Die Remaclus-Kirche in Waldorf – Bau- und kunstgeschichtliche Betrachtungen

Die Vorgängerbauten der heutigen Kirche Patrozinium

Der hl. Remaclus (von Maastricht), der Hauptpatron der Waldorfer Kirche, dessen Fest auf den 3. September fällt, wurde um 600 in Aquitanien geboren. Im Jahre 625 zum Mönch geweiht, wurde er 632 Abt von Solignac. Von 650 bis 660 hatte er das Amt des (Missions-)Bischofs von Maastricht inne. Er gründete um 650 aus einer Stiftung des Königs Siegbert (auch: Sigibert; Sigisbert) III. die Klöster Mal-medy und Stablo. Remaclus starb zwischen 670 und 676: er wurde in der Abtei Stablo beigesetzt. 1042 wurden seine Gebeine gehoben. Heute gilt Remaclus als Patron der Ardennen.2)

Unter den künstlerischen Darstellungen des Remaclus seien hier zwei herausragende genannt: Um 1150 gab Wibald von Stablo den Auftrag zu dem großen goldenen Retabel mit Darstellungen von Szenen aus dem Leben des Heiligen, das – abgesehen von den beiden heute in Berlin und Frankfürt aufbewahrten Medaillons als Fragmenten – nur aus einer Nachzeichnung des 17. Jh. bekannt ist. Eine künstlerisch bedeutende Darstellung des hl. Remaclus ist mit dem 1535 von Wilhelm von Manderscheid(-Kaimt), Abt von Stablo-Malmedy. gleichzeitig vorletzter Abt von Prüm gestifteten Glasfenster der Schleidener Schloßkirche erhalten.
Neben dem hl. Remaclus hat die Waldorfer Kirche in der hl. Anna eine zweite Patronin.3)

Geschichte

Der hl. Remaclus war der Gründer des Klosters Stablo, d.h. zumindest das Kirchen-patrozinium stammt aus der Zeit, als das Kloster mit Grundbesitz in Waldorf ansässig war. 1033 war die Abtei Stablo durch einen Tausch mit der Abtei St. Martin in Metz, den Kaiser Konrad II. durch eine Urkunde bestätigte, in den Besitz dieser Ländereien gekommen.4) Vermutlich als Lehensnehmer der Abtei hatten die Herren von Olbrück, ansässig auf der nahegelegenen Burg gleichen Namens, das Kollationsrecht erhalten. Die Kirche des hl. Remaclius wurde 2040 als von Olbrück abhängig erwähnt.‘5)

Die Nennung einer Kirche in Waldorf im ,liber valoris‘ aus dem Anfang des 14. Jh. ist nicht eindeutig auf unsere Waldorfer Kirche zu beziehen. Es könnte sich hier auch um die Kirche in Waldorf (Kreis Bonn-Land) handeln.6) Aus dem Jahre 1335 stammt die Erwähnung eines Pfarrers in Waldorf.7) Visitationen der Kirche fanden nachweislich 1684, 1747 und 1829 statt.8) Die Patronais-Zugehörigkeit von Waldorf wechselte im Laufe der Geschichte mehrfach. Nachdem es die Abtei St. Heribert in Deutz, das Erzbistum Köln und das Bistum Aachen innehatten, kam es durch die sog. Zirkumskriptions-Bulle ,De salute animarum‘, welche die Neuabgrenzung der preußischen Bistümer regelte, endgültig zum Bistum Trier.9)

Baubeschreibung und Baugeschichte

Weil Quellen zur Baugeschichte der alten Remaclus-Kirche weitgehend fehlen, wird hier die Baubeschreibung der Baugeschichte vorangestellt, da aus dem Bestand der alten Kirche z.T. Rückschlüsse auf diese gezogen werden können. Eine wichtige Grundlage bildet dabei der im Kunstdenkmäler-Inventar des Kreises Ahrweiler (1938) wiedergegebene Grundriß.

