Ein erster durchgehender Wanderweg im Ahrtal

Vor 50 Jahren entstand der „Ahruferweg“

Ignaz Görtz

Seit Jahrzehnten ist der Kreis Ahrweiler als Wanderland bekannt, und von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der Natur- und Wanderfreunde, die die einmalige Landschaft erleben und dabei Erholung von der Berufsarbeit und der Enge des Alltags finden. Eine große Faszination geht von der vielfältigen und abwechslungsreichen Landschaft aus. Gleichzeitig steht aber auch ein umfangreiches Angebot an Wandereinrichtungen zur Verfügung, das im Bewußtsein dieses landschaftlichen Reichtums geschaffen wurde. Über 1000 km örtlicher und regionaler Wanderwege durchziehen das Kreisgebiet, die, gut markiert und in Wanderkarten verzeichnet, zum Aufenthalt und zur Bewegung in der Natur einladen. Besonderen Zuspruch finden die überörtlichen Wanderrouten: die Hauptwanderwege des Ei-felvereins, der Rheinhöhenweg, der Brohltal-weg und der Rotweinwanderweg.

Unter diesen kann der „Ahruferweg“ inzwischen auf ein SOjähriges Bestehen zurückblicken. Dabei wechselte im Lauf der Jahrzehnte der Name zwischen „Ahrweg“, „Ahrhöhenweg“ und „Ahruferweg“. Auch die Linienführung wurde mehrmals geändert. Geblieben ist die den Fluß begleitende Wanderroute.

Auslösendes Moment für die Schaffung des „Ahrweges“ war der aufkommende Kraftfahrzeugverkehr im Anfang dieses Jahrhunderts. Bereits 1912 war durch Polizeiverordnung der Bezirksregierung Koblenz die Pro-vinzialstraße zwischen (Bad Neuenahr-)Hem-messem und Altenahr „im Interesse des Touristenverkehrs“ an Sonn- und Feiertagen für Kraftfahrzeuge gesperrt worden. Nach 1923 — im Zeichen einer auflebenden Wirtschaft und eines wachsenden Autoverkehrs — bemühten sich die Weinwirtschaft und das Fremdenverkehrsgewerbe im Ahrtal, eine Aufhebung dieses Fahrverbots zu erreichen. Mit Nachdruck wurde darauf hingewiesen, daß vor allem größere Hotels und Gasthäuser auf die Anfahrt des Autoverkehrs angewiesen seien und daß die verordnete Sperre keine Belebung des Fußgängerverkehrs gebracht habe. Als weiteres Argument kam ab 1925 der Bau des Nürburgrings hinzu, „jener Aufsehen erregende Plan von der Schaffung der größten Autorennstrecke der Welt, für die als Hauptanmarschweg die Ahrtalstraße ins Auge gefaßt ist“, wie man es damals formulierte. Zur Sommersaison 1925 wurde die Sperrung der Ahrtalstraße bereits auf einzelne Stunden reduziert, 1927 schließlich ganz aufgehoben. Bedingung für die Freigabe war jedoch, nachdem 1926 die Strecke Ahrweiler —Altenahr eine Teerdecke erhalten hatte, daß „für die Passanten ein Fußgängerweg geschaffen wurde“. Im gleichen Jahr noch wurde entlang der Provinzialstraße zwischen Ahrweiler und Altenahr ein Bürgersteig angelegt, der bis heute die Bundesstraße auf dieser Strecke begleitet.

Kreis und Ahrtalgemeinden waren sich jedoch bewußt, daß der Bürgersteig kein Angebot für die vielen Wanderer war, und man faßte schon 1926 den Bau eines durchgehenden Wanderweges ins Auge. „Um neben dem ausgedehnten Autoverkehr“, heißt es im offiziellen Erläuterungsbericht zum Zuschußantrag an den Landeshauptmann in Düsseldorf, „den für die Existenz der Ahrgegend ebenso wichtigen Fußtouristenbesuch zu erhalten, ist außer der Fußweganlage der Provinzialstraße auch die ordnungsmäßige Anlage eines seitlichen Wanderweges für Fußgänger zwischen Altenahr und Neuenahr erforderlich. Für den größten Teil dieser Strecke ist bereits ein Wanderweg vorhanden, welcher nur teilweiser Instandsetzung und Verbesserung bedarf. Auf verhältnismäßig kurzen Strecken ist Neuanlage mit teilweisem Grunderwerb erforderlich.“

