Der Überlebenskampf katholisch geprägter Zeitungen im Landkreis Ahrweiler während der NS-Zeit

In diesem Bericht soll das Schicksal der katholisch geprägten Tageszeitungen des Landkreises Ahrweiler. der Rhein- und Ahr-Zeitung, der Adenauer Zeitung und der Sinziger Zeitung, während der nationalsozialistischen Zeit geschildert werden, ihre Aktionen und Reaktionen, ihr Anpassen und Widerstehen. ihr Kampf ums Überleben, aber auch ihr Scheitern. In den Augen der örtlichen Nationalsozialisten waren diese Blätter die Ursache für ihr schlechtes regionales Abschneiden in den Wahlen vor 1933 gewesen, und sie wollten es ihnen mit doppelter Münze heimzahlen.

Der Kreisgeschäftsführer Peter Klaes schrieb 1936. „Weiterhin war die hier beheimatete Presse in ihrem Kampf gegen uns furchtbar gemein und verlogen. Bis zur Machtübernahme konnten wir daher auch nur 210 Parteigenossen bei uns aufnehmen, im Verhältnis zur Bevölkerungszahl unseres Kreises mit 67.000 recht wenig.“

Von der Republik zur Diktatur

Die Ahrregion war eines der am stärksten katholisch geprägten Gebiete Deutschlands. was während der Weimarer Republik ihren Niederschlag in der dominierenden Rolle von Zemrumspartei und katholischer Presse in der Region fand. Die hier gedruckten. katholischen Blätter Adenauer Zeitung. Ahrweiler Zeitung, Rhein- und Ahr-Zeitung und Sinziger Zeitungbeherrschten den Markt (Auflage zwischen 900 und 4000), verstanden sich zudem überwiegend als Sprachrohre der Zentrumspartei.

Relativ leise vollzog sich der Regierungswechsel am 30. Januar 1933 in den Kreiszeitungen. Doch bereits in den nächsten Tagen sollte sich der künftige Weg der Rechtsregierung zeigen. Am 2. Februar druckten A/mrei’/erund Sinziger Zeitung den am Vortag von Hitler im deutschen Rundfunk vorgelesenen „Aufruf an das deutsche Volk“ ab. in dem dieser einen deutlichen Schlußstrich unter die Weimarer Republik setzte. Trotz der zu gewärtigenden Strafmaßnahmen durch staatliche Stellen wurde der Ton der Kreis-

Zeitungen im Fortgang des Wahlkampfes spürbar kritischer, was jedoch nicht unbedingt aus einer bewußten Resistenz gegen die neue Regierung entsprungen sein muß, sondern seinen Grund in der jahrzehntelangen Gewohnheit gehabt haben kann, in den Artikeln die Arbeit des Zentrums positiv darzustellen. Am 4. März gab die Ahrweiler Zeitung in einem Artikel unter anderem die Rede des Ahrwei-ler Zentrumsvorsitzenden Dechant Dickopf wieder: „Die auf christlich-katholische Grundlage aufgebaute Zentrumspartei widersetze sich jeder Diktatur und erstrebe einzig und allein ein einiges Deutschland.“ Eine deutlichere Absage an den Nationalsozialismus konnte man von einer kleinen Provinzzeitung wie der Ahrweiler Zeitung kaum erwarten.

Die Sinziger Zeitung wird verboten

Ende Februar 1933 lief der Wahlkampf im gesamten Reich auf vollen Touren. Da brannte am 28. Februar der Reichstag in Berlin. Als Reaktion erließ die Regierung die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat, durch die wesentliche Menschen- und Bürgerrechte der Weimarer Verfassung praktisch aufgehoben wurden, insbesondere in Paragraph l die schon vorher eingeschränkte Pressefreiheit. In der Endphase des Wahlkampfs mehrten sich die Artikel in der Ahnreiler und Sinziger Zeitung über Wahlveranstaltungen der Zentrumspartei, und auch die katholische Kirche meldete sich in verschiedenen Beiträgen zum Zeilgeschehen zu Wort. Dabei trat die Sinziger Zeitung noch um eine Spur entschiedener als die Ahrweiler Zeitung für die Zentrumspartei ein.

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Anzeige aus dem Jahre 1934.

Am 2. März veröffentlichte das Blatt unter der harmlosen Überschrift „Die Zentrumsfrauen eröffnen den Wahlkampf“ eine schonungslose Abrechnung mit den nationalsozialistischen Versprechungen vor der Wahl. Eine weitere scharfe Auseinandersetzung der Sinziger Zeitung mit dem Nationalsozialismus schloß sich in der folgenden Ausgabe an. Unter dem nunmehr programmatischen Titel „Das Zentrum von Sinzig steht felsenfest“ bekräftigte die Zeitung die zuvor eingenommene Position und wies erneut auf die Verdienste des Zentrums in der Vergangenheit hin. Die Quittung für ihre Loyalität zur Zentrumspartei im Wahlkampf erhielt die Sinziger Zeitung bereits unmittelbar nach der Reichstagswahl am 5. März 1933. Sie wurde für den Zeitraum vom 6. bis 10. März 1933 verboten, als erstes Zentrumsorgan Deutschlands nach der Märzwahl.

Die Anzeige. Wirtschaftliche Grundlage und politisches Spiegelbild

Nach der ‚Machtergreifung‘ der Nationalsozialisten entstanden den Zeitungen Probleme auf dem für die Existenz der Zeitungen höchst wichtigen Anzeigensektor. Bereits im April 1933 begann der nationalsozialistische Staat damit, den Boykottjüdischer Geschäfte systematisch durchzusetzen. Indem die Kreiszeitungen nach wie vor in ihrem Anzeigenteil jüdischen Geschäfte eine Werbefläche boten, gerieten sie in Konflikt mit der nationalsozialistischen Weltanschauung. Die Zeitungen befanden sich jetzt in einem Zwiespalt: Einerseits wollten sie als ehemals gegnerische Zentrumsorgane den Nationalsozialisten nicht weitere Angriffsfläche bieten, auf der anderen Seite waren sie auf ihre jüdischen Anzeigenpartner angewiesen. Daß sich alle Kreiszeitungen für die weitere Veröffentlichung jüdischer Anzeigen entschieden, ist sicher nicht als Resistenz den Nationalsozialisten gegenüber zu verstehen, sondern die Entscheidung erwuchs aus einer ökonomischen Zwangslage.

Nach dem Boykott fanden sich nur noch selten Anzeigen der Häuser Cahn und Friesem im Inseratenteil, meist nur noch vor großen Festen (Weihnachten, Ostern) und zum Sommer- und Winterschlußverkauf. Das Kaufhaus Tietz jedoch gab weiterhin regelmäßig Inserate an die Kreiszeitungen. Doch bereits im Juli 1933 verkaufte die Leonard Tierz AG ihr Unternehmen an die neu geschaffene Westdeutsche Kaufhof AG. Doch obwohl dadurch ab Herbst 1933 nur noch äußerst selten Anzeigen jüdischer Geschäfte in den Zeitungen des Kreises erschienen, sorgten sie weiterhin für Spannungen. Noch im Mai 1935 prangerte Kreisleiter und Landrat Simmer in einem Tätigkeitsbericht an die ‚Gauleitung‘ in Koblenz die fortdauernde Veröffentlichung von Annoncen jüdischer Geschäfte in den Zeitungen seines Kreises an. Im Umfeld der „Nürnberger Gesetze“, (15. September 1935) wurde es jüdischen Firmen verboten, in Zeitungen zu inserieren.