Die Kirche, wie sie sich zum Zeitpunkt des Abbruchs präsentierte, war ein im Laufe mehrerer Jahrhunderte gewachsener, fast durchweg aus Bruchstein errichteter dreischiffiger, wohl basilikaler Bau, ohne den Turm 16.40 m lang bei einer Langhausbreite von 12,40 m. Das Mittelschiff hatte eine etwas geringere Breite als der spätgotische Westturm. Den Kern des Langhauses bildete vermutlich eine einschiffige romanische Anlage mit einem quadratischen Chor, vermutlich der Rest eines (im Unterbau) quadratischen Chorturmes.10)

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Auf die Frage nach der Bauzeit der Kirche antwortet der Pfarrer im Fragebogen von 1872. also zwei Jahre vor dem Abbruch der alten Kirche: Non est notum; sed anno 1034 erecra jam erat11) , d.h. um 1034 soll ein Kirchengebäude vorhanden gewesen sein. Nach Befund der Quellen könnte bereits 960 eine – vielleicht dem hl. Martin geweihte (?) -Kirche in Waldorf bestanden haben12) . wobei der Standen dieser Kirche möglicherweise nicht identisch mit dem der heutigen Kirche gewesen sein muß.

Zum Ende des 15. oder zu Beginn des 16. Jh. müssen Baumaßnahmen an der Kirche durchgeführt worden sein. wie der erhaltene Westturm belegt. der nach stilistischem Befund dieser Zeit entstammt.13) In der Mitte des 16. Jh. kam es zu Zerstörungen durch einen Brand, doch wurde die Kirche angeblich erst im 17. Jh. wieder aufgebaut.14) Im Fragebogen zur Kirche aus dem Jahre 1849 heißt es hingegen: Im vierzehnten Jahrhundert brannte nach alten Schriften die Kirche und Waldorf ab. nur ein Theil des Thurmes u’urde gerettet; die jetzige Kirche scheint im 16. Jahrhundert gebaut worden zu seyn; Urkunden und Inschriften sind nicht vorhanden.15)

1718 kam es zu Klagen der Gemeinde gegen den Zehntherrn, weil dieser eine Reparatur des Kirchenschiffs verweigerte.16)1855 fand wohl eine umfassendere Restaurierung der Kirche statt, denn der Fragebogen von 1867 berichtet: Templum notabiliter reparatum est anno I85517) Auf die Frage zum Zustand der Kirche heißt es in den Fragebögen des 19. Jh.: Status parimenti et scamnorum est mediocris, aliarum rerum bonus (1860): Tolum templum in statu nequaquam bono est (1872)18).

Paul Lehfeldt beschrieb in seinem 1896 erschienenen Inventar lediglich den Thurm, der – spätestgothisch19) – im Gegensatz zu dem damals noch neuen Kirchenbau Nebels allein darstellungswürdig war.

Die heutige Remaclus-Kirche
Geschichte und Baugeschichte

Der Neubau der heutigen Pfarrkirche – mit Ausnahme des bereits beschriebenen Westturmes – erfolgte 1874/75 nach Plänen des Architekten Hermann Nebel. Auch die Beschaffung des Mobiliars und der Orgel wurde bereits zu dieser Zeit betrieben, doch soll die Beschreibung dieser Ausstattung einem späteren Bericht vorbehalten bleiben.

Pläne für einen Neubau wurden bereits länger erwogen. Am 18. Juli 1872 sandte der Pfarrer von Waldorf dem bischöflichen Generalvikariat in Trier ein Schreiben zum Neubau einer Pfarrkirche zu Waldorf/Nebst 12 Anlagen und 7 Blatt Zeichnungenzur Begutachtung. Der vorgelegte Plan wurde in vielen Punkten bemängelt, v.a. fand die vorgesehene Breite des Mittelschiffs von nur 17 Fuß die Kritik der Gutachter. 18 Fuß wurden als Mindestbreite vorgegeben.20)

