Franken und seine Pfarrkirche St. Michael. Zur Restaurierung des Gotteshauses

Die ehemals selbstständige Gemeinde Franken des früheren Amtes Sinzig wurde durch Beschlüsse des Gemeinderates Franken vom06.12.1968, des Stadtrates von Sinzig vom20.12.1968 und der Vertretung des Amtes Sinzig vom 20.01.1969 im Zuge der kommunalen Gebietsreform des Jahres 1969 – wie auch Löhndorf, Koisdorf und Westum sowie das von der Stadt Remagen hinzugekommene Bad Bodendorf – Teil der Stadt Sinzig.1) Dabei ging der alte Amtsbezirk Sinzig in der vergrößerten Stadtgemeinde auf, sodass es fortan nur mehr die kommunale Gebietskörperschaft Stadt Sinzig gab. Wie die anderen Stadtteile, so ist auch Franken hinsichtlich seiner Infrastruktur nach Sinzig hin orientiert. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der Verkehrsorientierung, der Arbeitsplätze, der Schulanbindung, der Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen. Gastronomie gibt es nicht mehr in Franken. Allein ein Bäckerladen mit Lebensmittelangebot besteht noch am Ort sowie ein eingruppiger kommunaler Kindergarten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der kleinste Stadtteil Sinzigs mit seinen 503 Einwohnern und 266 Haushalten (zum Vergleich: Sinzig mit allen Stadtteilen: 17.983 Einwohner und 9.880 Haushalte/jeweils Stand vom 31.12.2005)2) nichts zu bieten hätte. Franken hat – wie die anderen Außenbezirke Sinzigs – seine örtliche Identität gewahrt und durch sein Neubaugebiet in den letzten Jahren sehr an Wohnattraktivität gewonnen. Die weithin noch intakte Dorfgemeinschaft engagiert sich in den 6 Vereinen bzw. Gremien vor Ort3)- und zwar in der Freiwilligen Feuerwehr, im Junggesellenverein, im Sportverein, im Verschönerungsverein, im Verein Kinder von Tschernobyl, bei den St. Sebastianus-Schützen und in der Katholischen Kirchengemeinde St. Michael Franken. Letzterergehören 425 Einwohner an, weitere 35 sind Mitglieder der evangelischen Kirche4). Das kirchliche Leben wird von einem Kern aktiver Christen getragen.

Renovierung – Restaurierung

Am Sonntag, 11.07.2004, stand in Franken das Pfarrfest ganz im Zeichen der bevorstehenden Renovierung der Kirche St. Michael. So enthielt auch schon die Vorankündigung in der Presse den Hinweis, dass der Erlös des Festes

Ansicht der Frankener Kirche St. Michael,2006

„der Renovierung der Pfarrkirche St. Michael zugute [komme].“5) Außerdem werde nach der heiligen Messe in der Kirche erläutert, welche Renovierungsmaßnahmen im Einzelnen durchgeführt würden.6) 

Mitte Oktober 2004 war es dann soweit. Die Arbeiten begannen. „Die Renovierung war dringend notwendig geworden, weil Wände und Decken und […] Altäre sich als sehr verschmutzt erwiesen. Allein aus Versicherungsgründen musste die Elektroinstallation und Beleuchtung dringend erneuert werden. Ebenso sollte das provisorische Podest unter dem Altar in der Mitte des Gotteshauses durch einen würdigen Naturstein ersetzt werden. […] [Gleichzeitig sollten] die Sakristei und der Bereich hinter dem [Hoch-]Altar sowie die Empore restauriert und die Orgel generalgereinigt und instand gesetzt werden.“7)

Bei der Entfernung der Dispersionsfarbe von den mit den Jahren stark nachgedunkelten Wänden des Kircheninneren zeigte sich, dass darunter noch die alte, neubarocke Ausmalung aus dem Jahre 1922 vorhanden war. „Der Raum war demnach farbig und freundlich gestaltet und die [bis dahin nur mehr isoliert stehenden] Bilder an der Decke umrahmt.“8) Mitdieser neuen Entdeckung erhob sich die Frage, wie bei der Innenausgestaltung der Kirche weiter zu verfahren sei. Denn statt der geplanten Renovierung stand nun unversehens eine Restaurierung im Raum. Der Pfarrverwaltungsrat nahm sich der Frage an und gemeinsam mit dem Bistumskonservator in Trier kam man schließlich überein, den alten Zustand von1922 wiederherzustellen. Damit aber war der ursprüngliche Zeitplan nicht mehr einzuhalten und so konstatierte die Rhein-Zeitung in ihrer Heiligabend-Ausgabe 2004: „So wird die Renovierung, die ohnehin bis Weihnachten nicht fertig geworden wäre, noch eine Zeit dauern.“9)