Inhaltliche Veränderungen

Der Einfluß der örtlichen Nationalsozialisten auf den lokalen Teil der Kreiszeitungen blieb in den ersten drei Monaten der nationalsozialistischen Herrschaft auffallend gering. Erstmals in größerem Umfang über nationalsozialistische Aktivitäten berichtete die Ahru’eiler Zeitung in der zweiten Aprilhälfte 1933. Anläßlich des Geburtstages Adolf Hitlers veröffentlichten Kreisleitung und Ortsgruppe Ahr-weiler-Bad Neuenahr eine Grußadresse, die erste Anzeige der Nationalsozialisten in dem Ahrweiler Blatt. Doch obwohl den Nationalsozialisten nun mehr Raum in der Zeitung zugestanden wurde, erschienen in der Ahru’eiler Zeitung und der Sinziger Zeitung noch bis 1936 regelmäßig halbseitige Berichte über Veranstaltungen katholischer Vereine. Konzessionen an die Nationalsozialisten, wahrscheinlich unter Druck, waren jedoch unumgänglich. So erschien vom 27. Juli 1933 an in der Ahrweiler Zeitung die Rubrik „Aus der NSDAP“ mit einem Hakenkreuz als Blickfang für den Leser. Ab dem 19. Oktober 1933 konnte die „Reichspropagandastelle Koblenz-Trier-Birkenfeld“ unter einem eigenen Logo ihre „Amtlichen Anordnungen und Bekanntmachungen“ in der Ahrweiler und Sinziger Zeitung veröffentlichen.

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Eigenwerbung zum 70jährigen Bestehen der Ahrweiler Zeitung (Nr. 96 vom 12.8.1933).

Die amtlichen Bekanntmachungen

Anfang 1933 hatten alle Zeitungen des Kreises Ahrweiler amtlichen Charakter, jedoch durfte sich nur die Ahrweiler Zeitungals „Amtliches Kreisblatt“ bezeichnen, was ihr den Großteil der amtlichen Veröffentlichungen auf Kreisebene sicherte. Nach der ‚Machtergreifung‘ der Nationalsozialisten erhielt jede Gauzeitung den amtlichen Titel, sofern sie ihn nicht schon vorher für sich beanspruchen konnte. Auf das ehemalige amtliche Kreisblatt, die Ahrweiler Zeitung, schien der Entzug des offiziellen Titels, jedenfalls vom Umfang der amtlichen Anzeigen her, vorerst keine Wirkung zu haben, da ihre durchschnittliche tägliche Anzahl noch bis Mai 1934 in etwa gleichblieb. Im nationalsozialistischen Koblenzer Nationalblatt findet man für den selben Zeitraum nur wenige amtliche Bekanntmachungen aus dem Kreis Ahrweiler. Die Behörden des Kreises scheinen ihre Praxis bei der Vergabe der Anzeigen nicht geändert und weiterhin die bürgerlichen Blätter Adenauer, Ahrweiler und Sinziger Zeitungbevorzugt zu haben – trotz anderslautenden Anordnungen von Regierungsstellen. Eine Reihe von Beschwerden des Nationalblatts oder nationalsozialistischer Ortsgruppen in den folgenden Jahren verraten, daß verschiedene Behörden, insbesondere im Amtsbezirk Adenau, die Regierungsanweisungen ignorierten und weiterhin in den nichtnationalsozialistischen Kleinzeitungen des Kreises veröffentlichten.

Bezugszwang für Beamte

Nach der Machtübernahme begannen die Nationalsozialisten schon bald. massiv auf die öffentlichen Bediensteten einzuwirken, nur die Staatspresse zu lesen. Für die Kreiszeitungen – insbesondere für das ehemals amtliche Kreisblatt Ahrweiler Zeitung – bedeutete der unter Druck von Regierungs- und Parteistellen zustandekommende Wechsel vieler Beamter zur narionalsozialistischen Zeitung erhebliche wirtschaftliche Einbußen. nicht nur durch die sinkenden Abonnenteneinnahmen, sondern auch aufgrund der wachsenden Unattraktivität der Zeitungen für die Inserenten. Allerdings scheinen bis 1935 die häufigen Aufforderungen zum Bezug der Parteizeitungen unter der Beamtenschaft des K-reises Ahrweiler wenig Wirkung gezeigt zu haben, denn der Kreisleiter sah sich mehrmals gezwungen, in Rundschreiben die Behörden und Ämter anzumahnen, das Nationalblatt zu beziehen. Ähnlich wie im Fall der amtlichen Bekanntmachungen schienen sich also auch beim Bezug ihrer Zeitung ganze Behörden nicht an verbindliche Beschlüsse gehalten und trotz angedrohter Strafmaßnahmen weiterhin die gewohnten Blätter – in der Hauptsache wohl das ehemalige amtliche Kreisblatt Ahrweiler Zeitung – abonniert zu haben. In den Behörden des Kreises Ahrweiler wurde das Klima seit der Ernennung von Dr. Peter Simmer zum Landrat und Kreisleiter im Februar 1934 aber rauher.

Berufsverbot: Die Rhein-und Ahr-Zeitung soll lahmgelegt werden

Am 4. Oktober 1933 erließ Goebbels das Schriftleitergesetz. Der Beruf des Schriftleiters wurde zur „öffentlichen Aufgabe“ deklariert und die Zulassung zu diesem Beruf gesetzlich geregelt. Einem ehemaligen Redakteur einer Zentrumszeitung etwa, der sich weiterhin für katholische Belange einsetzte, konnte der Eintrag in die Berufsliste verweigert werden. Ein Blatt im Kreis geriet jetzt besonders ins Blickfeld: Die Rhein- und Ahr-Zeitung war vor 1933 die am stärksten vom politischen Katholizismus geprägte Zeitung der Ahrregion gewesen. Hatten bis dahin die Verbotsgründe nicht ausgereicht, so gab das Schriflleitergesetz vom 4. Oktober 1933 den Nationalsozialisten ein Instrument in die Hand. um die Rhein- und Ahr-Zeitungdauerhaft auszuschalten. Im Januar 1934 wurde der Antrag Kirfels und Dreesbachs auf Eintrag in die Berufsliste der Schriftleiter vom Landesver-band der deutschen Presse abgelehnt. Dies war ein schwerer Schlag für die Zeitung, da für die beiden Verleger eine Anstellung hauptberuflicher Redakteure als Ersatz aus finanziellen Gründen nicht möglich war. Doch die Zeitung reagierte schnell und flexibel: Sie tauschte die Hauptschriftleitung aus. ohne daß sich die Kompetenzen de facto veränderten.

Als neuer Hauptschriftleiter setzte der Verlag den bisherigen freien Mitarbeiter Karl Holtz ein. der alle Auflagen des Schriftleitergesetzes erfüllte. Die Redaktionsarbeit änderte sich durch den vordergründigen Austausch in der Hauptschriftleitung nur wenig, da Kirfel und Dreesbach, jetzt als freie Mitarbeiter. weiterhin ihre gewohnte redaktionelle Arbeit durchführten.

