Gerhard Hauptmann

geb. 15. 11. 1862gest. 6. 5. 1946
Foto: Jaeger u. Goergen

Am 15. November 1962 begehen wir den hundertsten Geburtstag unseres größten deutschen Dichters der jüngsten Vergangenheit und Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann. Seine Werke offenbaren den reinen und .gesteigerten Ausdruck der deutschen Volksseele, und wenn in Moskau oder Paris, London oder New York die Menschen vom Schicksal der Rose Bernd oder vom Aufstand der Weber tief ergriffen werden — so bleibt selbst in den fremden Lauten der Übersetzungen die besondere Mundart, seine erhabene Wesens= und Lebensart spürbar.

Wohl selten hat ein Dichter immer wieder seine umfassende Liebe und sein grenzenloses Vertrauen zum deutschen Volke bekundet wie Gerhart Hauptmann, wenn er sagt: „Ich nenne es das dem Deutschtum immanente Wunder, daß es sich durch alle unzähligen Stürme, Gewitter und Erdbeben der Jahrhunderte erhalten und in seiner Kraft immer wiedergeboren hat.

So oft auch dem mysteriösen Weber unserer Geschicke die Webe zerriß und der Webstuhl zertrümmert wurde — immer ist beides bald wieder da, und die Arbeit wieder auf= genommen und genau an der Stelle, wo das Geweb zerrissen war, unentwegt fortgesetzt.“ In Tagen des tiefsten Niederganges unseres Volkes ruft er uns zu:

„Sursum corda! — Die Herzen emporl“

„, , . Wir lassen uns von dem Gedanken nicht abbringen, daß ein erhabener und höchster Sinn im Menschendasein geborgen ist. Die größten Menschen, die je gelebt haben, blieben diesem Gedanken treu, Er wirkte in Dantes düster großem Gedicht, wirkt in den Plastiken und Sonetten eines Michelangelo, wirkt in Beethoven und besonders in dem tongewaltigen Ringen seiner Neunten Sinfonie.

Und wer ihn kennt, ihn alleine, diesen Beethoven, diesen Deutschen, der kennt die höchste Gottesoffenbarung in Tönen, die der Welt je geworden ist. Er wird sich bis an sein Ende glücklich preisen, ein Mitglied der gleichen Familie, ein Kind deutschen Geistes zu sein.“

SURSUM CORDA!

(Heinrich Otto Olbrich)