehzüchter“ in Trier seinen Sitz hat. Der Absatz der Zuchtbullen erfolgt durchweg über die Auktion in Bitburg. In den letzten drei Jahren wurden von den Züchtern der Eifel dort 8 Bullen der Zuchtwertklasse II und 36 Bullen der Zuchtwertklasse III verkauft. Rinder wurden meist auf dem Wege des Stallverkaufes frei abgegeben, deren Anzahl allerdings noch gehoben werden muß, wenn auf die Dauer gesehen die Zuchtrichtung des gelben Höhenviehs weiter entwickelt werden soll. Die Durchschnittsmilchleistung der kontrollierten Kühe dieses Schlages betrug im Jahre 1952 2944 kg Milch, 120 kg Fett = 4,08 % Fett.

Wo auf den besseren Verhältnissen, besonders im Osten des Kreises, die Bodenverhältnisse die Haltung einer Niederungsrasse gestatten, wird das Niederungsvieh fast ausschließlich gehalten. Früher hatte hier das schwarzbunte Rind den Hauptanteil, welches aber in den letzten zehn Jahren von dem rotbunten Rind teils verdrängt wurde. Es werden nach dem neuesten Stand 9 schwarzbunte Bullen und 45 rotbunte Bullen gehalten. Die Vatertierhaltung selbst ist durchweg in Form der Amtsbullenhaltungsverbände organisiert, die ebenfalls recht erhebliche Mittel mit Unterstützung der Kreisverwaltung für den Ankauf der Bullen aufbringen. Die Milchverwertung geschieht in diesem Gebiet zum Unterschied der Eifel schon seit Jahrzehnten über die Molkerei in Vettelhoven und zum Teil auch über die Molkerei in Berkum, Kr. Bonn. Wenn auch in diesem Gebiet, vor allem in der Grafschaft, der Ackerbau das Schwergewicht der Betriebe bildet, so ist man doch immer mehr zu der Überzeugung gekommen, daß vor allen Dingen die Betriebe mit Zuckerrübenanbau diesen nur dann ganz rentabel gestalten können, wenn die Verwertung der Abfälle über den Rindviehstall erfolgt.

Winter in Altenahr
Foto: Lorenz

Die Züchter dieser Niederungsrasse sind dem Rheinischen Verband der Tieflandrinderzucht angeschlossen, deren Zuchtziel die Züchtung eines gesunden, mittelrahmigen rotbunten Rindes ist mit bester Futterverwertung und hervorragenden Leistungsanlagen. Wenn die Entwicklung der rotbunten Zucht von einem Bestand von 24 Tieren im Jahre 1944 in acht Betrieben heute einen Bestand von 189 eingetragenen Herdbuchtieren in 42 Betrieben erreicht hat, dann darf dies wohl als ein Erfolg gewertet werden, der letzten Endes allein dieser anpassungs- und leistungsfähigen Rasse zuzuschreiben ist. Die Durchschnittsleistung, welche im Jahre 1952 3830 kg Milch, 139 kg Fett = 3,63 % Fett betrug, stellt den Beweis, daß das rotbunte Rind allen Anforderungen gerecht wird und seine Bewährung, die es ja schon seit Jahrhunderten im deutschen Mittelgebirge unter Beweis gestellt hat, auch im Kreise Ahrweiler vollbringt. Daß sich das rotbunte Rind auch auf den geringeren Bodenverhältnissen bewährt hat, zeigen die besten Erfahrungen mit dieser Rinderrasse bei den Siedlern des ehemaligen Truppenübungsgeländes Ahrbrück. Die Siedler, als ehemalige bewährte Schwarzbuntzüchter von Ostpreußen, haben die besondere Eignung dieser Rasse unter den gegebenen schwierigen Verhältnissen immer wieder besonders her» vorgehoben. Dazu waren die Erfolge auf den Zuchtviehabsatzveranstaltungen mit Jungbullen recht gut. In den letzten drei Jahren konnten ein Bulle der Zuchtwertklasse I, zwölf Bullen der Zuchtwertklasse II und zweiundfünfzig Bullen der Zuchtwertklasse III abgesetzt werden.

