Fritz Rübbert (1915 – 1975) – ein Kunstmaler in seiner Wahlheimat Kripp

Mit dem Rheinort Kripp, der 2005 sein 300-jähriges Bestehen feiern konnte, verbinden die meisten nur die Durchgangsstraße zur Rheinfähre, den Wasserturm als Wahrzeichen, die Ahrmündung, die Lederfabrik, frühere Ziegeleien, Erdbeerplantagen, eine kurze Heilbadgeschichte.

Kulturelle Besonderheiten des im Vergleich zu seinen Nachbarorten noch jungen Stadtteils von Remagen werden leicht übersehen. So zumeist auch die ehemalige alte Barockkapelle an der Straße zum Rhein. Das Gebäude wurde von 1768 – 1772 errichtet und diente nach dem Bau der heutigen Kirche ab 1910 als Vereinssaal. 1965 erwarben der Maler Fritz Rübbert und seine Frau den ehemaligen Sakralbau und bauten ihn zu einem Wohnhaus und Atelier der besonderen Art mit einer ganz persönlichen Note um. Dadurch wurde der barocke Kapellenbau, heute Haus Quellstraße 34, vor dem Abriss bewahrt.

In der alten Kripper Kapelle aus dem 18. Jahrhundert richtete sich Fritz Rübbert Wohnung und Atelier ein.

Wer war nun dieser Künstler Fritz Rübbert, der hier von 1965 bis zu seinem Tod im Jahre 1975 lebte, der in der ehemaligen DDR und dann auch im Westen als Maler bekannt war und heute wiederentdeckt wird.

Lebenslauf und Werdegang

Als Sohn eines Dresdener Fabrikanten wurde Fritz Rübbert 1915 in Köln geboren. Nach dem Abitur studierte er 1933 Architektur an der Technischen Hochschule in Dresden, widmete sich aber auch seiner eigentlichen Leidenschaft der Malerei, u. a. als Privatschüler des renommierten Malers Otto Dix. Die Zeitverhältnisse während der Zeit des Nationalsozialismus verhinderten jedoch eine weitere künstlerische Entwicklung. Ab 1936 leistete Fritz Rübbert Dienst im Reichsarbeitsdienst und wurde anschließend Soldat. Während des Krieges heiratete er 1943 Jeanette Gittner, die beim Landessender Sachsen-Anhalt im Hörspielbereich und später dann als Redakteurin tätig war. 1945 wurde der Sohn Sebastian geboren.

Selbstporträt von Fritz Rübbert (1915 – 1975)

Alle künstlerischen Arbeiten des Malers fielen im Februar 1945 den Bombenangriffen auf Dresden zum Opfer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Rübbert seine künstlerische Ausbildung in Halle/Saale systematisch fort. Besonders inspiriert wurde er in jener Zeit von Paul Cézanne und anderen französischen Künstlern der Avantgarde.

Bereits ab 1946 beteiligte sich Rübbert als freischaffender Maler an Kunstausstellungen in der Provinz Sachsen. Es folgten Ausstellungen in Sachsen-Anhalt, 1948 war er in Halle mit Werken in der „Ausstellung zeitgenössischer Kunst, Malerei – Grafik“ vertreten.

Seine damaligen Bilder sind geprägt von Detailblicken in eigenwillige Räumlichkeiten. Er malte Masken, eindrucksvolle Selbstbildnisse, Paare, Zirkus-, Straßen- und Landschaftsszenen. Schon bald zählte Rübbert zu den prominenten Malern des Landes Sachsen-Anhalt. 1951 erfolgte die Aufnahme in den „Verband Bildender Künstler im Kulturverband zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“. 

Allerdings wurde Rübbert schon bald zu den sogenannten „Formalisten“ gezählt, deren Kunstwerke nicht im Einklang mit der sozialis­tischen Kulturpolitik standen. Alle dem „Formalismus“ zugerechneten Werke wurden mit abfälliger Kritik bedacht. Rübbert gehörte unter dem SED-Regime zu den als missliebig eingestuften Künstlern. Seine Werke gerieten in das Kreuzfeuer der Kritik und wurden als „abstoßend“ diskreditiert. 1952 wurde ein von Fritz Rübbert erst ein Jahr zuvor gemaltes Wandbild an der Landesverwaltungsschule Halberstadt, das den Titel „Leben im Dorf“ trug, im Auftrage der Partei übertüncht. Gefragt waren in der DDR Bilder im Stil des sozialistischen Realismus.

