Straßenbauten verändern das Bild der Landschaft

Fünf große Autobahnbrücken führen über die Täler des Kreises

VON WERNER DÜNZEN

Der Bau der Bundesautobahn 14 Krefeld-Ludwigshafen wird die Landschaft im Kreise Ahrweiler erheblich verändern. Wer in etwa zwei Jahren vom Rheintal ins Ahrtal fährt, wird vor dem Apollinaris-Brunnen die Ahrtalbrücke erkennen, die wegen ihrer Länge und Höhe sicherlich ein Wahrzeichen des Ahrtals werden wird. Nach der endgültigen Fertigstellung der Autobahn im Jahre 1976 bzw. erst ein oder zwei Jahre später, wenn die Angrünung der vielen Dämme und Einschnitte sich an das vorhandene Gelände angepaßt hat, wird man feststellen können, daß in der heutigen modernen Zeit auch eine Autobahn sich gut in die Landschaft einfügen kann und die Brücken über die vielen Täler sogar eine Bereicherung der Landschaft darstellen können. Mitte der fünfziger Jahre mußte man bereits feststellen, daß die vorhandene Bundesstraße 9 für den Durchgangsverkehr nicht ausreichend war. Die rechtsrheinische Autobahn brachte für die B 9 nicht die erwartete Entlastung. Durch Verkehrsbeschränkungen für Lastkraftfahrzeuge wurde versucht, die B 9 zu entlasten. Diese Beschränkungen brachten jedoch nicht den gewünschten Erfolg.

Vor mehr als zehn Jahren wurde daher mit der Planung einer linksrheinischen Autobahn begonnen und zwar noch unter dem Namen „KB 9″ (Ersatzbundesstraße 9). Die weitere Entwicklung, die Planung und der Ausbau des Autobahnnetzes in Rheinland-Pfalz haben dann baldigst diese EB 9 in das Bundesautobahnnetz mit eingeplant. Diese Straße wurde dann als linksrheinische Nord-Süd-Verbindung zwischen Kref eld und Ludwigshafen geplant, wo sie an das vorhandene Autobahnnetz anschließt. Sie hat die Bezeichnung „A 14″ (Autobahn Nr. 14) erhalten. Die Autobahn findet im Norden Anschluß an die Autobahn Köln-Dortmund, von dort in Richtung Hamburg oder Berlin sowie an die Autobahn Köln-Aachen mit Anschluß zu den Niederlanden und nach Belgien. Im Süden findet sie Anschluß an das bestehende Autobahnnetz. Ferner soll diese Autobahn die rechtsrheinische Autobahn entlasten.

Die Bundesautobahn 14 berührt den Kreis Ahrweiler bei Gelsdorf. Hier kreuzt sie die vierspurig geplante und teilweise ausgebaute B 257, sie führt an Gelsdorf vorbei in Richtung Ringen. Bei Ringen mündet in die Autobahn die vierspurig geplante und z. Z. bis Bad Neuenahr im Ausbau befindliche B 266. Östlich von Bengen überquert die Autobahn mit einem Brückenbauwerk von etwa 800 m Länge die Kreisstraße. Sie führt dann etwa parallel der vorhandenen Hochspannungsleitung des RWE über das Ahrtal. Die Ahrtalbrücke ist sowohl wegen ihrer Länge als auch ihrer Höhe als das bedeutendste Brückenbauwerk in unserem Raum anzusehen. Am 7. Mai 1973 war für die Ahrtalbrücke der offizielle Spatenstich und zwar durch einen Vertreter des Bundesverkehrsministeriums und den rheinland-pfälzischen Minister für Wirtschaft und Verkehr, Herrn Heinrich Holkenbrink. Die Ahrtalbrücke ist bedeutend länger als die Brücke über das Moseltal bei Winningen. Sie hat eine Gesamtlänge von 1250 m.

