Jakob Rausch Ehrenbürger von Ahrweiler

VON HARRY LERCH

Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie du . . . Dieses Wort von Theodor Fontäne war das klingende Leitmotiv der herzerfüllten Stunde, in der Jakob Rausch die Rechte eines Ehrenbürgers der Stadt Ahrweiler verliehen wurden. Geschehen am 27. Januar 1969 an seinem 80. Geburtstag in der Stadt, der sein Leben gehört, in der Landschaft des Kreises Ahrweiler, deren Archivar und Schatzbewahrer er ist. . . Die Stunde hatte ihren guten Klang, das hatte seinen Schmuck mit Blumen auf dem Ratsherrentisch — das hatte Schwingungen der Herzlichkeit in der Laudatio eines jeden Mannes, der Jakob Rausch zu rühmen gekommen war. Kein leeres Wort, wie sie in solchen Stunden manchmal brüchig-papiernen rascheln . . .! Die lautere Persönlichkeit dieses Historikers gab jedem Sprecher gleichsam das ein, was zu sagen war: die Zuneigung zu einem klugen, gütigen, verehrungswürdigen Menschen, der sich um diese Stadt und diesen Landkreis wahrhaft verdient gemacht hat: um den kulturellen und historischen Bestand, um das Auffinden und Bewahren des Schatzgutes unserer Landschaft. Wenn er spricht, hat er etwas Gültiges zu sagen. Jeder der ihn kennt, hat Gewinn von seinem reichen Wissen aus dem magischen, sichtbar-sinnvollen Sinn der Geschichte: sie ist die Lehrmeisterin des Lebens.

So war die Stunde, wie sie heute noch gegenwärtig ist:

Mit Kreisarchivar Jakob Rausch, Stadtbürgermeister Wilhelm Helfmann und Landrat Heinz Korbach waren zwei Ehrenbürger am Tisch: Toni Jarre, in schwerer Zeit Bürgermeister der Stadt, und Kreisdeputierter Dr. Leo Schmitz-Both.

Der Bürgermeister würdigte noch einmal diese Persönlichkeit: „Es gilt, einen verdienten Bürger zu beglückwünschen und zu ehren, der am heutigen Tag sein 80. Lebensjahr vollenden kann. Es ist unser lieber Rektor Jakob Rausch. In Verehrung und Dankbarkeit erhalten Sie heute die höchste Auszeichnung, die eine Gemeinde zu vergeben hat: Die Würde eines Ehrenbürgers. Die Stadt Ahrweiler ist stolz und glücklich, einen Mann wie Sie in ihrer Mitte zu wissen.“

Foto: Wolfgang Vollrath

Auf Pergament
Kostbar in Leder gebunden und auf Pergament geschrieben ist die Ehrenbürgerurkunde für den Mitbürger Jakob Rausch. Beschriftet hat sie ein Bonner Künstler, der Übrigens schon für den damaligen Bundespräsidenten Prof. Dr. Theodor Heuss Urkunden gezeichnet und geschrieben hat. Für den Ehrenbürger war das Besti gerade gut genug! Mit Initialien in Gold ist gewürdigt ein Leben, das dem Landkreis, den Erziehern, den Kin dem und der Geschichte gleichermaßen gewidmet war. Jakob Rausch schöpft aus einem unausschöpfbaren Born des Wissens unserer Geschichte: Manches ist noch von ihm zu erwarten.

Tafel an der Waldhütte . . .

So sagte Bürgermeister Wilhelm Helfmann weiterhin: „Auf Ihre Verdienste hier im einzelnen einzugehen, kann ich mir ersparen, denn sie sind weit über die Grenzen der Stadt und des Kreises Ahrweiler hinaus bekannt. Hier und heute darf ich nur kurz erwähnen und daran erinnern, daß Ihr Lebenswerk als Erzieher, als Literat und Historiker bereits mehrfach gewürdigt und ausgezeichnet wurde, kirchlicherseits im Jahre 1954 mit dem Orden „PRO ECCLESIAE ET PONTIFICE“ durch Papst Pius XII. und 1959 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse durch den damaligen Bundcspräsidenten Professor Theodor Heuss. In Ahrweiler selbst wurde Ihnen in Anerkennung Ihrer Verdienste um das Hutenwesen von der Ahrhutgemeinschaft „St. Barbara“ die Ehrenbezeichnung „Ehrenbürger der Ahrhut“ zuerkannt, und in „Würdigung Ihrer überaus wertvollen Tätigkeit um die Erforschung der Tiefe und des Reichtums unserer Heimatgeschichte ernannte Sie der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“ zu seinem ersten Ehrenmitglied und die Stadt Ahrweiler bereitete Ihnen 1964, vor fünf Jahren anläßlich Ihres 75. Geburtstages eine Freude damit, daß Ihr ehrenwerter Name, lieber Herr Rektor Rausch, und Ihr verdienstvolles „Wirken im Volksmunde weiterleben und lebendig bleiben sollten in der Weise, daß die neuerrichtete Schutzhütte und der neue Aussichtsturm auf dem Steintalskopf, dem schönsten und meistbesuchten Berg unserer Landschaft, Ihren Namen erhielten.“

Die Menschen lieben lernen . . .