Rübbert sah unter dieser ideologischen Bevormundung des SED-Regimes keine Chance für eine künstlerische Entfaltung. Das Ehepaar Rübbert entschloss sich deshalb am 2. 3.1953 zur „Republikflucht“. Über Westberlin gelangte die Familie nach Westdeutschland, wo sie sich zunächst in Bonn und dann in Köln niederließ.

Leben im Westen

Nach der Flucht aus der DDR bestritt Rübbert den Lebensunterhalt seiner Familie durch die Übernahme von Bauplastiken für „Kunst am Bau“. Es folgten Wandmalerein in größeren Formaten, aber auch Grafik-Arbeiten, Design-Gestaltungen für Messen und Ausstellungen, Bücher, Kataloge, Literatur-Illustrationen und Signets.

Die zunehmende wirtschaftliche Unabhängigkeit des Malers und der künstlerische Freiraum im Westen, die Begegnung mit moderner Kunst, Reisen nach Südeuropa, Nordafrika und Indien inspirierten den Künstler, und brachten den endgültigen Durchbruch zur Farbe. Die bisher gegenständlichen Themen wurden nebensächlicher, traten schließlich ganz zurück, wurden leichter und freier.

Wohnung und Atelier in Kripp

Dies gilt auch für die Arbeiten, die ab 1965 in seinem Atelier in Kripp entstanden sind. Rübbert schuf nun überwiegend farbenstarke Bilder, so beispielsweise ein Werk, das er „Frühling in Kripp“ nannte. Auch in anderen Werken sind Anklänge an Kripp und Umgebung zu finden. Allerdings war nach einer Selbstaussage von Rübbert „nicht das Motiv entscheidend und ausschlaggebend für die Qualität und Zeitnähe eines Kunstwerkes, sondern seine künstlerische Form und Ausdruckskraft.“1)

Blick in das Atelier von Fritz Rübbert in der ehemaligen Kripper Kapelle

In dem geliebten Kapellenatelier in Kripp malte Rübbert in seinem letzten Lebensjahrzehnt eine Fülle an Werken. Seine Arbeiten als freischaffender Künstler wurden auf vielen Kunstausstellungen in ganz Westdeutschland gezeigt.

Die produktive Auseinandersetzung mit seiner Wahlheimat am Rhein zeigt sich aber auch auf dem Gebiet der Fotografie in dem Fotoband zu Remagen aus dem Jahre 1971. Aus seinem Blickwinkel gelang dem Künstler ein originelles Porträt der Stadt Remagen.

1975 starb der Maler Fritz Rübbert im Alter von 60 Jahren in Kripp nach schwerer Krankheit. Er wurde auf dem Kripper Friedhof beigesetzt.

Viele seiner Werke befinden sich heute in Privatbesitz, aber auch in öffentlichen Sammlungen.

Gemälde „Frühling in Kripp“ von Fritz Rübbert

1998 fand eine umfangreiche Einzelausstellung an seiner früheren Wirkungsstätte in Halle/Saale statt, 2003 wurden weitere Gemälde von ihm in dieser Stadt gezeigt, wo er Anfang der 1950er Jahre als verfemter Formalist galt.

Das Werk von Fritz Rübbert gilt es noch in seiner ganzen Bandbreite zu entdecken.

Anmerkungen.

Die Ausführungen stützen sich auf die in der Literatur angeführten Ausstellungskataloge und mündliche Angaben der Witwe des Malers, Jeanette Rübbert, die in Kripp lebt.
1) Zitat des Malers Fritz Rübbert

Literatur:

  • „Fritz Rübbert, Malerei und Zeichnungen“, Ausstellungskatalog des Halleschen Kunstvereins und der Galerie Marktschlösschen zur Ausstellung vom 31. März bis 19. April 1998.
  • „Im Spannungsfeld der Moderne, 10 Maler aus Halle“, Stiftung Moritzburg, Landesmuseum Sachsen-Anhalt, S. 22-26, 166.
  • „Avanti – Automobile – Autonobile“, Fritz Rübbert Malerei, Jens Gussek Glasobjekte, Ausstellungskatalog Kunstverein Talstraße e. V., Halle / Saale zur Ausstellung vom 22. Januar – 29. Februar 2003, S. 1 – 9
  • „Verfemte Formalisten“, Kunst aus Halle 1945 – 1963, Kunstverein Talstraße e. V. Halle 1998, S. 32-35, 109ff.