Gesamtkosten und Finanzierung

Durch Verzicht auf die Beauftragung eines Architekten konnten die Gesamtkosten der Renovierung von ca. 68.000 €auf ca. 58.000 € gedrückt werden. Von dieser Summe übernimmt das Bistum Trier als Zuschuss 40%, 60 % verbleiben als Eigenanteil bei der Pfarrgemeinde – also etwa 34.800 €. Hier brachte sich die Pfarrgemeinde Franken, die seit 1972 als Filiale von St. Peter in Sinzig aus mitverwaltet wird und derzeit von Pastor Gerhard Hensel, Pfarrer i. R. Hans Buschmann und Vikar Thomas Lauerseelsorgerisch betreut wird, mit großem Engagement ein: So konnten die Frauen des Pfarrgemeinderates unter Leitung von Frau Cornelia Bley durch eine Haussammlung in Franken den stolzen Betrag10) von 6.000 €zusammenbringen11) Der überaus rege Pfarrverwaltungsrat unter dem Vorsitz von Herrn Reinhard Koch- seine Ehefrau Christa Koch leitet die Katholische Öffentliche Pfarrbücherei (KÖB) St. Michael mit rund 1.200 Büchern und Medien12) – sorgte dafür, dass alle Bezuschussungsmöglichkeiten genutzt sowie in enger Abstimmung mit Diözesankonservator Dr. Busse und Restaurator und Kirchenmaler Daniel Günter aus Geisenheim die Arbeiten zügig in Angriff genommen und fertig gestellt wurden.

Restaurierungsarbeiten

Während die Firmen Bembe aus Bonn und Ruland aus Koblenz (Fensterfaschen) gegen Rechnung ihre Arbeiten in der Pfarrkirche Frankenvornahmen, beteiligten sich viele Frankener bzw. ehemalige Frankener Handwerker ehrenamtlich bzw. allein um Gotteslohn an der Innenrestaurierung: Thomas Weißkirchen, Inhaber des Malerbetriebes Zuttermeister GmbH besorgte die Renovierung und die Anstricharbeiten in der Sakristei.13) Paul Ockenfels übernahm die Kürzung der Podeste sowie die Aufarbeitung des Orgelprospektes und der Seitenaltäre. Weiterer Holzteile, des Emporengeländers aus dem18. Jahrhundert14)und des Kreuzwegs von187515)(starker Holzwurmbefall) nahmen sich die Firma Mombauer, Ahrweiler, und Herr Ralf Breuer an. Im November 2005 waren die Holzarbeiten bis auf die Aufarbeitung des ehemaligen Altarkreuzes und der alten Kommunionbank abgeschlossen.16) Letztere soll gekürzt und zur Abtrennung der Taufkapelle neu genutzt werden.

Taufkapelle

Bei der heutigen Taufkapelle handelt es sichum den neben dem im Kern noch romanischen Turm um den ältesten Kirchenteil: den spätgotischen Chor.17)Nach dem Abbruch des Langhauses aus dem 12. Jahrhundert wurde der Chor zur Sakristei umgewidmet. Das Gewölbe zeigt Darstellungen der 4 Evangelisten sowie Fresken der hl. Katharina und der Krönung Ma-riens18), die allerdings schon stark verblasst sind und ohne rasches restauratorisches Eingreifen verloren zu gehen drohen. Der Basalt-Taufstein mit seinem sechseckig gebrochenen Rand selbst ist romanisch19), ruht auf 4 Säulen20), trägt keineInschrift und wurde 1957 wiederentdeckt,nachdem er seit 1830 vergraben war.21)

Kirchenbau

„Die heutige Kirche ist ein verputzter Bruchsteinbau; das Langschiff nördlich an den Turm angeschlossen ist einschiffig und hat [eine] flache Holzdecke.“22) Beim Neubau durch die Stifterfamilie der Grafen von Hillesheim wurde 1748 die zuvor schon sehr baufällige Vorgängerkirche ersetzt.23)Zugleich gab man die bisherige Ostausrichtung der Kirche auf: Aus dem einstigen Westturm wurde so ein Turm der Südfassade.