Da die Herdbuchzucht der Schrittmacher für die Landeszucht ist, hat sie es sich nicht nehmen lassen, in dem heute so akuten Thema der Tbc-Bekämpfung der gesamten Zucht des Kreises als Beispielbetriebe voranzugehen. Sowohl die Züchter des gelben Höhenviehs als auch die des Niederungsviehs sind dem Verfahren angeschlossen und heute bereits zum Teil als Tbc-freie Bestände anerkannt.

PFERDEZUCHT

Vor Jahrzehnten hatte bereits die Pferdezucht des Kreises Ahrweiler einen guten Namen. Die Entwicklung zur Technisierung der Betriebe hat aber auch wie in anderen Gebieten die Pferdezucht des Kreises gehemmt. Von den im Jahre 1949 vorhandenen l 991 Pferden wurden bei der letzten Viehzählung noch l 641 festgestellt. Schwerpunkt der Pferdezucht im Kreisgebiet ist die Grafschaft und die Rheingegend, da in der Eifel Kuh- oder Ochsenanspannung Brauch ist. Aber auch hier hat der Traktor seinen Einzug ge-

halten. Gezüchtet wurde von jeher das Rheinische Deutsche Kaltblut in mittlerem Rahmen mit viel Gängigkeit. Die organisierte Pferdezucht hat durch die Entwicklung der Technik ebenfalls starke Verluste zu verzeichnen. Die Hengsthaltung ist privat geregelt, während in früheren Jahren in Böllingen Hengste des Landgestüts Wickrath Aufstellung gefunden hatten. Zur Zeit stehen zwei gekörte Hengste in Niederzissen. Es wäre im Interesse der Betriebe erstrebenswert, wenn auch unter den schlechten Absatzverhältnissen wenigstens für den eigenen Bedarf noch Fohlen aufgezogen würden.

SCHWEINEZUCHT

Die Schweinezucht des Kreises Ahrweiler gehört der Rasse des veredelten Landschweines an. Die Eberhaltung ist privat geregelt und heute stehen im Kreisgebiet 19 Eber. Versuche wurden gelegentlich auch mit den schwarzbunten Rassen gemacht, aber man hat doch ein-gesehen, daß die erwartete Frühreife und Futterverwertung bei den mittelrahmigen veredelten Landschweinen genau so groß sind und diese sogar noch in der Schinkenanlage übertreffen. Während die Nachzucht von Ferkeln für den eigenen Betrieb entsprechend groß ist, sind der organisierten Schweinezucht nur wenige Betriebe angeschlossen.

SCHAFZUCHT

Die Schafzucht des Kreises war früher recht weit ausgedehnt. In den Nachkriegs-jahren hat sie dagegen infolge der schlechten Wollpreise erheblich nachgelassen. Im Kreise sind hauptsächlich Privatschafhaltungen, die das schwarzköpfige Fleischschaf züchten. Stammherden sind nicht vorhanden.

ZIEGENZUCHT

Die Ziegenzucht finden wir fast nur in den großen Gemeinden des südlichen Kreises. Ihre Zahl beträgt heute 3 375 Ziegen gegenüber 4 614 im Jahre 1949. Es ist dies eine Abwärtsentwicklung, die allerwärts festzustellen ist. Die Vatertier-Haltung ist kreiseigen und es stehen im Kreisgebiet insgesamt 38 Ziegenböcke. Wie im ganzen Land Rheinland-Pfalz wird die weiße Edelziege gehalten.

GEFLÜGELHALTUNG

Von Bedeutung ist noch die Hühnerhaltung, die in einigen bewährten anerkannten Zuchten betrieben wird. Weiße Leghorn und rebhuhnfarbige Italiener werden gezüchtet. Vornehmlich in der Eifel finden wir noch alte Landrassen, deren Verdrängung durch die leistungsfähigen Wirtschaftsrassen bald zu wünschen ist.

Obige Darlegungen lassen erkennen, daß die Tierzucht des Kreises Ahrweiler einen recht beachtlichen Umfang und damit ein wertvolles landwirtschaftliches Vermögen darstellt. Die Bestrebungen in allen Sparten der Tierzucht, die in vergangenen Jahren von gutem Erfolg gekrönt waren, lassen erwarten, daß für die kommenden Jahre ein Aufstieg zum Segen der Landwirtschaft und damit auch der heimischen Wirtschaft zu verzeichnen sein wird.