Geschichtliches zum Bergbau im Kreise Ahrweiler

VON THEO BUSCH

Seit ungefähr 1000 Jahren kennen wir intensiveren Bergbau in Deutschland. Die Bundespost wies eigens durch Herausgabe einer Briefmarke „1000 Jahre Bergbau im Harz“ darauf hin.

Schon in vorgeschichtlicher Zeit, seit frühester Bronzezeit, trachteten unsere Vorfahren nach Erzen, nach jenen, die zur Bronzcbereitung erforderlich waren, nach Kupfer- und Zinnerzen.

Die Suche nach Erzen zur Herstellung von Bronze hat zweifellos den Blick der Menschen der Vorzeit auch für andere Erze geschärft, und es ist daher nicht verwunderlich, daß man bald Eisenerze fand und sie um 1200 v. Chr. erstmalig zu Waffen und Geräten verwenden lernte und das Eisen allmählich die Bronze verdrängte, da die Gegenstände aus Eisen härter und besser waren und sich, sofern zum Schneiden benutzt, auch besser schärfen ließen.

Mit dem Eintritt in die geschichtliche Zeit, als die Eifel nur erst dünn besiedelt war, brachte die Einbeziehung dieses Raumes in das hochentwickelte Weltreich der Römer (von 50 vor bis 400 nach Chr.) wirtschaftlichen Aufschwung auf vielen Gebieten mit sich, und Eisen-, Blei-, Stein- und Tonindustrien wurden aufgebaut und vergrößert.

Erst in jüngster Zeit sind für den Zeitraum der römischen Besatzung Ausgrabungen im Stadtwald von Ahrweiler aufschlußreich geworden, die Professor Dr. O. Kleemann von der Universität Bonn durchgeführt hat. Diese Ausgrabungen weisen eine von den Römern im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. geschaffene große Anlage zur Eisengewinnung und -Verhüttung nach. Diese Anlage ist bis jetzt die erste und einzige ihrer Art, die im Bundesgebiet nachgewiesen wurde.

Auch in anderen Eifelorten waren die Römer bereits im Bergbau tätig. In Kali, einem sehr alten Ort, gruben sie nach Blei. Bei Dahlem betrieben sie Eisensteingruben, die seit 1884 stillliegen. Bei Keldenich und Dottel machte man in alten Gruben zahlreiche Funde aus keltischer und römischer Zeit. Im dortigen Tanzberg haben schon Kelten und später Römer Bleierzbergbau betrieben, und auch die Bleierzlager des berühmten Bleibergs bei Mechernich, eine der wichtigsten Bleierzlagerstätten Deutschlands, war Kelten wie Römern bekannt.

Die mittelalterlichen Verhältnisse des Bergbaus in Deutschland werden uns schon von Peter Albinus in seiner im Jahre 1590 erschienenen „Meißnischen Berg-Chronika“ geschildert. In diesem Buche erwähnt er die Eisenbergwerke in der Herrschaft Schieiden mit folgenden Worten: „Aber in der Herrschaft Schleiden, in Hellenthal, desgleichen in der Herrschaft Kronenburg und Kilen (nicht fern von der Grafschaft Manderscheid) find man guten Eisenstein, daraus man fürbündig gut Schmiede-Eisen mach und Eiserne Öfen geusset, die da weit hinaus ins Oberland, als Franken, Schwaben etc. verführet werden. Dessen zum theil Agricola (Georg Agricola, geboren 1494 in Glauchau, gestorben 1555 in Chemnitz, der erste systematische Minerologe Deutschlands) mit diesen Worten gedenket:

„Ferrum laudatum et copiosum est Germanis qui incolunt regionem quam Eifelam nominamus et quidam inditione Comitis Manderscheiti, ubi etferreaefornaces, quibusunitmur in caldaris conflantur.“

Übersetzung:

„Ein lobenswertes und häufig vorkommendes Eisen haben die Deutschen, die die Gegend bewohnen, die wir Eifel nennen, und die zu einer gewissen Grafschaft Mander-scheid gehören, wo Eisenschmelzöfen sind, die wir gebrauchen, um durch Wärme zu schmelzen.“

Von besonderer Bedeutung war der Eif eler Bergbau im 19. Jahrhundert und bis ins 20. Jahrhundert hinein. Im nachfolgenden werden insbesondere die Verhältnisse um das Jahr 1820 geschildert, also vor ungefähr 150 Jahren, wie sie uns von Georg Barsch, Regierungsrat a. D., in seinem ersten Band, erste Anteilung des Werkes „Die Städte und Ortschaften der Eifel und deren Umgegend topographisch und historisch beschrieben“ äußerst sorgfältig dargelegt werden.

In Eisenbergbau und Eisenverarbeitung traten in der Eifel drei Gebiete besonders hervor: das Dreieck Hellenthal—Kali—Gemünd, das Gebiet um Kronenburg und der Herrschaftsbereich des Herzogs von Arenberg.

Das Dreieck Hellenthal—Kali—Gemünd

Der Kreis Schieiden, der dieses Gebiet umfaßt, ist sehr reich an Mineralien. Vor 150 Jahren fanden durch deren Ausbeutung viele Menschen Arbeit und Nahrung. Damals wurden 350000 Zentner Eisenstein aus 160 Grub.en von 800 Arbeitern zutage gefördert. Das Erz wurde auf 19 Eisenhütten, 1 Puddlingswalzenwerk (engl.: to puddle = umrühren), 2. Drahtziehereien, mehreren Drahtstift- und Schraubenfabriken, einigen Klinkhämmern und Schmiedewerken verarbeitet. (Puddeln oder Flammofenfrischen ist ein 1784 von Cost und Parnell eingeführtes Verfahren. Es beruht auf Entkohlung und Oxydation der im Roheisen enthaltenen Begleitelemente des im Herd eines Flamm- oder Puddelofens eingeschmolzenen Roheisens durch die atmosphärische Luft, deren Zutritt durch Rühren mit einem von Hand oder einer Maschine bewegten Haken herbeigeführt wird.)

