„Bewahrung der Schöpfung“ als Auftrag und Programm – Zum Selbstverständnis der Laacher Benediktiner in ihrem Einsatz für den Erhalt des Laacher-See-Gebietes

»Bewahrung der Schöpfung« als Auftrag und Programm

Zum Selbstverständnis der Laacher Benediktiner in ihrem Einsatz für den Erhalt des Laacher-See-Gebietes

Wolfgang Dietz

Zum bevorstehenden Doppeljubiläum, dem des 900jährigen Bestehens der Abtei Maria Laach (1093 – 1993) und der 100. Wiederkehr der Wiederbesiedelung durch Beuroner Benediktiner (1892 -1992) möchte ich in diesem Beitrag auf ein im allgemeinen weniger beachtetes Charakteristikum von Maria Laach näher eingehen, nämlich das Engagement der Laacher Kommunität für den Laacher See und seine unmittelbare Umgebung.

Worin nun – so wird man fragen – wurzelt diese enge Verbundenheit derAbtei Maria Laach und ihrer Bewohner mit der nähereh Umgebung, mit Land und Leuten – und nicht zuletzt mit der sie umgebenden Natur?

Aufschluß gibt hier ein Blick auf die Grundlagen desbenediktinischen Lebens, genauer, das von jedem Benediktiner abzulegende Gelübde der Beständigkeit (Stabilitas). „Esbindetden Mönch unverbrüchlich an das Fleckchen Erde, auf das sein Kloster gegründet ist, und wo er den Sinn seines Lebens in Kirche, Staat und Gesellschaft finden und verwirklichen soll.«1)

Auf diese Weise verwuchs das Kloster und seine Mönche zu einer festen Einheit mit der Umgebung. Sie gab dem Kloster die Jahrhunderte hindurch wirkliche Heimat und mit den Schätzen einer Naturlandschaft vulkanischen Ursprungs und der Gunst des Vordereifelklimas stets auch die Grundlagen der physischen und materiellen Existenz. Ja, bedenkt man, daß bereits im 19. Jahrhundert unter den Jesuiten (1863 – 1872 ( -1892), die Landwirtschaft des Klosters einen derart hohen Stand erreicht hatte, daß man schon damals von vorbildlichen und fortschrittlichen Musterbetrieben sprechen konnte2), so nimmt es nicht wunder, daß bis heute die Laacher Kommunität aus ihrem Grundauftrag, »kirchliches Leben sichtbar zu machen als Gemeinschaft«3) die Verpflichtung ableitet, die Schöpfungsordnung Gottes in Landschaft und Natur zu bewahren.4)

Frühe Beispiele eines so verstandenen Einsatzes für die Umwelt stellten etwa die Verhinderung einer Wasserkraft-Strom-Akkumulierungs-anlage „Laacher-See-Rhein“, wie sie in den Jahren von ca.’l 910 bis 1925 von der Elektrizitätswirtschaft projektiert wurde5) und die fotografische Dokumentation eines durch Manöver amerikanischer Truppen zerstörten Waldstükkes im Frühjahr 19196) dar.

Dies gilt auch für das in jüngster Zeit – 1986 -eingerichtete Naturkundemuseum im früheren Jugendheim St. Winfrid7) und den 1988 angelegten »Wald- und Steinlehrpfad« zwischenAbtei und Naturkundemuseum: »Einheimische Sträucher und Bäume wurden entlang des Weges angepflanzt. Bei uns vorkommende Gesteinsarten (Basalt, Phonolith.Tuff, Grauwacke, Schiefer, Lava) werden in den verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten (Pflastersteine, Mühlsteine, Backofenbau u. a.) gezeigt«8) und so dem Besucher als Vielfalt und Reichtum der hiesigen Landschaft nahegebracht.

Die jahrelangen Bemühungen, das Laacher-See-Gebiet unter Naturschutz zu stellen, führten schließlich am 25. 3. 1981 zum Erfolg, als die Bezirksregierung Koblenz die Seefläche und den sie umgebenden Bering zum Naturschutzgebiet erklärte.9)

Diese neue Rechtsverordnung griff inhaltlich frühere, bereits seit 1940 bestehende Erlasse zum Naturschutz am Laacher See auf, erweitere sie und ging damit qualitativ über das Bisherige hinaus.

So entstand in Maria Laach das größte Naturschutzgebiet in Rheinland-Pfalz, was für die Kommunität als Eigentümerin allerdings auch Belastungen und Einschränkungen mit sich bringt. Dazu bemerkt der Chronist: »Daß wir gerne unseren Beitrag zum Schutz unserer Landschaft leisten und bereit sind, dabei mehr zu tun als vielleicht andere Bürger, ist für uns kein Diskussionsthema. Daß aber immer neue Bestimmungen, Auflagen und Kontrollen einen enormen Verwaltungsaufwand fordern, der keineswegs immer einsichtig ist, erfährt vor allem unser P. Wilfrid immer wieder. In den vergangenen Jahren mußten unsere Landwirtschaft, unsere Fischerei, unser Bootsverleih und auch der Fremdenverkehr manche Einschränkung hinnehmen. Gelegentlich sind die nicht immer umweltfreundlichen Gewohnheiten unserer Besucher, insbesondere der Wassersportler, der Modellflieger und der Volkslaufgruppen betroffen. Da nun unsere Besucher aus Unkenntnis behördliche Regelungen uns anlasten, nehmen die Diskussionen kein Ende. Ermutigend ist, daß fast alle Untersuchungen über die Umweltbelastung im Laacher-Seegebiet, deren Zahl ständig zunimmt, zwar einstimmig mahnend und warnend von der Zernutzung der Landschaft reden, jedoch auch bescheinigen, daß die Anstrengungen zum Erhalt des noch Vorhandenen schon zur Regenerierung des schwer Gefährdeten führten.«10)

