Unser Wintersport

VON KONRAD SPECHT

Als bei der kleinen Verwaltungsreform 1932 der Kreis Ahrweiler durch Teile des aufgelösten Kreises Adenau „angereichert“ wurde, gelangten auch zwei Sportzweige in unser Gebiet, nämlich der Motorsport mit dem Nürburgring und der Wintersport, der wegen der besseren Schneelage in der Hocheifel bereits zum Volkssport geworden war.

Wenn wir hier vom Wintersport sprechen, so ist vornehmlich der Skilauf gemeint, denn Eislauf, Bobfahren und Rodelsport — außer bei Kindern — haben in der Eifel keine nennenswerte Bedeutung. Sprachlich verstehen wir unter Sport eine wettkarnpfmäßig betriebene Leibesübung. Beim Skilauf braucht es das nicht zu sein, ja der überwiegende Teil geht nicht in die Wettbewerbe, sondern erlernt die Skilauftechnik durch Teilnahme an Skilehrgängen oder kürzerem Skiunterricht, den hierzu, lande die Lehrwarte der Skivereinigungen und in den Wintersportplätzen auch Berufsskilehrer erteilen. Wenn dann der Anfänger die Fahrtechnik einigermaßen beherrscht, kann er von seinem Verein oder von Förderern mit auf eine Skiwanderung durch die weiße Märchenwelt der Eifel genommen werden.

Zur Entwicklung des Skilaufs in der Eifel ist folgendes zu sagen: Um die Jahrhundertwende interessierten sich vornehmlich nur Städter für den Schneeschuhlauf, der kurz zuvor durch Fridtjof Nansens vielgelesenes Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ bekannt geworden war.

Landesmeister Adolf Krämer TuWi Adenau in vorzüglichem Langlaufstil

Die Skandinavier kannten das Gerät bereits seit Jahrhunderten. Es war in den langen Wintermonaten ihr Verkehrsmittel. 1907 bereits bildeten sich in Bonn, Köln, Düren, Aachen und Monschau die ersten Skiklubs. Seit 1911 wurden besondere Wintersportzüge nach Hellenthal und Monschau gefahren, obgleich die höchsten Erhebungen der Eifel und damit die beste und längste Schneelage die Hohe Acht (747 m) und die Nürburg (678 m) bieten. Aber in Adenau, am Fuße dieser Berge, regte sich noch nichts, dabei ist auch heute noch ein reges aktives Leben am Wintersportplatz selbst die Voraussetzung für den Zustrom auswärtiger Besucher. Freilich bringt nicht jeder Winter eine langdauerrüde Schneedecke; doch wurden z. B. in den Jahren von 1903 bis 1908 im Durchschnitt 73 Schneetage mit für den Skilauf ausreichender Schneelage in der Eifel ermittelt.

Das hat sich auch seither nicht geändert. Lange Winter wechseln ganz ungleichmäßig mit geringen Schnee» Wochen ab. Daß aber noch jeden Winter nach dem letzten Kriege selbst in den schneearmen Perioden Wintersport möglich war, beweisen die jedes Jahr durchgeführt ten Eifelskimeisterschaften und die hier ausgetragenen Landesmeisterschaften, die Sprungwettbewerbe und Lehrgänge.

Ankunft eines Winlersport-Sonderzuges in Adenau (1929)