Betonung des heimatlichen Elements

Seit April 1933 fanden sich in den Kreiszeitungen vermehrt Eigenanzeigen. mit denen die Verlage für ihr publizistisches Produkt warben. Die am häufigsten verwendete Anzeige der Ahrweiler Zeitung lautete folgendermaßen: „Wer seine Heimat liebt, der liest auch sein Heimatblatt! die Ahrweiler Zeitung – Bad Neuenahrer Zeitung mit ihren Nebenausgaben“. Vorwiegend wurde wie hier die Treue des heimatverbundenen Menschens zu seinem ‚angestammten‘ Heimatblatt in den Anzeigen beschworen. Im ungleichen Wettbewerb mit den nationalsozialistischen Blättern mußten die Kreiszeitungen, um wirtschaftlich zu überleben. ihre Stärken ausspielen, die in der ausgeprägten Lokalberichterstattung und im engen Verhältnis zur Leserschaft und zu den Anzeigenkunden lagen. Insbesondere die Ahrweiler Zeitung setzte in hohem Maße auf die Identifizierung des Leserkreises mit ihrem gewohnten Heimatblatt. Ab Ende 1933 wuchs ihr Lokalteil deutlich.

„Ein neuer Abschnitt der Gaupresse“: Das Nationalblatt in Bad Neuenahr

„In stetem, zielbewußtem Kampfe eroberten wir einen Kreis nach dem ändern.“ So beschrieb der Verlagsleiter des Nationalblatts bei der Eröffnungsfeier der Bad Neuenahrer Geschäftsstelle am l. Mai 1934 die Expansion der nationalsozialistischen Zeitung, in deren Verlauf der Nationalverlag im rheinisch-pfälzischen Raum ein Netz von Nebenausgaben aufbaute. Mit dem neuen Kreisleiter und Landrat Dr. Simmer konnte der Nationalverlag auf einen Bundesgenossen im Kampf um den Leser im Kreis Ahr-weiler zählen, der mit allen Mitteln für die Verbreitung der Zeitung sorgen würde. Es ging nicht um fairen Konkurrenzkampf. in dem die Konkurrenzzeitungen möglichst zurückgedrängt werden sollten, sondern das Ziel der Nationalsozialisten war die völlige Vernichtung der katholischen Zeitungen im Kreis Ahrweiler.

Inhaltliche Unterschiede zum Nationalblatt

Was Layout, Aufbau und Umfang betraf, waren die Kreiszeitungen dem Nationalblatt klar unterlegen. Das Nationalblaupräsentierte sich in seiner Gestaltung als moderne Regionalzeitung mit fortschrittlichem Layout, umfangreichem Bildmaterial in jeder Ausgabe und seitenumfassenden Rubriken. In seiner klaren äußeren Gestaltung war das Nationalblatt nicht zu vergleichen mit den katholischen Zeitungen im Kreis Ahrweiler, denen immer ein wenig der Anschein des Provisorischen anhaftete. Inhaltlich waren die Unterschiede zwischen dem Nationalblatt und den katholischen Kreiszeitungen noch eklatanter. Erging sich das Nationalblatt in jeder Ausgabe in Lobeshymnen über die Arbeit der nationalsozialistischen Regierung und die Errungenschaften des ’neuen‘ Deutschland und heizte gegen Staatsfeinde und die europäischen Nachbarn, so erschienen vergleichbare Inhalte in den katholischen Zeitungen, die sichtlich um Objektivität bemüht waren, viel seltener. Nur zu besonderen Anlässen wurden lokalen Veranstaltungen der Nationalsozialisten größerer Raum zubemessen, etwa zum l. Mai oder zum Erntedankfest. Trotz der Überwachung durch die örtlichen Nationalsozialisten erschienen gelegentlich Artikel mit kritischem Unterton im lokalen Teil der Kreiszeitungen. Man darf aber nicht den Fehler begehen, die katholischen Zeitungen des Kreises deshalb zu Trägern des Widerstandes hochzustilisieren. Diese Resistenzformen erwuchsen im wesentlichen nicht aus einer bewußten aktiven Opposition, sondern aus einer Haltung, die man mit dem Begriff ‚Beharren auf dem traditionell Überlieferten‘ umschreiben könnte und die sowohl die Leser als auch die Zeitungsmacher im Kreis Ahrweiler prägte.

Nach den Amann-Anordnungen: Die Rhein- und Ahr-Zeitung reagiert

Am 24. April 1935 erließ der Präsident der Reichspressekammer. Max Amann, drei Anordnungen. Mit ihrer Hilfe konnte Amann fast jede ihm unliebsame Zeitung schließen. Sie richteten sich gegen die noch bestehende Presse, die nicht nationalsozialistisch war, vor allem die katholischer Prägung. Für jeden Verleger einer katholischen Zeitung gab es nur eine Konsequenz:

Er mußte religiöse, insbesondere religiös-politische Beiträge weitgehend aus dem Zeitungsinhalt herauslassen, wollte er die weitere Existenz seiner Zeitung sichern. Trotz der auch weiterhin fortgesetzten Bemühungen der Kreiszeitungen um die Bewahrung ihres katholischen Charakters mußten sie den Nationalsozialisten nach den Anordnungen eine Reihe von Zugeständnissen machen. Der letzte Abdruck eines Hirtenbriefes datiert auf den 26. Februar 1935, das letzte Hirtenwort der Fuldaer Bischofskonferenz erschien am 9. März 1935. Seit dem 27. Juli 1935. genau nach Ablauf der von Amann verfügten dreimontigen Übergangsfrist, fehlte in der Ahr-weiler-Bad Neuenahrer Zeitung (so hieß die Ahrweiler Zeitung seit März 1934) und der Sinziger Zeitung die Rubrik „Sonntagsgedanken“, die seit den zwanziger Jahren jeden Samstag Besinnliches oder Auslegungen von Bibelstellen präsentiert hatte. Der Handlungsspielraum für die Rhein- und Ahr-Zeitung wurde durch die neuen Bestimmungen immer enger. Als Verleger einer ehemals zentrumsnahen Zeitung und mit journalistischem Berufsverbot belegt, mußten Dreesbach und Kirfel jederzeit damit rechnen, bei geringfügigen Verstößen gegen die Anordnungen aus dem Reichsverband der Zeitungsverleger ausgeschlossen zu werden, was das Ende der Zeitung und die Existenzgefährdung aller Mitarbeiter bedeutet hätte. Die beiden Verleger vollzogen daher einen geschickten Schachzug: Sie verzichteten auf ihre Verlagsrechte zugunsten Dreesbachs 21jährigen Sohnes Karl, der politisch unbelastet war. Die Leitung von Verlag und Redaktion war durch die Personalmaßnahmen der Altverleger für die Nationalsozialisten unangreifbarer geworden.