Die Wegeführung verlief von Ahrweiler auf dem linken Ahrufer bis zur „Bunten Kuh“, wechselte beim Heckental auf das rechte Ahrufer und erreichte über einen neu geschaffenen Hangweg Dernau. Zwischen Der-nau und Rech wurde ein parallel zur Eisenbahnlinie verlaufender Wirtschaftsweg benutzt. Von Rech nach Mayschoß war ursprünglich eine Uferlinie vorgesehen, wurde jedoch wegen der hohen Baukosten im felsigen Teilstück unterhalb des Eisenbahntunnels zugunsten eines Weges über den Saf-fenburgrücken aufgegeben. Der weitere Weg nach Altenahr war zunächst ebenfalls am Flußufer entlang durch die beiden Flußschleifen südlich Laach und Altenahr geplant. Um den „Ahrweg“ abwechslungsreicher zu gestalten und vor allem den beeindruckenden Panoramablick vom Schrock mit einzubeziehen. entschied man sich für eine Höhenlinie von Mayschoß über den Schrock, von hier ins „Langfigtal“ abwärts und an der neuerbauten Jugendherberge vorbei nach Altenahr.

Der erste Kostenanschlag sah Baukosten in Höhe von 25 625,- RM vor. Nachdem das erste Teilstück mit der Neubaumaßnahme vom Heckental aufwärts mit stärkerer finanzieller Beteiligung der Stadt Ahrweiler und einem Zuschuß des Eifelvereins über 5233,- RM fertiggestellt war, wurde von der Provinzialverwaltung zu den weiteren Kosten in Höhe von 15223,- RM ein Zuschuß von 7500,- RM gewährt. Den Differenzbetrag trugen der Kreis und die Anliegergemeinden.

Die Baumaßnahmen selbst gingen zügig voran. Die Bauleitung hatte Kreisbaurat Schm’tz. Das neue Wegestück Bunte Kuh — Dernau war im Februar 1929 fast fertiggestellt, die restlichen Arbeiten, wie Wegeausbesserung. Wegesicherung. Grundstückserwerb und Neuanlage kürzerer Wegestücke, konnten im großen und ganzen bis Ende Juli 1929 abgeschlossen werden, so daß am 1. August 1929 die erste offizielle Begehung stattfand.

An der Eröffnungswanderung nahmen auf Einladung des Hauptvorstandes des Eifelvereins Regierungspräsident Dr. Brandt, Landrat Dr. Meyers sowie weitere Vertreter der Bezirksregierung, des Kreises, der beteiligten Gemeinden und der Eifelvereins-Ortsgruppen teil. Der damalige Berichterstatter schreibt:

Unterhalb der von Sagen umwobenen Junten Kuh‘ verließ die kleine Wandergesellschaft die Kraftwagen und in bequemem Aufstieg geht es nach Überschreitung der Ahrbrücke aufwärts an den gewaltigen, himmelwärtsstrebenden Felswänden vorbei auf den Ahrwanderweg. Schon nach wenigen Minuten hat der herrliche Blick über den zu Füßen liegenden Talkessel alle Teilnehmer in seinen Bann geschlagen. . . Mit großer Geschicklichkeit ist überall die Wegebezeichnung durchgeführt, hier und dort laden bequem angelegte Bänke an besonders aussichtsreichen Punkten den ermüdeten Wanderer zum Ausruhen ein. . . Bei dem malerisch gelegenen Rech beginnt der interessanteste Teil des Ahrwanderweges, auf dem man zunächst ohne Anstrengung den Sattel der weit ins Land hinausschauenden Burgruine Saffenburg erreicht. Bis zum Bergsatte/ des ,,Schrocks“ bei A/tenahr, der Perle des Ahrtals, wechselt das Landschaftsbild mit jedem Schritt. Immer neue Reize tun sich auf, die dazu angetan sind, den Wanderer in hellstes Entzücken zu versetzen. Vom Bergsattel des „Schrocks“ aus genießt man aber einen unvergeßlichen Fernblick über die gewaltigen Eifelberge. .. Schnell erfolgte nun der Abstieg in das Langfigtal, wo man der stark in Anspruch genommenen, selten schön angelegten Deutschen Jugendherberge noch einen kurzen Besuch abstattet. .. Zu einem gemeinsamen Mittagessen fand man sich im Anschluß an diese herzerfrischende Wanderung im Hotel Caspar! ein. Herr Landrat Dr. Meyers begrüßte hier zunächst die Teilnehmer der Wanderung, insbesondere den Herrn Regierungspräsidenten, der stets der Hebung der Wirtschaft im Kreise Ahrwei/er sein ganzes Interesse zugewendet habe. Sein Dank für den Ausbau des Ahrwanderweges galt vor allem dem Vorsitzenden des Eifelver-eins, aber auch den technischen Arbeitern, die diese schwere Aufgabe ganz vorzüglich gelöst hätten. Er hoffe, daß dieser Weg dem ganzen Ahrtal zum Segen gereiche. . .“

Am Ahrufer bei der „Bunten Kuh“
Foto: Kreisbildstelle

Mit der Einrichtung des „Ahrweges“ fand das Hauptwegenetz des Eifelvereins im Ahrtal eine wesentliche, landschaftsbezogene Ergänzung. Bis zum Jahre 1929 berührte nur der Wanderweg Sinzig — Aachen in Ost-West-Richtung das Ahrtal. Zwei Alternativen standen zur Verfügung: Die Route Sinzig — Ramersbach — Altenahr führte über die südlichen Ahrhöhen, während die alternative Wegeführung von Sinzig über den Steckenberg und Neuenahrer Berg südlich der Ahr und weiter über Ahrweiler auf den nördlichen Ahrhöhen verlief. Beide Wanderwege blieben jedoch auf weite Strecken dem engeren Talbereich fern. Mit der Fertigstellung des „Ahrweges“ beließ man den Wanderweg über die südlichen Ahrhöhen (Nr. 11) in seinem bisherigen Verlauf. Die Alternative (Nr. 11 a) lautete nun: Sinzig — Steckenberg — Neuenahrer Berg — Bad Neuenahr — Ahrweiler und weiter talaufwärts über den „Ahrweg“ bis Altenahr.

Unterhalb Altenahr begleitet der Ahruferweg die Ahr durchs enge Tal
Foto: Görtz

Ungestört konnte der Wanderer die Fahrstraße benutzen, solange es noch keine Automobile gab
Foto: Archiv

Aus dem „Ahrweg“ wurde mit den Jahren der „Ahruferweg“. Die Wegeführung wurde über Bad Neuenahr bis zur Ahrmündung verlängert. Zwischen Dernau und Rech wird der Wanderer heute entlang des rechten Ahr-ufers geführt. Oberhalb MayschoB ist der Aufstieg zum Schrock zugunsten eines reinen Uferwegs, entsprechend der ersten Konzeption, aufgegeben worden. Seit 1980, mit dem Erscheinen der 3. Auflage der Wanderkarte „Das Ahrtal“, ist nun der „Ahruferweg“, markiert mit einem großen „A“ über einer Wellenlinie, über Altenahr bis Dümpelfeld weiter ausgewiesen. Und in naher Zukunft könnte hier ein durchgehender Wanderweg von der Ahrmündung bis zur Quelle in Blan-kenheim den Wanderer durch das Ahrtal leiten.

Quellen:

Eifelführer, Hrsg. Eifelverein. 27, Aufl. (1930). 32. Aufl. (1960), 36. Aufl. (1979). Kreisarchiv Ahrweiler. Akte Ahrwanderweg. Ahrweiler Zeitung. Ausg. v. 3. August 1929