Der Bau eines ersten Flugplatzes auf der Mönchsheide

Zur Vorgeschichte des heutigen Segelflugplatzes bei Bad Breisig

Heinz Schmalz

Im Zuge der Kriegsvorbereitungen und Aufrüstung während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die fast ebene Fläche der Mönchsheide für den militärischen Flugbetrieb ausgewählt.

1937 kaufte die Reichsumsiedlungsgesellschaft von dem damaligen privaten Besitzer sowie den Gemeinden Nieder- und Oberbreisig die gesamte Hochfläche der Mönchsheide in einer Art Enteignung auf. Durch eine Flurbereinigung mit Parzellenumlegungen wurden 1937 die Grundstücke so aufgeteilt, daß auf die Gemeinde Oberbreisig eine zusammenhängende. fast ebene Fläche zur Errichtung des Flugplatzes entfiel.

Ende 1937 begann man mit der Verlegung eines Feldwegs (von Franken zum Mönchshei-derhof) und mit der Anlage von 2 Rollfeldern. Im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erhielten schon gleich bei der Arbeitsaufnahme zeitweise bis zu 100 Männer eine Vollbeschäftigung, die mit Bussen von den umliegenden Orten zur Arbeitsstelle gefahren wurden. Daneben fanden noch viele Frankener Landwirte mit ihren Pferde- und Ochsengespannen im Nebenerwerb Arbeit. Außerdem waren zeitweise bis zu 200 Männer des Reichsarbeitsdienstes (RAD), die in Baracken in der Nähe des geplanten Flugplatzes untergebracht waren, beschäftigt. Der RAD hatte zur Wasserversorgung im Heiligental eine Quelle gefaßt und dort eine Pumpstation gebaut. Von dort wurde gutes Trinkwasser in die Unterkunftsräume gepumpt.

Der gesamte Mutterboden auf den vorgesehenen 2 Rollbahnen wurde abgetragen und in nordwestlicher Richtung vor den Waldrändern sowie auf der Heide nach Nordosten zu abgefahren und zu hohen, schräg nach oben laufenden Hügeln aufgeschüttet. Nach der Anlage von Drainagen und Planierungsarbeiten in westlicher Richtung der Rollbahn wurde 1939 der in die Heide hineinreichende Ausläufer des Heiligentals mit sich verfestigendem Schiefergeröll zugeschüttet. Hierzu hatte man nach Osten zu eine Feldbahn angelegt und transportierte in Loren von dem Hang nach Oberbreisig (Gemarkung Bohnenfeld) das Material in die vorhandenen Vertiefungen.

Das Hofgebäude und das Ackerland auf der Mönchsheide wurde von der Luftwaffe mit einem Landwirt besetzt. Dieser bewirtschaftete das nicht zum Flugplatz benötigte Ackerland. Dabei wurden die Erdaufschüttungsflächen sogleich mit angebaut. Bei den Arbeiten in der Landwirtschaft halfen Arbeiter von Franken und Oberbreisig im Tagelohn. Als in den Kriegsjahren männliche Arbeitskräfte fehlten, kamen 1942 junge russische Kriegsgefangene und 1944 arbeitsverpflichtete Ukrainerinnen auf dem Hof zum Arbeitseinsatz. Die kriegsgefangenen Männer waren nachts auf dem Hof und die Frauen im Saal der Gaststätte Kleefuß in Franken untergebracht. Während der Feldarbeit sangen die Russen oft ihre klangvollen und schwermütigen russischen Volkslieder, die dann in den Morgen-oder Abendstunden beeindrukkend über die Heide klangen.

Während des Krieges mußten die in der Landwirtschaft arbeitenden Männer auch der Luftwaffe auf deren Platz für verschiedene Tätigkeiten zur Verfügung stehen. Sie hatten zum Beispiel mit Ochsen- und Pferdegespannen Flugzeuge zu Stellplätzen zu ziehen, bei Ro-dungs- und Waldarbeiten sowie beim Aufbau von Baracken zu helfen.

Der Bau des Flugplatzes war zu Beginn des Krieges nur provisorisch abgeschlossen. Die Kriegsereignisse erforderten einen raschen Ausbau. Zivile Arbeiter sowie die Organisation Todt waren mit dem Bau von Betonsilos zur Aufnahme von Flugzeugtreibstoff, Bau von hohen gemauerten Sockel für Positionslampen und dem Bau von Unterkünften beauftragt.