1934-1936: Die Auseinandersetzung mit dem Nationalblatt auf ihrem Höhepunkt

„Die Alleinherrschaft unserer Presse im Kreise Ahrweiler“ war im Mai 1934 als Ziel von Landrat und Kreisleiter Dr. Simmer ausgegeben worden, und nach der Einrichtung der Lokalredaktion in Bad Neu-enahr machte sich das Nationalblatt daran, mittels aggressiver Werbung die ehemals zentrumsnahen Kreiszeitungen völlig zu verdrängen. Leser konkurrierender Zeitungen wurden von Werbern massiv unter Druck gesetzt. Im Jahre 1935 intensivierten Gau- und Kreisleitung ihre Werbung für das Nationalblatt. Kreisleiter Simmer regte immer wieder -auch nach nationalsozialistischem Recht – ungesetzliche Methoden an. Dazu gehörte das Mittel des Boykotts: Einen konkreten Fall schildert der Lagebericht Niederbreisig des Amtsbürgermeisters vom 27. Juni 1935: „Den Pg. und Mitgliedern der Gliederungen und betrauten Organisationen war vom 15.-19.6. das Betreten des Lokales ‚Zur alten Post‘ in Niederbreisig verboten, weil der Wirt es nicht für nötig hielt, eine nationalsozialistische Zeitung zu halten.“ In allen Bereichen des öffentlichen Lebens sollte also Druck ausgeübt werden, um die konkurrierenden Zeitungen endgültig vom Markt zu verdrängen. Doch trotz gelegentlicher Erfolge mußte Simmer in steigendem Maße Rückschläge an die Gauleitung melden. „Tief bedauerlich“ sei es, „daß 90 % der [nationalsozialistischen] Gliederungen noch nicht Bezieher unserer Gaupresse sind“, schrieb er im November 1935. Trotz der intensiven Werbebemühungen Simmers und des Nationalverlags bezogen zum 20. September 1935 nur 19,5 °/o der Haushalte (2.656 Vollbezieher, 369 Wochenendbezieher) im Kreis Ahrweiler das Nationalblatt.

1935: Die Ahrweiler-Bad Neuenahrer Zeitung kämpft ums Überleben

Im Jahre 1934 mehrten sich die Zeichen, daß die Ahru’ei-ler-Bad Neuenahrer Zeitung am finanziellen Limit agierte. Eigenwerbung. die Vokabeln wie ‚Treue‘ und ‚Arbeitslosigkeit‘ enthielt, wurde insbesondere nach Einrichtung der Lokalausgabe des Nationalblattes immer häufiger in dem Ahrweiler Blatt. Gewinne waren, wie der Plachner- Verlag selber bekundete, mit der Zeitung nicht mehr möglich, sein vorrangiges Ziel für die Zukunft war der Erhalt seiner Arbeitsplätze. Nicht nur in Eigenanzeigen kündigte der Verlag daher an. weiter für den Erhalt der Ahrweiler-Bad Neuenahrer Zeitung zu kämpfen. Hauptschriftführer Alfred Plachner stellte in einem Schreiben an den (nationalsozialistischen) Brohler Bürgermeister Felinger klar: „Sie werden verstehen können, daß wir um die Erhaltung unserer stark gefährdeten Existenz alle uns zu Gebote stehenden Mittel ergreifen.“ Das Krisenjahr des Plachner-Ver-lages sollte jedoch erst noch kommen. Hatten die Anzeigen 1933 noch 2 bis 2 1/2 Seiten samstags und eine halbe bis eine Seite werktags umfaßt. gingen Anfang 1935 die Anzeigenerlöse noch weiter zurück. Samstags druckte die Zeitung nur noch selten l 1/2 Seilen Anzeigen, an Werktagen gar nur noch 1/4 Seite. Am 7. Januar 1935 unterrichtete der Gauamtsleiter Landrat Simmer in einem Schreiben mit dem Vermerk „vertraulich“ über das finanzielle Dilemma des Plachner-Verlages:

„Wie mir aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird. tragen seit Wochen die Rechnungen der Firma Plachner, Ahrweiler, den Stempelvermerk: Alle Zahlungen bitten wir nur auf unser Postscheckkonto und nicht auf unser Konto bei der Kreissparkasse einzuzahlen.‘ Die Firma Plachner. die bei der dortigen Kreissparkasse sicherlich hohe Schulden hat. wird auf diese Weise wohl einem Zugriff zu entgehen versuchen.“ Alfred Plachner hatte seine Ankündigung aus seinem Schreiben an Felinger also wahrgemacht, mit allen ‚zu Gebote stehenden Mittel‘ gegen den drohenden Konkurs des Verlages anzukämpfen.

Trotz seiner Finanziellen Probleme ging der Verlag jetzt in die Offensive. Er erhöhte die Attraktivität der Ahrweiler-Bad Neuenahrer Zeitung durch die Intensivierung der Lokalberichterstattung und erweiterte, trotz der damit verbundenen Steigerung der Papierkosten, den Umfang der Samstagsausgabe von 12 auf  14 Seiten. Aber erst Anfang 1936 konnte die finanzielle Abwärtsbewegung aufgehalten werden. Erstes Anzeichen dafür war die weitere Umfangssteigerung der Samstagsausgabe auf 16 Seiten. Im Verlaufe des Jahres konsolidierten sich dann die Anzeigenerlöse. Die bis dahin schwerwiegendste Krise der Verlagsgeschichte war überwunden.

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Anzeigentext vom Sept. 1993.

Zuversicht strahlte daher die 36seitige „Fest-Ausgabe der Ahrweiler-Bad Neuenahrer Zeitung anläßlich ihres 75jährigen Bestehens“ aus, in der auf über 20 Seiten praktisch die gesamte Geschäftswelt der näheren Region inserierte.

Die Kriegszeit 1939-1945

Der Kriegsbeginn 1939 hinterließ auch bei den drei verbliebenen Kriegszeitungen – die Adenauer Zeitung hatte zum l. Februar 1938 ihr Erscheinen aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt – seine Spuren. Das Aussehen der Zeitungen wandelte sich. Papierkontingentierung und dünne Mitarbeiterdecke bewirken. daß der Umfang der Zeitungen deutlich sank. 1940 druckte die Ahrweiler-Bad Neuenahrer Zeitung nur noch 8 Seiten, sowohl samstags als auch an Werktagen. Vier Jahre später bildeten nur noch 4 Seiten eine werktägliche Ausgabe, samstags hatte die Redaktion 8 Seiten zur Verfügunginhaltlich boten die Kreiszeitungen über die nächsten Jahre ein Spiegelbild der Kriegslage. Bestimmten 1939 bis 1942 Jubelberichte über deutsche Siege den Zeitungsinhalt, so machten sie nach der Niederlage von Stalingrad im Januar 1943 mehr und mehr Durchhalteparolen Platz. Zu den bisher beschriebenen Lenkungsmechanismen kam ab dem 26. August 1939 die Militärzensur und ab September 1939 die Überwachung durch die Gestapo hinzu. Viel Freiraum blieb den Redakteuren zwischen Militärzensur und Gestapoüberwachung also nicht. Dennoch versuchten die Kreiszeitungen, ihren treuen Lesern ein wenig von ihrem alten Erscheinungsbild zu bewahren. Die Lokalberichterstattung füllte bei allen überlebenden Zeitungen noch bis zum Kriegsende mindestens eine Seite. Ahrweiler-Bad Neuenahrer Zeitung wie auch Sinziger Zeitung erschienen noch bis zum Einrücken der Amerikaner im März 1945, die Einstellung erfolgte auf deren Befehl.