Als 1925 mit dem Bau des Nürburgringes begonnen wurde, erfolgte auch im Herbst die Gründung des Wintersportvereins Adenau. Zur gleichen Zeit schlössen sich die rheinischen Skivereinigungen zum „Skiverband Eifel“ zusammen und wurden in den Deutschen Skiverband aufgenommen. Der Sportwart des Skiverbandes Eifel, Prof. Thörner, Bonn, gab den Skiführer „Winterwanderungen in der Eifel“ heraus, in dem die Höhen südlich des Ahrtales bis zur Nürburg einen breiten Raum einnehmen. Er widmete sich auch besonders dem Adenauer Verein, der sich gleich nach der Gründung in den „Turn= und Wintersportverein Adenau“ erweitert hat und damit die Vorarbeiten für leistungsfähige Rennläufer und guten Nachwuchs schaffen konnte. Die Ausrichtung von Eifelmeisterschaften an der Hohen Acht machte zunächst Schwierigkeiten, da Erfahrungen im Streckenlegen, dem Aufstellen von Kontrollposten, dem Start= und Zielgericht und im Wettlaufbüro erforderlich sind. Dabei halfen Prof. Thörner und der Bonner Skiklub ganz wesentlich. Sie verschafften auch Adenau einen Standardkampf, nämlich den Nürburgfing=Staffellauf mit einem von Dr. Rabisch, Leverkusen, gestifteten silbernen Wanderpokal, der leider dem letzten Besitzer, dem Wintersportverein Köln, im Kriege verlorenging. Nach 1945 wurden jedoch auf dem Ring selbst keine Läufe mehr ausgetragen, da die inzwischen weiter entwickelte Rennlauftechnik den harten Untergrund der Teerdecke nicht gebrauchen konnte.

Wie kam es nun zu einem solch günstigen Aufschwung im Wintersport rund um Adenau? Es lag neben der Schönheit der Landschaft am planmäßigen Ausbau des Vereins. Das Interesse wuchs ständig; durch die Ausbildungsarbeit an den Älteren und auch an der Jugend verbesserte sich die Lauftechnik, das Können und die Leistungsfähigkeit. Wettbewerbe bei Adenau und an der Hohen Acht brachten große Teilnehmerzahlen und ermittelten eine breite, leistungsfähige Spitze, die dann auch als Vereinsvertretung zu den auswärtigen Meisterschaften entsandt wurde und dort gute Plätze belegen konnte. Die Stärke und Einsatzfähigkeit der Wettläufer wurde durch das planmäßige Training während der schneelosen Zeit in der Turnhalle, durch ständige Waldläufe und Leichtathletik erzielt. Aber auch der auswärtige Zustrom an schneesicheren Sonntagen wuchs ständig, so daß die Bahnverwaltung sogar Sonderzüge einlegen mußte.

Steilhang an der Hohen Acht Jammelshofen

Neben den Skiwanderungen zur Hohen Acht und Nürburg oder auch zu anderen Zielen in Adenaus Umgebung, neben dem Tummeln auf den Hängen nach Jammelshofen und Siebenbach und der Nürburg bildete sich eine beliebte Spezialität in den interessanten Abfahrten von der Hohen Acht über Müllerskreuz oder die Steilstrecke und von der Nürburg über Breidscheid oder dem Schwedenkreuz nach Adenau aus, um hier dann abends zur Heimreise den letzten Zug oder den Bus zu erreichen.

