Der Weiße Sonntag – Einführung und Wandel in der Eifel

Man kann es sich heute kaum vorstellen, dass über der Eingangstür des Elternhauses eines Erstkommunikanten, von Girlanden eingerahmt, der folgende Spruch angebracht war: „Bleibe wie du heute bist, der Himmel dir dann sicher ist“. So sehr haben sich die Verhältnisse von damals geändert.

Der sogenannte Weiße Sonntag, Dominica in albis, ist als Tag der Erstkommunion ein fester Bestandteil im Leben junger Katholiken. Er ist aber noch nicht sehr alt. Die feierliche Erstkommunion hat ihren Ursprung in den Volksmissionen. Von den Jesuiten wurden sie im 18. Jahrhundert im Rheinland durchgeführt. Mit dieser Einrichtung verfolgte man den Zweck, die Bevölkerung zu unterweisen und die Gläubigen zum öfteren Empfang der Sakramente zu führen. In diesem Zusammenhang widmeten sich die Jesuiten der Vorbereitung junger Katholiken auf die Erstkommunion. Bis dahin hatten die Eltern, nach Rücksprache mit dem Pfarrer, ihre Kinder selbst zum erstenmal zum Tisch des Herrn geführt. Eine besondere Feier aus diesem Anlass gab es nicht.

Im Laufe der Zeit wurden die Unterweisungen der Jesuiten zu einem festen Bestandteil der Volksmission, zu der Tausende von Gläubigen zusammenströmten. Im Freien wurden zu diesem Zweck Bühnen errichtet. Am vorletzten Tag der Mission kommunizierten die Kinder dann zum ersten Mal.

Wie berichtet wird, waren die Kinder aus diesem Anlass festlich angezogen. Meistens trugen sie neue Kleider und in der Hand hielten sie Lilien, Kerzen oder einen Rosenkranz. Das Haar der Mädchen war mit Blumen geschmückt, die Knaben trugen Sträußchen am Jackett.

Bevor der Weiße Sonntag seine Bedeutung für die Erstkommunion erhielt, beging man ihn als Oktavtag des Osterfestes und in Zusammenhang mit dem Ablegen der weißen Gewänder, womit die Täuflinge seit dem Karsamstag bekleidet waren. Solange es keine verbindliche Regelung gab, galten die Osterzeit und das Namensfest des hl. Aloysius (21. Juni) als Termine für den Erstkommunionempfang.

In den Pfarreien Hümmel und Wershofen hielten im 18. Jahrhundert die Jesuiten aus Münstereifel öfter Missionen ab. Sie dürften dabei auch die Kinder zur Erstkommunion geführt haben. Für Wershofen ist vermerkt, dass im Jahre 1751 sieben Kommunionkinder am Fronleichnamstag zur ersten hl. Kommunion geführt wurden.

In der heutigen Zeit lockert sich der Zwang, am Termin des Weißen Sonntags festzuhalten. Dies ist in vielen Fällen gar nicht mehr möglich, weil Geistliche fehlen, so dass mehr und mehr Ersatztermine eingeführt werden müssen.

Kommunionkleider

Die Kleider für den Weißen Sonntag wurden früher von den Näherinnen im Dorf genäht. In Wershofen waren es vor allem Katharina Schmitz, als Jrowe Dreng bekannt und Katharina Wirz, die viele Kommunionkleider anfertigten. Die benötigten Stoffe und Zutaten kaufte man in Adenau oder Münstereifel. Die Näherinnnen waren bestrebt, durch individuelle Gestaltung den Wünschen der Kundinnen und Kunden Rechnung zu tragen. Auch modische Trends ließen sie in die Kleider einfließen.

Vergleicht man dabei die Frauenkleidung, kann man feststellen, dass eine Entwicklung in Richtung auf Angleichung an diese zu verzeichnen war. Dabei ging es um Kleiderlänge, die modische Gestaltung der Schnitte und die Einfügung der Accessoires. Anhand von Fotos kann nachgewiesen werden, daß Geschwister nacheinander die Kleider am Weißen Sonntag angezogen haben. Es wurden auch Kommunionkleider weitergegeben. Beides haben mir Befragte bestätigt. Nach der Zweitkommunion gab es ja auch wenige Gelegenheiten, die weißen Kleider, die gegen Schmutz und Wetter sehr empfindlich waren, zu tragen. Andererseits gab es Kinder, die auf diese Möglichkeiten warteten oder darauf angewiesen waren, von Dritten Kommunionkleidung zu erhalten. Es wurden in unserer Heimat sowohl schwarze als auch weiße Kommunionkleider getragen. In den Pfarreien Dümpelfeld, Reifferscheid, Kesseling und Hümmel wurden schwarze Komunionkleider getragen. Weiße Kommunionkleider wurden getragen in den Pfarreien Antweiler und Wershofen. Nach M. Bringemeier sind weiße Kommunionkleider schon bei der Einführung des Weißen Sonntags im 18. Jahrhundert üblich gewesen. Dafür gibt es zahlreiche Belege, vor allem aus dem nördlichen Rheinland. Die Mädchen trugen lange Kleider. Durch Abnäher konnte man je nach Bedarf die Länge variieren und der Größe des Kindes anpassen. Mehr und mehr wurden die Abnäher später durch Spitzen ersetzt. Die Art und die Gestaltung der Gürtel veränderte sich und angenähte mit Tuffs verzierte und zusätzliche Schärpen aus Seide, die lose unter dem eigentlichen Gürtel getragen wurden, waren häufiger üblich. Gegen Ende der zwanziger Jahre kamen Smokeinsätze und Smokbänder anstelle der Gürtel und eines Abschlußkragens.

