Königsfelder Märkte – Handwerkermarkt als Direktvertrieb

Königsfelder Märkte

Handwerkermarkt als Direkt vertrieb

Karl Heinz Kurth

Als Anja und Roland Lirk-von Becker Anfang Juni 1988 den ersten Handwerkermarkt auf dem Leyerhof bei Königsfeld veranstalteten, konnten sie noch nicht ahnen, daß dieser Markt, der ab diesem Zeitpunkt zweimal im Jahr stattfinden sollte, einen solchen Zulauf haben würde. Der Markt bietet dem Endverbraucher die Möglichkeit, dem Handwerker über die Schulter zu schauen, um zu sehen, wie die von ihm benötigten Waren entstehen oder bearbeitet werden. Es ist eine Direktvermarktung ohne Zwischenhandel. Die Direktvermarktung von Ware hat in Königsfeld schon Tradition.

Marktrecht

Am 1. September 1336 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer auf Bitten des Gerhard von Lands-kron für dessen Verdienste um Kaiser und Reich den bescheidenen Leuten, die zu Koenycksfelt in der veste by der Kirchen wonendt sein, das Recht, das sie sich bewahren sollen und moegen mit mauern und mit graben, als ein statt von recht. Der Kaiser genehmigte den Königsfeldern außerdem einen Wochenmarkt am Sonntag sowie einen Jahrmarkt am Sonntag vor Laurentiustag (10. August), wofür er freies Geleit garantierte. Der Wochen- und Jahrmarkt wurde auf dem Platz vor und oberhalb der Kirche und auch wohl in den angrenzenden Gassen abgehalten. Als Zeichen des königlichen Marktfriedens stand dort ein hohes Kreuz, an dem eine eiserne Hand und ein Schwert hingen, die den Schutz des Marktes durch den Stadtherren symbolisieren.

1848 werden 3 Vieh- und Krammärkte in Königsfeld genehmigt: am Donnerstag vor Markus (25. April), Dienstag nach Fronleichnam und Donnerstag vor Lukas oder am Lukastag (18. Oktober).

In der Statistik des Kreises Ahrweiler aus dem Jahre 1863 heißt es: „Es werden jährlich im Ganzen 23 Märkte abgehalten, davon 7 zu Ahrweiler, 4 zu Calenborn, 3 zu Königsfeld, 4 zu Niederbreisig, 3 zu Remagen und 2 zu Sinzig.

Dieselben sind durchgängig Kram- und Viehmärkte und von wenig Belange.“

1877 wird berichtet, daß die genehmigten Jahrmärkte in Königsfeld bis Anfang 1876 nicht gehalten wurden. Die Regierung in Koblenz hob die Märkte auf, der Gemeinderat versuchte aber, die Märkte wieder in Gang zu bringen, die in der zweiten Jahreshälfte 1877 auch wieder besucht wurden. 1884 werden wieder 3 Jahrmarkttermine in Königsfeld erwähnt:24.4., 17.6., 16.1. Der Bürgermeister von der Bürgermeisterei Königsfeld zu Niederzissen schreibt 1885: „Was nun die Märkte zu Königsfeld anbelangt, so sind dieselben fast gleich Null, namentlich für Rindvieh, und genügen dieselben den Bedürfnissen keineswegs. Die Gemeinde Königsfeld verziehet 1892 auf weitere Beibehaltung des Lukas-marktes. Die beiden anderen Markttage aber sollen bleiben, vor allem weil im April und Juni viele junge Schweine aufgetrieben und verkauft werden. Seit Jahren werde jedoch kein Rindvieh mehr aufgetrieben.“Wie der Bürgermeister von Königsfeld 1912 berichtet, gingen die Märkte 1906 wegen zu geringen Auftriebs ein.

Handwerker- und Landwirtschaftsmarkt zur Tausendjahrfeier 1992

Um an die Märkte in Königsfeld zu erinnern, hatte die Gemeinde Königsfeld zur Tausendjahrfeier 1992 einen Handwerker- und Landwirtschaftsmarkt vorgesehen, den ich plante und mit einigen Kollegen aus dem Gemeinderat gemeinsam vorbereitete. Die Olbrück-Rundschau schrieb hierüber. „Am Samstag, dem zweiten Tag der 1000-Jahrfeier, veranstalteten die Bürger der Jubliäumsgemeinde einen Handwerker- und Landwirtschaftsmarkt, dersich über den Kern von Königsfeld ausdehnte. Alle Gassen, alle Höfe waren mit einbezogen. Es war ein buntes Bild, das sehr anschaulich das historische Treiben in Gassen, Höfen und Stuben vermittelte. Es waren ja wohl alle Bürger von Königsfeld irgendwie beteiligt und an diesem besonderen Markttag mit eingebunden. Die Junggesellen hatten in der Hauptstraße unten und oben je ein historisches Stadttor nachgebaut. Da mußte jeder Besucher hindurch, der den Kern von Königsfeld betreten wollte. Und das wollten sehr viele an diesem Samstag. Junge Burschen mit Hellebarden bewaffnet geboten Einhalt und forderten von einem jeden eine Münze in Form einer Mark für den Eintritt in die Stadt. Dafür erhielt man eine Plakette, die den Besucher als zum Eintritt Berechtigten auswies, so er sie offen an seiner Kleidung trug. Gleich nach Durchschreiten des Tores eröffnete sich jedem der Zauber des geschäftigen Treibens in den Gassen.“

