Jubiläum eines Eifelberges – 50 Jahre Steinerberg-Wanderheim

VON JOSEF HOSS

Dort, wo die Eifel ihre letzten wuchtigen Felsköpfe in die Windungen des Ahrtals schiebt, erblickt man ein Gebiet voll von Reizen eigener Prägung. Eindrucksvoll und bezaubernd bietet sich vom Steinerberg bei Kesseling dem Naturfreund, der den stillen Frieden einer unverfälschten Natur liebt, ein großartiger Rundblick, durch den das Gerede von der „herben“ Eifel widerlegt wird. Ein wechselvolles, weites Landschaftsbild tut sich dem. Beschauer von der 551 m hohen Kuppe aus auf, und majestätisch tritt hier die Eifelkönigin, die Hohe Acht, aus dem Gesamtbild hervor.

Der Eifelverein wurde für die Eifel von allergrößter Bedeutung, als sich große deutsche Männer 1888 in ihm zusammenschlössen und „mit der freien Feuerkraft ihrer Herzeh das Land aus dumpfer Erstarrung und Hoffnungslosigkeit“ erweckten. „Von undurchdringlichem Dickicht umgeben, glich die Eifel einem Zauberschloß, in dem ihre verwunschene Schönheit den Dornröschenschlaf träumte, und was ihr fehlte, war der Befreier von dem Bann!“ So hat man ihn zum 50jährigen Bestehen des Eifelvereins 1938 sehr treffend mit einem Prinzen verglichen, der als der Rechte zur rechten Zeit kam, allen Dornen zum Trotz die Burg betrat, die Schöne erweckte und als Künder ihrer Pracht sich der Braut vermählte.

Für den Steinerberg war der „Prinz“ die Ortsgruppe Bonn des Eifelvereins, die innerhalb des Hauptvereins eine der größten und leistungsfähigsten Ortsgruppen ist. Um die Jahrhundertwende fand die bisher unerschlossene, herrliche Landschaft durch die zielbewußte Arbeit der Bonner Eifelfreunde die ihr gebührende Aufmerksamkeit. Der Steinerberg als bekanntester Punkt, bedeckt mit Ginster und Heidekraut, Himbeeren und Brombeeren, stach bald vielen Eifelfreunden besonders ins Auge und weckte den Wunsch, auf seinem wetterumtosten Gipfel den Besuchern in einer Hütte Rast und Unterkunft zu gewähren.

Es sind nun fünfzig Jahre her, daß mit dem Bau einer solchen Hütte begonnen wurde, wie sie unser Bild zeigt. Kurze Zeit später war sie ein gesuchtes Ziel für die Eifelfreunde aus näherer und weiterer Umgebung.

Über die Einweihung der Hütte am 24. September 1911 lesen wir aus der Feder des Lehrers Theodor Schrandt (Kesseling), dessen Sohn Lehrer Alois Schrandt heute zweiter Vorsitzender des Eifelvereins Bad Neuenahr ist: „. . . Der Bonner Eifelverein, der schon seit Jahren in der Pflege der Eifel und der Erschließung neuer Wanderwege viel geleistet hat und fortwährend ein reges Interesse für unsere nähere Umgebung zeigt, hatte vor einigen Jahren zusammenliegende Grundstücke auf dem Köllmich und auf dem Steinerberg angekauft. Das Gebiet auf dem Köllmich, das mit vielen schönen, immer mehr verschwindenden Wacholderhecken bestanden ist, untersteht dem Naturschutz und dient dem Vogelschutz, da an den hohen und starken Wacholderhecken eine große Anzahl von Nistkästen angebracht ist und auch auf sonstige Weise zur Erhaltung der einheimischen Vogelwelt Sorge getragen wird.

. . . Auf dem Steinerberg hat der Bonner Eifelverein eine Schutzhütte errichtet, die vorbildlich als Unterkunftsstätte dient, wenn den einsamen Wanderer die Unbilden der Witterung überraschen. Die Hütte gewährt sicheren Schutz. In einfachen Linien gehalten, erhebt sich an der südlichen Seite des Steinerberges der freundliche, zweckentsprechende Bau . . .