Das Gebiet um Kronenburg

Barsch berichtet uns darüber: „Die Einkünfte der Herrschaft Kronenburg wurden zu 5000 Gulden veranschlagt, betrugen aber im Jahre 1718, in dem die Einkünfte dem Hüttenmeister Simon Cremer auf Hammerhütte (östlich von Kronenburg) verpfändet waren, nur 3600 Gulden. Die Einkünfte bestanden vorzüglich aus Frucht- und Geldrentcn.“ Wie man daraus ersieht, war das Eisen der Herr im Lande. Der Ort Kronenburgerhütte, heute ein Teil von Kronenburg, vor 150 Jahren ein Dorf mit 53 Häusern und 300 Einwohnern, verdankte seine Entstehung einem dort befindlichen Eisenwerk, das sehr alt und bereits im 13. Jahrhundert errichtet worden war.

Der Herrschaftsbereich des Herzogs von Arenberg

Bei Lommersdorf, westlich von Aremberg, fanden sich im Kalkgebirge mächtige Lager des vortrefflichen Brauneisensteins, des besten der Eifel, der im Ahrtale in den Eisenwerken Stahlhütte und Ahrhütte geschmolzen und verarbeitet wurde. Nachdem das Gebiet unter preußische Verwaltung gekommen war, hatte die Behörde hier unter bedeutenden Kosten einen Stollen angelegt, der sich reichlich rentierte, da das erzielte Eisen von vorzüglicher Güte war. Es wurde nicht nur von den inländischen Wagenfabriken vorzugsweise benutzt, sondern auch die belgischen Gewehrfabriken konnten es nicht entbehren, obgleich es in Belgien mit hohem Eingangszoll belastet wurde. Dieses Eisen war im Handel unter dem Zeichen AR bekannt und sehr gesucht. Die Ahrhütte gehörte ehemals dem Herzog von Arenberg, der die Hütte im Jahre 1792 an Johann Stoehr in Köln gegen eine jährliche Pacht von 4215 Franken (1124 Taler) auf 12 Jahre verpachtete. Um 1850 gehörte das Hüttenwerk den Herren Carl Pönsgen in Schlei-dcn und Fingerhuth in Eiserfcy. Im Orte Ahrhütte finden sich heute nur noch Reste der früheren Arenbergischen Eisenwerke und in Stahlhütte die Ruinen des um 1860 stillgelegten großen Hammerwerkes. Die Stahlhütte lag bei Dorsel in der Nähe eines Kalksteinbruches. 1808 bestand die Hütte aus 2 Hochöfen, 4 Läuterungs-feuern und 2 Stahlhämmern. Etwa 1400 Wagen Eisenerz wurden dort alljährlich verschmolzen.

Auch im Ort Antweiler, der mit dem Orte Aremberg zur Grafschaft und zum späteren Fürsten- und Herzogtum Arenberg gehörte wurde vor der Errichtung der Werke in Ahrhütte und Stahlhütte Lommersdorfer Erz verarbeitet. Das Stammland Arenberg erfreute sich infolge der reichen Erzlager bei Lommersdorf lange Zeit hindurch einer verhältnismäßig beträchtlichen wirtschaftlichen Blüte.

Sporadische Eisenvorkommen in der Eifel gibt es bei Sötenich, Dahlbenden, Steinfelderhütte, Schmidtheim, Jünkerath, Dahlem, Hungersdorf, Mechernich, Eiserfey, Fussum und Zingsheim.

Auch im Amte Altenahr gab es Bergmannsdörfer, Burgahr, Kirchsahr, Plittersdorf und Lind. Bis zum Jahre 1939 wurde hier nach Eisenerz geschürft. Da die Gruben nicht mehr ertragreich waren, versetzte man die letzten Bergleute in das untere Lahntal bei Ems, wo es einen ergibigen Erzbau gibt.

Allgemein kann gesagt werden, daß die Eifel in der preußischen Zeit von 1815 bis 1945 industriell zunächst einen gewissen Aufschwung erlebte, wobei die Eisenindustrie im Vordergrund stand. Als sich diese dann von Holzkohle auf Steinkohle umstellen mußte, fand die Eifel, da sie selbst ohne Steinkohlenlager war, nicht den Anschluß an ein naheliegendes Kohlenrevier, zumal sie spät von der Eisenbahn erschlossen wurde. Mittlerweile wanderten wichtige Betriebe in die Industriezentren ab, z. B. 1860 das Walz- und Drahtziehwerk Pönsgen von Gemünd nach Düsseldorf, mit einem Gasröhrenwerk, das zeitweise das größte seiner Art in Deutschland war. Erst 1871 wurde die Strecke Köln—Trier eröffnet. Die Orte an der Strecke nahmen beachtlichen Aufschwung. Die Industrie in den abgelegenen Orten jedoch erstarb.

1881 wurde der letzte Eisenhammer in der Eifel stillgelegt. Die Menschen wanderten aus zum Rhein und zur Ruhr, in die Ostgebiete des Reiches, vor allem aber nach Amerika.