Da waren zu sehen: Eine Weingeräteausstellung, wo Kirschwein abgefüllt wurde. An dem Bauernhof Zipp hatten die Landfrauen des Kreises Ahrweiler ihren Stand. Auf dem Viehmarkt waren u. a. Ziegen, Schafe, ein Pony, ein Esel, Truthähne und Hühner zu bestaunen und zwei Männer, die um ein Pferd feilschten. Gleich um die Ecke in der krummen Gasse beschlug der Hufschmied ein polnisches Kaltblut-Pferd. Die Maurer- und Zimmerleute waren damit beschäftigt, das Wartehäuschen für die Bushaltestelle zu bauen. Im nächsten Hof war der Rochlitzer Porphyr-Stein aus der Nähe von Königsfeld in Sachsen zu bewundern. Bei der Märchentante wurde Theater gespielt und Märchen vorgelesen.

In den angrenzenen Höfen durfte man dem Kunstschmied und den Kugelgießern über die Schultern schauen. Im Hof der Imker wurde nicht nur Honig verkauft, sondern auch Bienenkörbe geflochten. Die Frauengemeinschaft bot Produkte aus der Landwirtschaft an, z. B. Eier, Butter, Obst, Gemüse, Kartoffeln. Die Waschfrauen waren in der Nähe des Königsbaches bei der Wäsche. Dann kam man am Bierstand der Schützen vorbei zum Hausschlachter. Gegenüber war die Dorfschmiede. Im nächsten Hof standen zwei alte Feuerwehrspritzen. Wenn man den Malerwinkel erreicht hatte, konnte man sich beim Metzger gegenüber stärken. Kam man aus der Krummen Gasse, sah man die Schuhmacher bei der Arbeit; schräg gegenüber war der Friseur beim Haareschneiden. Durch den Oberen Aller gelangte man in einen großen Hof. Hier wurde noch mit dem FIän gedroschen. Der Müller stand direkt daneben. Im nächsten Hof backte der Bäcker. Auf dem Kirchplatz waren der Flohmarkt der Pfarrgemeinde, der Bierbrunnen der DJK, der Stand „alte Hausmannskost“ der Möhnen und der Waffelstand des Kirchenchores untergebracht. Eine Erinnerung an die Tausendjahrfeier konnte man an der Münzpresse bekommen. Pfarrer Paul Menzenbach führte die interessierten Besucher durch die frisch renovierte Kirche. Im Mittleren Aller wurden Schafe geschoren, da-hinterdie Wolle zu Garn gesponnen. Eineandere Frau war mit Strümpfestricken beschäftigt, daneben wurde gewebt. Im nächsten Hofe waren die Schneider bei der Arbeit. Im Zehnthof hatte sich das Töpferhandwerk ausgebreitet. Der Hausherr hatte nichts dagegen, daß Besucher durch seine Stube in den traumhaft schönen Garten stiefelten. Er war sogar bereit, die Reste der alten Stadtmauer zu zeigen und die Ritterrüstung, die grimmig seinen Kamin bewacht. Der nächste Hof beherbergte das Schreiner-Handwerk. Am alten Markt war ein Obststand aufgebaut. Vor dem Geschäft Höper ein Tante-Emma-Laden und im Hof gegenüber hatten die Jäger eine Wild- und Waffenausstellung aufgebaut; daneben war der Gärtner. Im Hof gegenüber konnte man beim Kranz- und Blumenbinden zusehen. Auf diesem Markt wurde die Produktion durch die Landwirtschaft und die Verarbeitung durch das Handwerk demonstriert. Das Endprodukt konnte gekauft werden. Es war soviel zu bestaunen, man hätte Tage gebraucht, um sich alles genau anzusehen.

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Schafschur auf dem Handwerker- und Landwirtschaftsmarkt in Königsfeld, 1992.