1940/41 halfen dazu noch Soldaten des Fliegerkommandos Niedermendig, die in Löhndorf, Westum, Koisdorf, Franken und Oberbreisig einquartiert waren und werktäglich zu Fuß zur Mönchsheide zum Arbeitseinsatz gehen mußten.

Die kriegsgefangenen Russen rodeten 1942 vom Rollfeld in westlicher Richtung eine große Schneise in den Hochwald, um das Rollfeld und die Anflugbahn zu verlängern. Noch heute nennt man den Streifen „Russenschneise“.

Von den auf der Heide stationierten Fliegerstaffelsoldaten wurden neben dem militärischen Drill auch Flugzeuge gewartet und beschädigte repariert. Frankener Kinder konnten sich jeweils nach der Überholung eines Flugzeuges freuen, denn bei den Probeflügen durften sie hin und wieder mitfliegen.

Im Sommer 1942 ließ die Luftwaffe am Waldrand der Heide in Richtung Königsfeld, deutlich von oben sichtbar, 12 Flugzeugattrappen aus Sperrholz auf nichtfahrbaren Holzgestellen aufbauen und anstreichen. Von der Höhe aus sahen diese nach Größe, Gestaltung und Farbe genau wie zweimotorige Kampfflugzeuge He 111 aus. Mit diesen Attrappen sollte eine Flugzeugübermacht vorgetäuscht werden. Durch Witterungseinflüsse verrotteten die Holzgestelle jedoch sehr schnell. 1944 brannten sie vollständig ab. Im Sommer 1943 waren auf dem Flugplatz zeitweise drei dreimotorige Flugzeuge italienischen Fabrikats, Marke „Macchi“, stationiert, die jedoch nur wenige Einsätze flogen. Die Maschinen gehörten zu dem in Niedermendig stationierten Transportgeschwader. Mit der Wende im Kriegsgeschehen wurden zur Übung des Nahkampfes und für eine eventuelle Verteidigung nach Süden und Westen des Flugplatzgeländes Schützengräben ausgehoben und Unterstände am Waldrand gebaut. Diese sind zum Teil heute noch im Wald als lange Gräben oder tiefe Gruben erkennbar. Auch hatte das Militär 1943 einige Flakgeschütze auf der Heide in Stellung gebracht, um Angriffe aus der Luft abzuwehren.

Das Ende des Militärflugplatzes

Pfingstsonntag 1944 kam der erste feindliche Angriff von Tieffliegern in unseren Heimatbe-

reich und leitete eine neue Zeit in der Kriegsführung ein. Denn nun flogen immer wieder Tiefflieger als vereinzelte Flugzeuge, in Rudeln oder als Begleitung von Bomberverbänden in unregelmäßigen Abständen über den Mittelrhein. Ihre Hauptziele waren zunächst Eisenbahnzüge, Schiffe, Fahrzeuge und Passanten auf den Verkehrswegen, später auch einzelne auf den Wiesen und Äckern Beschäftigte.

Ende Mai 1944, als einige deutsche Piloten Nachtflüge erprobten und Landungen auf dem ihnen unbekannten Flugplatz Mönchsheide vornehmen sollten, flog ein doppelrumpfiges Flugzeug die zweite Rollbahn von der Seite (Gappental) an, setzte verspätet auf dem Rollfeld auf und raste mit noch hoher Geschwindigkeit in den Wald des Heiligentals, wo es sogleich explodierte und verbrannte. Drei Soldaten fanden dabei den Tod.

An einem Sommertag im Jahre 1944 standen am Waldrand nach Franken zu, von Bäumen geschützt, drei italienische Flugzeuge „Macchi“. Wie in der Nähe abholzende Waldarbeiter berichteten, liefen bei den Maschinen bereits die Motore und Propellerzum Starten. Plötzlich kamen aus Richtung Königsfeld acht feindliche Tiefflieger dicht über den Wald, drehten über der Mönchsheide eine Schleife und flogen so die noch stehenden Flugzeuge der deutschen Luftwaffe von vorne an und beschossen sie aus allen Rohren. Die Anflüge wurden mehrmals wiederholt bis die drei Flugzeuge restlos zerschossen und in Brand geraten waren. Die Wracks der verbrannten Maschinen standen 1947 noch am Waldrand.