Dazu mag nicht zuletzt auch die Umstellung der Landwirtschaft in Maria Laach beigetragen haben. Denn inzwischen ist ein Beschluß der Klosterverwaltung, »alle landwirtschaftlich genutzten Flächen, die an den See angrenzen, zukünftig als extensiv genutzte Wiesen zu verwenden und nur noch in den oberen Bereichen des Laacher-See-Kraters Ackerbau zu betreiben«11), in die Tat umgesetzt und zeitigt erste Erfolge. Darüber hinaus wurde am 19. 3. 1990 durch Inbetriebnahme der neuen Pumpstation derAnschluß an das neue Klärwerk im unteren Brohltal vollzogen, so daß die klostereigene mechanisch-biologische Kläranlage aus dem Jahre 1965 außer Betrieb gesetzt werden konnte.12) Um auch rechtlich sowohl die Belange des Natur-, Landschafts- und Umweltschutzes, als auch die des Denkmalschutzes noch wirksamer absichern zu können, laufen seit einiger Zeit Bestrebungen, über die Abteikirche und den Baubestand von Maria Laach hinaus auch das gesamte Laacher-See-Tal einschließlich des Fulbert-Kanals und des Gebietes der ehemaligen Laacher Burg als europäisches Kulturdenkmal dem besonderen Schutz der UNESCO zu unterstellen.13)

Gestützt auf die von den Maria Laacher Benediktinern vertretene Konzeption eines auf Wahrung der Eigenart des Ortes, maßvolle Kapazitätsplanung, Natur- und Umweltverträglichkeit ausgerichteten „sanften“ Tourismus, sowie wachsender Sensibilisierung von Öffentlichkeit und Besuchspublikum, sollte es allen Beteiligten – den Verantwortlichen für und den Gästen von Maria Laach – Ernst damit sein, gerade hier »zugunsten der Natur Einschränkungen hinzunehmen und ihre Schönheit für die nachfolgender) Generation(en) zu erhalten.«14)

Anmerkungen:

  1. Von Severus Emmanuel. Beten und Arbeiten – Männer aus dem Kreis Ahrweiier lebten als Benediktiner in der Abtei Maria Laach, in Heimat-Janrbuch 1988 für den Landkreis Ahrweiler, Bad Neu-enahr-Ahrweiier 1987. S. 62: vgl. auch: Cremer, Drutmar •• Steinicke. Gabriele, Steinicke Bernd, Maria Laach – Münster und Mönche am See. Limburg 1989, S. 92
  2. Vgl.: Cremer. Drutmar, Vom Leben und Wirken der Gesellschaft Jesu in Maria Laach 1863-1892, in: Bogler. Theodor (Hg.), Benedikt und Ignatius – Maria Laach als Collegium maximum der Gesellschaft Jesu 1863-1872-1892 (=Liturgie und Mönchtum – Laacher Hefte. Heft 32). Maria Laach 1963, S. 54-56, 65-66: Cremer/Steinicke. Steinicke. Maria Laach, S. 122: Murphy, BartnolomewJ. Der Wiederaufbau der Gesellschaft Jesu in Deutschland im 19. Jahrhundert – Jesuiten in Deutschland. 1849-1872 (=Europäische Hochschulschriften. ReiheXXIII:Theologie. Bd. 262), Frankfurt/M-Bern-New York 1985. S. 217-19: 237-38
  3. Vgl Inlerview mit P. Cellerar Dr.Anselm Rosenthal vom23.10.1990
  4. Vgl.: Müntnich, Benedikt, Maria Laach – 900 Jahre Benediktiner am Laacher See, o.O.u.J. (Maria Laach 1990): von Severus. Emmanuel, Eine Exkursion an den Laacher See. in: Landkreis Ahrweiler (Hg.), Studienbuch Landkreis Ahrweiler – Studien zur Vergangenheit und Gegenwart, Bd. 1, Bad Neuenahr-Ahrweiler 1987. S, 126
  5. Vgl.: Archiv der Abtei Maria Laach (AAMLI II A 122: Akten betreffend Anlage eines Kraftwerkes am Laacher See
  6. Vgl.: AAML II C 47: Amerikanische Mahöver im Frühjahr 1919 im Distrikt Hinter Beiers Boden
  7. Vgl.: Bogler. Theodor, Maria Laach – Vergangenheit und Gegenwart der Abtei am Laacher See, 14.. neu bearb. Aufl., besorgt von P. Dr. Emmanuel von Severus. München-Zürich 1988. S. 26
  8. Abtei Maria Laach (Hg.). Chronik aus Maria Laach 1988, S. 24 
  9. Vgl,: AAML II A 129: Akten betr. Erklärung des Laacher-See-Gebietes zum Naturschutzgebiet: Koblenz 25. 3.1981 mit Anlagen
  10. Abtei Maria Laach (Hg.), Chronik aus Maria Laach 1989. S. 23
  11. Kloster Hilfe des Landes ist Verpflichtung – Umweltminister Beth würdigt Maria Laach als „einzigartige Verbindühg von Natur und Kultur“ – Pumpstation gestern offiziell eingeweiht, in: Rhein-Ahr-Rundschau vom 20. 3. 1990
  12. Vgl.: Abtei Maria Laach (Hg.) Chronik aus Maria Laach 1989, S. 25
  13. Vgl.: Interview mit P. Prior Dr Emmanuel von Severus vom 18.10.1990.
  14. Abtei Maria Laach (Hg.). Chronik aus Maria Laach 1987. S 24