Vom 2. Januar 1874 datiert ein weiterer Brief des Pfarrers Müller an die bischöfliche Behörde, in dem es heißt: Die Kirche muß bis zum 15. October d. J. unter Dach stehen und bis zum 1. September 1875 dem Gottesdienste übergeben werden. Darum ist es nothwendig, daß die alte Kirche sehr bald geräumt, und daß Ende dieses Monats mir dem Abbruch derselben begonnen wird21). Da der Bau scheinbar schneller als geplant voranschritt, erwog der Pfarrer die Möglichkeit, bereits um Pfingsten 1875 in die Kirche einziehen zu können.22)

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Die Remacclus-Kirche in Waldorf, 1998′

Bereits vom 16. und vom 23. Dezember 1874 stammen die Vorlagen an das bischöfliche Generalvikariat Trier, in denen die Ausstattung und die Anschaffung einer neuen Orgel beantragt werden.

Der Westturm wurde 1910/1223) um ein verschiefertes Glockengeschoß nach Maßgaben des Heimatschutzes erhöht.

Am 28. Juni 1936 wandten sich der Pfarrer Brand und der Kirchenvorstand mit einem gemeinsamen Brief an das bischöfliche Generalvikariat in Trier, um die Erlaubnis zum Anbau einer Altarnische an der Kirche einzuholen, zu welcher der Dombaumeister Julius Wirtz24) aus Trier bereits einen Entwurf vorgelegt hatte. Das Schreiben verweist darauf, da das Baumaterial umsonst, die Hand- und Spanndienste gewährleistet und die Bausumme von 800 RM vorhanden sei. Dem Brief war darüber hinaus ein Memorandum beigefügt, in dem es u.a. heißt: Die Herstellung der Altarnische wird unter begeisterter Zustimmung der ganzen Pfarrgemeinde vom Kirchenrorstande einstimmig beschlossen um dem hiesigen Gnadenbilde der Mutter Gottes vom Siege, das bisher in wenig würdigem Schrein unmittelbar hinter dem Windfang der linken Eingangstür angebracht war. einen geziemenden Platz zu schaffen25)Die Genehmigung des Anbaus erfolgte am 1. Juli 1936.26)

Julius Wirtz plazierte den von ihm entworfenen Anbau an der Nordseite der Kirche zwischen den beiden Strebepfeilern des Westjoches. Im Inneren dreifach gestuft, zeigt die Außengestaltung eine geschlossene Wand und – durch ein Gesims getrennt – darüber einen dreifach gestuften Giebel, der mit einem flachen dreieckigen Aufsatz schließt. Kunsthistorisch ist der Anbau einem reduzierten Spätexpressionismus zuzurechnen. Die Genehmigung zum Bau einer Sakristei, zu der verschiedene Pläne vorgelegt wurden, erfolgte am 23. Mai 1957. Eine Renovierung der Kirche fand 1961 statt.
Zum Pfarrhaus bleibt nachzutragen. daß dieses 1843/52 zwar repariert, 1883 aber verkauft und durch ein neues ersetzt wurde.27)

Baustruktur

Der Westturm bildet den ältesten Teil der heutigen Kirche. Diesen, durch die 1910/12 erfolgte Aufstockung heute dreigeschossigen Bau, beschrieb Paul Lehfeldt im Jahre 1896. unter Hinweis auf Mitteilungen des damaligen Waldorfer Pfarrers Müller, folgendermaßen: spätestgothisch, zweigeschossig. Im Erdge-schoss auf der Südseite ein Kleeblattbogenfenster, das Portal ist reduziert gothisch, mit rechteckiger, auf zwei Männerköpfen ruhender Ue-berdeckung. Im Obergeschoss gepaarte Kleeblattbogenfenster28). Die von Lehfeldt benannten Elemente und Stilformen deuten auf eine Entstehung des Turmes um die Wende zum 15. Jh.29), doch kommen solche als „spätgotisch“ bezeichneten Elemente wie das Rechteckportal mit der Stabwerk-Rahmung im Eifel-Mosel-Gebiet auch noch nach der Mitte des 16. Jh. vor. Die Entstehungszeit des Turmes ist demnach noch zu diskutieren. Lehfeldt führte weiter aus: Der Thurm soll früher Vertheidigungszwecken gedient, nach der Kirche zu einem Giessschlot gehabt haben; das Feld nach Hönnersdorf30) zu noch die Burg heissen31). Ob die Kirche ursprünglich fortikatorischen Charakter hatte, ob es hier Wehrelemente gab, muß weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen vorbehalten bleiben. Sowohl Kirchenburgen wie auch Wehrkirchen gab es in der Ei-fel selten, doch war etwa die Pfarrkirche im nahegelegenen Kempenich zumindest vorübergehend befestigt.