Auch die Unterkünfte wurden mit Maschinengewehrfeuer belegt. Durch das zielvolle tiefe Anfliegen des Flugplatzes und der Flugzeuge wurde vermutet, daß den feindlichen Fliegern das Vorhandensein der Flugzeuge in halber Walddeckung bekannt war. Die vorher auf der Heide stationierte Flak war zwei Tage vorher abgezogen worden, so daß sich keine Gegenwehrergab. Die Sinziger Feuerwehr, durch die zum Einsatz verpflichtete Hitler-Jugend (Jungen ab 14 Jahren) verstärkt, fuhren damals zum Löschen auf die Heide, konnten aber nichts mehr retten.

Da durch die Beschießung Baracken und technische Geräte erheblich beschädigt waren, wurden ein weiterer Ausbau des Flugplatzes eingestellt, keine Landungen mehr vorgenommen und die meisten dort stationierten Soldaten abkommandiert.

Das Gutsgebäude erhielt durch spätere Bombeneinschläge in unmittelbarer Nähe erhebliche Beschädigungen und wurde unbewohnbar. Luftdruckwellen beim Abfeuern der schweren amerikanischen Artillerie im Bereich des Hofes brachten im März 1945 auch noch Zerstörungen an den Dachstühlen und dem Mauerwerk. Die Bewohner des Gutshauses mußten notgedrungen vorübergehend in einer Behelfsunterkunft neben den damaligen Stallungen hausen.

Die Nachkriegszeit

Am 10. März 1945 – Sinzig war schon drei Tage von den Amerikanern eingenommen und das Vinxt- und Brohltal noch voll von zurückfliehenderdeutscher Wehrmacht – drang die amerikanische Front über Franken in Richtung Waldorf vor. Ein Spähtrupp kontrollierte dabei die zerstörten Anlagen der deutschen Luftwaffe, das gesamte Gelände und das Gutshaus Mönchsheide. Dabei ergaben sich einige deutsche Soldaten und gingen in Gefangenschaft.

Die günstige Lage der Hochebene veranlaßte die Besatzungssoldaten am 12. März 1945 im nordwestlichen Teil der Heide vier Artilleriegeschütze (13,5 cm) in Kampfstellung zu bringen. Mit diesen Geschützen schössen die Amerikaner fünf Nächte lang ununterbrochen (genau wie von Löhndorf. Westum, Koisdorf, Franken und von den Sinziger Rheinfeldern aus) zum Westerwald und den dortigen Verkehrswegen. Da die Amerikaner sich in den folgenden Tagen über den Rhein in den Westerwald vorkämpften, wurden die Geschütze von der Mönchsheide abkommandiert, die Frontartillerie zog am 24. März 1945 überden Rhein ab. Die in die Erde gegrabenen Geschützstellungslöcher mit Erdwall und Sicherung durch kleine Sandsäcke waren bis 1950 im Gelände noch erkennbar.

Radar- und Funkleitstelle Mönchsheide

Nachdem die amerikanischen Frontsoldaten mit ihren Artilleriegeschützen die Heide verlassen hatten, wurde von einer nachfolgenden Funkeinheit neben einer unbewohnbaren, zerstörten, deutschen Militärbaracke eine transportable amerikanische Funkstation aufgebaut. Das Bedienungspersonal war zunächst in großen Zelten und später in Containern untergebracht. Gegen 1950 hatten die Amerikaner mit der Bezirksregierung Koblenz Verhandlungen zur Pachtung eines Teils des Flugplatzgeländes aufgenommen. Nachdem die Grundstücksfrage geklärt war, ließen sie 1951 am Waldrand im Gebiet der früheren Baracken einen Brunnen für Trinkwasser bauen, ein kleines Haus auf dem bisherigen Rollfeld für die funktechnischen Einrichtungen und über dem Brunnen ein kleines Gebäude für Unterkünfte, bestehend aus einer Küche, Aufenthaltsraum, einem großen und einem kleinen Schlafraum für das Personal errichten. Die Funkstation hatten die Amerikaner mit einer Radarleitstelle erweitert, wie sie auf den Erhebungen der Eifel verschiedentlich anzutreffen waren (z.B. auf den Höhen bei Arft in der Nähe der Hohen Acht). Zwischen dem Funk- und Unterkunftsgebäude stand ein Stromaggregat, das sich bei Stromausfall automatisch in Betrieb setzte. Diese Flugüberwachungs- und Funkleitstelle blieb bis 1965 bestehen. Die Amerikaner, zunächst bis 30 und später etwa ständig 12 Mann, blieben jeweils für einige Monate auf der Heide stationiert und wurden dann ausgewechselt. Von den Amerikanern ging die Luftraumüberwa-chungs- und Funkleitstelle später auf die deutsche Luftwaffe über. Da jedoch von der Bundeswehr inzwischen verbesserte funktechnische, großflächendeckende Geräte zum Einsatz kamen, wurde die Radarleitstelle 1965 überflüssig und abgebaut.

