Der Johanniter- und Malteserorden in Adenau

Eines der Wahrzeichen von Adenau ist bis heute die nahe gelegene Nürburg, eine Burg der Grafen von Are, mit denen die Geschichte des „Ritterlichen Ordens des Hl. Johannes vom Spital zu Jerusalem“, kurz „Johanniterorden“ genannt, in Adenau begann.

Als Graf Ulrich von Are im Jahr 1162 aus seinem Anwesen in Adenau auf die Nürburg umzog, schenkte er diesen Hof dem Johanniterorden, der dort seine erste linksrheinische Niederlassung auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik gründete.

Graf Ulrich von Are übergab dem Orden, den er vermutlich während des 2. Kreuzzuges kennengelernt hatte, nicht nur seinen Hof, sondern erlaubte den Mitgliedern des Ordenshauses auch die Jagd- und Fischereirechte in seinem Hoheitsgebiet auszuüben.

Sein Sohn Gerhard von Are fügte der Stiftung im Jahre 1216 noch weiteren Besitz hinzu.

Pfarrrechte gehen an die Johanniter

1224 kam es zu der bedeutenden Übertragung der Pfarrechte und damit auch der Eigenkirche St. Johannes der Täufer und der Pfarrei Kirmutscheid an den Orden in Adenau.

Seither stellte der Johanniterorden auch die Priester in Adenau. Das Ordenshaus hingegen diente als Herberge für Pilger und als Hospital. Hierauf weist die Bezeichnung „Xenodochium sancti Johannis Jerosolimitani“ in einer Schenkungsurkunde des Kölner Erzbischofs hin. Das Hospital wurde Ende des 13. Jahrhunderts von neun Ordensrittern geleitet.

In den folgenden 200 Jahren kam es zu einer ständigen Erweiterung des Besitzes in Adenau durch zahlreiche Schenkungen weltlicher und kirchlicher Herren. Zu den Jagdrechten und dem landwirtschaftlichen Besitz traten Weinberge in der Umgebung, z.B. in Waden­heim/Ahr und Poltersdorf/Mosel, Waldbesitz, Fischereigewässer sowie zahlreiche Häuser hinzu.

Ansicht der Komturei Adenau, 2003

Auch wurden die Kommende und die Kirche in Adenau ständig erweitert. Der älteste uns bekannte Visitationsbericht aus den Archiven der National
Library in Valetta/Malta aus dem Jahre 1495 sagt über die Kommende aus: „Das Ordenshaus war sehr geräumig. Trotz seines Alters waren keine Mängel festzustellen.“

Im Jahre 1518 wurde die Niederlassung in Adenau der Kommende Trier inkorporiert. Dies geschah wohl aus dem Grund, weil ansonsten die Existenz der Trierer Niederlassung hätte in Frage gestellt werden müssen. Walter G. Rödel schreibt hierzu: „Die Trierer Komturei konnte sich in wirtschaftlicher Hinsicht ohne die Einkünfte aus Adenau nicht halten“.

Malta wird neuer Hauptsitz des Ordens

Das Jahr 1530 brachte für den Johanniterorden weltweit eine neue Situation. Nach dem Verlust von Rhodos (1522) und einer achtjährigen Irrfahrt im Mittelmeer, siedelte sich der Orden, von jetzt an „Malteserorden“ genannt, 1530 in Malta an, um von dort aus 268 Jahre lang alle wichtigen politischen Entscheidungen in Westeuropa mitzugestalten. Als strategischer Stützpunkt im Mittelmeer müssen zum Schutz vor der drohenden Islamisierung die byzantinischen und arabischen Festungen ausgebaut und die natürlichen Häfen Maltas besser gesichert werden. Die finanziellen Mittel hierzu werden aus den Niederlassungen in acht europäischen Ländern gezogen. Zur vernünftigen Kalkulation der Bauvorhaben in Malta ist daher eine Bestandsaufnahme des Vermögens aller Niederlassungen notwendig.