Das Ende der Rhein- und Ahr-Zeitung

1939 wechselte die Hauptschriftleitung der Rhein- und Ahr-Zeitung. Alfons Witsch übernahm deren Leitung. Witsch war zuvor beim Westdeutschen Beobachter und beim Nationalblatt tätig gewesen. wurde jedoch im März 1937 von der Bad Neuenahrer Schriftleitung der Gauzeitung entlassen, da es anscheinend zu Differenzen zwischen ihm und der Kreisleitung gekommen war. Der seit 1933 schwelende Konflikt zwischen der Kreisleitung und der Rhein-und Ahr-Zeitung mußte durch die Einstellung Witschs als Hauptschriftleiter der Zeitung neue Nahrung bekommen. Und tatsächlich betrieb die Kreisleitung während des Krieges zusammen mit dem Nationalverlag intensiv die Übernahme der Zeitung. Im Mai 1942 war es soweit: Karl Dreesbach wurde davon unterrichtet. daß er seine Zeitung an den Nationalverlag zu verkaufen habe. Alternativen gab es nicht, der Übernahmevertrag war bereits fertig aufgesetzt. So blieb ihm nichts anderes übrig, als mit seiner Unterschrift am 28. Mai 1942 das Ende der Rhein- und Ahr-Zeitung zu besiegeln. Wie wichtig dem Nationalverlag die Übernahme der Rhein- und Ahr-Zeitung war, beweist der Kaufpreis. Dreesbach erhielt 10 Reichsmark pro Abonnement. insgesamt 20.000 Reichsmark, üblich waren normalerweise 3 Reichsmark pro Bezieher. Laut Kaufvertrag mußte am 30. Juni 1942 in der Rhein- und Ahr-Zeitung ein Aufruf erscheinen, in dem der Verlag seine Leser aufforderte, geschlossen zum Nationalblattüberzugehen. Doch gerade das tat ein erheblicher Teil der Leser nicht. Dies geht aus der Tatsache hervor, daß die Auflage der Ahrweiler-Bad Neuenahrer Zeitung im Krieg sprunghaft nach oben schnellte, was nicht alleine aus einem erhöhten Informationsbedürfnis zur Kriegslage zu erklären ist. Im Oktober 1944 betrug die Auflage der Zeitung 3.549 Exemplare und hatte damit den absoluten Höchststand der gesamten Verlagsgeschichte erreicht.

Literatur:

  • Bünnagel, Claus, Provinzpresse im Nationalsozialismus. Tageszeitungen und ihre Berichterstattung im Kreis Ahrweiler, Staatsexamensarbeit 1997 (Exemplar im kreisarchiv).
  • Janta, Leonhard: Kreis Ahrweiler unter dem Hakenkreuz, Bad Neuenahr-Ahrweiler 1989.
  • Pieroth, Stefan: Parteien und Presse in Rheinland-Pfalz 1945-1971. Ein eitrag zur mediengeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Mainzer SPD-Zeitung „Die Freiheit“, Mainz 1994.

—————————–7d079137a0268 Content-Disposition: form-data; name=“hjb1999.27.htm“; filename=“C:\gabriele\Heimatjahrbücher\Heimatjahrbuch1999\hjb1999.27.htm“ Content-Type: text/html

Als der Krieg im September 1939 ausbrach …

Zur Situation, Lage und Stimmung im Kreis Ahrweiler

Leonhard Janta

„Hitler bedeutet Krieg, wurde bereits vor 1933 von Gegnern des Nationalsozialismus vielfach geäußert. Nach der ‚Machtübernahme‘ bewahrheitete sich diese Befürchtung, denn vom NS-Regime wurde nunmehr systematisch auf einen Krieg hingearbeitet. Gleichzeitig wurde die Propaganda nicht müde, die Friedensabsichten des Regimes zu bekunden. Lokale Quellen und Zeitzeugen bestätigen, daß die drohende Kriegsgefahr ab 1936 von der Bevölkerung mit großer Sorge wahrgenommen wurde.

Kriegsangst

Die meisten hatten Angst vor einem neuen Krieg, denn zu tief saßen noch die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges (1914-1918) im Bewußtsein der älteren Generation. Diese Bedenken konnte die Propaganda trotz aller Anstrengungen nicht zerstreuen.

So wird in einem Lagebericht des Amtes Niederbreisig im Zusammenhang mit der sogenannten ..Sudetenkrise des Jahres 1938″ über die Stimmung in der Bevölkerung vom Amtsbürgermeisrer folgendes berichtet: „Wie bei der übrigen Bevölkerung, so bedrückt auch unier der Bauernschaft die drohende Kriegsgefahr sehr die Stimmung. Man ist der Ansicht, daß ein Krieg unbedingt vermieden werden müsse. Dies war besonders in den Familien feszustellen, in denen ein Angehöriger in den letzten Tagen einen Gestellungsbefehl erhielt.“ (Lagebericht vom 28. Sept. 1938) Im Oktober 1938 wird dann noch ergänzend vermerkt: „Die Stimmung in der Bevölkerung war z. Zt. der drohenden Kriegsgefahr sehr gedrückt. Von dem Hurra-Patriotismus – wie er in den Zeitungen geschildert wurde, war hier nichts zu merken.“ (Lagebericht vom 27. Okt. 1938)

Aus Waldorf wird in diesem Zusammenhang sogar eine oppositionelle Äußerung zur Anzeige gebracht. Dort hatte ein Bürger gesagt: „Wenn die Mobilmachung käme. solle man denjenigen, die für die Bewegung ständen, zuerst den Hals abschneiden.“

Diensteifrig ergänzte der Amtsbürgermeister den Stimmungsbericht noch handschriftlich, wobei er anmerkte:

„Ich muß berichten, daß nach genauer Kenntnis der Stimmung und der mangelnden Bereitschaft, im Kriegsfalle Gut und Blut zu opfern, in den ersten Tagen eines Krieges bei den nicht politisch ausgerichteten Volksgenossen abschreckende Exempel hätten statuiert werden müssen, um zwangsweise den Zustand zu erreichen, der für die Kriegsführung notwendig ist.“ (Lagebericht vom 27. Okt. 1938)

Berichterstattung zum l. September 1939

Exempel mußten ein Jahr später im September 1939 zwar nicht statuien werden, jedoch war von Kriegsbegeisterung auch dann nichts spürbar.

Als der Krieg am l. September 1939 ausbrach, verstand es die nationalsozialistische Propaganda im Rundfunk und in den Zeitungen äußerst geschickt. Polen als Kriegstreiber hinzustellen. Bis zum Schluß hatte sich das Deutsche Reich angeblich um den Frieden bemüht. So konnte Hitler am l. September 1939 vor dem Reichstag verkünden. daß ab jetzt „zurückgeschossen“ werde.

Unter der Schlagzeile „Wir treten an!“ wurde die Rede Hitlers in der Ahrweiler Zeitung u. a. folgendermaßen kommentiert:
„Der Führer hat lange genug langmütig gewartet. Nun hat er zugepackt. Unsere herrliche Wehrmacht wird sich ihrer ruhmreichen Geschichte und ihrer Verpflichtung gegenüber Volk und Staat mit siegreichem Elan würdig erweisen.“ (Ahrweiler Zeitung vom 2. Sept. 1939)

Die Berichterstattung in den Zeitungen. Kommentare und Aufrufe schworen die Bevölkerung auf den Kriegseinsatz, auf Opfer, Einigkeit. Solidarität. Sparen und Verzicht ein. Der Krieg gegen Polen wurde verlogen als „Kampf um die Freiheit“ bezeichnet.

