Aus Ruinen wuchs ein neues Dorf

Aus Ruinen wuchs ein neues Dorf

VON ANDREAS BASENER

Ahrbrück Foto: H. Esch

Zu den im Jahre 1937 ausgesiedelten Dörfern gehörte auch das am Kesselinger Bach gelegene Eifeldörfchen Denn. Hier wurde nach der Evakuierung der Bewohner die Zentralstelle des neuen Luftwaffenübungsplatzes Ahrbrück eingerichtet. Nach dem Kriege, etwa 1950, hat die Besatzungsmacht dieses Gebiet wieder für eine landwirtschaftliche Nutzung freigegeben. Von dem einstigem Dorf Dem und von der Luftwaffenzentrale waren nur Trümmer übriggeblieben. Aus den ehemaligen Truppenunterkünften, die zumeist massiv gebaut waren, konnten unter Aufwand vom verhältnismäßig geringen Mitteln Wohnungen erstellt werden. Sie wurden für jene Heimatvertriebenen bereitgehalten, die für die Neubesiedlung des einstigen Luftwaffenübungsplatzes vorgesehen waren. Von hier aus wurden die Aufräumungs- und Erschließungsaufgaben für das neue Siedlungsgebiet gelenkt.

Mit Rücksicht auf dem zu erwartenden kargen Bodenertrag unseres besagten Gebietes wurde von vornherein auch die Ansiedlung vom Industriezweigen eingeplant, wobei der Bau von kleineren Nebenerwerbstellen durchgeführt worden ist. In einigen noch erhaltenen größeren Häusern konnten geeignete Fabriken Aufnahme finden.

Nachdem die wichtigsten Wohn- und Wirtschaftsgebäude für die vorgesehenen Siedlerstellen errichtet waren, wurden sie von ermländischen Bauern bezogen. Die dadurch freigewordenen Wohnplätze wurden sofort von wartenden Vertriebenen aus Schlesien und aus dem Sudetengau eingenommen. Inzwischen hat die weltbekannte Glasindustrie von A. Pörner & Söhne aus Gablonz hier Unterkunftsmöglichkeiten für die Errichtung eines neuen Betriebes erworben. Die benötigten alten Facharbeiter aus dem Sudetenland konnten auch die leer gewordenen Häuser beziehen, bzw. Nebenerwerbssiedlungen übernehmen. Später kamen als Nebenbetrieb die Wellpappenindustrie Boltersdorf, Brohl, die Metallwarenindustrie Metz und die Raiffeisenkasse hinzu, so daß für alle Ansiedler auskömmliche Wohnungen und Brot gesichert waren. Dieses Aufblühen kam dem vorhandenen Sägewerk und den Gaststätten sehr zugute.

Von der Luftwaffenleitung wurde damals im Denn-Tal ein etwa 2200 qm großes Schwimmbecken angelegt. Nach dem Zusammenbruch war die einst schöne Anlage völlig verschlammt und stark beschädigt. Der Initiative eines Neubürgers ist es mit Unterstützung des damaligen Amtsbürgermeisters Kreuzberg gelungen, das Schwimmbad wieder herzustellen und es zu einem beachtlichen Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr auszubauen. Bei diesem Vorhaben stand der Siedlungsverband der Entwicklung helfend bei, und einige Mitglieder des damaligen Einwohnerrats unterstützten diese Planung durch Abtretung von angrenzenden Parzellen und der Durchführung der größten Ausbesserung des Bades.

Gleichzeitig mußte der Denn-Bach umgeleitet werden. Dank der pfleglichen Förderung dieses Unternehmens durch die Amtsverwaltung Altenahr und den damaligen Betreuer Trampe wurde das Bad, das mit Rücksicht auf sein klares Wasser den schönen Namen Kristallbad führt, durch eine moderne Campinganlage erweitert. Beide Anlagen bieten seitdem Erholung suchenden Gästen eine wohl vorbereitete Stätte. Als die kommunale Neuordnung des Gebietes durchgeführt wurde, übernahm die Gemeinde Ahrbrück das Bad und den Campingplatz in Pflege und Betreuung.

Mit Rücksicht auf die indessen erfolgte Entwicklung und. Ausweitung der industriellen und gewerblichen Betriebe unserer Gemeinde, die den Namen Ahrbrück führte, wurde auf die ehemalige Ortsbezeichnung Denn verzichtet. Dazu kommt, daß nur einige wenige Altbürger der früheren Gemeinde Denn ansässig sind. Aber im Namen Dennbach und in seiner Flurbezeichnung Dennbachtal bleibt die Tradition gewahrt. Dieses ist aus kulturgeschichtlichen Gründen besonders zu begrüßen. Der ursprüngliche Name ist „Dembach“. „Dem“ entstand aus „decem“ = weil hier am Bach von dem Förster der „decem“ = Zehnten für die Eckernmast erhoben wurde. Das Privileg der Eckernmast gestattete den Bewohnern, ihre Schweine in den Wald zu treiben; die Tiere fanden hier reiche Nahrung an Bucheckern, besonders aber an Eicheln.

So ist durch die behördliche Planung und finanzielle Hilfe und durch das tatkräftige Eingreifen der Neu- und Altbewohner unseres Ortes ein Gemeinschaftswerk – heute auch versehen mit einem guten Straßennetz – in der aufblühenden kleinen Gemeinde Ahrbrück geschaffen worden, das Zeugnis ablegt von der Aufbaukraft unseres Volkes, die tausendfach in unserem Vaterland nach dem Zusammenbruch die Bewährungsprobe bestens bestanden hat.