DAS SCHWEDENKREUZ

VON PETER WEBER

Jahrzehntelang stand unterhalb der Glattergasse in Wershofen ein kleines Basaltkreuz, in das die Jahreszahl 1672 eingemeißelt war. Durch die Umlegung der Feldmark wurden auch hier Veränderungen getroffen, wodurch das sogenannte Schwedenkreuz von seinem angestammten Standort geriet. Dieses Kreuz ist ein wertvolles Kleinod des Dorfes und hat folgende Geschichte:

Im Dreißigjährigen Kriege wurden Dörfer und Weiler des Aremberger Landes 1632 von den Schweden besetzt. Wahrscheinlich war für sie die Burg auf dem Aremberg von besonderem Interesse. In Wershofen amtierte zur damaligen Zeit ein Pfarrer, der sehr auf das Kirchenvermögen bedacht war und vermeiden wollte, daß es den Schweden in die Hände fiel, denn die Kunde von ihren Brandschatzungen und Raubzügen hatte sich bis in das abgelegene Eifelland verbreitet. Der Pfarrer nahm also das Kirchengeld, verschloß es in eine Büchse und vergrub diese zur Nachtzeit auf dem Gelände des Pfarrwittums. Niemand außer ihm wußte um das Versteck, denn er starb, bevor der Krieg zu Ende und das Geld ausgegraben war. Obwohl man von dem vergrabenen Kirchgeld wußte, blieb es bis zum Jahre 1916 an seinem Platz. Damals wurde unter Pfarrer Kroll ein neues Pfarrhaus erbaut. Bei den Ausschachtungsarbeiten stieß man auf einen alten Brunnen und fand die Büchse mit dem Geld, dessen Erlös zum Bau des Pfarrhauses verwandt wurde. —

S c h w e d e n k r e u z    in Wershofen

Nicht ohne Ursache war des Pfarrers Sorgsamkeit, denn wie Aremberg, so hatte auch Wershofen unter den Schweden viel zu leiden. Vor ihrem Eintreffen im Aremberger Land flohen die Einwohner entweder zu ihren Verwandten in benachbarte Ortschaften oder in die Wälder, in dem Glauben, daß die Schweden dann Weiterziehen würden. Das geschah aber nicht. Die Schweden blieben eine Zeitlang in Wershofen und verfuhren auf ihre Art. Ein Teil der Einwohner war unterhalb des Dorfes in den Wald geflüchtet. Hier warteten sie auf den Abzug der Schweden. Da sie nach längerer Zeit noch immer ohne Gewißheit waren, sollte jemand ins Dorf gehen, um zu erkunden, ob die Schweden abgezogen seien. Eines Abends machte sich nun ein Bürger auf den Weg. Er ging durch die kleine Mulde unterhalb der Glattergasse und kam dort auf einen Seitenweg, der entlang des Maishofes zur Dorfstraße führte. Mittlerweile war die Nacht vollends hereingebrochen, und vorsichtig näherte er sich schon dem Maishof, ohne daß er etwas besonderes bemerkte. Plötzlich, während er sich leise und gespannt vorwärts bewegte, vernahm er einen Anruf. Es war wohl die Parole der schwedischen Soldaten, die auf dem freien Platz Wache hielten und ihn gehört hatten. Er war völlig überrascht, und da er nichts entgegnete, krachten schon die Schüsse, von denen ihn einer tödlich traf. — Nach dem Abzug der Schweden wurde ihm hier ein Kreuz errichtet, das keinen Namen, wohl aber die Jahreszahl 1672 trägt. Ob dasselbe erst im Jahre 1672 errichtet wurde oder man keine genaue Jahreszahl jener Begebenheit mehr wußte, ist nicht festzustellen. Eines jedoch bestätigt dieses Kreuz, das man Schwedenkreuz nennt, daß ein Bürger bereit war, sich für die ändern einzusetzen, für die Mitbürger im Walde, die unter vielen Entbehrungen sehnlichst auf den Abzug der Schweden warteten, die sich sorgten um Haus und Hof. Ihnen Gewißheit zu verschaffen, ging er mutig dem Ungewissen entgegen und bezahlte diese Hilfsbereitschaft, diesen echten Bürgersinn, mit seinem Leben. So ist das Schwedenkreuz nicht nur ein Kleinod der Dorfgeschichte, sondern auch Zeugnis echten Bürgersinns, auf den es damals wie auch heute und zu allen Zeiten ankommt.