Die Niederlage des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918 wird wiederholt als abschreckendes Beispie] angeführt und nach wie vor auf die angebliche innere Uneinigkeit des Volkes zurückgeführt, also als „Dolchstoß“ der „Heimatfront“ interpretiert. Darum ergehen 1939 auch immer wieder Mahnungen und Drohungen: „Wer sich daher jetzt an dieser Einigkeit und Einheit versündigt, hat nichts zu erwarten. als daß er als Feind der Nation vernichtet wird.“ (Ahrweiler Zeitung vom 5. Sept. 1939)

Gefordert wurde der restlose Einsatz jedes Mitglieds der „Volksgemeinschaft“. Die Schuld am Krieg schob man offiziell England zu. das als „Brandstifter“ angeprangen wurde.

Daß diese Propaganda griff. zeigen Eintragungen in den Schulchroniken, in denen diese Erklärung vielfach übernommen wurde. Es fällt auf, daß die Berichterstattung von den Kriegsschauplätzen zu Kriegsbeginn eine völlig untergeordnete Rolle in den Zeitungen spielte. Breiten Raum nehmen dagegen die Erklärung des Krieges aus nationalsozialistischer Sicht und die Aufrüstung der Kampfmoral an der „Heimatfront“ ein. Auf lokaler Ebene sind es vor allem Informationen über die anstehenden Maßnahmen. Aulklärung der Bevölkerung über das Verhalten im Krieg, die uns die Fülle der Veränderungen im Kriegsalltag vor Augen führen und uns ein anschauliches Bild dieser Zeit liefern.

Alltag im „Windschatten“ des Krieges

Im Zuge der Mobilmachung wurden Ende August Weltkriegsteilnehmer von 1914-1918 eingezogen. In Ahrweiler und Adenau mußten sich die Jahrgänge 1894-1897 zu Sicherungsmaßnahmen, Bewachung von Brücken und Straßen melden. Zusätzlich lief die Musterung jüngerer Jahrgänge an.

Die Einberufenen aus den Rheinonen wurden nach Sin-zig kommandien und von don am 30. August 1939 in Richtung Koblenz weitergeleitet. Hierzu vermerkt der Lagebericht aus Niederbreisig: „Bei der Durchfahn durch Niederbreisig haben einige Frauen durch hysterisches Schreien und Heulen sich unwürdig benommen.“

In der Erinnerung von Zeitzeugen ist der Kriegsbeginn vor allem als eine Zeit des Abschieds von Familienangehörigen, Freunden und Nachbarn im Gedächtnis geblieben.

Nach der Kriegserklärung Frankreichs und Englands am 3. September 1939 rechnete man vor allem im Westen mit einem möglichen Luftkrieg. Hierauf war die Zivilbevölkerung durch Übungen und die ständige Wiederholung von Verhaltensmaßregeln bei Fliegeralarm vorbereitet worden. Aus den Verdunkelungsübungen der zurückliegenden Jahre wurde ab 2. September 1939 die Pflicht zum Verdunkeln. Alle Fenster mußten mit dunklem Papier beklebt oder mit einer speziellen Verdunkelungsblende abgedichtet werden, so daß von draußen kein Licht sichtbar war. Die Straßenbeleuchtung ging aus. Vorerst heulten die Sirenen noch zu Übungszwecken, es kam aber auch schon zu ersten Überflügen von Bombern. Diese Flugzeuge warfen allerdings vorerst lediglich Flugblätter ab. Angeblich zeigten diese Flugblätter, die abgeliefert werden mußten, keinerlei Wirkung.

Luftschutzmaßnahmen hatten auch im Viehstall zu erfolgen. Bei der Emrümpelung von Dachböden half die Hitlerjugend. Die allabendliche Verdunkelung wurde vom örtlichen Sicherheitsdienst kontrolliert. Im Schütze der Dunkelheit veranstalteten Jugendliche vielerorts Fahrradrennen und nutzten die Situation zu allerlei Unfug. Deshalb wurden alle Kinder und Jugendliche angewiesen, bei Einbruch der Dunkelheit nicht mehr das Haus zu verlassen. Verstöße gegen die Verdunkelungsvorschriften kamen in großer Zahl vor und rührten zu Mahnungen und bisweilen auch kleinen Geldstrafen.

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Aus der Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz (RGBL 1939. S. 15701.

Der Krieg zog die Zwangsbewirtschaftung der Lebensmittel, zahlreicher Gebrauchsgüter und Kleider nach sich. Die Ausgabe der Lebensmittelkarten organisierte das Anfang September 1939 bei der Kreisverwaltung Ahrweiler gebildete Kreisernährungsamt. Auch im ländlichen Raum hatten Hamsterkäufe von Lebensmitteln und Kleidern sowie Schuhe kurz vor Einführung der Zwangsbewirtschaftung begonnen. Obwohl es bei der Versorgung noch keine Engpässe gab, wurden erste Unmutsäußerungen registriert. Aus den Heilbädern Bad Neuenahr und Nieder-breisig reisten bei Kriegsbeginn zahlreiche Kurgäste panikartig ab. Der zivile Kurbetrieb wurde stark eingeschränkt. Kurhaus und Säle vorübergehend geschlossen. Die Wehrmacht beschlagnahmte am l. September das Maria-Hilf-Krankenhaus als Kriegslazarett. Die Patienten mußten das Haus verlassen und wurden zur weiteren Pflege in andere Krankenhäuser gebracht.

Auf die Pflege von Soldaten stellten sich auch die Krankenhäuser in Remagen und Adenau ein. Hotels in Remagen und Niederbreisig wurden ebenfalls zu Lazaretten umfunktioniert. Truppentransporte hatten auf der Bahn mit Kriegsbeginn Vorrang vor zivilem Verkehr. So folgten umfangreiche Fahrplaneinschränkungen. Tagelang beherrschten Ende August und im September Soldaten das Bild auf Bahn und Straßen.

Aufgrund der Kriegssituation verlängerten die Schulen die Ferien bis Mitte September, denn viele Schulräume waren mit Soldaten belegt.

Zur Finanzierung des Krieges wurde ab Einkommen von 2.500 Reichsmark pro Jahr ein Zuschlag von 50°/o auf die Einkommens- und Lohnsteuer erhoben. Auf Tabak, Zigarren, Zigaretten, Branntwein und Bier wurde ein Kriegszuschlag von 20 °/o berechnet. Lakonisch hieß es dazu in der Ahrweiler Zeitung vom 16. September 1939: „Wer von diesen entbehrlichen Gütern weniger verbraucht, nützt ohnehin seiner Gesundheit.“

Kram- und Viehmärkte durften vorerst u. a. in Adenau, Ahrweiler, Niederzissen und Niederbreisig nicht stattfinden. Alle „Tanzlustbarkeiten“ wurden verboten. Mehrere Winzerfeste an der Ahr fielen 1939 aus.

Sparen hieß fortan die Devise. So wurde beispielsweise auch zum sparsamen Umgang mit Seife aufgefordert.

In der Zeitung hieß es zum Sparen: „Wir werden freudig manchen Verzicht leisten, wenn wir dabei gewiß sind. daß Deutschlands innere Kraft unerschütterlich die Front an seinen Grenzen unterstützt.“ (Ahrweiler Zeitung vom 9. September 1939) Eheschließungen für Einberufene wurden erleichtert.