Nach dem Archiv in Valetta/Malta erfolgt 1541 eine erste Visitation in Adenau durch eine
Gesandtschaft aus Malta, die einen Bestand von 4 Pferden, 19 Kühen, 300 Schweinen sowie 350 Zentner Roggen und 560 Zentner Hafer feststellte. Diese Jahreseinkünfte an Getreide gewinnen an Bedeutung, wenn man weiß, dass die klimatischen Verhältnisse für den Roggenanbau in der Region um Adenau alles andere als günstig sind.

In einem Lagerbuch aus dem Jahre 1657, das zur Vorbereitung einer weiteren Visitation angelegt wurde, wird der Komtur zu Trier und Adenau und Receptor von Niederdeutschland, Heinrich Moritz von Wolfstramsdorf, ausdrücklich als Ritter in Malta bezeichnet. Dieses Lagerbuch gibt auch eine genaue Beschreibung des Komturei-Geländes in Adenau wieder. Demnach besteht die Kommende zu dieser Zeit aus drei Gebäuden, die zusammen mit einer Mauer einen Hof umschließen. Dazu gehören die St. Johannes Kirche mit Friedhof und einem großen Baumgarten, ein Brunnen, Scheunen für das Vieh und ein Fischereigewässer.

Asyl in Adenau

Eine Besonderheit stellt das Asylrecht dar, das der Orden in seinen Niederlassungen gewähren konnte.

Im Hauptgebäude der Komturei wurde Asyl für sechs Wochen und drei Tage gewährt, das jeweils um die gleiche Zeitspanne bis zum nächs­ten Gerichtstag (der Montag nach dem Fest der Hl. Dreikönige) verlängert werden konnte. Über das Asylrecht entschieden der Komtur und der Ordens-Schultheiß. Nach welchen Kriterien verfahren wurde, ist nicht bekannt, es waren jedoch Personen vom Asylrecht ausgeschlossen, die den Orden direkt oder indirekt geschädigt hatten.

Eine weitere direkte Verbindung zwischen der Niederlassung des Ordens in Adenau und dem Hauptsitz des Ordens in Malta knüpft ein berühmter Sohn des Ordens, nämlich Heinrich Ludger von Galen zu Assen, der bereits als Achtjähriger in den Orden aufgenommen wurde. Heinrich Ludger von Galen lebte in Malta, war einer der Befehlshaber der Galeerenflotte im ständigen Krieg gegen die Türken, Kommandeur der Maltesischen Miliz, großer Bailiff in den Jahren 1709 und 1711, und Verwalter der Kommenden Trier, Mainz, Breisach und Ade­nau. Im Jahre 1717 kommt er bei einem tragischen Unfall mit einer Pferdekutsche in Malta ums Leben und findet sein Grab in der Kapelle der deutschen Zunge, in der „St. John’s Co Chathedral“ in Valetta.

Der maltesische Autor Michael Galea widmet ihm ein Kapitel in seinem Buch „German Knigths of Malta“. Bis heute sind uns zwei Zeugnisse seines Wirkens erhalten geblieben: Er ließ die Pfarrkirche in Kirmutscheid, einem kleinen Ort nahe Adenau, renovieren und dort ebenfalls ein neues Pfarrhaus erbauen, das bis heute sein Wappen trägt.

Wappenstein über dem Eingang der Komturei Adenau, 2003

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Komturei dann unter Wilhelm von Vehlen umgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das Wappen über den Eingang des heutigen Gebäudes. Darüber hinaus schenkte er dem Orden ein Reliquiar mit Zahn und Haar Johannes des Täufers. Als letzter Komtur erscheint in den Jahren 1781 bis 1794 Karolus Eusebius Truchseß von Rheinfelden.

Das Ende der Ordensritter in Adenau

Ende des 18. Jahrhunderts ereilt den Malteserorden in Adenau das gleiche Schicksal wie die Ritter in Malta. Während Ferdinand von Hompesch im Jahre 1798 Malta an Napoleon übergeben muss, wird die Niederlassung in Adenau 1794 nach dem Einmarsch französischer Revolutionstruppen aufgegeben.