Das Landhaus der neuen Kirche, einer neugotischen Hallenkirche, ist als dreischiffiger vierjochiger, außen unverputzter Bruchsteinbau gestaltet. Das Äußere ist durch getreppte Strebepfeiler mit Pultdächern gegliedert, die in Höhe der Fensterabschlüsse enden. Die zweibahnigen Fenster weisen einfache Maßwerkformen auf. Im Inneren erheben sich Rundpfeiler über oktogonalen Sockeln. Die Pfeiler zeigen Laubwerk-Kapitelle und tragen ein Rippengewölbe mit Abschlußringen in den Kreuzungspunkten der Rippen.

Der auf 5/8 schließende eingezogene Polygonalchor besitzt ein querrechteckiges Vorchorjoch. Der niedrigen Anbau an der Südseite im Winkel zwischen Langhaus und Chor ist in Form einer quergestellten Polygonalkapelle gestaltet.
Die von Julius Wirtz geplante Gnadenbildkapelle an der Nordseite des westlichen Langhausjochs wurde bereits beschrieben.

Der Architekt Hermann Nebel
Biographie

Hermann Nebel wurde am 31. Juli 1816 als Sohn des Architekten Ferdinand Jakob Nebel (1782 – 1860) in Koblenz geboren. Dieser war kurz vor der Geburt seines Sohnes (1810/11) in Paris tätig. 1811 erhielt er eine Anstellung beim Festungsbau in Mainz. 1816 war er erneut in Paris und ab 1818 als Architekt für Zivilbauten beim Bau der Festungsanlagen von Koblenz beschäftigt. Seit dem 25. August 1823 wirkte er als Bauinspektor in Koblenz32), wo er am 20. April 1860 verstarb. Seine Arbeit war von ständiger Auseinandersetzung und Konkurrenz mit Johann Claudius von Lassaulx geprägt. Hermann Nebel, sein Sohn. unternahm nach seiner Ausbildung an der Bauschule in Karlsruhe Studienreisen nach Österreich -insbesondere Tirol – sowie nach Ungarn und Böhmen. Die Skizzen-Bücher dieser Reisen sind zum großen Teil erhalten geblieben und heute im Mittelrhein-Museum in Koblenz archiviert.

Nach einem Kurzstudium an der Bauakademie in Berlin wurde er 1840 mit der ‚Großen Akademischen Medaille für Höhere Architektur‘ ausgezeichnet. Anschließend unternahm er erneut Studienreisen; diese führten ihn nach Dänemark, Schweden, Norwegen, Frankreich (Paris), England und Belgien (Flandern). Vier Jahre verbrachte Nebel in Italien, Griechenland und Südfrankreich.

Seit 1847 war Hermann Nebel Stadtbaurat in Koblenz: er hatte dieses Amt, das u. a. die Leitung der bereits 1787 durch den Kurfürsten etablierten Baukommission beinhaltete bis 1883 inne.

Hermann Nebel entwarf zahlreiche Profanbauten v. a. in der Region Koblenz, darunter eine größere Anzahl von Privathäusern und Gasthöfen. Zu seinen wichtigsten Profanbauten gehören die ehem. Kaltwasser-Heilanstalt in Oberwerth (Stadt Koblenz), 1840 – 43, klassizistisch33), und die neugotische Erweiterung des Schlosses in Sayn (Bendorf-Sayn) 1861 – 6334). Der 1840 geborene Sohn Hermann Nebels, Otto Nebel, war gleichfalls Architekt. Gemeinsam mit seinem Vater war er nachweislich 1879/80 in Koblenz tätig.35)

Die Kirchenbauten Hermann Nebels

Hermann Nebel entwarf neben den bereits angesprochenen Profanbauten auch mehrere Sakralbauten im Eifel-Mosel-Gebiet. Da Hermann Nebel und sein Werk von der Kunstgeschichte immer noch nicht genügend gewürdigt wurde, seien einige dieser Kirchen und Kapellen im folgenden genannt und z.T. kurz charakterisiert.36) Diese Auflistung erfolgt in der chronologischen Reihenfolge der Entstehung der Bauten.