Schweigen propagierte das NS-Regime als wichtige Waffe im Krieg, um Parolen und Gerüchten vorzubeugen.

Den 50. Geburtstag von Heinrich Lersch (1889-1936), der am 18. Juni 1936 in Remagen gestorben war. würdigten die Ahrweiler und Sinziger Zeitung am 12. September 1939. Sie zitierten das Gedicht des Arbeiterdichters, mit dem dieser 1914 berühmt geworden war: ..Deutschland muß leben. und wenn wir sterben müssen.“

Von der NSDAP und ihren Gliederungen wurde zur Stärkung der „Heimatfront“ im September/Oktober 1939 im Kreisgebiet eine Versammlungswelle unter dem Motto „Der Sieg ist uns gewiß – Das Opfer der Gemeinschaft führt uns zum Erfolg“ durchgeführt. Zu Geldspenden forderte das erste Kriegs-Winterhilfswerk auf. Der „Kampf dem Verderb“, die Verwertung alle Lebensrnittel und Ausschöpfung aller Ressourcen, galt besonders während des Krieges. Jedes Stück Land sollte beackert oder in Gartenland umgewandelt werden. „In der heutigen Zeit ist es unverantwortlich, guten Ackerboden ungenutzt liegenzulassen, da auch das kleinste Stück zum Anbau von Feldfrüchten dienen soll und muß, um die Ernährung unseres Volkes sicherzustellen. Eine tiefe Wahrheit liegt in dem Won des Reichswirtschaftsministers: Auf unseren Äckern wird der Krieg gewonnen‘. Darum nutzt jedes Stück Land aus.“ So hieß es von der Grafschart in der Ahrweiler Zeitung vom 19. September 1939.

Mit Kriegsbeginn kamen Evakuierte aus dem Bereich des Westwalls auch in den Kreis Ahrweiler, weil wegen möglicher Kampfhandlungen dieses Gebiet fast vollständig geräumt wurde.

Die Abtei Maria Laach brachte ihr Klosterarchiv über den Rhein im Schloß Arenfels bei Hönningen in Sicherheit.

Einquartierungen

Da bei der Mobilmachung die Kasernen zur Unterbringung der Soldaten nicht ausreichten, wurden Wehrmachtsein-heiten auch im gesamten Kreisgebiet einquartiert. Sie waren in Orten am Rhein ebenso anzutreffen wie auf der Grafschaft im Bromtal und in der Eifel. Säle, Hotels, Schulen und Privatquartiere dienten der Unterbringung. In Niederbreisig war eine Sanitätskompanie, schwere Artillerie bei Sinzig, auf der Grafschaft und in Adenau. Die Schwestern des Adenauer Krankenhauses hielten in ihrer Chronik dazu fest: „Vor dem Marienhaus liegt bis in den Wald hinein schwere Artillerie unter deren Schutz wir uns sicher fühlen.“ Noch galt für den gesamten Kreis, was die Waldbreitbacher Schwestern in der Chronik der Adenauer Niederlassung vermerkten: „Von den Schrecken des Krieges merkt man kaum etwas im stillen Eifeltal.“ Vorboten des Luftkrieges waren aber die Flakstellungen in Sinzig, an der Ahrbrücke, an der Remagener Brücke, auf den Höhen von Ahrweiler und im Bereich Hohe Acht.

Zu den einquartierten Soldaten entwickelte sich vielfach ein freundschaftliches Verhältnis. Das Militär bot Abwechslung für jung und alt. Soldaten halfen bei der Arbeit, gaben von ihrer Verpflegung ab und nahmen am Familienleben teil. Nach der Truppenverlegung wurden vielfach Briefe gewechselt, ja, die ein oder andere Ehe bahnte sich an.

Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit begann mit Kriegsanfang auch in unserer Region das letzte Kapitel der kleinen jüdischen Gemeinden. Sie hatten unter immer größeren Einschränkungen zu leiden, wurden schließlich in sogenannten ..Judenhäusern“ zusammengefaßt und schließlich im Jahre 1942 deportiert.

Lagebericht aus Niederbreisig

Für die Geheime Staatspolizei in Koblenz mußten von den Ämtern im Kreis mit Kriegsbeginn Lage- und Stimmungsberichte angefertigt werden. Leider sind diese Berichte nur aus dem Amt Niederbreisig erhalten. Nachfolgend wird der Bericht über den September 1939 auszugweise wiedergegeben.

„1. Allgemeine Stimmung in der Bevölkerung: Zufriedenstellend, zuversichtlich.
Ende August, als die politische Spannung auf dem Höhepunkt war, war in der gesamten Bevölkerung eine starke Nervosität festzustellen. (…) Der besonnene und staatspolitisch wertvolle Bevölkerungsteil hat vom ersten Augenblick an blind auf den Führer und unser gutes Recht vertraut. Die zum Heer einberufenen älteren Jahrgänge sind mit ruhigem Ernst eingerückt, ein kleiner Teil nur hat so etwas wie Angst gezeigt. Teilweise waren die Einberufenen zuerst nach Sinzig kommandiert und wurden am 30.8. spät abends in Richtung Koblenz weitergeleitet. Bei der Durchfahrt durch Niederbreisig haben einige Frauen durch hysterisches Schreien und Heulen sich unwürdig benommen. (…)

Die ultimative Forderung Englands an Deutschland vom 3.9. und die Erklärung des Kriegszustandes wurde durchweg empört aufgenommen. Durch die am nächsten Tage erfolgte Kriegserklärung Frankreichs ist stimmungsmäßig eine neue Situation eingetreten: Alles reißt sich zusammen, nachdem jetzt Klarheit besteht u’as uns erwartete, die Haltunq ist ernst. bestimmt und zuversichtlich. Das Vertrauen auf unsere Wehrmacht ist so groß. die Versicherung, daß wir wirtschaftlich durchholten, so überzeugend, daß allgemein die Absicht zu Tage tritt, sich einzuordnen. Erörtert wird, was in dieser Gegend vom Krieg unmittelbar zu spüren sein wird. Außer von Fliegern befürchtet man nicht allzuviel. der Westwall ist eine große Beruhigung. Von der Übererregung zur Sorglosigkeit war es nur ein Schritt: Die in den ersten Tagen ausgezeichnete Verdunkelung wurde bald schon lässiger durchgeführt, so daß mit Polizeistrafen vorgegangen werden mußte (die leider meist unter die Amnestie fielen).Die in Nachbarorten durchgeführten Fliegeralarme haben einesteils der Bevölkerung den Ernst der Lage vor Augen gefuhrt. andererseits zu oft fantastischen Erzählungen Anlaß gegeben. Unnötige Alarme stumpfen die Bevölkerung ah. deshalb sollten nur bei wirklicher Flieqergefahr die Sirenen in Tätigkeit treten.Der schnelle Siegeszug durch Polen ist eigentlich nicht mit der Bewunderung verfolgt worden, dessen er würdig gewesen wäre. Das mag zum Teil daran liegen, daß die Heeresberichte nicht immer den Stand der Operationen genau erkennen ließen und eingehende Schilderungen der Kampfhandlungen kaum zu lesen waren. (…)

