60 Jahre Betriebstreue

VON HERMANN COMES

Über 65 Jahre ist Georg Genkinger, Remagen, in seinem Beruf tätig. Als Gärtner gehörte seine besondere Liebe den Rosen, und auch heute kann der 81jährige nicht ohne Arbeit sein. Am 3. September des vergangenen Jahres konnte er ausnahmsweise einmal nicht in die Kulturen; denn er war der Mittelpunkt einer Feierstunde besonderer Art: an diesem Tag nämlich war Georg Genkinger 60 Jahre in der Baumschule und Rosengärtnerei Hermann Lindecke beschäftigt. Er beging, was wohl selten vorkommen mag, das diamantene Arbeitsjubiläum in einem und demselben Betrieb: ein Beispiel nicht zu überbietender Betriebstreue.

1885 wurde der Jubilar in Ehlenbogen am Neckar geboren. In Feuerbach bei Stuttgart verbrachte er seine Lehrzeit. Sein weiterer Berufsweg führte ihn über Lindau, Ladenburg am Neckar, Remscheid und Anfang September des Jahres 1905 nach Remagen, das seine zweite Heimat wurde.

Nach dem zweiten Weltkrieg baute er mit nur wenigen Leuten und ohne Maschinen den ausgebombten Betrieb Lindecke wieder auf. Ein Teil des Betriebsgeländes gehörte zu dem berüchtigten Gefangenenlager, und von der Baumschule war bei der Auflösung des Lagers nichts mehr vorhanden.

Foto: Stang
Von links nach rechts: Gärtnermeister Günther Hörn, Regierungsrat Dr. Ermich, Frau Hörn, Bürgermeister Kürten, Diplomgärtner Holze, Frau Cenkinger, der Jubilar, Rechtsanwalt Hörn, Dr. Dähne und Verbandsvorsitzender Kraus.

In der Feierstunde überbrachte Dr. Dähne die Glückwünsche des Präsidenten der Landwirtschaftskammer und wies auf die Seltenheit des diamantenen Arbeitsjubiläums dieser Art hin. Der Vorsitzende des Gartenbauverbandes Rheinland-Nassau, Nikolaus Kraus, Oberbreisig, sprach die Glückwünsche des Verbandes aus. Das diamantene Jubiläum sei ein Gedenken und ein Danken für 60jährige Treue in einem Betrieb. Stadtbürgermeister Kürten sagte, daß dieses Jubiläum nahezu etwas Einmaliges sei. Mit dem Rat der Stadt wünsche auch die Bevölkerung dem Jubilar noch viele Jahre bester Gesundheit. Diplomgärtner Holze war der Gratulant der Landes-Lehranstalt. Sein Glückwunsch gipfelte in einem chinesischen Sprichwort: „Willst du ein Leben glücklich sein, dann werde Gärtner!“ Rechtsanwalt Hörn, ein Neffe des Jubilars, führte aus, die Familie Lindecke-Horn sei dem Jubilar zu tiefstem Dank verpflichtet. Nach einem Rückblick über den Lebensweg seines Onkels sagte er: Es war ein Weg mit Rosen, doch sie duften nicht nur, sie haben auch Dornen!“ Er schilderte die schwere Zeit nach den beiden Weltkriegen. Was der Jubilar geleistet habe, könne man mit Worten nicht ausdrücken. Doch der schönste Lohn für ihn sei die Tatsache, daß seine Lebensarbeit durch einen Großneffen, der inzwischen auch Gärtnermeister sei, weitergeführt werde.

In bewegten Worten dankte der Jubilar für die herzlichen Glückwünsche und die ihm überreichten Geschenke.

Doch eines darf nicht vergessen werden. Das Leben Georg Genkitigers war ein Leben der Arbeit, an der er mit jeder Faser seines Herzens hing. Doch auch für den Einsatz in der Gemeinschaft hatte er Zeit übrig. So war er fast 25 Jahre im Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Remagen, und in der schweren Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, die seinen ganzen Einsatz im Betrieb verlangte, gehörte er auch dem Stadtrat der Rhein- und Römerstadt an. Landrat Urbanus überreichte ihm am 1. September des Jahres 1955 das Bundesverdienstkreuz. Doch in der dem Jubilar eigenen .Bescheidenheit sagte er zum Abschluß dieser Feierstunde: „Über meinem Leben stand der Herrgott. Die Liebe zu den Blumen und zur Natur überhaupt hebt den Blick zum Höheren!“