1. POLCH (Kreis Mayen-Koblenz). Kath. Pfarrkirche St. Sebastian und Georg (1849-52): Nach längeren Streitigkeiten über die Berufung eines Architekten zum Neubau der Kirche wurde 1848 Hermann Nebel von der Gemeinde mit dem Entwurf beauftragt. 1849 wurde der Grundstein gelegt und 1852 erfolgte die Konsekration der neuen Kirche. Dieser mit seiner Doppelturmfassade weithin die Landschaft beherrschende Bau ist eine monumentale dreischiffige Stufenhalle mit Querhaus und halbrund geschlossenem Chor. Die Bruchsteinmauern sind verputzt, während alle gliedernden Elemente aus Basaltlava und Tuff steinsichtig blieben. Der im Äußeren durch Strebpfeiler und Rundbogenfriese gegliederte Kirchenbau weist Stilelemente von Romanik und Gotik auf, ohne dabei jedoch konkret benennbare mittelalterliche Vorbilder zu zitieren. – Franz Ronig urteilt über den Entwurf Nebels: In Polch auf dem Maifeld gelang ihm ein ,Wurf‘, der ihn in die Nähe des J. Cl. von Lassaulx, der dort auch einen Plan abgeliefert hatte, führte37).

2. WASSENACH (Kreis Ahrweiler). Die katholische Pfarrkirche St. Remigius, 1852 erbaut, ist eine neuromanische Hallenkirche mit Doppelturmfassade. Der nördliche Turm stammt noch aus romanischer Zeit.

3. LANDKERN (Kreis Cochem-Zell): Die aufgrund ihrer großen Ausmaße auch als Dorf-Kathedrale bzw. als ländlicher Dombezeichnete38) katholische Pfarrkirche St. Servatius. die 1859-62 in Landkern entstand, wurde vom Kölner Dombaumeister Vincenz Statz entworfen, die Ausführung hingegen H. Nebel übertragen. Es handelt sich hier um eine dreischiffige neugotische Basilika mit einem zentralbauartig erweiterten Chor. Der Westturm wurde 1892/94 wegen der starken Bauschäden, die am gesamten Bau bereits seit den 1860er Jahren auftraten, durch einen Neubau ersetzt.39)

4. ARENBERG (Stadt Koblenz). Die katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Nikolaus. 1860-62, ist eine neuromanische Basilika ohne Querhaus mit halbrund geschlossenem Chor. Die dreigeschossige Doppelturmfassade zeigt Giebel und achtseitige spitze Helme, wie sie Nebel ähnlich bereits für die Kirche in Polch entworfen hatte. Während die Kirche außen unverputzt blieb, wurden die Innenwände im Sinne einer volkstümlichen Romantik völlig mit groben Steinen und Schlacken sowie mit Muscheln verkleidet.40)

5. KLJDING (Kreis Cochem-Zell). Die katholische Filialkirche St. Wendelin, 1861-62. ersetzte einen 1859 abgebrochenen Vorgängerbau. Bereits 1863 kritisiert Nebel die Ausführung der Bauarbeiten und schon 1865 waren Risse im Bau vorhanden.41)

6. BÜCHEL (Kreis Cochem-Zell). Katholische Pfarrkirche St. Simon undJuda (1862-63). H. Nebels Kirchenbau in Büchel ist durch zwei einschneidende Umbauten weitgehend verloren gegangen.42) Lediglich der neugotische Kirchturm gehört noch zum Ursprungsbau, der seinerseits eine ältere Kirche an anderer Stelle ersetzte.