Die Rückführung der Mönchsheide in privaten und kommunalen Besitz

Die Bundesvermögensverwaltung, vertreten durch die Oberfinanzdirektion Koblenz, an die das gesamte Gelände der Mönchsheide vom Deutschen Reich übergegangen war, hatte bereits gegen 1950 den Hof Mönchsheide mit dem dazugehörigen Ackerland, in der Größe wie es auch vor 1937 in Privatbesitz war, wieder an einen Privatmann veräußert.

Dieser verpachtete den Hof und die etwa 50 Hektar Land jeweils an einen Landwirt, der auch auf dem Hof wohnte. Mit einer Bauzeit von etwa 2 Jahren wurde ab 1987 die Hofanlage aus dem altbäuerlichen zu einem modernen landwirtschaftlichen Betrieb erweitert. Das gesamte Anwesen zeigt sich heute in einem zeitgemäßen und beispielhaften Stil.

Die Bundesvermögensverwaltung beabsichtigte 1965, das noch dem Bund gehörende Land meistbietend zu verkaufen. Nachdem bereits einige Interessenten ihrAngebotzum Kauf des Flugplatzgeländes abgegeben hatten, meldeten die Gemeinden Nieder- und Oberbreisig ihren Anspruch an und wollten im öffentlichen Interesse wieder in ihren alten Besitzstand versetzt werden. Durch diese Vorrechte erhielten die beiden Gemeinden ihren ehemaligen Grundbesitz wieder kostenlos zurück. Dabei fiel auf die Gemeinde Oberbreisig das gesamte Gelände des jetzigen Flugplatzes mitsamt der von den Amerikanern gebauten Unterkunft. Das Land wurde an örtliche Landwirte verpachtet, die es auch bearbeiteten.

Durch die kommunale Neugliederung in Rheinland-Pfalz erfolgte 1969 der Zusammenschluß der bis dahin selbständigen Gemeinden Bad Niederbreisig, Oberbreisig und Rheineck unter dem Namen Bad Niederbreisig, seit dem 2. Mai 1970 als Stadt Bad Breisig. Bereits 1970 kam es dann zu ersten Gesprächen zwischen der Stadt Bad Breisig und dem Luftsportverein Mönchsheide, das ehemalige Fluggelände als Flugplatz für Segelflugzeuge zu nutzen.

Quellen
Landkreis Ahrweiler (Hrsg ) Der Kreis Ahrweiler unterm Hakenkreuz. Bad Neuenahr-Ahrweiler. 1989.
Schmalz. Heinz. Sinzig im -Dritten Reich“ Band l, 1933-1939. Sinzig 1989. (Manuskript im Kreisarchiv)
Schmalz Heinz, Sinzig im ‚Dritten Reich“, Bana II, 1939-1945. Sinzig 1989. (Manuskript im Kreisarchiv)
Schmalz. Heinz. Sinzig in den Hungerjahren 1945-1951. Band III. Sinzig 1990. (Manuskript im Kreisarchiv)
Kinder-Hilgemann. dtv-Atlas zur Weltgeschichte, Band 2. Bielefeld 1977
Rhein-Zeitung. Ausgabe Kreis Ahrweiler. Nr. 98 vom 27.04.90