„Der Hochaltar aus dem Jahre 1758 trägt ein Ölbild, die hl. Familie darstellend mit Stifterehewappen derer v. Hillesheim und v. Hertzfeld. Die beiden Seitenaltäre waren 1743 dem hl. Joseph und der Muttergottes geweiht, jetzt der Muttergottes und dem hl. Kreuz.“24) „Ein vierter,1829 erwähnter Altar ist nicht mehr vorhanden.“25) Er war dem hl. Nikolaus geweiht. 

Von 1968 bis 2004 war das Altarkreuz in den Hauptaltar des hl. Michael integriert; seit der aktuellen Restaurierung trägt er wieder das restaurierte Ölbild der hl. Familie aus dem Jahre 1758.

Orgel und Geläute 

„1874 besorgte Stockhausen in Linz die erste Orgel, 7 Register, die 1875 um eins vermehrt wurden.“26) Die Orgel wurde 2004 generalgereinigt und instand gesetzt. Vom ursprünglichen Geläute (3 Glocken aus den Jahren 1461, 1714und 1721), das 1829 noch vorhanden war27), hat sich nur die älteste Marienglocke von 1461bis auf den heutigen Tag erhalten. Sie trägt die„Inschrift in gotischer Minuskel: MARIA HEICSEN ICH, IN GODES EREN LVDEN ICH, ANNOMIL(L)ESIMO KADRIGENTO M CCCC VND LXI; Durchmesser 83 cm; auf der Glocke ein Relief des Corpus Christi, 8 cm hoch.“28) Die beiden anderen fielen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer und teilten somit das Los ihrer Nachfolger, die im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurden. Erst 1968 konnte das Geläute wieder durch zwei neue Glocken komplettiert werden, die seitdem mit der Marienglocke über ein elektrisches Läutewerk betätigt werden. 

Taufkapelle mit romanischem Taufbecken in der Frankener Kirche St. Michael, 2006

Wenn die St. Michaels-Pfarrkirche von Franken sich seit 2004 mit Ausnahme der Taufkapelle wieder in einer geschlossenen, quasi barocken Farbgebung präsentiert, so wurde damit der Zustand von 1922 wiederhergestellt. Denn die Renovierung von 1968 hatte nur mehr die beiden großen Deckenbilder sichtbar gelassen -und auch diese nur ohne die zugehörige Umrahmung.

Blick in den Altarraum der Frankener Kirche, St. Michael, 2006

„Während der Renovierungszeit fand der Gottesdienst im Pfarrheim der Gemeinde statt „29), das im Jahre 2003 ebenfalls renoviert und erweitert (Mehrzweckraum von ca. 90 m3Größe/Kosten von rund 160.000 €)30) wurde. Sein historischer Kern, das alte Pfarrhaus,„wurde 1733 auf Kosten des Grafen v. Hillesheim erbaut, 1748 gab er dem Pfarrer (wohljährlich) 2 Malter Frucht zur Reparatur.“31) Nach Abschluss der Innenrenovierung unter Einschluss der kompletten Erneuerung der Elektroinstallation bis hin zu neuen Lampen konnte erstmals am 06.03.2005 wieder Gottesdienst in der St. Michael-Pfarrkiche Frankengefeiert werden. Auf der Frankener Kirmes Anfang Oktober 2005 wurde – nach 47 Dienstjahren – das Küster-Ehepaar Nelly und Ewald Breuer, das dem Verfasser bei seinen Recherchen wertvolle Hilfe geleistet hat von Pfarrer Gerhard Hensel offiziell in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.32) Seitdem hat Frau Dorothea Bley als Nachfolgerin den Küsterdienst und somit die weitere Betreuung der St.Michael-Pfarrkirche, des restaurierten Kleinods von Franken, übernommen.