7. HATZENPORT (Kreis Mayen-Koblenz). Die neue katholische Pfarrkirche St. Rochus. 1869-70, ist ein neugotischer Saalbau.43) Sie wurde 1910 von Peter Marx ebenfalls neugotisch erweiten.

Weitere Sakralbauten Hermann Nebels

1856 entstand die Kapelle in MINKELFELD. In MÖRSDORF (Kreis Cochem-Zell) wurde 1865 der Turm nach Nebels Angaben instandgesetzt, der von ihm entworfenen Pyramidenhelm jedoch nicht ausgeführt. 1868 erfolgten die Restaurierung des sog. Reichardsmünsters und der Anbau der kath. Pfarrkirche in BENDORF(-Sayn) wohl nach Plan H. Nebels.44)

Die einschiffige gotische Pfarrkriche St. Lambert und Katharina in NIEDERLÜTZINGEN (damals Gemeinde Burgbrohl) wurde 1873 um Chor und Querhaus nach seinen Entwürfen erweitert. Ebenfalls eine Erweiterung durch Querhaus und Chor plante er für die 1716/17 erbaute Pfarrkirche von GROßMAISCHAID (Kreis Neuwied); 1875 begonnen, wurde der neugotische Erweiterungsbau 1876 geweiht.45)

Zusammenfassung 

Die neugotische Waldorfer St. Remaclus-Kirche kann zwar nicht als künstlerisch hochrangig bezeichnet werden, doch gebührt ihr mehr Aufmerksamkeit, als ihr bisher seitens der Kunstgeschichte gewidmet wurde. So bietet etwa die – noch ausstehende -Grundrißanalyse, d.h. vor allem der Vergleich mit den Grundrissen anderer romanischer Kirchen der Region darüber hinaus aber auch die weitere Auseinandersetzung mit dem Phänomen des rechteckigen Chores, vielleicht eines ehemaligen Chorturmes, die Möglichkeit einer weitergehenden Einordnung dieses Kirchenbaus.

Die Analyse des Turmes hinsichtlich der von Paul Lehfeldt bzw. von Pfarrer Müller 1896 beobachteten Vertheidigungs-zwecke (Giessschlot) könnte Aufschlüsse über die mögliche Nutzung der Kirche als Wehrbau bringen.

Schließlich steht eine Einordnung in das Gesamtwerk Hermann Nebels noch aus, dessen Bauten größtenteils noch unaufgearbeitet sind.46) Die Beantwortung der aufgeführten Fragen kann zur Zeit noch nicht erfolgen und kann auch im Rahmen meines Beitrages nicht geleistet werden, doch sollen diese kurzen Ausführungen nur der Anfang einer Beschäftigung mit diesem interessanten Kirchenbau sein. Eine Zusammenfassung weiterer Arbeitsergebnisse in Form eines Kirchenführers ist für die nächsten Jahre vorgesehen.

Anmerkungen:

  1. Dieser Beitrag wurde im Auftrag des früher in Adenau und zuletzt in Waldorf tätigen Pfarrers Fritz Göttert (+) ursprünglch für die Chronik der Gemeinde Waldorf verfaßt, ihm sei diese kleine kunsthistorische Betrachtung jener Kirche, die seinen letzten Wirkungsort darstellte in freundlicher Erinnerung gewidmet.
  2. Zum hl. Remaclus siehe: Engelbert Kirech-baum/Woltgang Braunfels (Hg.l: Lexikon der christlichen Ikonographie. Bd. 8, Rom, Freiburg, Basel und Wien 1976, Sp, 260; Hiltgart L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten, 4. Aufl., Stuttgart 1979 (nach Angabe ebd., S. 434 verstarb Remaclus bereits 668); Bernd Brauksiepe/Anton Neugebauer; Klosterlandschaft Eifel, Historische Klöster und Stifte zwischen Aachen und Bonn, Koblenz und Trier. 2. Aufl. Regensburg 1994. S. 39f.
  3. Bistums-Archiv Trier. Fragebogen 1872, Abt. 40 (ehem. 441. Nr. 229. p. 90 – Zur Remaclus-Kirche finden sich im Bistums-Archiv Trier die folgenden Unterlagen: Bauak-ten: Abt. 70. Nr. 6685. 6686. 6687. 6687a, 6688, 6689 – Fragebögen: Abt. 40 (ehem. Abt. 441. Nr. 179, 211, 229, 248; für die freundliche Unterstützung bei den Archivarbeiten sei dessen Direktor, Herrn Dr. Martin Persch, an dieser Stelle herzlich gedankt.
  4. Halkin/Roland: Recueil des chartes de l’abbaye de Staveloi-Malmedy I, Nr. 99, Nr. 122, Nr 153 (nach: KD Kr. Ahrweiler 1838, 664f.).
  5. Paul Lehfeldt: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Coblenz, Düsseldorf 1886. S, 96.
  6. Vgl. Joachim Gebhardt/Heinrich Neu/Edmund Renard/Albert Verbeek: Die Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 17. l). Düsseldorf 1938, S. 665; dort auch ein Verzeichnis wichtiger Archivalien zur Remaclus-Kirche.
  7. Frick, Quellen. Nr. 643 (nach KD Kr. Ahrweiler 1938, S. 665].
  8. Visitationsberichte befinden sich heute im Bistums-Archiv Trier.
  9. Vgl. Paulinusblatt, Nr. 37/1937 (vom 4.7.1937): OB.(?): Waldorf, eine alte Wallfahrtsstätte in der Vulkaneifel (Bistums-Archiv Trier. Abt. 102, Nr. 270, 11]. In der zitierten Zeitschrift heißt es weiter: Aber auch die hl. Walburgis wurde hier in Waldorf verehrt, den die Vorgängerin der heutigen Pfarrkirche war die Walburgiskirche, die hart an der römischen Heerstraße lag und 1830 wegen Baufälligkeit dem Abbruch verfiel. – Vgl. dazu auch die Vermutungen zu einem möglichen Martins-Patrozinium in Waldorf [Wilfried Dünchel: Waldorf ist fast 1350 Jahre alt. In: Heimaljahrbuch Kreis Ahrweiler 1995. S, 63-651.
  10. Die Kirche wäre dann strukturell mit solchen Bauten wie etwa der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Adenau zu vergleichen
  11. Bistums-Archiv Trier. Fragebogen 1872, Abt. 40 (ehem. Abt. 44), Nr. 229 unter Verweis auf Binterim
  12. Vgl. W. Dünchel 1995. S. 64.
  13. Der Turm der Kirche stammt aus der Wende des 15. Jh. (KD Kr. Ahrweiler 1838. S. 665); Spätgotischer Westturm. um 1500 (Dehio, Rheinland-Pfalz/Saarland 1972. S. 962).
  14. KD Kr. Ahrweiler 1938. S. 665.
  15. Bistums-Archiv Trier. Abt. 70. Nr. 061 11: Fragebogen von 1849 (ausgefüllt am 10. Januar 1849, p. 325)
  16. Unterlagen im Historischen Archiv des Erzbistums Köln |vgl KD Kr. Ahrweiler 1938, S. 665).
  17. Bistums-Archiv Trier, Fragebogen 1867, Abt. 40 (ehem. Abt. 44), Nr. 211.