Steinerberghaus
Foto: Kreisbildstelle

Das geschlossene Kerngebäude umfaßt eine breite überdeckte Veranda, die eine herrliche Aussicht erschließt. Weit dehnt sich das sonnige Land nach allen Himmelsrichtungen aus … Die Einweihungsfeierlichkeiten wurden in sinnvoller Weise begangen. Eine große Menge von Eifelfreunden hatte sich eingefunden. Nach der Übergabe der Hütte an die Bonner Ortsgruppe durch den Bauleiter, Reg.=Baumeister Thoma (Bonn), folgten verschiedene Ansprachen des Amtsgerichtsrats Arimond (Bonn), des Landrats Kaufmann (Euskirchen), des Prof. Dr. Voigt (Bonn), des Pfarrers Breuer (Kesseling) und des Bürgermeisters Gies (Brück) . ..

Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Schutzhütte von Besatzungssoldaten in eine Trümmerstätte verwandelt, Wie die Kesselinger Chronik berichtet. Als sie wieder vollständig hergestellt war, wurde sie kurz nachher erneut zerstört. Trotzdem gab der Bonner Eifelverein die Hütte nicht auf, son= dern beschloß, sie zu erweitern, einige kleine Zimmer zum Übernachten einzurichten und einen Hüttenwart hineinzusetzen. Bald wurde der Beschluß zur Wirklichkeit. Über die Einweihungsfeierlichkeiten am 5. Juni 1921 berichtet Lehrer Anton Will (heute in Remagen) u. a.:

„. . . Eine ganz außergewöhnlich große Volksmenge hatte sich auf dem Steiner= berg eingefunden und wurde von Landgerichtsrat Arimond aus Bonn begrüßt. Die Festrede hielt Pfarrer Breuer (Kesseling).“ Im zweiten Weltkrieg übernahm die ehemalige Luftwaffe den gesamten Besitz des Vereins und richtete hier eine Funkstelle ein. Erst zu Beginn des Jahres 1946 besuch» ten einige Mitglieder des Eifelvereins Bonn wieder das Wanderheim, das wie vor dem Krieg auch weiterhin von der Familie Heinrich Schoof betreut wurde.

Steinerberg bei Kesseling/Ahr
Foto: H. Esch

Erneut fand sich der Kreis der Bonner Eifelfreunde zu einer kleinen Einweihungsfeier zusammen, als im September 1952 eine neue Terrasse an der Schutzhütte gebaut wurde. Um auch der Jugend den Weg in die herrliche Bergwelt der Eifel zu erschließen, wurde der Raum unter der Terrasse für billige Unterkunftsräume ausgebaut. Man würde aber Unrecht tun, wollte man nicht an dieser Stelle auch des Wanderfreundes gedenken, dem der Bonner Eifelverein ganz besonders die Erschließung des Steinerberges und der beiden Wacholderschutzgebiete Kölmich und Wibbelsberg zu verdanken hat: Richard Wolff.

Zum ersten Male wieder nach dem Krieg wurde am 1. Mai 1955 durch Rektor Lengersdorf die Fahne mit den blauroten Farben der Stadt Bonn gehißt, und dieses Datum bildet einen gewissen Abschluß der Entwicklung des Wanderheimes in den vergangenen 50 Jahren. Immer wieder ist es aus den Stürmen der Zeit schöner erstanden. Wer vermag zu sagen, ob unsere moderne Zeit nicht auch ihre Spuren hier oben hinterlassen wird? Die Treue der Eifelfreunde jedoch wird dem Steinerberg auch weiterhin helfen, das zu bleiben, was er in fünfzig Jahren geworden ist.

Von dieser Treue berichtet auch das aufschlußreiche Gästebuch des Wanderheims. Es ist ein einziges Loblied auf das schöne Eifelland, auf den Steinerberg und auf die Menschen, die dem Wanderer den Aufenthalt hier oben so angenehm gestalten. „Freuet euch der schönen Erde, denn sie ist wohl wert der Freud! O, was hat für Herrlichkeiten unser Gott da ausgebreitet!“ Solche Worte sind nicht selten, und auch viele ausländische Wanderfreunde sind begeistert von diesem Fleckchen Erde, das in besonderer Weise mitgeholfen hat, das schöne, herbe, damals noch mißachtete und so lange verkannte Eifelland ,im Ansehen zu heben und dem Wanderverkehr zu erschließen.