Inventaraufnahme auf Burg Altenahr im Jahre 1625

VON IGNAZ GÖRTZ

Heinrich von der Horst zu Pützfeld erhielt am 11. November 1589 Burg, Amt und Kellnerei Altenahr pfandweise verschrieben und wurde als Amtmann des Amtes Altenahr eingesetzt. Da die Burg „fast unbawig“, d. h. in sehr schlechtem baulichen Zustand war, ließ er eine Reihe von Reparaturarbeiten ausführen und nahm dann Wohnung auf Burg Altenahr. Als er im Jahre 1624 starb, erhielt sein Neffe Johann Friedrich von der Horst gemäß Erbvertrag vom Jahre 1615 die Pfandschaft Altenahr. Er bezog ebenfalls Wohnung auf der Burg. Da das vorhandene Mobiliar jedoch der Gemahlin des verstorbenen Amtmannes zustand, übernahm Johann Friedrich es zur vorläufigen Benutzung. Aus diesem Grunde verfertigte man am 19.Juni 1625 ein- „Inventarium über die zu Aldenahr aufm schloß und sonsten vorrätig, frawen Eva Wittiben von der Horst, geboren von Orßbeck, zuständige mojjilien“.

Es lohnt sich, einmal einen Blick in dieses Inventarverzeichnis zu tun. Gibt es doch einen guten Einblick in die Zahl und Art der Räumlichkeiten auf Burg Altenahr, besonders aber in die Ausstattung der Räume, so daß hier die Wohnkultur damaliger Zeit wieder auflebt. Was die Zahl der Räumlichkeiten angeht, ist eine Ergänzung nötig. Im Verzeichnis fehlen die leerstehenden und die nicht direkt dem Amtshaus zugehörigen Räume und Gebäude. Unerwähnt bleibt zum Beispiel die „Gyrhnichspforte“ mit Burghaus, da diese Gebäude zum Burglehen der von Gymnich gehörten. Der als Gefängnis dienende Turm (Bergfried) wird nicht aufgeführt. Im „Grauen“- und „Schellen“=Turm wird nur je ein Raum erfaßt, obwohl in beiden Türmen weitere Räume vorhanden waren. (Vgl. hierzu: Heimatjahrbuch 1961, S. 94 ff.) Die Inventaraufnahme erfolgte im Beisein der Altenahrer Schöffen Winand Antonii, Bernhard Kemp, Peter Heinen und Göbbel (Gottbald) Vasbender, sowie des Lux (Lukäs) Kemp und Stoffel (Christoph) Römer. Man durchschritt der Reihe nach alle Räume der Burg und notierte das vorgefundene Mobiliar.

In der Kapelle stand ein Flügelaltar mit acht gemalten Wappen der Ahnen der Familie von der Horst, vor dem Altar war ein schwarzes Antependium, auf dem Altar zwei sehr schöne Linnentücher und zwei kupferne Leuchter. Ferner wurden vorgefunden; vor der Staffel ein Kreuz, an der Wand ein Marienbild und noch zwei Gemälde, im Chorraum ein Sessel und drei Kissen. Im oberen Stockwerk der Kapelle war eine Handmahlmühle für Notzeiten und ein Vorrat an Schiefern zum Decken der Burgdäeher. Der östliche Giebel der Kapelle stand offen, doch war die Arbeit schon dem Winand Kemp in Auftrag gegeben. Auf dem Kapellendach hatte der verstorbene Amtmann in einem Dachreiter eine Uhr mit Glocke anbringen lassen.

Von der Kapelle ging man zum Grauen Turm, in dessen Keller und Erdgeschoß Fässer und 18 Dauben von Fuderfässern lagen. In der beheizbaren Kammer des ersten Stockwerks befanden sich: ein Himmelbett mit roten und grünen Vorhängen, ein Rollbett (niederes Bett, das man tagsüber unter das Himmelbett schieben konnte); beide Betten mit Bettzeug, Kissen und Decken wohlversehen; zwei Sessel mit Kissen und zwei eiserne Brandreiden (Böcke, die die brennenden Holzscheite trugen). Besonders erwähnt wird, und dies trifft für alle Räume zu, der gute Zustand von Türen, Fenstern und Fensterglas. Man ging weiter über den südlichen Wehrgang in das Hauptburggebäude, in dessen oberem Stockwerk man die „Stubenkammer, die große Küchenkammer, das kleine Kämmerchen und die Bischofskammer“ aufsuchte.

