Ohlenharder Kapellenfest im Zeichen eines Jubiläums

Ohlenharder Kapellenfest im Zeichen eines Jubiläums

VON PETER WEBER

Der Jahreslauf bietet immer wieder Anlässe zu Fest und Feier, und nicht zuletzt hat das kirchliche Jahr immer wieder Gelegenheiten, inne-zu halten und bei besinnlichem Tun zu verweilen.

So ist es vor allein das Kirchweihfest — die Kirmes — das in der Vergangenheit alle Feste überragte, das aber heute in manchen Festgelegenheiten bereits Konkurrenz erhalten hat, nicht was den Anlaß, wohl aber was das Feiern anbelangt.

In den meisten Fällen liegt dieser Anlaß für die Kirmes weit zurück, so weit, daß man in vergilbten Büchern darüber lesen muß, sofern nicht der Volksmund einiges bewahrt hat. Oder, das altehrwürdige Gotteshaus ist stummer Zeuge jener Zeit, da man den Grundstein für das Feiern der Kirmes legte.

Seltener jedoch ist die Kirch- oder Kapellenweihe noch gar nicht so lange her, und es gibt alte Einwohner, die beim Bau und der Einweihung dabei waren. So ist es in Ohlenhard, dem kleinen Dorf auf der Höhe zwischen Armutsbach und Dreisbach, Dort feiert man am letzten Sonntag im Juli das sogenannte „Kapellenfest“. An diesen Tagen kommen die Gäste von nah und fern. Der Festgottesdienst ist gut besucht. Doch wer kann, ermessen, wieviel Opferbereitschaft und freiwillige Arbeitsleistung Hinter einem Kapellenbau in der damaligen Zeit stehen? Die Vorgeschichte- des Kapellenbaues gibt uns Aufschluß über das Zustandekommen, das zweifellos mit einigen Schwierigkeiten verbunden war.

Foto: Peter Weber
Die Kapelle in Ohlenhard

Bereits 1885 lagen Pläne für den Kapellenbau vor. Die Genehmigung blieb jedoch aus, da finanzielle Mittel nicht bereitstanden. So begann man 1905 mit einer Sammlung, die bis 1909 1500 Mark einbrachte. Da der Kostenvoranschlag den Betrag von „nur“ 4442 Mark vorsah, erteilte im gleichen Jahre die Behörde in Trier die Erlaubnis zum Baubeginn. Das war damals jedoch etwas anderes als heute. Es fuhren keine Baumaschinen vor. Man wählte einen Platz in unmittelbarer Nähe der Hauptstraße, so daß heute ein eigentlicher Kapellenplatz fehlt. Bauunternehmer Thar aus Rohr hatte den Zuschlag erhalten, und dann gings an die Arbeit. Wer mag wohl seinen Teil dazu beigetragen haben? Bedenken wir, man sammelte in fünf Jahren ganze 1500 Mark. Wie steht das zu unseren Vorstellungen über die gute alte Zeit? Und wo kam das Geld wohl her? Von Eiern, die man sich am Munde absparte, von Verzicht auf kleine Freuden und Annehmlichkeiten, man kann sogar sagen, Notwendigkeiten.

Foto: Peter Weber 
Altar in der Dorfkapelle in Ohlenhard

Denken wir heute einen Augenblick daran, wenn wir feiern. Die Opfer unserer Vorfahren verdienen es. Und versuchen wir auch heute, auf zeitgemäße Art für die Gemeinschaft da zu sein. Wieviel Männer und Frauen werden mitgeholfen haben, bei der Beschaffung des Materials, das ja mit Fuhrwerken herangeschafft werden mußte, im Steinbruch und beim Sandholen. Als die Mauern einen Meter hoch waren, schrieb man bereits das Jahr 1910. Die Fertigstellung erfolgte 1911, und im Sommer 1912 die Benedizierung. In den Diözesanakten der Pfarrei Wershofen, zu der Ohlenhard gehört, ist angegeben, daß die Kapelle der leiblichen Aufnahme Mariens geweiht ist. Deshalb wird das Kapellenfest auch Anna-Kirmes genannt. In diesem Jahre, in dem das 60jährige Bestehen der Dorfkapelle gefeiert werden kann, wird man sich wohl in besonderer Weise des Geschehens in den Jahren des Bauens erinnern und als einen Segen empfinden, daß bereits seit 60 Jahren eine Kapelle der Mittelpunkt des Dorfes ist.

Und Einheimische und Gäste können dann den festlich geschmückten — im Jahre I960 unter Pfarrer Stahl renovierten — und modern gestalteten Innenraum bewundern. — Zum Feiern gibt es dann noch reichlich Gelegenheit; denn nicht nur an Kirmestagen ist Ohlenhard als gastfreundlich bekannt.