»Durchs Brohltal zum Rhein«

Portrait einer Landschaft

VON KARL SCHÄFER

Unter den vielen Tälern und Tallandschaften, an denen in der Eifel wahrlich kein Mangel ist und die gerade in ihrer Vielgestaltigkeit die Eigenart dieses Mittelgebirges ausmachen, nimmt das Brohltal seit jeher eine besondere Stellung ein. In erster Linie sind es natürlich die geologischen Gegebenheiten, die in den vulkanischen Erscheinungsformen das Tal und die angrenzenden Höhengebiete geprägt haben, aber auch die allgemein üblichen Aspekte einer Landschaftsbetrachtung vermögen einen Reiz auszuüben, der die Zeilen des Brohltalliedes „Dich grüß ich und preis ich, du herrliches Land, vom Brohlbach durchflossen im Eifelgewand“ gar nicht mehr so pathetisch wirken läßt, wie es heute allzu leicht einer vergangenen romantisierenden Zeit nachgesagt wird.

In dem nur kurzen Lauf zum Rhein mit weniger als zwanzig Kilometer Gesamtlänge hat der Brohlbach immerhin einen Höhenunterschied von rund vierhundert Metern zu überwinden, und so ist besonders der obere Teil des Bachlaufes und des Tales gekennzeichnet durch die tiefeingeschnittene Landschaftsform mit steilen, meist bewaldeten Hängen, aber ebenso oft anmutig aufgelockert durch freundliche Wiesenhänge und Mulden, in denen sich die Siedlungen, kleinere Dörfer, Weiler und auch Einzelgehöfte breitmachen.

Das Quellgebiet

Hier kommen wir aber gleich zu einer seltsamen Frage: Wo kommt der Brohlbach eigentlich her? Eine Frage, die nicht ohne weiteres eindeutig zu beantworten ist und die immer wieder, und gerade auch bei den Eingesessenen, unterschied! i ehe Verfechter der beiden Möglichkeiten finden wird. Da heißt es einmal „Der Brohlbach kommt aus der Fußhölle“, jenem entlegenen Weiler zwischen Schellkopf und Engelner Kopf, zu dem Ort Brenk gehörend. Die heute gebräuchlichste und sicher auch zutreffendste Antwort müßte lauten, daß der Brohlbach seinen Ursprung im Norden der Kempenicher Mulde im Gebiet der Gemeinde Hannebach hat. Für diese Auffassung spricht der einheitlichere Talverlauf, nicht zuletzt auch die verkehrsmäßige Erschließung, wie auch die Darstellung in den einschlägigen Wander- und Tourenkarten.

Gleich wie es sei – das im Lied erwähnte „Eifelgewand“ als bezeichnend für die Brohltallandschaft trifft für beide Gebiete zu, die Urtümlichkeit der Eifelhochfläche wie auch die steil ansteigenden Hänge über der „Fußhölle“ lassen hier wie dort die Thrasoltschen Verse aus den „Eifeldörfern“ lebendig werden: „Zwischen den Bergen fand sich noch Raum für Häuser und steinige Felder, unten ein schmaler Wiesensaum – drüber Wälder und Wälder…“ Der dunkle Saum der begrenzenden Wälder kennzeichnet auch die Kempenicher Mulde, im Frühsommer vom flammenden Gelb des Eifelgoldes und bizarren Kiefern in den weiten Wiesenfluren unterbrochen, eine Komposition, die entzückt, die aber gleichsam einen Hauch von Schwermut vermittelt, die ein Ahnen hervorruft von dunklen Mächten und von rauhen Stürmen in einsamen Herbst- und Winternächten. Das mag sicher schon den römischen Legionären vor fast zweitausend Jahren so ergangen sein, wenn sie in ihren Kohorten durch das Hinterland des Limes zogen, verlief doch hier die alte „Kohlstraße“ der Römer, seinerzeit eine wichtige Nachschublinie links des Rheines. Der devonische Urgrund der Landschaft mit dem Tonschiefer als häufigster Gesteinsformation ist wohl als ergiebiges Quellgebiet anzusehen, und die aus den sumpfigen Wiesenflächen oberhalb der Eifelhöhenstraße sich stauenden Wasser sammeln sich unweit der Kreuzung mit der Brohltalstraße. Aus einer „Pütz“ – wie man auch heute noch die einfach gemauerten und überdachten Quellhäuschen in der Eifel nennt, tritt der Brohlbach unter einer breitästigen Linde zutage, durchfließt einige Brunnentröge, um unterhalb der Brohltalstraße seinen eigentlichen Lauf zu beginnen.