Die Einrichtung der Stubenkammer bestand aus einem geschnitzten Himmelbett und einem Rollbett, beide gut ausgestattet, einer großen, eichenen Kiste (sicher eine Truhe und nicht eine einfache Kiste), einem Tisch mit geschnitztem Fuß und grüner Tischdecke, einem gedrechselten Stuhl mit Kissen, zwei eisernen Brandreiden und einem Kammerblasebalg. Die große Küchenkammer diente dem Wachtmeister als Lagerraum. Hier stand eine eisenbeschlagene Kiste, ein einfacher Tisch und ein Stuhl. Die kleine Kammer war als Schlafraum mit einem Bett eingerichtet. In der Bischofskammer, dem Gastzimmer, besonders für kurfürstliche Besuche, standen ein Himmelbett und ein Rollbett, beide mit Federbett, Federkissen und Decken gut versorgt, ein Tisch mit einem grün geblümten Tischtuch, ein Sessel mit Kissen und zwei Brandreiden. Auf dem Gang vor der Bischofskammer verwahrte eine sehr große, alte Kiste Hanf und ein neues Brunnenseil. Vom ersten Stock des Burghauses ging man gleich in den ersten Stock des „Schellenturmes“, der an das Burghaus angebaut war. In der „Kammer aufm Schellenturm“ fand man zwei einfache Betten, Bettsack und Kissen mit Häcksel gefüllt, die als Schlafgelegenheit für die Boten dienten. Unter dem Dach des Turmes hing eine kleine Glocke. Man stieg nun in die „alte Küche“ hinab, in der sich acht große Rehgarne, vier alte Hasengarne und zwei Kaninchengarne befanden, sowie ein kleiner Tresor, in dem Kerzen aufbewahrt wurden. Oberhalb der „alten Küche“ lag noch eine kleine Kammer mit einfachen Betten. Als nächstes nahm man die Räume im Erdgeschoß des Burghauses in Augenschein: „Amtmannkammer, tägliche Küche, Spind, große Stube, kleine Stube“. In der Amtmannkammer waren ebenfalls ein gutes Himmelbett und ein Rollbett, ferner ein neuer, geschnitzter Tresor mit Einlegearbeit, auf dem Tresor ein kleines Gemälde, zwei Kisten, von denen eine mit eisernen Bändern beschlagen, zwei Brandreiden und ein Blasebalg; zwei Gewehre des Amtmannes und eine Pistole, ein Tümmler (kleiner Mörser) und ein Karabiner, sowie ein kupfernes Jagdhorn. In der „täglichen Küche“ befand sich ein Küchenschrank, ein zweitüriger Fliegenschrank, drei verschieden große Tische, eine alte Kiste aus Tannenholz und zwei Sitzbänke. Das anschließende Spind war mit Brettergestellen versehen. Die Ausstattung der Großen Stube, dem Repräsentationszimmer, bestand aus zwei sehr schönen Ausziehtischen, einer in Nußbaum, der andere in Hainbuche, beide mit grünen Tischdecken bedeckt, drei langen Sitzbänken mit sechs grünen Sitzkissen, vier mit Leder verbrämten Stühlen, einem dreifach unterteilten Schranktresor, einem Spielbrett mit Zubehör, zwei kupfernen Brandreiden, mit den Wappen der von der Horst und von Bongard verziert, und ein Ofen. In dem nebenan liegenden Kleinen Stübchen, dem Arbeitszimmer des Amtmanns, waren ein Ausziehtisch mit schwarzer Tischdecke, auf beiden Seiten des Tisches eine eichene Bank mit sechs schwarzen Wollkissen, ein Klapptisch an der Wand und dabei eine Schreibtafel, ein Ofen, ein zinnernes Handfaß (zum Händewaschen) und über der Tür längs der ganzen Wandbreite ein Brett.