Der Handwerkermarkt von Anja und Roland Lirk-von Becker

Kleiner und kompakter ist der Handwerkermarkt von Anja und Roland Lirk-von Becker. In der Rhein-Ahr-Rundschau heißt es: „Handwerksmarkt lockte zum Besuch. Allerhand zu sehen und zu bestaunen gab es am Samstag auf dem Leyerhof. Handwerker aus Waldorf und Königsfeld hatten zu einem Markt eingeladen, der bei den Besuchern gut ankam. Weberei, Töpferei und Seidenmalerei, die auch als Hobbies in letzter Zeit immer mehr an Beliebtheit gewinnen, zeigten kunstvoll gefertigte Stücke. Stricknadeln aus Holz, Honig und Ziegenkäse gehörten ebenfalls mit zum Handwerksmarkt. Auch fürden kleinen und großen Hungerwarbestens gesorgt.“ Dieser Markt, der seit 1988 zweimal im Jahr stattfindet, ist zu einer festen Einrichtung geworden. Er wird einmal im Juni und einmal im November abgehalten und von vielen Besuchern für Einkäufe genutzt.

Es ist schon etwas Besonderes, das zu kaufen, bei dessen Herstellung man zusehen darf. So zum Beispiel dem Töpfer, wenn er einen Tonkloß nimmt und ihn auf die Töpferscheibe haut. Nun zentriert er den Ton auf der Töpferscheibe, damit diese gleichmäßig läuft. Danach wird der Ton aufgebrochen und nach oben gezogen. Wenn die Wandstärke dünn genug ist, bestimmt der Töpfer die Form. Drückt er mit der Innenhand mehr als mit der Außenhand, entsteht ein bauchiges Gefäß. Wichtig ist beim Drehen, so erklärt der Töpfer, „daß die Hände und der Ton immer naß sind“. Dann wird das Gefäß von der Scheibe abgehoben. Nun muß es einen Tag trocknen, bis es weiter verarbeitet werden kann.

Besonders genutzt wurde der erste Handwerkermarkt am Königsfelder Töpferhaus, Im Schätzberg, am 12.11.1994. Während des Baus ihres Biohauses hatte die Familie Becker zwei Märkte ausfallen lassen.

Ob man nun eine Korbflechterin bei der Arbeit bewundern darf, die Arbeiten der Weberei ansehen kann, oder ob eine Glasbläserin bei einer spektakulären Vorführung ihr Können unter Beweis stellt, immer wird der Besucher in den Bann gezogen. Was man alles aus Holz herstellen kann, beweisen Holzspielzeuge und Musikinstrumente aus Holz. Wie vielseitig der Markt auch ist, Anja von Becker achtet besonders darauf, daß nur handwerkliche und landwirtschaftliche Produkte auf dem Handwerkermarkt angeboten werden (aus möglichst natürlichen Rohstoffen), so daß der Markt sich nicht zu einem bunten Krammarkt entwickelt: „Lieber soll weniger, aber dafür gute Ware angeboten werden. Hier sollen keine Wegwerfprodukte verkauft werden nach dem Motto, mehr Schein als Sein. Die Kunden sollen lieber weniger kaufen, aber dafür etwas Schönes.“

Anja von Becker will ihren Beruf als Töpferin auch interessierten Kunden näherbringen; darum bietet sie Töpferkurse an, die rege Nachfrage haben. Der Handwerkermarkt ist in der näheren und weiteren Umgebung zum Begriff für gute, vorbildliche handwerkliche Arbeit geworden.

Literatur:

Landrat v Groote: Statistik des Kreises Ahrweiler 1863. Ahrweiler 1863 Hans Fnck/Theresia Zimmer: Quellen zur Geschichte der Herrschaft Landskron a. d. Ahr. Band 1, Bonn 1966 Egbert Luley, 750 Jahre Pfarrgemeinde St. Nikolaus. 500 Jahre St. Hubertusschützen Königsfeld (1978)
Karl Heinz Kurth: 650 Jahre seit Verleihung der Stadtrechte, in: Königsfeld und seine Junggesellen (1986)
Dem Landwirt und Künstler über die Schulter geblickt, in: Rhein-Zeitung Nr. 135. Montag, 13. Juni 1988
Handwerksmarkt lockte zum Besuch, Rhein-Ahr-Rundschau, 13 Juni 1988
Karl Heinz Kurth; Die Eitel vor tausend Jahren und die Tausendjährige Geschichte von Königsfeld, in: Eifeljahrbuch 1992 Gerhard Knoll hat die Königsfelder Chronik von Tobias Stiefel. Kellner auf der Landskron (gest. 1606). aus den Jahren 1202 bis 1599, übersetzt. Das Original befindet sich im Landeshauptarchiv Koblenz, Dr, Peter Neu: Rheinischer Städteatlas, Königsfeld (Kreis Ahrweiler), 1992
Wolfang Ruck: 1000 Jahr-Feier in Königsfeld. Handwerker- und Landwirtschaftsmarkt. Olbrück-Rundschau Nr 39. vom 24.9.1992 Handwerkermarkt in Königsfeld, Natürliche Produkte wurden den Interessenten angeboten Olbrück-Rundschau Nr. 47/94 Gemeinde Königsfeld (Hrsg.): Königsfeld. Aus der Geschichte eines tausendjährigen Eifelortes Königsfeld 1994.