Ehe jedoch der weitere Bachverlauf verfolgt wird, lohnt sich ein Abstecher links oder rechts zur Höhe hinauf. Rechts erreicht man nach wenigen hundert Metern den Steinberg, und linker Hand ist es ebenfalls nicht weit zur Hannebacher Ley und weiter in nordöstlicher Richtung zum Perlerkopf, Bergzüge, weit dahingeschwungen, herrlich bewaldet und mit ihrer Höhe von annähernd sechshundert Metern eine majestätische Kulisse des Talbeginns bildend. Aber nicht nur die Berge selbst – wir finden in ihnen die charakteristischen basaltinen Formen der ältesten vulkanischen Erscheinungen -sondern auch der herrliche Weitblick fast über das gesamte Tal hinweg beeindruckt. Weniger beschwerlich, doch genau so eindrucksvoll bietet sich dieses Bild von der Schelborner Höhe, einige hundert Meter nördlich der genannten Kreuzung. Die waldige Talenge des oberen Teiles öffnet sich unterhalb der Olbrück zur lieblichen Mittelregion der Talaue, unterbrochen durch die Vulkanberge dieses Bereiches und wie eine Perlenschnur den Siedlungsverlauf entlang des Bachlaufes darbietend und den verschlossenen unteren Talbereich nur ahnen lassend. Und schließlich über der Lützinger und Keller Höhe die „blauen Berge“ jenseits des Rheines – der Westerwald! Ein faszinierender Blick, der zum Verweilen einlädt, indem er dem Betrachter eine Gesamtschau des Brohltales bietet, die aus dieser interessanten Perspektive als wirklich einzigartig bezeichnet werden kann. Auch hier schon erscheint der Phonolithkegel mit der Burgruine Olbrück als der beherrschende Punkt des Tales, ein trutzirger Wächter, der wahrlich jahrhundertelang den Bewohnern Furcht und Schrecken einzuflößen vermochte.

Der obere Bachlauf

Die unmittelbar hinter Hannebach abwärts führende Brohltalstraße, die B 412, erschließt das Tal in seiner ganzen Schönheit. Die Bergwälder reichen bis an die Straße, immer wechselnd in ihren Eindrücken. Tief unten hat sich der Bach sein Bett gegraben, lichte Wiesenflecken tun sich hier auf, an Straßenbiegungen präsentiert sich die Landschaft panoramaartig in ihrer ganzen Fülle. Je tiefer es geht, desto imposanter ragen die Berge zu beiden Seiten hoch. Die gut ausgebaute Straße verleitet zum raschen Fahren, doch mancher verschwiegene Waldpfad öffnet sich seitwärts und verlockt zum Eindringen in die Eifelwälder, besonders, wenn im Hochsommer ein unübersehbarer Teppich köstlicher Waldbeeren den Boden deckt.

In Wollscheid, dessen Häuser sich, gleichsam Halt suchend, an die Straße und an die Berghänge ducken, lohnt es sich, die Hauptstraße zu verlassen und talwärts in Richtung Heulingshof zu fahren. Ein enges Sträßlein führt zum Talgrund, in dem der Bach erstmals in einem kleinen Stauweiher ausruhen kann, nachdem er vorher behende und geschwätzig die steile Höhe hinuntergeeilt ist. Kein Weg, kein Pfad begleitet ihn auf diesem hurtigen Verlaufe, und doch dürfte gerade dieser Abschnitt dem Sucher stiller Reize Idylle und Ruhe bieten, wenn ihn nicht ab und zu auftauchende sumpfige Stellen schrecken.