Foto: Kreisbildstelle
Verteilerkreis an den „Ulmen“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Zubringer zur A14

Autobahnbrücke A14 bei Bengen
Foto: Kreisbildstelle

 In der Höhe erreicht sie jedoch nicht die Moseltalbrücke, die größte Höhe beträgt 55 m. Die Brücke wird auf 21 Pfeilerpaaren errichtet. Die Brückenfläche beträgt 47 200 qm. Es werden 85 000 cbm Beton, 18001 Spannstahl und 7 000 t Stahl III verarbeitet. Die Bauausführung obliegt der Firma Julius Berger – Bauboag AG, Wiesbaden. In der Nähe von Löhndorf erhält die Autobahn eine Abfahrt sowohl für Sinzig als auch für Bad Neuenahr-Ahrweiler. Hier wird eine Querspange errichtet, die die A14 und die vierspurig geplante B 266 verbinden soll. Die Autobahn verläuft dann weiter in Richtung Franken und führt westlich von Waldorf über das Vinxtbachtal. Diese Brücke wird 640 m lang. Von hier führt die Autobahn in Richtung Niederzissen. Dort wird vor dem Brohltal eine Anschlußstelle für die Bundesstraße 412 und Niederzissen geschaffen. Die Brohltalbrücke befindet sich bereits im Bau. Sie wird 675 m lang. Weiter führt dann die Autobahn östlich etwa parallel der Straße Niederzissen-Wehr in Richtung Laacher See. Am Laacher See ist eine Zu- und Abfahrt vorgesehen. Dort mündet auch die geplante Verbindungsstraße, die in der Nähe von Kempenich von der B 412 abzweigt, in die Autobahn ein. Hinter Maria-Laach verläßt die Autobahn den Kreis Ahrweiler und führt weiter in südlicher Richtung zum Bassenheimer Kreuz bei Koblenz, wo sie auf die in Richtung Ost-West verlaufende Autobahn Dernbacher Dreieck – Trier trifft. Nach der Fertigstellung und Inbetriebnahme der Ahrtalbrücke wird voraussichtlich die gesamte Autobahn für den Verkehr zur Verfügung stehen. Die östliche Fahrbahn des Brückenbauwerkes der Ahrtalbrücke soll bis zum 1. Juni 1975 fertiggestellt werden, so daß zum Ende des Jahres 1975 eine Fahrbahn dem Verkehr übergeben werden kann. Die westliche Fahrbahn soll bis zum 1. Juni 1976 fertiggestellt werden. Es ist dann damit zu rechnen, daß das gesamte Brückenbauwerk und die gesamte Autobahn bis zu diesem Zeitpunkt für den Verkehr freigegeben wird.

Für unseren Raum wird diese Autobahn erhebliche Vorteile bringen. Von der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ist man in wenigen Minuten auf der Autobahn. Es ist damit zu rechnen, daß man in einer guten halben Stunde bis nach Koblenz fahren kann. Bis zur Stadt Bonn wird man etwa 20 Minuten benötigen, und Köln wird man in 45 Minuten erreichen können.

Die Vorteile der besseren Verkehrserschließung kommen nicht nur dem östlichen Teil des Kreises zugute, der unmittelbar von der Autobahn berührt wird. Für den Fremdenverkehr wird die Autobahn sich günstig gestalten, weil der Besucher aus den erholungssuchenden Gebieten noch schneller den Fremdenverkehrs- und Erholungsraum in unserem Kreis erreichen kann. Wer bereits heute aus Richtung Köln nach Altenahr will, kann bis etwa 10 km vor dem Ziel die Autobahn benutzen. Weiter wird sich der Anschluß Laacher See mit der Verbindung einer Landstraße bis nach Kempenich günstig auswirken. Vom Laacher See kann der Besucher des Adenauer- und des Nürburgring-Raumes dann sehr schnell dieses Gebiet erreichen, da diese Strecke sehr gut ausgebaut sein wird – teilweise im ersten Abschnitt vom Laacher See bis Kempenich kreuzungsfrei und dann weiter auf der bereits jetzt gut und gradlinig geführten B 412, die nicht durch Orte führt. Für den gesamten Kreis Ahrweiler dürfte es eine erhebliche Verbesserung bedeuten, da die Verkehrsteilnehmer gut an das Autobahnnetz angeschlossen sein werden. Es bleibt nur noch zu hoffen, daß die vorgesehenen Bautermine eingehalten werden können, damit sowohl für die B 9, insbesondere im Raum Bad Breisig, als auch für die B 266 eine Entlastung eintritt, wenn der Verkehr, vor allem der Schwerverkehr, die neue Autobahn in ihrer ganzen Länge benutzen kann.