Vom Burghaus erreichte man über den Burgplatz das „Reuterstübchen“ (einen kleinen Anbau gegen die nördliche Wehrmauer in der Nähe des Einganges zur Hochburg). Im „Reuterstübchen“ stand ein Ofen, ein Tisch und eine Bank. Über diesem Raum lag die „Wachtmeisterkammer“ mit einem Bett.

Anschließend besichtigte man das daneben gelegene Backhaus, in dem sich ein guter Backofen, ein kleiner Ofen, eine Backmulde, eine Bütte, eine eiserne Waage, ein Bratkessel und verschiedene andere Gefäße vorfanden.

Von der Hochburg ging man hinunter und kam zum Reisigenstall“ und Kuhstall. Der Kuhstall bot Platz für drei Kühe. Tröge, Raufen und Ketten waren in gutem Zustand. Im Reisigenstall konnten fünf Pferde untergestellt werden. Tröge, Raufen und Latierbäume waren in entsprechender Zahl vorhanden. Außerdem war hier noch Schlafgelegenheit für die reisigen Diener.

Im weiter abwärts gelegenen „Wachthaus“ (bei der niederen Pforte) notierte man nur einen eisernen Ofen und vermerkt, daß Fenster, Türen, Mauerwerk und Dach in bester Ordnung vorgefunden wurden.

Man ging weiter zum Kelterhaus (auf dem freien Platz am Ende des Fahrweges), an dessen gesamter Einrichtung nichts zu beanstanden war. Besonders erwähnt werden nur fünf Bütten und neun Legel. Längs einer Wand des Kelterhauses waren noch Tröge und Raufen für vier Pferde angebracht. (Unterbringungsmöglichkeit für eine größere Anzahl Pferde war außerdem im Kellnereigebäude unten im Tal Altenahr.) Zusammen mit diesem Kelterhaus wird noch ein kleines Kelterhaus genannt, das der verstorbene Amtmann oben im Garten hatte einrichten lassen. Dort fand man Kelterdielen und einen Pferdekarren. Als letztes nahm man noch den Brunnen vor und stellte fest, daß dieser gut verschlossen, „Pützeimer und Pützseil“ in bestem Zustand vorhanden waren.

Als Anhang, folgt eine Aufstellung von „gemein und geringen Sachen, so sich an verscheiden ortern befunden“. Die Aufzählung der einzelnen Gerätschaften, Werk» zeuge und Materialien möge hier unterbleiben. Zu erwähnen ist noch der Inhalt des Kellers unter der Großen Stube: an Getränken zwei Zulast Weißwein, 4 und 2 1/2 Ohm haltend, ein Fuder Bier und noch eine Zulast Bier, 2 1/2 Ohm groß, ferner zwei kleine und zwei große Fleischstangen, eine Brotmicke (Gestell zum Brotlagern), zwei Waschbütten, eine Scheuerbütte, ein großer hölzerner Biertrichter, ein großer Schieferstein, eine Haubank, eine weitere Bank und zwei Unterlagen für Fässer. Ferner werden hier noch zwei bleierne Dachrinnen erwähnt, die das Wasser in die Zisterne bei der Burgkapelle leiteten, die eine längs der Kapelle, die andere am Hauptburghaus.

In einem späteren Nachtrag werden noch eine größere Anzahl Jagdgeräte aufgezählt, die sich zur Zeit der Inventaraufnahme nicht auf der Bürg befanden, dann noch „im Bierkeller“ eine Zulast Wein, 2 1/2 Ohm haltend, „im Turm“ ein Faß Wein, ungefähr 7 Ohm, vier Seiten Speck und ein paar kleinere Stücke Fleisch.

Quellen:

Staatsarchiv Düsseldorf, Kurköln Urkunden 4844 und Familienarchiv von dei Horst Nr. 1 und 2