Zur Ausstattung der Kommunionkinder gehörten auch neue Schuhe. Die hohen Schnürschuhe wurden überwiegend vom Dorfschuhmacher angefertigt. Er verwandte kräftiges Leder und dicke Sohlen. Deshalb waren die Schuhe nicht gerade elegant, aber sie hielten länger. In den Tagen nach dem Weißen Sonntag wurden sie zudem mit Eisen und Nägeln beschlagen. Die Wershofener Kommunionmädchen trugen im Jahre 1927 alle Halbschuhe. Die Strumpfmode war solange ohne Bedeutung, bis dass die Kommunionkleider kürzer wurden. Waren die Strümpfe zunächst schwarz, so trugen die Mädchen später weiße Strümpfe. Als Attribute der Kommunionkleidung waren erst Myrtensträußchen, später Rosenbuketts in Mode. Auf dem Kopf trugen die Mädchen ein Kränzchen. Man kann sagen, daß sie kleinen Bräuten glichen. Das gilt vielfach auch für die heutige Zeit.

Die Erstkommunion galt früher allgemein als Abschluss der Kindheit. Von diesem Tag an wurden den Kindern nach Adam Wrede von ihren Eltern „gewisse Vorrechte vor den jüngeren Kindern eingeräumt“. So durften sich z.B. – in Wershofen bis um 1930 – die Knaben, die noch nicht zur 1. hl. Kommunion gegangen waren und ein bestimmtes Alter nicht erreicht hatten, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf der Straße sehen lassen. Im allgemeinen war das Läuten der Abendglocke das Signal dafür, sich nach Hause zu begeben.

Kommunionkinder in Hümmel, 1906.

Kommunionkinder aus Fuchshofen, 1910.

Kommunionkinder aus Ohlenhard, 1914/15.

Kommunionkinder aus Wershofen, 1933.

Für die Jungen war mit der Erstkommunion der Weg frei, Messdiener zu werden. Äußeres Zeichen für den Übergang war die vollständige Ausstattung mit neuen Kleidungsstücken, von den erwähnten Ausnahmen abgesehen.

Bis Anfang der zwanziger Jahre glich die Kleidung der Erstkommunikanten in ihrer Zusammenstellung (Anzug mit Weste, Hemd mit Krawatte und Kopfbedeckung) und in den modischen Details, (z.B. Schnitt des Jacketts) der zeitgenössischen Sonntags/Festtagskleidung der Männer. Auch die Farbe entsprach dem Vorbild der Erwachsenenkleidung. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war in Frankreich schwarze Kleidung „dem Kirchgang, kirchlichen Handlungen, der Trauer und den Armen vorbehalten. Denn ein schwarzer Anzug war beträchtlich billiger als ein farbiger.“ Diese Farbe wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts vom Adel und vom Bürgertum übernommen und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zum „Abzeichen des vornehmen Bürgers“. Im Gegensatz zu den Kleidern der Mädchen wurden die Kommunionanzüge für die Knaben bereits nach der Jahrhundertwende im Konfektionshaus gekauft. Die Preise waren, abgesehen von der obersten Preisklasse, gegenüber dem Maßanzug konkurrenzlos niedrig. Betrachtet man den Aufwand zum Weißen Sonntag heute, muss man fragen, ob dieser dem Sinn des Tages gerecht wird. Mehr und mehr wird, nach meiner Beobachtung, der religiöse Anlass von Äußerlichkeiten überlagert.

Kommunionkinder an der Pfarrkirche in Wershofen mit Pater Marianus, 1926.

Literatur:

  • Bringemeier, Martha: Die Brautkleidung im 19. Jahrhundert. In: Martha Bringemeier u.a. Museum und Kulturgeschichte. Festschrift für W. Hansen, Münster, 1978.
  • Nellessen, E: Die Volksmission im 17. und 18. Jahrhundert im Gebiet des Kreises Düren. In: Dürener Geschichtsblätter 48, 1968, S. 1136/1137.
  • Andreas Schüller, Die Jesuiten und die Erstkommunionfeier, sowie verwandte Religionsbräuche im Rheinlande, besonders in der alten Erzdiözese Köln. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein 107, 1923, S. 145/146.
  • Adam Wrede, Eifeler Volkskunde, Bonn 1922, S. 164.