Die Entwicklung im Skilauf brachte es mit sich, daß 1952 der Gedanke einer Sprungschanze unter dem Turm der Hohen Acht verwirklicht wurde. Es sollte eine Naturschanze, also ohne Anlaufgerüst, werden. Dank de:s Entgegenkommens der mitwirkenden Dienststellen und der beteiligten Gemeinden Heeresbach, Siebenbach und Jammelshofen konnte das Projekt 1933 verwirklicht werden. Wenn auch das Wettspringen die Höhepunkte eines Schanzendaseins bilden und eine stattliche Zahl an Springern und Zuschauern die Beliebtheit dieser „Schule des Mutes“ beweist, so sind doch die stillen, aber zahlreichen Tage des ständigen Übens nicht zu vergessen, die ja erst zu den Wettbewerbserfolgen führen. Wenn heute noch Springer in der Alters» klasse aktiv sind, die damals bereits als Jugendliche das Eröffnungsspringen mitmachten, so darf hieraus der Wert der Schanze ersehen werden. Einen Höhepunkt erlebte aber die Schanze im ersten Kriegs=Winter, ah die Bayrische I. Gebirgsjägerdivision in der Gegend lag, ihre Springer einen hochwertigen Wettbewerb zeigten und zwei Allgäuer Skilehrern sogar ein gutgestandener Doppelsprung gelang. Nach dem Kriege machte der Wiederaufbau dank der auch in schwerer Zeit gepflegten Aktivität des Vereins gute Fortschritte. 1949 konnte bereits eine Landesmeisterschaft mit Langlauf über den Hirzenstein bei Adenau und ein Abfahrtslauf vom Turm der Hohen Acht nach Kaltenborn ausgetragen werden. Da inzwischen im nicht wettkampfmäßigen Skilauf eine neue Note durch die Schwungtechnik statt den langsameren Stemmbögen hereingekommen war, wurden steilere Hänge mit guter, fester Schneelage begehrt, Nahe bei Jammelshofen fand sich hierfür eine ideal gelegene Nordmulde. Mit einer Beihilfe des Landesskiverbandes wurde diese 1951 gerodet und angesät. Sie hat sich bis auf den heutigen Tag gut bewährt. Als die Zahl der Skiläufer insbesondere aus Bonn, Köln, Koblenz und vielen anderen rheinischen Städten stark zunahm, war die Kapazität an der Hohen Acht bald erschöpft. Die Entlastung brachte die Gemeinde Nürburg, die 1952 am Burgberg grasbewachsene Steilhänge herrichtete, einen starken Schlepplift erstellte und eine Naturschanze — zum Teil in den harten Basaltfels — baute, die eine Sprung= weite von 42 m erlaubt. Am 11. Januar 1953 fand die Einweihung in Verbindung mit der Landesmeisterschaft statt. Die besten Springer aus dem Hochsauerlande, dem Oberbergischen, vom Westerwald und aus der Eifel zeigten ein wertvolles Springen. Der einheimische Springernachwuchs hielt sich hier bereits recht gut, zumal er schon im Dezember im Allgäu zehn Tage geschult worden war.

Sprungschanze Nürburg, K. P. 42 m
Alle Bilder: Verfasser

Aber auch im anstrengenden Langlauf und im Torlauf war eine überraschend gute Beteiligung mit ausgezeichneten Leistungen zu verzeichnen. Die Sporthochschule in Köln hatte eine starke Abordnung hierzu entsandt. In den folgenden Wintern erlebten Nürburg und Hohe Acht regelmäßig Meister« schaffen und andere Wettbewerbe. Daneben wurden ständig Landeslehrgänge für Langläufer und Springer durchgeführt. Eine ausreichende Anzahl von Skilehrwarten bildete der Landesverband auf seiner eigenen Skihütte oberhalb Oberjoch im Allgäu aus, und zwar stets im Dezember, so daß diese beim ersten Schneefall in (der Eifel ihre Kenntnisse verwerten konnten. Es ist eine Freude, bei einem Rundgang an der Nürburg und der Hohen Acht an Schnee=Sonntagen viele Gruppen von fern und nah üben zu sehen, die neueste Skilauftechnik kennenzulernen und zu üben. Da die Besucherzahlen an Schneesonntagen die Tausende erreichen und man tatsächlich von einem Wintersportplatz sprechen kann, stieg auch das Interesse nicht nur in Adenau, sondern auch in den Höhendörfern Nürburg, Meuspath, Jamellshofen, Kaltenborn und Herschbroich. Die dort entsandenen Skiabteilungen gehören dem Turn= und Wintersport=Verein Adenau an und werden von diesem betreut. Ihre besten Wettläufer und Springer liegen auch an der Spitze im Landesverband und haben oft Rheinland=Pfalz bei den Deutsxhen Skimeisterschaften und den Winterspielen der Skijugend vertreten. Aber auch im übrigen Kreisgebiet haben sich in den letzten Jahren Skigruppen, häufig im Rahmen eines bestehenden Turn= oder Sportvereins gebildet, so in Bad Neuenahr (HTC), Ahrweiler (TuS), Remagen (SC), Niederbreisig (TV), Brohl (VfL), Altenahr (SC), Insul, Wershofen und Müllenbach.

Wenn auch mal ein plötzlich eintretendes Tauwetter alle arbeitsreichen Vorbereitungen für eine Veranstaltung zunichte macht, so lassen sich die freiwilligen Helfer doch nicht entmutigen, denn ein schöner Schneesonntag mit den vielen frohen Menschen, den forschen Wettläufern und mutigen Springern entschädigt sie reichlich.