Postgeschichte von Oberwinter

VON HERMANN COMES

Im Februar dieses Jahres wurde in Oherwinter das erste posteigene Postamt des Rheinortes von Postoberamtmann Krayer in einer Feierstunde seiner Bestimmung übergeben. In seiner modernen Gestaltung ist es in städtebaulicher Hinsicht eine Bereicherung des Ortes, der nach 1950 einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung und damit zugleich auch eine außerordentliche Zunahme des Festverkehrs zu verzeichnen hat. Das neue Postamt paßt sich in besonderer Weise dem gegenüberliegenden Schulneubau an. Alles das hob Postoberamtmann Krayer in seiner Ansprache hervor und dankte allen, die zum Gelingen dieses Werkes beigetragen hatten. Besonderer Dank galt auch Postamtmann a. D. Adolf Anschütz, der die vorbereitenden Arbeiten, unter anderem die schwierigen Grundstücksverhandlungen, geführt hatte. Es war ein feierlicher Augenblick, als Herr Krayer dem Betriebsleiter des Postamtes Oberwinter, Postoberverwalter Fritz Fuhrmann, der seit 1957 hier tätig ist, die Schlüssel zürn neuen Postamt überreichte.

Postamt Oberwinter
Foto: Vollrath

Doch ein Blick in die postalische Geschichte von Oberwinter ist gerade in diesem Augenblick, da ein neues und modernes Gebäude bezogen wird, interessant.

Nach den Aufzeichnungen des Chronisten hatte Oberwinter im Mittelalter in seiner dörflichen Enge noch nicht das Bedürfnis, an die großen

Postverbindungen angeschlossen zu werden. So ließ man den seit dem Jahre 1500 durch den Ort reitenden Boten der Thurn- und Taxischen Post ohne Aufenthalt weiterziehen. Waren Briefsachen zu befördern, mußten diese nach 1702 entweder bei der Postmeisterei Niederbreisig oder Bonn zur Weiterbeförderung eingeliefert werden. Gegen 1770 konnte die Posthalterei Remagen in Anspruch genommen werden. 1804 finden wir erstmals eine Posthalterei in Oberwinter erwähnt. In zeitgenössischen Briefen wird berichtet, daß in der Nacht vom 1. 1. 1814 zum 2. 1. einige russische und preußische Reiter mit ihren Pferden über den Rhein geschwommen seien. Sie hätten hier im Quartier liegende Franzosen überrascht, wobei sechs Franzosen getötet worden seien. Zwei Franzosen hatten sich in das Haus des Posthalters geflüchtet. Ein Mädchen versteckte sie im Backofen, und einer von ihnen kam nach dem Krieg zurück und heiratete seine Lebensretterin.

Vorn 1. 7. 1817 ab hatte man von Oberwinter aus viermal wöchentlich Anschluß an das inzwischen weiter ausgebaute Verkehrsnetz zur Beförderung von Personen, Geldsendungen und Paketen.

Ab 14. 6. 1819 wurde das Postwärteramt Oberwinter dem Oberpostdirektor in Bonn unterstellt. Im Jahre 1821 wurden ab 1. September zur Beschleunigung der Personenbeförderung auf der Rheinstrecke tägliche Schnellposten eingerichtet. Weil der Verkehrsumfang beträchtlich anstieg, mußten ab 24. 8. 1821 neben den Schnellposten noch schwerere Postwagen zur Beförderung von Geldern und Paketen eingesetzt werden. Hierzu sei eine Mitteilung des „königlichen Postdepartements“ wörtlich wiedergegeben: „Am 20. December 1846 um 5 Uhr morgens passierte der Schnellpostwagen, welcher von Coblenz nach Cöln fuhr, die Landstraße am Birgeier Kopf. Da begann ein Bergrutsch in solchem Ausmaße und Schnelligkeit, daß der Schnellwagen noch glücklich passierte, ein anderer Frachtwagen aber mit einem Teil der Ladung von dem Schutt überdeckt „wurde.“ Seit 1830 „war die Zustellung der eingehenden Sendungen für den Ort eingeführt. Ab 18. 9. 1849 wurde auch die Landbriefbestellung eingerichtet. Seit dieser Zeit hatte die Postexpedition die Orte Bandorf, Birgel, Oedingen, Rolandseck, Rolandswerth und Unkelbach postalisch zu versorgen.