Von allen Gebäuden bleibt nur das Hauptgebäude der Kommende erhalten, das bis zum Jahr 1975 als Gendarmeriegebäude, Forstamt und Pfarrheim genutzt wird.

1975 erinnert man sich dann an die Verdienste des Malteserordens um die Entwicklung der Stadt Adenau und gibt der Kommende durch eine grundlegende Restaurierung ihr heutiges Gesicht. Katholische Kirche, Evangelische Kirche und die Stadt Adenau tragen gemeinsam die finanzielle Last und geben dem Gebäude das Aussehen des Jahres 1743 zurück. Die Komturei ist heute Herberge, Kommunikationszentrum für Jung und Alt und Adenaus „gute Stube“.

Neben diesem Haus erinnern weitere Relikte an die Bedeutung des Ordens für Adenau:

– die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

– das Johanniterwappen an zahlreichen Häusern

– Straßen- und Gebäudenamen, aber auch

– das Johanniter- und Maltesermuseum Ade­nau sowie

– die Erbauung der Ev. Erlöserkirche aus dem Jahr 1913.

Nach der Neustrukturierung des Ordens um 1850 in den katholischen Zweig der Malteser und den evangelischen Zweig der Johanniter, baute man mit dem bekannten Architekten Franz Schwechten, Berlin, diese Erlöserkirche mit Untersützung und Wohlwollen u.a. des Johanniterordens.

Bedeutung des Ordens für die Stadt Adenau

Der Amtssitz und die Bedeutung der Johanniter-Kommende haben Adenau bereits im Mittelalter als Stadt aus der gesamten Eifel-Region herausgehoben.

Als Sitz einer Johanniter- und Malteserkommende hatte Adenau im weltweiten Verbund des Ritterordens, der dem Papst direkt untersteht, einen Vorzug und Schutz , der damals viel mehr bedeutete, als durch staatliche Macht vergebene Stadtrechte und der die Befugnisse freier Reichsstädte übertraf.

Ohne die Johanniter und Malteser wäre die Entwicklung Adenaus bis heute undenkbar und unverständlich, auch in Bezug auf die Verfassung, die Adenau bereits in den Urkunden des 17. Jahrhunderts als „Freiheit“ des adeligen und souveränen Malteserordens bezeichneten.

Auf der Grundlage der mehr als achthundertjährigen Geschichte des Johanniter- und Malteserordens knüpfte die Stadt Adenau im Jahr 1987 erste Kontakte zur Insel Malta, die damals noch zentral regiert war. 1989 gestalteten 123 Adenauer, unter ihnen das „Blasorchester Stadt Adenau“, das „Fanfarencorps Adenau“ und die „Pfadfinderschaft St. Georg“, gemeinsam mit der Deutschen Botschaft die Feiern zum 40-jährigen Bestehen der Bundesrepublik Deutschland auf der Mittelmeerinsel.

Nachdem auch die 1991 neu gegründete „Deutsch-Maltesische Gesellschaft“ ihren Sitz in Adenau einrichtete, wurde in den folgenden Jahren Kultur- und Jugendaustausch groß geschrieben.

Gründung der
Städtepartnerschaft Adenau/Mellieha (Malta) in Adenau: Die Bürgermeister Joe Borg und Bernd Schiffarth unterzeichnen die
Urkunde.

Die 1996 gegründete Städtepartnerschaft Mellieha / Adenau, die bis heute durch eine sehr lebendiges Miteinander gepflegt wird, war daher nur der folgerichtige Schritt in einer langjährigen Zusammenarbeit mit der Mittelmeerinsel Malta, die im Mai 2004 neues Mitglied der Europäischen Union sein wird.

Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie auf der Grundlage gemeinsamer Geschichte und Vergangenheit die Zukunft Europas und das Zusammenleben der Menschen zweier Länder positiv gestaltet werden kann.

Quellenangaben:

  • Walter G. Rödel, Die Johanniter in Adenau, aus 1000-Jahre-Adenau
  • Maria Lehmann, gesammelte Beiträge zur Geschichte von Adenau