Als Pädagoge, als Freund der Kinder und der Lehrer, als Kreisarchivar und Leiter des Redaktionskollegiums, vor allem mit vielen histori sehen Schriften gehört er zu den geprägten um prägenden Persönlichkeiten unserer Zeit.

Zu den Gratulanten gehörte — mit dem Wappenteller des Kreises in Silber — auch Landrat Heinz Korbach. Er zitierte einen Brief des Kul turhistorikers Jakob Burckhardt, der einst a Bonner Student dieses Tal durchwandert hat „Sie wissen noch nicht“, schrieb Jakob Burg hardt an einen Zeitgenossen, „was wir Menschen für Bettler sind vor den Pforten desGlücks. Wie Weniges sich ertrotzen und e zwingen läßt und wie die genialste Begabung ; jenen Pforten anprallt, um sie einzurennen. Denn, ach, die Menschen lieben lernen — ist das einzig wahre Glück“. Das für Rektor Jakob Rausch wie auf den Leib geschrieben,  vor allem an dieses gütige Herz war es gerichtet.

Foto: Wolfgang Vollrath

Der feierliche Augenblick: Wilhelm Helfmann trägt in dieser Stunde die Kette des damals amtierenden Stadtbürgermeisters und übergibt an Rektor Jakob Rausch — Stadtchronist und Kreisarchivar — den Ehrenbürgerbrief. Herzlicher Beifall begleitet die festliche Stunde.

Freundnachbarlich kam Kurdirektor Dr. Rütten (Bad Neucnahr) und überbrachte mit herzlichen Gratulationen im Namen des Bürgermeisters Heinrich Rüschenschmidt den Wappenteller der Stadt Bad Neueiiahr: Eine Fügung, die vom Rektor glückstrahlend aufgenommen wurde, hat er für sein geschichtliches Gesamtwerk doch auch viel über Bad Neuenahr publiziert.

Ritterschlag der Historie

Mit dem Ritterschlag verglich Schulrat Franz Stein diese Ehrung, er erinnerte an die ersten Studien in der Chronik des Schulortcs Dahlberg — und brachte von dort einen Wein mit. Treffend war auch dies: „Einen Rektor außer Diensten Jakob Rausch hat es nie gegeben: Er ist immer im Dienst.“ Und eine Huldigung war auch dieses Wort: „Wir sind und bleiben Ihre Schüler.“

Rektor Anton Neukirchen gratulierte dem Vorgänger im Amt. Es sei im Volksmunde so: Wenn man vom Rektor spreche, dann meine man nie den zur Zeit amtierenden, sondern immer noch den Rektor Jakob Rausch von der Aloysiusschule. Ein Aquarell von Franz Steinborn war die Festgabe des Aloysius-Kollegiums.

Senior des Redaktionskollegiums

Dr. Ottendorft-Simrock erfüllte einen Auftrag für das Redaktionskollegium für das Heimat-Jahrbuch: Glück zu wünschen dem verehrten Senior und geistigen Haupt. Begleitet war dies von einem Aquarell der Malerin Gerda Paleschkie: Ein Durchblick zum Weißen Turm.

Wilhelm Schäfer drückte aus, was der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“ dem Geburtstagskind zu danken habe: „Dafür, daß Sie uns unsere Stadt noch näher gebracht haben.“

Lehrer Gregor Meures (Kirchdaun) sagte den Dank aller Kollegen, denn Rektor Jakob Rausch hat mit Rektor Külzer 1953 die Standesorganisation des katholischen Lehrervereins gegründet und ist allezeit ihr Mentor gewesen.

Ahrweiler im Paradiese

Nun sprach „der Rektor“, wie man ihn immer nennen wird. Jakob Rausch berichtete von einer Liebeserklärung, die nun schon 72 Jahre alt ist.

Er erinnerte, wie er mit seinem Vater, den Zwillingsbruder Peter an der Seite, 1897 zum ersten Male nach Ahrweiler kam, auf dem Pferdewagen von Godeneltern herab. Da sagte der Vater: „Jungens, schaut: da unten liegt Ahrweiler im Paradiese.“ Und dann, die zweite Liebeserklärung: Vor 55 Jahren hat er dem damals amtierenden Rektor Christoph Strauck versprochen, sein Nachfolger zu -werden. Beides hat er bewahrt! „Ahrweiler im Paradiese“: Das war ein Lobwort, dem Jakob Rausch sein Leben so getreu verschrieben hat. Keiner im Städtchen, der nicht sagte: „Das hat unser Rektor verdient, daß er nun unser Ehrenbürger ist.“