Am 1. 1. 1850 wurde das Postamt Oberwinter der neugebildeten Oberpostdirektion Koblenz unterstellt und im Jahre 1852 der erste Briefkasten angebracht. Im gleichen Jahr ereignete sich in der Nähe von Oberwinter ein aufsehenerregender Raubüberfall auf einen Güterpostwagen, der ausgeraubt wurde. Der gestohlene Geldbetrag muß erheblich gewesen sein, doch seine Höhe läßt sich nicht mehr feststellen. Die Oberpostdirektion Koblenz setzte am 11. 11. 1852 für die Ermittlung der Täter eine Belohnung von 200 Talern aus, die schon vier Tage später auf 500 Taler erhöht wurde. Die Täter wurden nicht ermittelt. Aber heute erzählt man sich in Oberwinter noch von diesem Überfall, da einige Vermutungen von einer Generation auf die folgenden übertragen werden, besser gesagt, geflüstert wurden. Als am 21. 1. 1856 der Bahnhof Rolandseck als vorläufiger Endpunkt der linksrheinischen Eisenbahn in Betrieb genommen wurde, änderte sich die Postversorgung von Rolandseck zunächst noch nicht. Als aber am 15. 11. 1958 die Bahnlinie bis Koblenz weitergeführt wurde, trat eine grundlegende Änderung ein. Rolandseck erhielt eine eigene Postexpedition und schied mit Rolandswerth aus der Postversorgung von Oberwinter aus. Der Postaustausch erfolgte von dieser Zeit an mit der Bahnpost.

Am 1. 3. 1878 erhielt Oberwinter, dessen Poststation inzwischen ein „Kaiserliches Postamt III. Klasse“ geworden war, eine eigene Telegrafenstation. Im Frühjahr 1925 wurde das Postamt Oberwinter zum Zweigpostamt herabgestuft und dem Postamt Rolandseck unterstellt. Aber auch Rolandseck verlor seine Selbständigkeit, und seit dieser Zeit sind beide Ämter Zweigpostämter des Postamtes Remagen. Am 15. 11. 1955 verlor Oberwinter den Ortsteil Bandorf, da dieser eine eigene Poststelle erhielt und dem Po: tarnt Remagen direkt unterstellt wurde. Insgesamt hatte das Postamt Oberwinter bis jetzt in seiner Geschichte zehn Betriebsleiter. Die drei letzten waren: vom 2. 11. 1895 bis zum Frühjahr 1925 Postsekretär Wilhelm Ixkertz, der Sohn des Vorgängers in diesem Amt. Vom Frühjahr 1925 bis zum 31. 1. 1957 leitete die Postassistentin Fräulein Elisabeth Müller das Amt. Ihr galten besondere Dankesworte von Postoberamtmann Krayer in der Feststunde der Inbetriebnahme des neuen Amtes für ihre treue Pflichterfüllung, auch in der schweren Kriegs- und Nachkriegszeit. Vom 31. Juli an ist Postoberverwalter Fritz Fuhrmann Betriebsleiter des Amtes. Das neue Postamt ist ein Schmuckstück des Rhein- und Hafenortes, der in städtebaulicher Hinsicht in den letzten zehn Jahren beträchtliches geleistet hat. Auf der Rheinhöhe ist ein modern gestalteter neuer Ortsteil mit einem entsprechenden Straßennetz erstanden, und auch im alten Ortsteil zeichnet sich eine fortschrittliche Entwicklung deutlich ab. Oberwinter hat eine moderne neue Schule, zwei zeitgemäß gestaltete und eingerichtete neue Kindergärten, und das neue Postamt mutet einem wie ein weiterer Höhepunkt in der Weiterentwicklung des Ortes an. Von diesem Gesichtspunkt aus sind Gemeindeverwaltung, Gemeindevertretung und Bevölkerung der Bundespost aus verständlichen Gründen besonders dankbar: Oberwinter hat sein erstes posteigenes Dienstgebäude, das in seiner ganzen Gestaltung, auch bezüglich der Betriebsräume, den Anforderungen des sich weiterentwickelnden Ortes in jeder Weise gerecht wird.