  18. Bistums-Archiv Trier, Fragebögen 1860 (Abt. 40. Nr. 179l und 1872 (Abt. 40. Nr. 229); 
  19. Paul Lehfeldt 1896 unter Hinweis auf Pfarrer Müller, Mittheil.
  20. Bistums-Archiv Trier, Bauakten, Abt. 70 Nr. 6687.; 
  21. Ebd.
  22. Vgl. ebd. – Der Gottesdienst fand während der Bauarbeiten in der Schaulaula von Waldorf statt.
  23. Die Angabe 1910 nach Bauakten im Bistums-Archiv Trier (Abt. 70. Nr. 6687): in KD Kr. Ahrweiler 1938, S. 665 heißt es hingegen 1912.
  24. Julius Wirtz (*16.6.1875, Trier, + 15.10.1952 ebd.). Sohn des Dombaumeisters Reinhold Wirtz. Studierte bei seinem Vater an der Höheren Bauschule Köln und der TH Aachen. Übernahm 1898 nach dem Tod des Vaters dessen Baubüro, 1898-1905 assoziiert mit dem Architekten Wilhelm Schmitz. Wirtz war maßgeblich an der Restaurierung des Trierer Domes beteiligt und entwarf zahlreiche Kirchen, Klöster, Pfarrhäuser und Wohnbauten. Seit 1905 war Wirtz Dombaumeister und Bausachverständiger der bischöflichen Behörde in Trier. 1933 Leiter der baulichen Gestaltung der Heiligrock-Ausstellung erhielt er dafür das Ehrenkreuz „pro Ecclesia et Pontifice“. Seine Kirchen sind meist typische Bauten des späten Historismus unter Rückgriff auf die Romanik und der Spätgotik, seit den 1910er/20er Jahren neubarocken Stilformen und dem Heimatschutz verpflichtet (z. B. Jammelshofen). Als Kirchenarchitekt war Julius Wirtz bis in die 1930er Jahre tätig.
  25. Bistums-Archiv Trier, Bauakten, Abt. 70, Nr. 6687a.; 
  26. Ebd.;
  27. Bistums-Archiv Trier-Bauakten, Abt. 70. Nr. 6687.;
  28. Paul Lehfeldt 1896.
  29. KD Kr. Ahrweiler 1938, S. 665.
  30. Gemeint ist wohl das nahegelegene Gönnersdorf.
  31. Paul Lehfeldt 1896 unter Hinweis auf Pfarrer Müller, Mittheil.
  32. Zuständig für die Kreise Ahrweiler, Altenkirchen, Cochem, Maven, Neuwied und Zell (vgl. W. Bertz-Neuerburg 1980, S. 542)
  33. Dehio 1972, S. 427
  34. A. Verbeek 1980, S. 14.
  35. Vgl. W. Weyres/A. Mann 1968, S.78
  36. Auch sein Vater, P. J. Nebel, hatte Pläne zu vielen Kirchenbauten geliefert. Zu diesen gehören mehrere Bauten in der Eifel (in alphabetischer Reihenfolge): Herschbach (Gem. Kaltenborn); Kath. Pfarrkirche St. Hippolyt, 1826-28. Kaifenheim (Kr. Cochem-Zell): Kath. Pfarrkirche St. Nikolaus, 1841-42. Kaltenborn (Kr. Ahrweiler: Kath. Pfarrkirche St. Servatius, 1836-37. Löhndorf (Stadt Sinzig, Kr. Ahrweiler): Kath. Pfarrkirche St. Georg, 1829-30. Polch (Kr. Mayen-Koblenz): Kath. Pfarrkirche, Entwurf 1845 (nicht ausgeführt). Zu den weiteren Entwürfen F. J. Nebels: W. Bertz-Neuerburg 1980, S. 542.
  37. F. Ronig 1980, S. 233. – Zu den Planungen und den daran beteiligten Architekten siehe: W.-M. Müller 1990:
  38. F. Ronig 1980. S 235
  39. F. Wackenroder 1959. S. 568
  40. F. Ronig 1980, S. 233.
  41. E.  Wackenroder 1959, S. 531
  42. 1923 wurde die Kirche nach Plan von P. Marx (Trier) erweitert 1967 wurde das Schiff nach Entwurf von K.P. Böhr (Mayen) neu gebaut
  43. Keine Halle, wie irrtümlich bei Dehio (1972,  -s. 292) behauptet
  44. Vgl. W. Weyres/A. Mann 1968. S. 78 
  45. H. Neu/H. Weigert 1940, S. 154
  46. Noch 1980 schreibt P. König (I. S. 233): Hermann Nebel, der Sohn des Ferdinand Nebel betätigte sich als Architekt im Koblenzer Raum. Seine Bauten erreichen nicht das Niveau seines Vaters.