Immanuel Kant zum 250jährigen Geburtstag

VON HEINRICH OTTO OLBRICH

Immanuel Kant (22. 4.1724 bis 12. 2.1804), der unbestritten als der bedeutendste Denker des 18. Jahrhunderts gefeiert wird, lehrte an der Universität Königsberg und war nicht nur der führende deutsche Philosoph, sondern auch Erzieher der deutschen Jugend. Die ständige Beobachtung des Menschen, diese dauernde Frage: „Was ist unsere ursprüngliche Natur ?“ führte nicht nur zu der großen poetischen Gestaltung der eigenen Gefühle in dieser Zeit der individuellen Welt in den Dichtungen Goethes, sondern auch zu der Philosophie des Kritizismus eines Kant. – Er beantwortete in seinen Hauptwerken „Kritik der reinen Vernunft“ und „Kritik der Urteilskraft“ die Fragen: Was kann ich wissen? – Was soll ich tun? Was darf ich hoffen ? – Er erwies die unbedingte Herrschaft der Vernunft, aber auch die Berechtigung des Gefühls und des Glaubens. – Das Sittengesetz nach Kant in uns, das „Du sollst“, ist das Erhabenste, was es in der Menschenwelt gibt; dem kann nur der bestirnte Himmel über uns verglichen werden. Durch Kant lernte damals die Welt bei den Deutschen philosophieren, wie das Altertum bei den Griechen. Zu der Pädagogik Kants schreibt der Verfasser in seinem „Rüstzeug des Erziehers“ Band II: „Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was Erziehung aus ihm macht.“ Durch die Erziehung soll nach Kant der Mensch 1. diszipliniert, 2. kultiviert, 3. zivilisiert und 4. moralisiert werden. Das letzte Ziel der Erziehung ist die Sittlichkeit. Der Mensch soll durch die Erziehung tugendhaft werden, und zwar tugendhaft aus Vernunft und Überzeugung. Das höchste Gesetz der Sittlichkeit lautet nach Kants kategorischem Imperativ: „Handle so, das die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann.“

Foto: Kreisarchiv
Immanuel Kant