Anmerkungen:

  1. Vgl.: Holstein, Heinrich, Die „neue“ Stadt Sinzig, in: Haffke,Jürgen/Koll,Bernhard, Sinzig und seine Stadtteile- gestern und heute, hgg. im Auftrag der Stadt Sinzig, Sinzig 1983, S. 654-665 
  2. Nach: Stadtverwaltung Sinzig- Ordnungsamt (Hg.), Gemeindestatistikder Stadt Sinzig/Stand: 31.12.2005: Einwohner und Haushalte
  3. Somit stellt der Stadtteil Franken 6 von 126 Vereinen, Initiativen und Zusammenschlüssen nach dem im Dezember 2005 gültigen Vereinsregister der Stadt Sinzig
  4. Nach: Stadtverwaltung Sinzig, Gemeindestatistik 31.12.2005: Aufgliederung nach Religionen
  5. N.N., Pfarrfest St. Michael, a.a.0.
  6. Vgl.: N.N., Pfarrfest St. Michael, a.a.0. 
  7. N.N., St. Michaelin Franken ist restauriert – Das Innere der Pfarrkirche erstrahlt in bunten Farben, in: Sinzig im Blickpunkt vom02.03.2005
  8. jus, Buntes von 1922 – Alte Farbe entdeckt, in: Rhein-Zeitung vom24.12.2004 
  9. jus, Alte Farbe entdeckt, a.a.0.
  10. Vgl.: N.N., St. Michael restauriert, a.a.0.
  11. Vgl.: jus, Alte Farbe entdeckt, a.a.0.
  12. Nach: Koch, Reinhard, e-Mail vom 13.11.2005, 18.46 Uhr
  13. Nach: Koch, Reinhard, e-Mail vom 13.11.2005, 17.21 Uhr
  14. Vgl.: Gerhardt,Joachim/Neu,Heinrich/Renard,Edmund/Verbeek, Albert, Die Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler, 1. Halbband: Adenau – Kesseling (= Clemen, Paul (Hg.), Die Kunstdenkmäler der Rhein-provinz, Bd. 17, 1. Abteilung), Düsseldorf 1938, Nachdruck Düsseldorf 1984; S. 247 
  15. Vgl.: Schug, Ahrgaudekanat, S. 145
  16. Nach: Bley,Cornelia, Mündliche Auskünfte beim Ortstermin am13.11.2005 in der Pfarrkirche Franken
  17. Vgl.: de Lorenzi, Philipp, Beiträge zu Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diözese Trier, Band 2: Regierungsbezirk Coblenz, S. 387
  18. Freistedt,Mario, Franken im Spiegel der Zeiten, in: Haffke, Jürgen/Koll, Bernhard (Hgg.), Sinzig und seine Stadtteile – gestern und heute, hgg. im Auftrag der Stadt Sinzig, Sinzig 1983, S. 490
  19. Vgl.: Schug, Peter, Geschichte der zum ehemaligen kölnischen Ahrgaudekanat gehörenden Pfarreien der Dekanate Adenau, Ahrweiler und Remagen, Trier 1952, S. 145
  20. Vgl.: Gerhardt/Neu/Renard/Verbeek, Kunstdenkmäler, S. 247
  21. Vgl.: Freistedt, Franken im Spiegel der Zeiten, a.a.O., S. 490 
  22. Schug, Ahrgaudekanat, S. 144
  23. Vgl.: de Lorenzi, Pfarreien 2, S. 387
  24. Schug, Ahrgaudekanat, S. 145, vgl. auch: Freistedt, Franken im Spiegel der Zeiten, a.a.O., S. 490
  25. Gerhardt/Neu/Renard/Verbeek, Kunstdenkmäler, S. 247 
  26. Schug, Ahrgaudekanat, S. 145
  27. Vgl.: Gerhardt/Neu/Renard/Verbeek, Kunstdenkmäler, S. 248
  28. Gerhardt/Neu/Renard/Verbeek, Kunstdenkmäler, S. 248 
  29. St. Michael restauriert, a.a.0.
  30. Büchel, Johannes, Neue Räume für die Bürger – Pfarrheim in Franken erhält neuen Anbau, in: Sinziger Zeitung vom 06.02.2003
  31. Schug, Ahrgaudekanat, S. 145
  32. Vgl.: Büchel,Johannes, Abschied für Ehepaar Breuer- 47 Jahre Küsterdienst in Sankt Michael in Franken, in: Sinziger Zeitung