Die zur Ausbildung als Ersatzfeuerwehr einberufenen Frauen sind mit Eifer bei der Sache. Die Stimmung unter den am 24. in Sinzig Gemusterten der Jahrgänge 1919/20 war sehr gut. (…) Etwa Mitte September kann man mit der Stimmung zufrieden sein. Begeisterung ist zwar nicht da, dafür ist der letzte Krieg noch zu sehr in Erinnerung. In den Rheinorten ist die Stimmung besser als im Hinterland. In Niederbreisig ist sie wohl am besten, da dort etwa 250 Mann Soldaten liegen, zu denen die Einwohner ein gutes Einvernehmen haben. Die Offiziere erklären, daß ihre Truppen hier ausgezeichnet aufgenommen und untergebracht seien. Die Anwesenheit von Militär hebt die Stimmung an sich schon.In der Nacht vom 24. zum 25.9. sind auch im hiesigen Amtsbezirk Flugzettel abgeworfen worden. Der Inhalt war so lächerlich, daß die Zettel das Gegenteil von dem erreichten, was beabsichtigt war. Auf diese Art von Propaganda fällt keiner herein, dazu ist keiner dumm genug. -Mittlerweile weiß jeder, daß England der Erzfeind Deutschlands ist und verhältnismäßig oft hört man, daß die Auseinandersetzung mit England kommen muß. Es sei schon besser, jetzt die Entscheidung zu bringen, damit wir Ruhe hätten. Sonst müßten wir in einigen Jahren doch wieder antreten und unter welchen Umständen, sei ungewiß.

Schwere Artillerie bei Sinzig im September 1939

2. Besondere Vorkommnisse (…)

Von der Gestapo wurden festgenommen: (nachfolgend werden sechs Personen genannt) 3 Verfahren wurden anhängig gemacht wegen staatsfeindlicher oder zersetzender Äußerungen.

3. Aufnahme der grundsätzlichen Maßnahmen der Reichsregierung durch die Bevölkerung:

Die Bevölkerung hat die Einsicht, daß die Maßnahmen notwendig sind und fügt sich. Wo die Einsicht fehlt, wagt trotzdem keiner zu kritisieren.

4. Besondere Feststellungen anläßlich der Durchführung der Räumungsaktion (…)

Hier wurden die sich bereits niedergelassenen Flüchtlinge in die Durchgangslager verwiesen. Es ist aber nicht in allen Fällen möglich, sie zwangsweise zu entfernen, da sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und teilweise ärztliche Atteste beibrinqen, daß sie krank sind und hier küren wollen. Vielfach hört man auch sagen, daß in den zu räumenden Dörfern oder andere nur wenig weitere Leute sich ungehindert auflialten, also viel näher der Grenze als hier.

5. Wie ist die Einrührung der Bezugsscheine aufgenommen worden? Welche negativen Feststellungen wurden dabei getroffen?

In erster Linie trachtet hier die weibliche Bevölkerung in den Besitz der verschiedenen Bezugscheine zu kommen, um sich mit Gegenständen, vor allem Kleidung, für den Winter zu versorgen. Die Leute empfinden die durch die Einführung der Lebensmittelkarten und Bezugscheine geschaffene besondere Lage als einengend. insbesondere weil sie noch im Besitze von kleineren Vorräten von einzelnen Nahrungsmitteln und anderen Bedarfsgegenständen des täglichen Lebens sind. Fette, Seife und Waschmittel werden als nicht genügend bezeichnet.

Bei Kleidung, Wäsche und Schuhen fällt die große Kaufwut auf. Obschon unbedenklich die Bedürfniserklärung abgegeben wird, steht doch fest. daß mehr vorhanden ist als versichert wird. Die bessergestellten Kreise geben dabei ein schlechtes Beispiel. Von der Landbevölkerung kann man annehmen, daß sie nicht mehr kauft, als sie nötig hat.

6. Wie wurde das Verbot des Abhörens ausländischer Sender aufgenommen?

Wird gutgeheißen, weil bekannt ist. daß die ausländischen Sender nur gegen Deutschland hetzen und durch ihre in den Dienst der feindlichen Propaganda gestellte Tätigkeit den Widerstandswillen brechen wollen. Trotz des strengen Verbots wird es aber noch Leute geben, die ausländische Sender unbemerkt hören.“ (Lagebericht vom September 1939).

Zeitzeugen

Befragt man heute Zeitzeugen. die die Ereignisse im September 1939 bewußt erlebt haben, so erinnern sich die meisten an viele Details, denn der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bedeutete ein Zäsur in ihrem Leben. Vielen ist der Ort und die Situation, in der sie vom Kriegsausbruch erfuhren, noch genau erinnerlich. Es war für sie eine Zeit großer Aufregungen, bangen Wartens auf Post von Angehörigen und vieler tränenreicher Abschiedszenen.

Vor allem damalige Kinder erzählen von der schulfreien Zeit wegen Einquartierungen und weil Lehrer eingezogen wurden.

Für viele bedeutete der Krieg das Ende ihrer Kindheit, weil sie nunmehr verstärkt Arbeiten von Erwachsenen übernehmen mußten. Auch die Dienste in der Hitlerjugend nahmen jelzt zu.

Übereinstimmend stellen Zeitzeugen fest. daß es anfangs keinerlei Kriegsbegeisterung gab. Erst mit den Erfolgsmeldungen und dem Sieg in Polen nahm die Begeisterung zu.

Kriegsverluste

Am ersten Tag des Krieges fiel beim Einsatz in Polen bereits ein Soldat aus Sinzig. Er wurde in seine Heimatstadt überführt und dort unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, der Partei und der Verbände bestattet.

Die Nachrichten über Gefallene. die nach der damaligen Sprachregelung auf dem Feld der Ehre für Führer. Volk und Vaterland ihr Leben geopfert hatten, sollten nicht mehr abreißen. Von 1939 bis 1945 waren aus dem Kreis Ahrweiler, der damals rund 67 000 Einwohner zählte, rund 3 500 Tote zu beklagen.

Quellen und Literatur:

  • Die Ausführungen besaieren in der Hauptsache auf der Auswertung der Ahrwiler Zeitung Jahrgang 1939 (Mikrofilm im Krreisarchiv); Lagebericht des Amtes Niederbreisig (Kreisarchiv); Kopien von verschiedenen Schulchroniken; Unterlagen des Klosterarchivs Waldbreitbach 8Sammlung im Kreisarchiv) und Zeitzeugenaussagen (Aufzeichnungen im Kreisarchiv).
  • Janta, Leonhard: Kreis Ahrweiler unter dem Hakenkreuz. Bad Neuenahr-Ahrweiler 19888. Studien zu Vergangenheit und Gegenwart. Band 2, siehe besonders S. 273 ff.
  • Kleinpass, Hans: Sinzig von 1815 bis zur Gebietsreform 1969: In: Sinzig und seine Stadtteile gestern und heute, Sinzig 1983. S. 156-329.
  • Prothmann, Ottmar (Bearb.): Chronik der Bürgermeisterei Gelsdorf 1858-1940.
  • Meinerzhagen 19888. (Band 2 der Veröffentlichungen zur Geschichte der Grafschaft)
  • Prothmann, Ottmar (Bearb.): Chronik von Nierendorf 1876-1975. Nierendorf 1998.
  • Schmalz, Heinz: Es begann vor 50 Jahren. Sinziger Kriegsdaten 1939-1945. Sinzig 1985 (Kopie im Kreisarchiv)