Foto: Kreisbildstelle
Heulingshof und das obere Tal

Die bis in den Anfang der 50er Jahre florierende Steinindustrie des oberen Brohltales mit der Gewinnung, der Zerkleinerung und dem Versand von Lava von der Hannebacher Ley und vom Basaltberg des heutigen Königssees ist nur noch in einigen baulichen Überbleibseln sichtbar, auf deren Beseitigung vor allem in Oberzissen sehnlichst gewartet wird. Vorbei die Zeiten, daß eine kilometerlange Drahtseilbahn an der Olbrück vorbei brohltalaufwärts verlief und mit ihrem Getriebe bestimmender Faktor gewesen sein mochte. So ist heute die Brohltalstraße eine Touristenstrecke, Wanderern und Autofahrern gleichermaßen willkommen. Unterhalb von Wollscheid werden Tal und Straße lichter, Birken und wilde Kirschen säumen den Verlauf, im voll erblühten Frühling wird die Begegnung zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Vom Perlerkopf, der mit 579 m Höhe zu den höchsten Bergen des Brohltalbereiches zählt, öffnet sich in breiter dicht bewaldeter Mulde ein Seitental, noch schier unerschlossen, und erst dort, wo der Perlerbach seiner Mündung in den Brohlbach zustrebt, sind es freundliche Wiesenauen, die das Landschaftsbild lockern. Ein Eldorado für Reiter und Pferdeliebhaber, wenn hier auf den Koppeln die Rösser ausruhen von Ritten über verschwiegene Waldpfade hinauf zu den entlegenen Höfen, der Schirmau und dem Stockhof und weiter bis nach Schelborn und Oberdürenbach. Erste Anfänge touristischer Attraktionen unserer Zeit, die sicher noch manchen Freund der schönen Landschaft zuführen werden! Der Flecken Holzwiesen, der Gemeinde Niederdürenbach zugehörend, schmiegt sich in die Wiesen zwischen Straße und Bach, fast bis an den Fuß der Olbrück. Maßnahmen landschaftspfIegerischer Art zeichnen sich hier ab, die vom Kulturamt zur Zeit durchgeführte Flurbereinigung wird nicht nur den Forstbehörden und Waldarbeitskolonnen Bahnen schaffen, sondern auch dem Wanderer wird ein neues Gebiet erschlossen.

Das „Zissener Ländchen“

Das „Zissener Ländchen“, breit dahingelagert, die waldigen Schluchten vergessen lassend, nimmt uns nun auf. Nicht ernst und drohend, sondern verwittert, das kleine Dörfchen Hain beschützend, thront nunmehr die Ruine Olbrück auf steiler Höhe. Der Bergfried, wieder hergerichtet, aber leider noch nicht zugänglich, und auch die Reste von Pallas und Umfassungsmauern verdeutlichen die einstige Wehrhaftigkeit der 1689 zerstörten Burg. Um 1100 gegründet, die Grafen von Wied waren die ersten Herren, wurde sie im hohen Mittelalter zu einer Ganerbenburg, in deren Besitz sich vier Herrscherhäuser teilten. Als das Rittertum verfiel, nicht nur in seiner Wehrbedeutung, sondern auch in Recht und Sitte, teilte auch die Olbrück das düstere Schicksal vieler Burgen unserer Heimat, als ein Raubritternest verschrien zu sein, und schaurige Mär von Unterdrückung und Überlistung beutelüsterner Raubgesellen füllt heute noch die Erzählungen der Alten und die Seiten der Chroniken. – Wer den mühseligen, steinigen Weg zur Höhe nicht scheut, sieht sich auch hier mit einem Blick belohnt, der ihm rundum die Fülle der Eifellandschaft erschließt. Das Brenker Tal dehnt sich nach Süden mit den Dörfern Brenk und Galenberg, hinter der kargen Feldflur erstrecken sich weit die Wälder, mächtig emporragend sind es hier der Schellkopf und noch weiter südlich der Engelner Kopf. Wenn es im Brohltallied heißt „Uns Spätem zur Freude – mit Donnergewalt ward Neues geschaffen in edler Gestalt!“, so trifft es wohl in erster Linie auf die reichen Phonolithlager des Schellkopfes zu. Phonolith ist Klingstein – gebraucht und benötigt in der Glasindustrie – und vom Brech- und Mahlwerk Brenk, das den wirtschaftlichen Schwerpunkt bildet, fahren fast täglich lange Wagenreihen der Brohltaleisenbahn mit diesem wichtigen Rohstoff zum Brohler Hafen, von wo der Weitertransport zu den westdeutschen Glasindustrien erfolgt. Anders ist es auf der linken Talseite: Hinter Büschhöfe und, dem Dürenbach folgend, von Oberdürenbach aus, reckt sich, kaum zugänglich, das Massiv des Basaltberges.

Foto: Kreisbildstelle
Zissener Land

Kriegszeiten und wirtschaftliche Depressionen ließen die Produktion erliegen und man überließ die einstige Grube ihrem Schicksal, das heißt der Natur, die die nun nicht mehr abgepumpten Grubenwasser aus unterirdischen Quellen bald zu einem lieblichen See werden ließ. So reizvoll war dieses Neugeschaffene, daß schon schnell der Name „Königssee“ zu einem Inbegriff eines unverfälschten, klaren Gewässers inmitten einer herben, unberührten Natur wurde, und die Welle der Motorisierung ließ dieses neue Kleinod der Landschaft weit über die Grenzen des Brohltales hinaus bekannt werden, und auch die vielen fremden Besucher stimmten ohne Pathos mit ein in den Chor der Bewunderung für diesen herrlich gelegenen See. In Oberzissen, dem pfarrlichen Mittelpunkt des oberen Tales, ist es der Kirchberg mit der neuerbauten Antoniuskirche, der Dorf und Tal bestimmt. Der Brohlbach hat die breite Wiesenaue verlassen, statt Weiden und Röricht zwängen ihn Brücken und Stege ein. Im Ort selbst erscheint im „Bur“, einer stetig sprudelnden Quelle, eine häufige Erscheinung des Vulkanismus im Brohltal: aus Magmaschichten emporsteigendes, kohlensäurehaltiges Mineralwasser. Während von der rechten Seite, dem „Arweg“ (über den in einer früheren Abhandlung des Heimatkalenders geschrieben wurde), die neue Hauptschule des Verbandsgemeindesitzes Niederzissen grüßt, ist es zur Linken der wahrhaft beherrschende Bausenberg, der den alten Marktflecken und auch die weitere Umgebung wie von seinem Waldgürtel umschlossen hält. Dem Unbefangenen schon flößt dieser Berg‘ Respekt und Bewunderung ein, und wer einmal den Berg erklommen hat – die Meereshöhe als solche beträgt nur 340 Meter -wird auch als Laie überwältigt sein von dem Blick in das Kraterrund des Berges, der in seiner Einzigartigkeit gottlob unserer Zeit erhalten geblieben ist. Nur wenige Schritte brohltalwärts zeigen sich heute, 1973, die Zeichen unserer Zeit:

die Großbaustelle der Brohltalbrücke der künftigen A 14. Wird sie in wenigen Jahren fertiggestellt sein, werden der Landschaft wohl neue Akzente gesetzt, keine schlechten Perspektiven können sich eröffnen. Anschließend bestimmt wiederum, wenigstens auf der linken Talseite, der Wald mit steilem, felsigem Abhang die Landschaft: es ist der „Scheid“, der erst kurz vor dem einstigen Herchenberg endet. Bis in die fünfziger Jahre war es der kahle Gipfel dieses vulkanischen Quellers, der eindrucksvoll sich über das untere Brohltal erhob. Dem Namen nach und auch Funden aus früherer Zeit folgend, hatten hier schon die Römer eine Kultstätte, die in den ausgedehnten Traßlagern und -brüchen des unteren Brohltales arbeiteten. Im Mittelalter, ja bis ins vorige Jahrhundert sollen umfangreiche Weinberge mit ein wirtschaftsbestimmender Faktor gewesen sein. Unheimliche Spukgestalten, in Märchen und Sagen lebendig, so „Herchenbergsjuffer“ und „Molenmännchen“, überdauern auch das Wirken einer Zeit, die Berge ohne weiteres verschwinden läßt. – Die Tonlager, die im südöstlichen Gelände des Herchenberges zutage traten, ließen um die Jahrhundertwende die feuerfeste Industrie von Burgbrohl entstehen. Heute haben sich im ehemaligen Werksgelände neue Produktionsstätten aufgetan, die mit der „alten Industrie“ zu einer wirtschaftlichen Expansion von Burgbrohl beigetragen haben. Vom Ortsteil Weiler aus, dem einstigen Niederoberweiler, stößt der Almersbach, aus einem weitläufigen Staatsforst kommend, zum Brohlbach, und von der Höhe ist es Buchholz, das heute als bäuerliche Domäne die Landschaft bestimmt, aber einst als Propstei der Benediktiner aus Mönchengladbach Zeugnis gab von klösterlichem Wirken.

Foto: Kreisbildstelle
Lavasandgruben am Herchenberg

In Burgbrohl selbst weist der Burgberg auf eine geschichtsträchtige Vergangenheit, schon bei der ersten Gründung von Maria Laach durch Pfalzgraf Heinrich 1093 wird ein Volculdus de Brule als Zeuge genannt, ebenso bei der zweiten Stiftung im Jahre 1122. Die Besitzer der Burg, es waren die Geschlechter von Brule, von Braunsberg und schließlich von Bourscheid, haben in ihrer Reichsherrlichkeit Burg und Tal geprägt, wie es noch die Burg, die Josefssäule an der Kreuzung von B 412 und L 114 nach Maria Laach und die einstige Kellerei der Burg am gleichen Platz (heute ein repräsentatives Hotel) bezeugen. Heutzutage macht eine umfangreiche Palette von Industrieerzeugnissen den Namen Burgbrohls über die Kreisgrenzen hinaus zu einem Begriff, wie an anderer Stelle dieses Heimatjahrbuches ausführlicher berichtet wird. Obwohl der Ort mit seinen rund tausend Arbeitsplätzen bei 3 000 Einwohnern seit dem Zusammenschluß mit den Gemeinden Niederoberweiler und Oberlützingen im Jahre 1969 starke wirtschaftliche Aspekte zeigt, wirkt die Tallage ungemein reizvoll: ehe das untere Brohltal mit seinen charakteristischen Traßbildungen beginnt, sind es in der Ortslage die Hänge des Kahlenberges und auf der anderen Seite die Ausläufer der Kunksköpfe, die das nunmehrige Engtal dominierend einrahmen.

Das untere Brohltal

Gleich hinter Burgbrohl wird das Brohltal zum Inbegriff eines wildromantischen Mittelgebirges, in das sich der Bach sein Bett und der Brohlbach mußte es gleich zweimal tun – tief eingegraben hat. Zu den bewaldeten Hängen kommen nun besonders von der ehemaligen Nonnsmühle an die seltsamen Traßwände, die mit ihren hellen Farbtönen einen eigentümlichen Kontrast in der Landschaft hervorrufen. An der Abzweigung nach Wassenach und Maria Laach ist der Eindruck wohl am nachhaltigsten, und wer sich die Zeit nimmt, die Höhe von Tönisstein bis zur Schönen Aussicht zu ersteigen, hat von dort aus erlebnisreiche Eindrücke.

Wo das Pöntertal, das in den Krayer Wiesen unweit des alten Wasserschlosses seinen Ursprung hat, in das Brohltal einmündet, entbietet die Schweppenburg in ihrer schlichten Renaissancebauweise ihre Reize, die dazugehörige alte Mühle ist noch heute in Betrieb. Hier endet auch in Höhe des Heilbrunnens, des 2000 Jahre alten Tönissteiner Sprudels, der historische Kurfürstenweg.

Die Traßmühlen, die bis in unser Jahrhundert hinein dem unteren Brohltal das Gepräge gaben, sind heute verschwunden, neue Industrien siedeln sich an und bringen auch dem Brohltal Anschluß an eine gesteigerte Konjunktur, die nun einmal jede Aufwärtsentwicklung bestimmt. Erfreulich, wenn eine gesunde Synthese gefunden werden kann, die den Fortschritt gewährleistet, aber auch das Überlieferte in einer natürlichen Landschaft harmonisch zu vereinen weiß.

Dicktberg, Hellersberg und Eiberg bilden den Rahmen der Mündung ins Rheintal, der Blick über die Berge wie auch von den Bergen hinunter auf Bach, Strom und Täler mag versöhnlich stimmen, verbindet sich doch in allem das Bild einer bezaubernden Landschaft die der Mensch sich zu eigen gemacht hat. Als ein beredtes Zeugnis der allgewaltigen Schöpferkraft möge das Brohltal seine vielfältigen Reize bewahren, nicht nur dem Eingesessenen, sondern auch den Besuchern von nah und fern, die hier wahrhaft im Bilderbuch der Natur blättern können. Bleibe die Lust dazu uns allen stets erhalten!